Neue Krisenrunde Nicht schon wieder!

Die Wirtschaftskrise könnte in eine neue Runde gehen. Fünf Fragen und Antworten zu Griechenland und anderen Gefahrenherden

1. Griechenland braucht Retter, der Finanzmarkt ist nervös. Hieß es nicht mal, die Krise sei vorbei?

Tatsächlich, zum Jahreswechsel bestand noch viel Grund zur Fröhlichkeit. Die Krise schien sich in Wohlgefallen aufzulösen. Das Wachstum war zurückgekehrt. Angeführt von den USA, deren Wirtschaft im vierten Quartal 2009 aufs Jahr gerechnet um fast sechs Prozent zulegte, ging es den Industrieländern besser als erwartet. Und von Brasilien bis Indien boomten die Schwellenländer samt ihrer Börsen.

In Wahrheit tut diese Krise jedoch nur, was man schon von ihr kennt: Sie zeigt neue Gesichter. Mit Griechenland ist nicht bloß ein EU-Staat vom Bankrott bedroht, auch die gemeinsame europäische Währung steht unter Druck – was übrigens erklärt, warum der Dollarkurs auf einmal steigt. Wie schon beim drohenden Bankendomino Ende 2008 ist auch diesmal die Logik der Rettung unabweisbar: Retten Deutschland und Co. die Griechen nicht, könnte es zum Staatendomino kommen, samt Exporteinbußen und neuen Nöten im Finanzsektor. Aber auch die Rettung würde teuer und triebe die Krisenrechnung weiter in luftige Höhen. 

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Wie instabil der kleine Aufschwung ist, zeigen auch die nervös nach oben und unten zuckenden Börsen. Der kleinste Hinweis auf Zinserhöhungen irgendwo in der Welt, und die Kurse krachen ab – nicht nur in den westlichen Industrienationen, sondern zuletzt vor allem in den Schwellenländern, die der Welt doch den Weg aus der Krise weisen sollten.

Kein Wunder, dass auch Banken weiterhin zu den gefährdeten Spezies gehören. Wie der Fall Griechenland zeigt, drehen sie längst wieder das große Rad mit gefährlichen Papieren, wie sie die Finanzkrise erst so richtig in Fahrt brachten. Weil außerdem Industrieunternehmen und Dienstleister in Rekordzahl pleitegehen, drohen weitere Kreditausfälle. All das macht die kommende Wegstrecke für die Weltwirtschaft zum Abenteuer. Die Privatwirtschaft baut weiter ihre übermäßigen Schulden ab. Die Staaten gleichen das mühsam aus und verschulden sich über die Maßen.

Das Ende kennt niemand, doch auf Jahre hinaus müssen wir mit zwei großen Risiken leben. Nummer eins: Den Staaten geht der Atem zu früh aus, der Aufschwung bricht ab, und der Westen versinkt so wie einst Japan in der großen Stagnation. Nummer zwei: Die Staaten halten durch, die große Geldmaschine läuft wieder an, und weil die Notenbanken nicht rechtzeitig gegensteuern, kommt es zu einer gewaltigen Inflation.

Leser-Kommentare
  1. Wachstum, Wachstum, Wachstum..
    Sieht denn keiner ein grundsätzliches Problem mit dieser Systemlogik? Ich bin jetzt 1,80m; brauchen tue ich kein Wachstum mehr.

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    Ausgewachsen ist eben ausgewachsen, und da auch die Erde nicht wächst, ist das ein Naturgesetz. Wer überzieht, weil er auch zunehmende Schulden als Wachstum betrachtet, läuft ganz persönlich dem Goldenen Kalb hinterher und will nicht wissen, daß er Geld eben nicht essen kann. Seit Moses Zeiten ist es uns überliefert, die Rede des Häuptlings Seattle ist bekannt: Überwiegend müssen Menschen mit einer Einbahnstraße als Denkvermögen leider immer noch die Richtung weisen.

    Ausgewachsen ist eben ausgewachsen, und da auch die Erde nicht wächst, ist das ein Naturgesetz. Wer überzieht, weil er auch zunehmende Schulden als Wachstum betrachtet, läuft ganz persönlich dem Goldenen Kalb hinterher und will nicht wissen, daß er Geld eben nicht essen kann. Seit Moses Zeiten ist es uns überliefert, die Rede des Häuptlings Seattle ist bekannt: Überwiegend müssen Menschen mit einer Einbahnstraße als Denkvermögen leider immer noch die Richtung weisen.

  2. Nachdem das Schlimmste in der Automobilindustrie (Abwrackprämie) und bei den Banken verhindert wurde, steht die eigentliche Problemlösung nach wie vor aus.

    Letztlich haben wir über unsere Verhältnisse gelebt und tun es munter weiter, weil niemand die Folgen tragen will und jeder Politiker erledigt ist, der eine Sanierung versucht.
    Die Staatsdefizite müssen weg, ohne Entschuldung ist das kaum möglich. Es scheint schwierig ohne Geldentwertung die Schulden wieder los zu werden.
    Nur eines ist sicher, die Krise ist noch lange nicht vorbei!

    H.

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    "Letztlich haben wir über unsere Verhältnisse gelebt und tun es munter weiter, weil niemand die Folgen tragen will und jeder Politiker erledigt ist, der eine Sanierung versucht."

    ... der Staat als schwäbische Hausfrau funktioniert nicht, wann kapiert das endlich auch der Letzte? Und gerade die Deutschen haben unter ihren Verhältnissen gelebt, da sie mehr produziert als konsumiert haben.

    Wenn die Privaten die Schulden-, Geldschöpfungs- und Zinsspirale nicht am laufen halten, dann MUSS der Staat einspringen. Ansonsten kommt es zu einer katastrophalen Rezession, in der viel mehr kaputt geht als bei einem dicken Minuskonto. Die deutschen (Politiker) scheinen das besonders schwer zu kapieren, da sie glauben sie könnten sich per Export über die Schulden anderer Länder sanieren. Allen voran Merkel, vielleicht kapiert die mit Griechenland auch endlich, dass diese primitive BWL-er Logik nicht greift.

    "Es scheint schwierig ohne Geldentwertung die Schulden wieder los zu werden."

    Und immer wieder mal muss man darauf hinweisen: wo dicke Schulden sind, sind auch dicke Vermögen und zwar in exakt der gleichen Höhe.

    Dass dies in der Politik kein Thema ist, sagt mehr über die Machtverteilung in unserer "Demokratie" aus, als die Schönredner schönreden können. Geldentwertung ist nämlich nichts anderes als Enteignung, nur tragen dabei die unteren Schichten wieder die Hauptlast, während die oberen rechtzeitig in Sachwerte flüchten können...

    Lasst euch nicht verblöden!

    "Letztlich haben wir über unsere Verhältnisse gelebt und tun es munter weiter, weil niemand die Folgen tragen will und jeder Politiker erledigt ist, der eine Sanierung versucht."

    ... der Staat als schwäbische Hausfrau funktioniert nicht, wann kapiert das endlich auch der Letzte? Und gerade die Deutschen haben unter ihren Verhältnissen gelebt, da sie mehr produziert als konsumiert haben.

    Wenn die Privaten die Schulden-, Geldschöpfungs- und Zinsspirale nicht am laufen halten, dann MUSS der Staat einspringen. Ansonsten kommt es zu einer katastrophalen Rezession, in der viel mehr kaputt geht als bei einem dicken Minuskonto. Die deutschen (Politiker) scheinen das besonders schwer zu kapieren, da sie glauben sie könnten sich per Export über die Schulden anderer Länder sanieren. Allen voran Merkel, vielleicht kapiert die mit Griechenland auch endlich, dass diese primitive BWL-er Logik nicht greift.

    "Es scheint schwierig ohne Geldentwertung die Schulden wieder los zu werden."

    Und immer wieder mal muss man darauf hinweisen: wo dicke Schulden sind, sind auch dicke Vermögen und zwar in exakt der gleichen Höhe.

    Dass dies in der Politik kein Thema ist, sagt mehr über die Machtverteilung in unserer "Demokratie" aus, als die Schönredner schönreden können. Geldentwertung ist nämlich nichts anderes als Enteignung, nur tragen dabei die unteren Schichten wieder die Hauptlast, während die oberen rechtzeitig in Sachwerte flüchten können...

    Lasst euch nicht verblöden!

  3. Sogar die Hosen mussten sie den Wachsoldaten kürzen.

  4. Ausgewachsen ist eben ausgewachsen, und da auch die Erde nicht wächst, ist das ein Naturgesetz. Wer überzieht, weil er auch zunehmende Schulden als Wachstum betrachtet, läuft ganz persönlich dem Goldenen Kalb hinterher und will nicht wissen, daß er Geld eben nicht essen kann. Seit Moses Zeiten ist es uns überliefert, die Rede des Häuptlings Seattle ist bekannt: Überwiegend müssen Menschen mit einer Einbahnstraße als Denkvermögen leider immer noch die Richtung weisen.

  5. (1) Wachstum: Wachstum ist kein endogenes Ziel von Ökonomie. Primär geht es um Haushalten. Für einzelne Unternehmen oder Branchen kann Wachstum ein Ziel sein. Das Ziel der Ökonomie ist gesellschaftlich durch optimalen Wohlstand aller definiert, nicht einzelner oder einzelner Gruppen. Allerdings gilt in letztem Fall auch nicht der Umkehrschluss.

    (2) Spekulanten: Die Börse ist kein Hort des Gutmenschentum oder ökonomischen Weitblicks. Hier gilt es endlich die Folgen der Globalisierung der Finanzmärkte in den Fokus ökonomischer Politik und Handlung zu nehmen. Zur Zeit überwiegt aufgrund der schiefen Machtverhältnisse zwischen Finanzdienstleistern und dem Rest der Ökonomie der Schaden. Die Zahl der prominenten Kritiker besonders aus dem Umfeld dieser Märkte nimmt stetig zu: u.a. Soros und jetzt sogar Bräuer.
    Spekulation ist dabei weder gut noch böse im ökonomischen Sinne. Spekulanten können aber sehr wohl ethisch wie ökonomisch gesehen bösartige Ziele verfolgen. Da auf diesen Märkten aufgrund der Machtverhältnisse keine sich selbst regulierenden Kräfte mehr vorhanden sind, läuft das System aus dem Ruder (Länder wie Island oder Griechenland sind leichte Beute). In den globalisierten Finanzmärkten herrschen Marktungleichgewichte vor.

  6. Das Ziel, die ungleichgewichte in der Welt zu loesen zu veruschen ist zwar ein hehres, hat aber keine Aussicht auf Erfolg.
    In einer dynamischen Weltwirtschaft entstehn sofort neue. Jetzt in einem land wie Deutschland einen grundlegenden Wechsel in der Wirtschaftspolitk zu fordern halte ich fuer unklug.
    Viele Investitionen wuerden noetig sein, besonders von staatlicher Seite und der Erfolg waere am Ende nicht garantiert.
    Prinzipiell steht die deutsche Wirtschaft mit ihrer exportlastigen Ausrichtung weltweit noch gut da.
    Wichtiger als die Forderung anch einer grundlegenden Aenderung ist eher der zielgerichtet Ausbau unserer Stellung als Hight-Tech Standort durch investitionen in Bildung und Forschung.

    Ob Berlin "dringend über eine Politik für Investitionen und Innovationen reden" ist hier die Frage. und vor allem wo man investiert.
    Angesichts der horrenden Staatsschulden und der drohenden Mehrausgaben in Zukunft ist eine teure antizyklische Politik mit viel risiken behaftet.

    Die Weltwirtschaft wird sich sicher wieder erholen. Nur muessen wir damit leben, dass andere Laender mehr davon profitieren als wir selbst.

  7. Überschrift:
    "Nicht schon wieder!"

    Sätze wie:
    "Hieß es nicht mal, die Krise sei vorbei?"
    "Die Krise schien sich in Wohlgefallen aufzulösen."

    Es tut mir sehr leid, liebe Journalisten und Redakteure der ZEIT, aber es ist wirklich kein Wunder, dass immer mehr Menschen der ZEIT und anderen Medien den Rücken kehren.

    Wer möchte schon freiwillig immer wieder aufs Neue für DUMM verkauft werden?

  8. ... können wir zur Zeit wunderbar am Westerwelle-Diskurs erkennen.

    Westerwelle sagt: Die Hartz-IVler müssen alle möglichen Arbeiten, die getan werden müssen, leisten. Die Hartz-IVler sagen: Wenn die Arbeit getan werden muss, dann bezahlt uns ordentlich, und wir sind mit Handkuss dabei. Das will die Westerwelle-Seite aber nicht, denn dafür wurden 1-Euro-Jobs nicht erfunden.

    Die Hartz-IVler sitzen natürlich am kürzeren Hebel. Es gibt zu viel von ihnen, und die Arbeiten, zu denen man sie verpflichten könnte, können auch noch länger warten.

    Kapitalismus hat die lästige Eigenschaft, dass er dann am besten funktioniert, wenn die Kräfteverhältnisse ausgeglichen sind. So lange die Schwächeren in Asien und Afrika sitzen, fällt es uns viel leichter, ihre Hilferufe zu überhören. Wenn sie in Island, Griechenland oder wie die Hartz-IVler in Deutschland sitzen, dann werden uns die Missstände viel bewusster. Nur leider haben wir immer noch nichts dazu gelernt.

    Da steht im Artikel, dass es auf der Welt eine große, krisenerzeugende Schieflagen den Länder-Leistungsbilanzen gibt, und in den Kommentaren ist dann zu lesen, dass wir es ja gut hätten, weil wir so exportstark sind. Dabei sind wir die Verursacher der momentanen Krise!

    Es funktioniert nicht, dass wir jahrzehntelang unseren Handelspartnern mehr Geld durch unsere Exporte abknöpfen, als diese Länder mit ihren eigenen Produkten einnehmen. Sonst verkaufen sie uns irgendwann platzende Hypotheken-Derivate oder gefälschte Bilanzen.

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