Koalitions-Querelen Wo bitte geht’s zum »Wir«?
Die Regierung in Berlin hofft, dass nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen alles besser wird. Doch dafür müsste sie selbst besser werden, und zwar vor der Wahl
Da staunt der Parteifreund, und der Wähler wundert sich: War das wirklich Angela Merkel, die Zögerliche, die Basta-Verweigerin, die Frau die angeblich nicht führt? War das vielleicht sogar – ein Machtwort? Gleich mehrfach hat die Kanzlerin (»nicht mein Duktus«) zuletzt ihren Vizekanzler in einer Deutlichkeit abgemahnt, die man seit den Reformtagen von Leipzig kaum noch gehört hatte. Weder, so ließ die Kanzlerin ihren Minister des Äußersten unumwunden wissen, gebe es das Tabu, das Westerwelle beim Thema Hartz IV zu brechen behauptet, noch habe er sinnvolle Vorschläge zur Verbesserung des angeblich spätrömisch-dekadenten Sozialstaats vorgelegt. Wann hat ein Kanzler seinen Vize je so öffentlich abgewatscht?
Das Verhältnis zwischen Kanzlerin und Vizekanzler, so scheint es, ist in Rekordzeit auf dem Tiefpunkt angelangt. Er sei frustriert, weil die Kanzlerin die einst gemeinsam angestrebte schwarz-gelbe Politikwende aufgekündigt habe, heißt es in der FDP; die Kanzlerin sei sauer, weil ihr Vize das Klima vergifte, sagt man in der CDU. In Wahrheit geht es bei dem Schlagabtausch weniger um Sympathie zwischen Merkel und Westerwelle. Eine Freundschaft zwischen den beiden hat es vermutlich ohnehin nie gegeben. Es geht um Macht, Strategie und die Zukunft der Regierung.
Nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen, heißt es nun, werde alles besser. Viel dringlicher jedoch stellt sich der Regierung die Frage: Was können Union und FDP tun, damit es vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen besser wird? Damit Schwarz-Gelb nicht die Bundesratsmehrheit verliert und künftig bei allen Gesetzesvorhaben auf eine Zusammenarbeit mit der SPD angewiesen ist. Man kann davon ausgehen, dass das die Botschaft war, die die Kanzlerin ihrem Koalitionspartner übermitteln wollte. Immerhin, wird in der Union hoffnungsvoll bemerkt, habe es aus der FDP bereits seit zwei Wochen keine Rufe nach Steuersenkungen mehr gegeben. Die Hartz-IV-Debatte sei zwar ärgerlich, betreffe aber wenigstens nicht den Haushalt.
Doch will die FDP wirklich von ihrem zentralen Wahlkampfversprechen herunterkommen? Bewusst hatten die Liberalen im Wahlkampf auf die Steuersenkungsversprechen der CDU einige Millionen draufgelegt. So und weil viele Wähler die Große Koalition nicht mehr wollten, kamen sie auf 14,6 Prozent der Wählerstimmen. Diese 14,6 Prozent machten die Koalition möglich und sind zugleich ihre schwerste Bürde. Denn um die abgeworbenen Wähler zu halten, so fürchtet man in der CDU, müsse Westerwelle nicht nur seine Versprechen halten, sondern die Wähler ständig in ihrer Einschätzung bestärken, dass die CDU ein sozialdemokratisierter Haufen und ihre Chefin konturlos sei, die alte Heimat Union ergo unwiederbringlich dahin. Merkels Mahnungen, so fürchtet man in ihrem Umfeld, werden daher wenig ausrichten, zumal wenn die FDP in NRW gut abschneidet und Westerwelle sich in seiner Strategie bestärkt sieht, die FDP als Protest- und erst in zweiter Linie als Regierungspartei zu positionieren.
»Wir sind die Partei, die Maß und Mitte hat«, lautet so ein Satz von Merkel aus den vergangenen Tagen. Auf keinen Fall, das soll es heißen, wird die Kanzlerin die Mitte wieder verlassen und sich von der FDP in die Polarisierung treiben lassen. Zwar schmerzt es die CDU/CSU, dass sie bei der Bundestagswahl mehr als eine Million Wähler an die FDP abgeben musste, doch eine andere Rechnung geht so: Was nützt das dickste Ergebnis, wenn man politisch nicht anschlussfähig ist? Die 33,8 Prozent, die die Union bei der Bundestagswahl bekommen hat, sind zwar nicht gerade ein Traumergebnis für eine Volkspartei. Doch dafür hätte die CDU auch mit der SPD oder in einer Jamaika-Koalition regieren können, wenn es mit der FDP allein nicht geklappt hätte.
Die Liberalen argwöhnen, »oberstes Ziel« der Union sei es von Anfang an gewesen, »uns wieder klein zu machen«. Aus der 14,6-Prozent-Partei solle wieder das 6,41-Prozent-Anhängsel werden. Die zur Schau getragene Skepsis von Finanzminister Wolfgang Schäuble gegen die Steuerreform, die Dauerattacken der CSU gegen die Gesundheitsprämie, die Absage von Umweltminister Norbert Röttgen an die Kernenergie – all das diene dem Zweck, »die FDP als Papiertiger« vorzuführen. Getreu dem Motto: »Die tönen groß – und liefern dann nicht.«
Im Januar, so empfinden es viele Liberale, habe man all die Sticheleien und Provokationen der Union des Koalitionsfriedens wegen hingenommen – und sei dafür bestraft worden. Den Absturz in den Umfragen führt die FDP-Spitze darauf zurück, dass ihre Wählerklientel schnell konkrete Ergebnisse sehen will. Und diese nicht kommen würden. Genauso wenig gefalle es dem Liberalen-Anhänger, wenn ein Parteichef, den er elf Jahre lang als »Mr. Attacke« erlebt hätte, sich auf die Rolle des global aktiven Bilderproduzenten und Leisesprechers reduziere. Also wuchs an der Spitze der FDP die Erkenntnis: »Klare Kante ist besser.«
- Datum 04.03.2010 - 23:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
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Wenn man keine klare Richtung vorgibt, wenn keiner weiß wohin die Reise geht, dann ist es kein Wunder, dass man nichts als "Geplänkel" zustande bekommt. Der Regierung kann man nur das größtmögliche Armutszeugnis ausstellen. Deutschland hat nun wirklich genug Probleme die angegangen werden müssten! Doch was geschieht? Garnichts...
Eiseob (auch bei Twitter)
...gar nicht weiterlesen!
Diese Hornochsen & Stuten!!!
Vielleicht stellen die mal ihre Eitelkeiten ein, dann klappts auch mit der Politik fuer's Volk!
Schwarz-Gelb hat in NRW seit Monaten keine Mehrheit, die SPD kommt aktuell auf 32%, die CDU auf 33%, grün ist stärker als die FDP, das läuft in NRW auf eine große Koalition, eine Ampel oder Jamaika hinaus, es sei den Frau Kraft traut sich zu, rot-rot-grün zu managen.
Aber mit Schwaz-Gelb ist es in NRW um.
hätte nur die Klappe halten müssen. Ihr Zwangsarbeitsvorschlag zeigt, dass sie in der Tradition von Clement etc. steht. Da kann man auch gleich Rüttgers behalten.
Wer sozialdemokratische Politik will, wählt die LINKE.
hätte nur die Klappe halten müssen. Ihr Zwangsarbeitsvorschlag zeigt, dass sie in der Tradition von Clement etc. steht. Da kann man auch gleich Rüttgers behalten.
Wer sozialdemokratische Politik will, wählt die LINKE.
da es hier nur um Machtspielchen geht.
Die innere Einstellung der FDP wird nie solidarisch mit dem ganzen Volk, es würde gegen ihre Ideologie gehen.
Jetzt, vor der NRW-Wahl will man Gutwetter machen, um die Wähler einzulullen,zu manipulieren,zu täuschen,um es mit einem Wort zu sagen: zu betrügen.
Denn, gibt es nach der NRW-Wahl eine Mehrheit für FDP/CDU, werden die Grausamkeiten den Ärmsten gegenüber erst losgehen,denn die haben keine Lobby.
Also Achtung: Die Klientel-Politik der FDP wird sich nie ändern,sonst wäre es nicht die FDP !!
Ich möchte endlich,dass das Wort 'Gutmensch' kein Schimpfwort mehr ist.
Die sich entwickelnde egoistische Mentalität in unserem Land ist zum KOTZEN und destruktiv !
hätte nur die Klappe halten müssen. Ihr Zwangsarbeitsvorschlag zeigt, dass sie in der Tradition von Clement etc. steht. Da kann man auch gleich Rüttgers behalten.
Wer sozialdemokratische Politik will, wählt die LINKE.
Wie ich es vorausgesagt habe, wird nun vor der Wahl der Schongang eingelegt. In den nächsten Monaten werden CDU und FDP nichts mehr tun, was Aufruhr unter der Wählerschaft verursacht. Und die Wähler werden so blöd sein, das zu glauben. Nach der Wahl werden dann wieder Klientel-Interessen in den Vordergrund gerückt, sinnlose Steuersenkungen und das bisherige Spielchen geht munter weiter - bis ein, zwei Monate vor der nächsten Wahl.
Ich bin mir sicher, dass die Medien auch mitspielen werden. Ablenkungsthemen finden sich sicherlich leicht. Nach der durch die FDP losgetretenen Hartz-IV Debatte kümmert sich ja keiner mehr um die Politik nach Auftragslage, die die FDP so gut beherrscht.
Und die Wähler werde wieder brav ihr Kreuz da machen, wo sie es schon immer gemacht haben. Das ist die typische Angst vor dem Wechsel. Und nach der Wahl kann man sich ja wieder hervorragend über die politische Verhältnisse aufregen und sich gegenseitig versichern, wie schlimm doch alles ist. Haben es die Wähler denn besser verdient? Ich glaube nicht.
Mein Vorschlag ist nach wie vor, kleinere Parteien zu wählen, die nicht radikal oder gar extremistisch sind. Aber das würde natürlich bedeuten, dass man seine bisherigen Wahlgewohnheiten über Bord werfen müsste. Und wer tut das schon, wo man sich doch eigentlich nach den 'guten, alten Zeiten' sehnt, die aber trotzdem niemals wieder kommen werden? Zeitreisen sind nämlich nicht möglich und man führe besser, wenn man sich an der Änderung beteiligt...
In der Opposition.
Dort kann gerüpelt, beleidgt und angegeben werden, ohne dass man ernst genommen wird.
War doch schön, Guido?
Oder etwa nicht?
Lass mal das Regieren von den Erwachsenen machen.
Das Hauptproblem der schwarz-gelben Koalition ist das Erscheinungsbild der Regierungs-
mannschaft. Die Kanzlerin füllt die ihr von der Verfassung zugewiesene Richtlinienkompe-
petenz nicht aus und gibt keinen klaren, erkennbaren Kurs vor.Keiner der FDP-Minister setzte bisher sichtbar positive Akzente und scheint sein Amt überzeugend auszufüllen.
Auch die MinisterInnen von CDU/CSU haben noch keine Glanztaten vollbracht. Es herrscht
der Eindruck einer allgemeinen Ziel- und Orientierungslosigkeit. Quo vadis Angela & Co.?
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