Koalitionen Aus Spiel wird Ernst
Dank Schwarz-Gelb wird Schwarz-Grün immer attraktiver. Nordrhein-Westfalen könnte zum Test werden – auch für Berlin
Schwer zu sagen, was einen mehr irritiert: die Selbstverständlichkeit, mit der in diesen Tagen über Schwarz-Grün diskutiert wird, über ein politisches Bündnis also, das noch gestern ein verwegener Geheimtipp war, eine feuilletonistische Fantasie. Oder die Chuzpe, mit der die interessierten Akteure diese Debatte befeuern, ohne ernsthaft Auskunft darüber zu geben, was sie bedeutet.
Wofür, bitte schön, steht eigentlich Schwarz-Grün?
Mal ist es der christdemokratische Umweltminister, der die Grünen mit seinen Zweifeln an der Atomkraft lockt. Mal plaudern die Grünen in Nordrhein-Westfalen vergnügt über Koalitionsverhandlungen mit der CDU, die sie nach der Landtagswahl am 9. Mai gern führen würden. Und die Kanzlerin, gefragt, ob eine schwarz-grüne Koalition in Düsseldorf den Boden für ein ebensolches Bündnis in Berlin bereiten würde, ruft so erschrocken »Unsinn!«, dass sich der Eindruck aufdrängt, man habe sie auf frischer Tat beim Planspielen ertappt.
Natürlich: In Berlin kann Schwarz-Grün vorerst gar nicht mehr sein als ein Planspiel. Denn Union und Grüne haben im Bundestag keine Mehrheit; ein Wechsel der Koalition ohne Neuwahl ist ausgeschlossen. Und dennoch hat sich die politische Wirklichkeit seit der Bundestagswahl verändert. Der desaströse Start der Bundesregierung hat eine Entwicklung beschleunigt, die ohnehin im Gang war. Je hässlicher Schwarz-Gelb erscheint, desto heller strahlt Schwarz-Grün. Schon antworten 46 Prozent der Wähler bei einer Umfrage, eine Regierung von Union und Grünen wäre besser für das Land als die amtierende. 62 Prozent finden, Union und FDP passten »einfach nicht mehr zusammen«.
Die alten Lager sind überholt, die Wähler werden sie nicht vermissen
Aus dem schwarz-grünen Spiel, das vor anderthalb Jahrzehnten bei einem Bonner Italiener begann (»Pizza-Connection«), ist also Ernst geworden. Was vor zwei Jahren im Stadtstaat Hamburg noch als »Experiment« verbucht werden konnte, wäre in NRW ein Modell mit weitreichenden Folgen. Die Fantasie hat politische Gestalt angenommen und wirft ein paar grundsätzliche Fragen auf: Woher rührt die Begeisterung für Schwarz-Grün? Und worauf zielt sie? Was könnten Union und Grüne, was andere Koalitionen nicht können?
Für die beteiligten Parteien, für CDU und Grüne, ist Schwarz-Grün vor allem: eine Option. Mehrheitsfindung und Koalitionsbildung sind im Fünfparteiensystem schwieriger geworden. Ohne die Grünen als möglichen Partner drohte der Union eine Neuauflage der Großen Koalition oder die dauerhafte Abhängigkeit von der FDP – eine Aussicht, die nach den vergangenen Monaten nicht attraktiver geworden ist. Die Grünen ihrerseits haben Konsequenzen aus dem Absturz der SPD gezogen.
Auch daher rührt die Hoffnung auf Schwarz-Grün: Das Bündnis ist die einzige realistische Zweierkoalition, die im Bund noch nicht ausprobiert worden ist.
Nun interessieren sich Wähler selten für Rechenaufgaben. Auch die strategischen Optionen der Parteien sind ihnen herzlich egal. Dennoch haben sie ein feines Gespür für Veränderungen. Und hinter den Umwälzungen der Parteienlandschaft verbergen sich dramatische Entwicklungen: die Ausdifferenzierung der Gesellschaft, das Verblassen der alten Konfliktlinien, ein Ende der Ideologie. Das Votum für Union und FDP vor einem halben Jahr war der Versuch, noch einmal die alte Ordnung wiederherzustellen. Doch dieser Versuch will nicht gelingen; ein gemeinsamer Politikentwurf von Union und FDP ist nicht zu erkennen. Schwarz-Grün hingegen verspricht etwas Neues: den Versuch, eine Politik zu formulieren, die die alten Lagergrenzen überwindet, statt sie zu rekonstruieren. Längst haben diese Lager keine Entsprechungen in der Wirklichkeit mehr. Die wenigsten Wähler werden sie vermissen.
Dabei ist es kein Zufall, dass ausgerechnet CDU und Grüne nun an dieser Schwelle stehen. Ob bei der Revision ihres Familienbildes oder bei der Bewältigung der Finanzkrise – die CDU hat sich von allen etablierten Parteien am konsequentesten der Gegenwart geöffnet, man kann auch sagen: Sie hat sich am meisten angepasst. Die Grünen wiederum sind bislang immun gegen den Vorwurf des Verrats, weil sie trotz zunehmender Flexibilität in der Koalitionsfrage ihren ursprünglichen Anliegen – Ökologie, Emanzipation, Nachhaltigkeit – treu geblieben sind. Nicht sie sind der Wirklichkeit, die Wirklichkeit ist ihnen entgegengekommen.
Bleibt eine Frage, die wichtigste: Welches wäre das Programm, wie sähe es aus, das, nun ja, schwarz-grüne Projekt? Bloß kein Projekt!, antworten einem die besorgten Strategen. Die Erwartungen niedrig halten – auch das haben sie aus der Vergangenheit gelernt. Tatsächlich geben die bisherigen Feldversuche in Hamburg und im Saarland (Jamaika) wenig Aufschluss, zu spezifisch sind dort die politischen Biotope. Anders liegt der Fall in NRW. Hier, in einem der alten Industrieländer, müssten CDU und Grüne beweisen, dass ihnen der vielfach beschworene Ausgleich von Ökonomie und Ökologie gelingt. Dass Wachstum und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sein müssen und sanfter Etatismus zeitgemäßer ist als die kühle Staatsverachtung der Westerwelle-FDP.
Noch lebt Schwarz-Grün vor allem von der Hoffnung. In NRW wird sich zeigen, ob sie berechtigt ist.
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- Datum 12.03.2010 - 13:39 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.03.2010 Nr. 11
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Das alte Lagerdenken sei überwunden lautet das Credo des Artikels - die Grünen seien sich treu geblieben - die CDU in Abhängigkeit von der FDP.
Gibt es keine Lager mehr, dann kann man die Politik an keinem Maßstab mehr messen. Politik wird unmeßbar und unkontrollierbar.
Lager und Markenkerne stehen für einzelne Parteien. Wenn Parteien beliebig austauschbar werden, dann verliert der Wähler noch den allerletzten Rest von Orientierung in unserem politischen System.
Wozu das führt ist offensichtlich. Wer soll mich in einem Parlament vertreten, wenn ich nicht mehr weis welche Partei wofür steht und alle für das Gleiche?
Wo bleibt die Wahlmöglichkeit des Wählers?
Das währe eine Demokratieaushöhlung von oben.
Diese Möglichkeit ist außer in relativ engen Banden durch die Struktur des Wahlsystems weitgehend genommen. Das Wahlergebnis zeigt die regelmäßig, indem es immerzu die Interessengruppe der öffentlichen Bedienstete mit der Mehrheit in den Parlamenten bedenkt. Diese soziopolitische Gruppe hat wie alle solche Gruppen eine harmonisierte Betrachtung der Welt und relativ parallele Ziele und Einschätzungen der zur Erreichung erlaubten Mittel.
So haben wir ein Kontrollsystem der politischen und administrativen Personen und deren Handlungen, das den Bedürfnissen genau dieser Gruppen entgegenkommt. Gepaart mit Missverständnissen dessen, was Demokratie ist (man glaubt zB sie sei ein Instrument des Interessenausgleichs statt einer Interessenvertretung), der Staat soll (er soll Fürsorge betreiben und nicht eine starke Gesellschaft gewährleisten) oder Grundwerte bedeuten (man verwechselt bspw Menschenrechte mit Bürgerrechten) führt der heutige Zustand zu einer Wähler fernen Politik, die durch ihre offensichtlichen Inkongruenzen mit dem Verständnis der Grundwerte die Bürger verwirrt, verärgert und zu einer Abkehr vom Glauben, der Staat sei legitim.
Der Prozess ist relativ weit fortgeschritten, wenn man sieht, dass bereits 51% der Bevölkerung die Demokratie nicht mehr als beste Staatsform sehen, wie hier kürzlich berichtete wurde.
Diese Möglichkeit ist außer in relativ engen Banden durch die Struktur des Wahlsystems weitgehend genommen. Das Wahlergebnis zeigt die regelmäßig, indem es immerzu die Interessengruppe der öffentlichen Bedienstete mit der Mehrheit in den Parlamenten bedenkt. Diese soziopolitische Gruppe hat wie alle solche Gruppen eine harmonisierte Betrachtung der Welt und relativ parallele Ziele und Einschätzungen der zur Erreichung erlaubten Mittel.
So haben wir ein Kontrollsystem der politischen und administrativen Personen und deren Handlungen, das den Bedürfnissen genau dieser Gruppen entgegenkommt. Gepaart mit Missverständnissen dessen, was Demokratie ist (man glaubt zB sie sei ein Instrument des Interessenausgleichs statt einer Interessenvertretung), der Staat soll (er soll Fürsorge betreiben und nicht eine starke Gesellschaft gewährleisten) oder Grundwerte bedeuten (man verwechselt bspw Menschenrechte mit Bürgerrechten) führt der heutige Zustand zu einer Wähler fernen Politik, die durch ihre offensichtlichen Inkongruenzen mit dem Verständnis der Grundwerte die Bürger verwirrt, verärgert und zu einer Abkehr vom Glauben, der Staat sei legitim.
Der Prozess ist relativ weit fortgeschritten, wenn man sieht, dass bereits 51% der Bevölkerung die Demokratie nicht mehr als beste Staatsform sehen, wie hier kürzlich berichtete wurde.
Also ich messe Politik nicht an einem Lager, sondern an dem, was sie bewirkt. Und Parteien sollten nicht für ein Lager stehen, sondern für sich selbst und ihr Programm.
Und solange diese Programme immer noch verschiedene Wege eröffnen, unterschiedliche Visionen haben und Politikbereiche verschieden gewichten, solange kann der Wähler sich auch noch "entschieden entscheiden". Da braucht es keine Lager.
Ich stehe schwarz-grün offen gegenüber. Ich glaube, dass aus der Verbindung von konservativen Werten und modernen, alternativen Ideen etwas positives entstehen kann.
Zumal sich in einer, naja, nennen wir sie mal "links-konservativen" Regierung wesentlich mehr Wähler mit ihrer Stimme wiederfinden als in einem schwarz-gelben (das die fast 50 % Mitte-links-Wähler aussen vorlässt)... was ja eigentlich der Demokratie zugute käm.
Allerdings auch für die CDU und ihren inneren Zusammenhalt. Wenn die weiterhin demonstrieren sollte, daß sie aus Gründen des Machterhaltes mit jedem koaliert, und sei es der ideologische Erzfeind von gestern, dann dürfte sich die Spaltung der CDU, die sich jetzt bereits andeutet, noch beschleunigen. Bereits jetzt murren die Konservativen in der Partei immer lauter über den Linkstrend, der sich unter Merkel noch beschleunigt hat. Sie scheint ihre eigene Partei einer Zerreißprobe unterziehen zu wollen. Das Ergebnis könnte die Abspaltung des konservativen und natinalkonservativen Flügels und die Gründung einer neuen bürgerlichen Partei rechts von der CDU sein. Das wäre allerdings das Ende der Parteienlandschaft, wie wir sie heute kennen.
Aber vielleicht wäre das gar nicht einmal das Schlechteste für das Land.
...der Parteienlandschaft, wie wir sie heute kennen."
Aber es wäre interessant.
...der Parteienlandschaft, wie wir sie heute kennen."
Aber es wäre interessant.
Die Behauptung die Grünen müssten erst noch beweisen, dass sie Ökologie mit Ökonomie vereinen könnten postuliert eine Realität in der die Grünen noch nicht in der Regierungsverantwortung standen. Tatsächlich haben die Grünen diese Fähigkeit doch schon längst in vielen Landeskoalitionen und auf Bundesebene. Der durch die Krise unterbrochene Aufschwung ist ja erst auf der von Rot-Grün entstandenen Grundlage entstanden.
Es ist eher die Frage, ob sich die CDU auf eine ökologisierte Ökonomie einstellen kann, oder ob sie noch zu stark im Gestern verblieben ist. Die Schwarz-Gelbe Koalition kann darüber zumindest keine Aussage liefern, denn die orientiert sich an der Wirtschaft des Jahres 1998.
Fragen Sie doch einfach mal in Schleswig Holstein nach.
haben sie schon auf bundesebene bewiesen:
http://www.zeit.de/2005/3...
das groesste steuergeschenk aller zeiten.
schwarz-gruen: nein danke
S. O.
Fragen Sie doch einfach mal in Schleswig Holstein nach.
haben sie schon auf bundesebene bewiesen:
http://www.zeit.de/2005/3...
das groesste steuergeschenk aller zeiten.
schwarz-gruen: nein danke
S. O.
Jetzt wird also Schwarz-Grün für NRW herbeigeschrieben.
Reicht Euch Journalisten nicht der Schaden, die Ihr mit dem Herbeisehnen von Schwatz/Geld angerichtet habt?
Habt Ihr auf einmal gemerkt, das die wenigsten von Euch auch kein Hotel besitzen?
Wie wär's denn mit Rot-Rot-Grün für NRW...ach nee, geht nicht...gerade bei den Linken in NRW sitzen noch soooo viele Altkommunisten und Ex-Stasis...
Übrigens: die Kombination Schwarz/Grün ist genauso gut oder schlecht wie Jamaika oder eben Rot-Rot-Grün.
Auch Grüne können käufliche Wahlbetrüger sein.
Man werde nur einen Blick ins Saarland:
http://www.welt.de/politi...
Schön, wenn NRW zum Agrar-Naturschutzgebiet wird und die Neuankömmlinge wegen der Zersiedelungsideologie zwischen Innenstadt und Speckgürtel eingezwängt werden.
Gibt sicher aufregende Bilder wegen der zunehmenden Enge. Aber es gibt genug gemeinnützige Arbeisstellen. Unkrautjäten wie in China auf dem Biobauernhof.
Und die ewigen Artikel über Westerwelle gibt es vermutlich auch nicht mehr und Guttenberg kann endlich seiner Arbeit nachgehen.
Die Strompreise werden steigen und nach 5 Jahren stellt sich wie üblich wieder Frage, wieviele durch Grün arbeitslos geworden sind.
Wieviele Menschen sind denn inzwischen durch die Politik der GRÜNEN arbeitslos geworden und wo kann ich das nachlesen? - Oder ist das von Ihnen alles nur loses Gerede? - Sie sollten dabei auch die tausende von geschaffenen Arbeitsplätze bei der Erzeugung von Windernergie nicht vergessen, ganz zu schweigen von Arbeitsplätzen im ländlichen Bereich, den Sie so für NRW erwünschen.
Wieviele Menschen sind denn inzwischen durch die Politik der GRÜNEN arbeitslos geworden und wo kann ich das nachlesen? - Oder ist das von Ihnen alles nur loses Gerede? - Sie sollten dabei auch die tausende von geschaffenen Arbeitsplätze bei der Erzeugung von Windernergie nicht vergessen, ganz zu schweigen von Arbeitsplätzen im ländlichen Bereich, den Sie so für NRW erwünschen.
Fragen Sie doch einfach mal in Schleswig Holstein nach.
haben sie schon auf bundesebene bewiesen:
http://www.zeit.de/2005/3...
das groesste steuergeschenk aller zeiten.
schwarz-gruen: nein danke
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