25 Beobachtungen Wissenswertes über WittenbergeSeite 2/2
13. In der zentralen Einkaufsstraße gibt es viele Geschäfte von Vietnamesen. Neben Billigtextilien wird dort auch Kleidung für die Mittelschicht angeboten, sie orientiert sich an der Mode in Hamburg und Berlin.
14. In die Videothek kann man Fisch zum Räuchern bringen. Beim Subaru-Händler kann man gebrauchte Jerry-Cotton-Hefte erstehen. Der Anhängerbauer vermittelt Frauen aus der Ukraine zum Heiraten. Wenn das eine nicht klappt, klappt das andere.
15. »In der Schule machen wir die Kinder fit für den Kapitalismus«, sagt eine Wittenberger Gymnasiallehrerin.
16. Wenn bei Netto die Kartoffeln im Angebot sind, trifft man sich in der Schlange zum Reden. Konsum verschafft Teilhabe.
17. Die Elbe ist für die Leute ein Sehnsuchtsort. Alles fließt.
18. Ein-Euro-Jobber, die den Müll aufsammeln sollen, finden auf den Straßen so wenig Abfall, dass sie ihn von zu Hause mitbringen.
19. Ein Unternehmer vermarktet leere, verfallene Stadtteile als Nachkriegskulisse an die Filmindustrie. In Wittenberge wurden seit der Wende mindestens 14 Filme gedreht. Dabei spielen Dekor und Kosten eine große Rolle.
20. Im Eisenbahnverein werden die ausgemusterten Loks seit Jahrzehnten so gut gepflegt, dass sie schon morgen wieder fahren könnten. Das ist mehr als nur Erinnerungspflege.
21. In der ehemaligen Arbeiterstadt gibt es acht Religionsgemeinschaften wie die evangelikale Gemeinschaft der Göttlichen Sozialisten.
22. Man spricht über die Benzinpreise, auch wenn man kein Auto hat. So nehmen alle am großen gesellschaftlichen Diskurs teil.
23. Wer sich etwas leisten will, kauft frische, handgemachte Pralinen in einer Chocolaterie. Das Geschäft gehört einer Niederländerin.
24. Manche Straßen bestehen nur aus zusammengebrochenen Häusern. Mittendrin hat sich eine Familie ein Haus hergerichtet. So behauptet sie trotzig ihre Zukunft.
25. Jeder sechste Bürger wirtschaftet in seinem Kleingarten. Wie ein Herzschrittmacher bestimmen die Gärten den Rhythmus der Stadt.
- Datum 04.03.2010 - 13:05 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 04.03.2010 Nr. 10
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Als langjaehriger Sozialforscher stelle ich mir die Frage, ob diese Liste ein Witz sein soll? Ist dies eine Satire?
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