Kolumne Wörterbericht

Indes

»Aber« ist ein Wort der Massen, »jedoch« ist das »aber« des Akademikers und »obschon« die Opposition des Schweizer Schriftstellers. Die Masse spricht ihr »aber« hastig aus, der Akademiker sagt und schreibt sein »jedoch« bloß, weil ihm ein »aber« zu simpel vorkäme. Allein, Banalität ist ihm verhasst. »Indes« hingegen ist das »aber, jedoch, allein, wenngleich«, ja sogar das »obschon« des Feuilletonisten. Er fürchtet nicht die Banalität, er fürchtet, dass sein Einspruch ungehört verpufft. Bevor er einen wichtigen Satz mit »indes« beginnt, zieht er an seiner Zigarette. Es entsteht eine Pause. Dann folgt weckend das kleine Wort, wobei er sich ziemlich lange auf dem s ausruht und genüsslich Rauch aus seinen Nüstern bläst – wie ein kleiner Drache bei Michael Ende. So gewinnt er wertvolle Zeit, um sein Argument zu schärfen und sie dank des »indes« in einen autonomen Hauptsatz zu packen – seine Kritik an Literaten, Akademikern, Massen.

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    • Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
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