Amoklauf von Winnenden Trauer ist keine PrivatsacheSeite 2/2

Um den Schülern den Weg in die Normalität zu ermöglichen, sitzen ein paar Container von der Schulleiterin entfernt Psychologen und Trauma-Experten in ihren Büros. Hierhin können die Schüler jederzeit kommen. Einige haben noch immer Schlafprobleme oder zucken bei jedem unbekannten Geräusch zusammen. Über 50 Schüler sind noch in regelmäßiger Therapie. Zwei Lehrer sind nicht in der Lage, an ihren Arbeitsplatz zurückzukommen.

Nachdem im vergangenen Jahr jede Träne dokumentiert und jede Trauerkerze abgefilmt wurde, sollen die Albertville-Realschüler zum Jahrestag am 11. März endlich in Ruhe zurück- und nach vorn blicken. Der Bereich um die Schule wird weiträumig abgesperrt sein. »Manche Schüler haben eine regelrecht aggressive Haltung gegenüber Medien aufgebaut, andere berichten von Albträumen, in denen ohne Pause die Fotoapparate klicken«, sagt Psychologe Thomas Weber, der die Nachsorge koordiniert. Einige Angehörige der Opfer haben seit dem 11. März keine Zeitung mehr aufgeschlagen und keine Fernsehnachrichten mehr angesehen. Den Journalisten, die in einer Woche wieder nach Winnenden kommen, wird man Flugblätter mit einem Verhaltenskodex in die Hand drücken – »damit schwarz auf weiß feststeht, welche Regeln in dieser Stadt gelten«, sagt Weber. Die »Stellungnahme der Psychologischen Nachsorge« liest sich wie das Einmaleins des menschlichen Miteinanders: Zeigen Sie Respekt, und bedrängen Sie trauernde Menschen nicht. Belagern Sie keine Häuser und Schulen. »Wir verstehen uns in dieser Situation auch als Beschützer«, sagt Weber.

»Die Sportschützen sind in Besitz eines Tötungsinstruments«

In den letzten Wochen, da der Jahrestag näher rückt, arbeitet Hardy Schober, der Vater der verstorbenen Jana, nun bis zu 16 Stunden am Tag. Er reist zu Vorträgen und gibt täglich mehrere Interviews. Viel belastender als die Öffentlichkeitsarbeit sind für Hardy Schober jedoch die ständigen Diskussionen mit einigen Sportschützen. »Sie sind schließlich in Besitz eines Tötungsinstruments«, sagt Schober und rechnet vor: »Es gibt drei Millionen Waffenbesitzer in Deutschland mit angeblich 15 Millionen Waffen.« Hoch dekorierte Schützen sollen ihm versichert haben, dass jeder dritte Waffenbesitzer eine illegale Waffe besitze, die entweder nicht registriert oder in Deutschland nicht zugelassen sei.

Hannelore Lange, die württembergische Landesoberschützenmeisterin, bekommt solche Zahlen immer wieder zu hören. Sie weist dann vorsichtig darauf hin, dass die Zahlen nicht belegt und ihrer Meinung nach unrealistisch seien. Die 58-Jährige hat ihr Amt kurz nach dem Amoklauf angetreten. Seitdem hat sie ständig an die Mitglieder des Verbandes appelliert, auf die sichere Aufbewahrung der Sportgeräte zu achten. Sie will aber auch ihre Vereinskameraden schützen, die nach jedem Amoklauf unter Generalverdacht gestellt würden. »Viele junge Schützen wurden beschimpft, regelrecht diskriminiert, man legte ihnen nahe, zum Psychiater zu gehen«, sagt Hannelore Lange. Schon kurz nach dem Amoklauf hatte der Württembergische Schützenverband den Kontakt zum Aktionsbündnis aufgenommen, wollte sich sogar in der Stiftung Gegen Gewalt an Schulen engagieren. Doch eines der Stiftungsziele, ein Verbot von großkalibrigen Waffen, konnte der Verband nicht mittragen – denn überall auf der Welt gehen die Schützen ihrem Sport auch mit großkalibrigen Waffen nach, von dieser Wettbewerbsdisziplin wären deutsche Sportler dann ausgeschlossen. Solche Argumente lässt Hardy Schober nicht gelten: »Die Befindlichkeiten der Sportler, die doch nur ihrem Hobby nachgehen, dürfen nicht über die öffentliche Sicherheit gestellt werden.« 

Seitdem der Bundestag im Sommer 2009 ein verschärftes Waffenrecht verabschiedet hat, kann das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises, in dem Winnenden liegt, unangekündigte Kontrollen durchführen. Zunächst wurden alle Waffenbesitzer aufgefordert, offenzulegen, wie sie ihre Waffen aufbewahren. 58 Leute sollten daraufhin kontrolliert werden, 23 trafen die Inspektoren an – und 15-mal stellten sie Verstöße fest. Waffen waren nicht mehr vorhanden, weil sie bei Umzügen angeblich »weggekommen« waren. Einige Besitzer hatten ihre Waffen offen gelagert, andere hatten sie nicht ausreichend gesichert.

Für die Zeit nach dem Jahrestag hat sich Hardy Schober vorgenommen, ein wenig kürzerzutreten: »Wenn meine Frau sagt, dass ich heute daheimbleiben soll, dann tue ich das«, sagt Hardy Schober. »Sie erinnert mich daran, dass ich auch noch ein anderes Leben habe.« Nicht immer schaffen es die Familien, nach dem gewaltsamen Verlust der Kinder zusammenzuhalten. Die Eltern einer getöteten Schülerin haben sich inzwischen getrennt.

Die meisten Hinterbliebenen versuchen, wieder in ihren Berufen zu arbeiten. Hardy Schober kann das nicht, er will nicht vergessen. Normalität ist ein Begriff, den er aus seinem Wortschatz gestrichen hat. Aber er weiß, dass er sich mehr Zeit für die Familie nehmen muss. »Meine jüngere Tochter hat sich beschwert, dass ich gar keine Zeit mehr für sie habe«, sagt Schober. Und sie könne schließlich am wenigsten dafür, dass sie ihre Schwester verloren hat.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Webseite des Aktionsbündnisses ist wirklich sehr aufschlussreich: http://www.google.de/#hl=... site:stiftung-gegen-gewalt-an-schulen.de&btnG=Google-Suche&meta=&aq=f&oq=mobbing site:stiftung-gegen-gewalt-an-schulen.de

    Das Wort "Mobbing" kommt auf deren Webseite kein einziges Mal vor. Ich habe nicht wirklich das Gefühl, dass denen sehr viel an der Aufklärung liegt.

  2. Wenn ein Jugendlicher seinen erweiterten Selbstmord (denn darum handelt es sich hier, NICHT um einen Amoklauf) in einer Schule durchführt (wohl der soziale Bereich, dem er die Schuld für sein Elend gab) dann gibt es Mediengeraune und Politikerauftritte, das es eine Pracht ist.

    Begeht ein verzweifelter Familienvater erweiterten Selbstmord und nimmt Frau, Kinder und vielleicht noch ein-zwei zufällig Anwesende mit, dann wird das zwar als schreckliches Drama angesehen, die Motivation des Täters löst aber keine jahrelangen Diskussionen aus.

    Beide Szenarios sind im wesentlichen gleich, bloss scheint man als Politiker/TV-Sender/Zeitung oder was auch immer aus dem ersten Fall mehr Mehrwert herausholen können.

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    Das es sich tatsächlich nicht um das Bemühen der Sachverhaltsaufklärung handelt, zeigt durchaus die Vehemenz mit der vom Aktionsbündnis und BDK sach- und wahrheitswidrig gegen die vermeintlich besonders bösen GK-Waffen agitiert wird.

    Erstens kann der Gesetzgeber auch mit Sanktionen nur begrenzt wirken:

    http://www.fr-online.de/f...

    Zweitens wird auch entgegen der, eigentlich vorhandenen Fachkenntnis, unsachlich eine "Kaliberdiskussion" geführt die gar nichts erklärt, eher die Opfer durch Instrumentalisierung verhöhnt. Was solches Verhalten bewirken soll erschließt sich nicht.

    Bevor nun wieder die Apologeten der Betroffenheit wirken, noch mal zur Erinnerung:

    -Die terminalballistische Wirkung eines Geschosses ist nicht primär vom Durchmesser abhängig; dazu sei noch an die Vielzahl der erforderlichen Schüsse im Fall T. Eisenberg erinnert. Letztlich kommt es auf Trefferlage und Energietransfer an; die Fachliteratur dazu ist eigentlich vorhanden.

    -Die Durchschlagsleistung eines Geschosses wird von dessen Querschnittsbelastung und Festigkeit bestimmt. Selbst die, in diesem Zusammenhang als fälschlicherweise harmloser, dargestellte Kleinkaliber-Munition durchschlägt auf die in Betracht kommenden Schussentfernungen problemlos einen Schädelknochen. Ebenfalls ist die Schusspräzision erheblich höher als bei GK-Munition.

    Karl Müller

    Das es sich tatsächlich nicht um das Bemühen der Sachverhaltsaufklärung handelt, zeigt durchaus die Vehemenz mit der vom Aktionsbündnis und BDK sach- und wahrheitswidrig gegen die vermeintlich besonders bösen GK-Waffen agitiert wird.

    Erstens kann der Gesetzgeber auch mit Sanktionen nur begrenzt wirken:

    http://www.fr-online.de/f...

    Zweitens wird auch entgegen der, eigentlich vorhandenen Fachkenntnis, unsachlich eine "Kaliberdiskussion" geführt die gar nichts erklärt, eher die Opfer durch Instrumentalisierung verhöhnt. Was solches Verhalten bewirken soll erschließt sich nicht.

    Bevor nun wieder die Apologeten der Betroffenheit wirken, noch mal zur Erinnerung:

    -Die terminalballistische Wirkung eines Geschosses ist nicht primär vom Durchmesser abhängig; dazu sei noch an die Vielzahl der erforderlichen Schüsse im Fall T. Eisenberg erinnert. Letztlich kommt es auf Trefferlage und Energietransfer an; die Fachliteratur dazu ist eigentlich vorhanden.

    -Die Durchschlagsleistung eines Geschosses wird von dessen Querschnittsbelastung und Festigkeit bestimmt. Selbst die, in diesem Zusammenhang als fälschlicherweise harmloser, dargestellte Kleinkaliber-Munition durchschlägt auf die in Betracht kommenden Schussentfernungen problemlos einen Schädelknochen. Ebenfalls ist die Schusspräzision erheblich höher als bei GK-Munition.

    Karl Müller

    • Peter3
    • 11.03.2010 um 9:58 Uhr
  3. Zitat: "Der Alltag ist längst zurückgekehrt ... Als »Trauer-Terrorist« habe er sich neulich von einem Passanten an einem Infostand des Aktionsbündnisses beschimpfen lassen müssen, sagt Schober."

    Fragen:

    1. "Alle 15 Minuten verunglückte 2007 im Durchschnitt ein Kind im Straßenverkehr, jede Woche werden zwei Kinder getötet! Insgesamt kamen laut Statistischem Bundesamt 33.883 Kinder im Straßenverkehr in Deutschland zu Schaden"(http://www1.adac.de)

    Kein Grund zur öffentlichen Trauer?

    2. Amokähnliche Vorfälle:

    - 30.11.1999: Die Polizei nimmt in Metten (Bayern) drei Jugendliche fest
    - 16.3.2000: Realschulinternat in Brannenburg (Bayern)
    - 3.5.2002 Die Polizei in München hat drei Jugendliche festgenommen
    - 17.5.2002 Zwei junge Männer ... in Würzburg (Bayern)
    - 3.7.2003 Coburg (Bayern)
    - 6.2.2004: Ein 13-jähriger Junge aus Bayern ist von zwei Klassenkameraden so verprügelt worden ...
    - 08.7.2005 Im bayerischen Ort Creußen

    Bayern ist deutscher Spitzenreite bei PISA.

    3. Warum gibt es an manchen Schulen massive Gewaltprobleme, an aderen mit ähnlicher Schülerschaft und ähnlichem Einzugsgebiet keine?

    4. Was haben (Gewalt-)Schulen gemeinsam?

    5. Wenn Eisbären wegen des Klimawandels sterben, sind dann die Esbären schuld? Oder doch die Klimaveränderungen?

    6. Vor 1990 gab es keine Amokläufe an deutschen Schulen. Warum? Die Zeit davor nennt man "Kuschelpädagogik"? Klimaveränderungen?

    7. Wem helfen und nützen die verordneten Trauerorgien?

    • Peter3
    • 11.03.2010 um 10:09 Uhr

    Nun wurde gerade erst bekannt,daß die angebliche Ankündigung des angeblichen Täters Tim Kretschmer, welche Stunden vor der Tat vermeintlich von diesem auf der Chatplattform “Krautchan” gepostet worden sein soll, erst Stunden nach der Tat ins Internet gestellt wurde - und eine Fälschung ist. Gerade die Ermittlungsbhörden hatten hinzugeschwindelt, daß auf den Rechner Tims die angebliche Autorenschaft für diese "Ankündigung" auf "Krautchan" nachweisbar gewesen sei. Dies war aber nicht der Fall - und die Verlautbarung der Stuttgarter StA bzw. der Kripo war aus der Luft gegriffen und ABSOLUT ERLOGEN!

    • Peter3
    • 11.03.2010 um 10:09 Uhr
  4. das was da geschehen ist war grauenhaft und hoffendlich kommt so etwas nicht so schnell wieder. Im Weltgeschehen nicht mal ein Mückenstich.
    Das kommt davon Kinder in die Welt setzen und dann hilf dir sebst oder der Staat soll bezahlen. Eine weitverbreitete
    Meinung bei uns? Liebe Bevölkerung, arbeiten wir daran, dass dieses rückläufig wird.

  5. Das es sich tatsächlich nicht um das Bemühen der Sachverhaltsaufklärung handelt, zeigt durchaus die Vehemenz mit der vom Aktionsbündnis und BDK sach- und wahrheitswidrig gegen die vermeintlich besonders bösen GK-Waffen agitiert wird.

    Erstens kann der Gesetzgeber auch mit Sanktionen nur begrenzt wirken:

    http://www.fr-online.de/f...

    Zweitens wird auch entgegen der, eigentlich vorhandenen Fachkenntnis, unsachlich eine "Kaliberdiskussion" geführt die gar nichts erklärt, eher die Opfer durch Instrumentalisierung verhöhnt. Was solches Verhalten bewirken soll erschließt sich nicht.

    Bevor nun wieder die Apologeten der Betroffenheit wirken, noch mal zur Erinnerung:

    -Die terminalballistische Wirkung eines Geschosses ist nicht primär vom Durchmesser abhängig; dazu sei noch an die Vielzahl der erforderlichen Schüsse im Fall T. Eisenberg erinnert. Letztlich kommt es auf Trefferlage und Energietransfer an; die Fachliteratur dazu ist eigentlich vorhanden.

    -Die Durchschlagsleistung eines Geschosses wird von dessen Querschnittsbelastung und Festigkeit bestimmt. Selbst die, in diesem Zusammenhang als fälschlicherweise harmloser, dargestellte Kleinkaliber-Munition durchschlägt auf die in Betracht kommenden Schussentfernungen problemlos einen Schädelknochen. Ebenfalls ist die Schusspräzision erheblich höher als bei GK-Munition.

    Karl Müller

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    ...bei allen "Amokläufen" in Deutschland (und auch anderswo) wo der Täter halbautomatische Waffen mit vernünftiger Magazingrösse verwendet hat (was nunmal meistens Waffen von Kaliber 7.65 und aufwärts sind) war der Täter in der Lage eine beträchtliche Menge Menschen zu verletzen/zu töten.

    Das ist der Sinn und Zweck von Mehrladewaffen mit grossen Magazinen, den haben sie auch erfüllt.

    Leute die mit Hieb- und Schlagwaffen ausrasten haben einfach weniger Reichweite und es braucht Kraft und Geschicklichkeit.

    Die Schlussfolgerung die ich daraus für den Besitz von Feuerwaffen ziehe können Sie sich denken.

    ...bei allen "Amokläufen" in Deutschland (und auch anderswo) wo der Täter halbautomatische Waffen mit vernünftiger Magazingrösse verwendet hat (was nunmal meistens Waffen von Kaliber 7.65 und aufwärts sind) war der Täter in der Lage eine beträchtliche Menge Menschen zu verletzen/zu töten.

    Das ist der Sinn und Zweck von Mehrladewaffen mit grossen Magazinen, den haben sie auch erfüllt.

    Leute die mit Hieb- und Schlagwaffen ausrasten haben einfach weniger Reichweite und es braucht Kraft und Geschicklichkeit.

    Die Schlussfolgerung die ich daraus für den Besitz von Feuerwaffen ziehe können Sie sich denken.

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