Wirtschaftskrise Retten wir uns selbst
Hohe Staatsschulden, wenig Wachstum: Die dritte Welle der Wirtschaftskrise rollt heran. Aber die Regierung zieht keine Deiche hoch.
Griechenland ist der Fall Lehman Brothers des Jahres 2010. Vor zwei Jahren ging die New Yorker Investmentbank pleite und riss die Welt mit. Voriges Jahr erlebten wir die schlimmste Rezession der Nachkriegszeit. Und nun rollt die dritte Welle der Krise: die Überschuldung der Staaten. So heftig brandet diese Welle gegen das Fundament des Euro, dass die Mitgliedsländer ihren Grundsatz »Gemeinsames Geld – getrennte Wirtschaftspolitik« aufgeben. Die Aufregung zeigt sich in eiligen Initiativen. Berlin und Paris wollen die Spekulanten in die Schranken weisen und denken über einen europäischen Rettungsfonds für gefährdete Länder nach.
Das ist eine gute Nachricht: Aus Schaden ist die Welt zu klug geworden, als dass sie die Griechen oder die Portugiesen sich allein überließe wie vor zwei Jahren noch Lehman Brothers. Aber die dritte Welle, sie führt mehr mit sich als die Bankrottgefahr einiger europäischer Randstaaten. In den USA droht eine jobless recovery – eine Genesung ohne neue Arbeitsplätze. Japan hofft auf die Zugkraft Chinas. Das Riesenreich aber hat sein Wachstum nur durch ein teures Konjunkturpaket erhalten können, und die bange Frage in Peking ist, ob der Aufschwung wirklich andauert oder ein Finanzcrash folgt. In anderen Schwellenländern vollführen die Börsen gefährliche Kapriolen.
Überall haben sich die Staaten finanziell verausgabt, um Banken zu retten und die Konjunktur zu stützen. Jetzt müssen die Politiker erkennen, dass zwar kein Geld mehr da ist, die Gefahr aber nicht gebannt ist. Und das hat seinen guten Grund: Die Wirtschaft hat die Krise noch nicht verarbeitet. Rund um den Globus hatten sich Firmen und oft auch die Konsumenten so hoch verschuldet wie nie zuvor. Nun tragen sie diese Schulden langsam ab.
Wie machen sie das? Ganz einfach, sie geben deutlich weniger aus, als sie einnehmen. In einigen Industrieländern dürfte die Lücke in diesem Jahr über zehn Prozent der Einnahmen ausmachen – Geld, das fehlt für neue Fabriken, Mitarbeiter, Einkäufe. Deshalb droht eine wirtschaftliche Stagnation, die es den Staaten noch schwerer machen würde, ihre Schulden zu bedienen. Gelingt es dagegen, den Aufschwung mit viel öffentlichem Geld am Leben zu erhalten, könnte das wenig später eine gewaltige Inflation auslösen.
Mit anderen Worten: Die Weltwirtschaft verharrt am Rande des Abgrunds. So schlimm die Nachricht für den langjährigen Exportweltmeister Deutschland ist – im Vergleich zu anderen Ländern geht es uns gut. Weder hatten wir wie die USA oder Spanien einen Immobilienboom, auf den unweigerlich der Crash folgte; noch ist unsere Wirtschaft so überschuldet wie die anderer Industrieländer. Nirgendwo sonst müssen Unternehmen und Konsumenten weniger Schulden abbauen als zwischen Rhein und Oder. Zugleich feiert uns nun sogar der Economist dafür, dass wir in der Krise kaum Jobs verlieren. Zusammen haben Firmen, Gewerkschaften und die Politik die Arbeit so flexibel gestaltet, dass bislang kaum eine Fachkraft gehen musste. Der kranke Mann Europas, wie das Londoner Magazin die Bundesrepublik einmal nannte, ist erstaunlich fit.
Darauf kann man aufbauen – und die Aufschwungkräfte stärken. Stattdessen beweist die Bundesregierung einen Hang zur Schizophrenie. Sie ist zur Stelle, wenn Finanzinstitute und Jobs gerettet werden müssen, einzelne Länder oder gar die gemeinsame Währung. Doch alle heimischen Reformen lassen auf sich warten. Das wäre vertretbar, währte die Krise nur kurz. Tatsächlich aber werden wir mit ihren Folgen noch lange ringen, und wie gut uns das gelingt, hängt von Berlin ab.
Hotellobbyisten und Steuerideologen sind noch keine Reformer
Die größte politische Unwucht hat Angela Merkels Regierung noch nicht im Ansatz behoben. Während die Banken lange alles durften, müssen sich Firmengründer und Investoren Abertausender Vorschriften erwehren. Der hastige Versuch dieser Woche, die Spekulation an den Finanzmärkten einzudämmen, zeigt nur, dass Berlin allen großen Worten zum Trotz mit der Regulierung von Banken und Fonds bisher kaum weitergekommen ist – weder national noch global.
Gleichzeitig macht Schwarz-Gelb wenig Anstalten, die 40.000 Einzelvorschriften zu durchkämmen, mit denen Mittelständler in diesem Land drangsaliert werden. Das ist umso schwerer zu verstehen, als es nicht einmal Geld kosten würde, ein solches Aufbruchsignal zu setzen. Auch innovative Unternehmen warten immer noch darauf, dass ihnen die Arbeit in Deutschland erleichtert wird. Längst wollte Schwarz-Gelb es anderen Industrieländern nachtun und die Forschungsausgaben mit Steuergutschriften anfachen – es sollte einfach mal geschehen. Man müsste dafür nur die politischen Prioritäten verschieben, weg von den Hotellobbyisten und Steuersenkungsideologen.
Das größte Problem am Arbeitsmarkt hat mit Steuern nämlich nichts zu tun: Geringverdiener müssen von ihrem kargen Verdienst auch noch die vollen Sozialabgaben abführen. Das ist nicht nur ungerecht, es ist auch eine Schwäche des Standorts Deutschland. Im Aufschwung kann man damit noch leben, in den gefährlichen Jahren, die vor uns liegen, aber nicht. Also müsste die Regierung flugs über ihren Schatten springen und – statt allgemein die Einkommensteuer zu senken – erst einmal gezielt die Sozialbeiträge für Niedriglöhner verringern.
So gut Deutschland unter den Industrieländern auch dasteht, es darf über allen Rettungsaktionen nicht vergessen, sich selbst zu retten. Die Voraussetzungen dafür sind gut – wenn Berlin die Wirtschaftspolitik nicht auf die Zeit nach der Krise verschiebt. Die Entscheidungen müssen jetzt fallen, sollen sie die dritte Welle der Krise brechen.
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- Datum 11.03.2010 - 10:54 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.03.2010 Nr. 11
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Angesichts unserer wirtschaftlichen Ausrichtung und der hohen Staatsschulden kann Stagflation drohen.
Die Wirtschaft stagniert, waehrend es eine Inflation gibt.
Das Wachstum wird zumindest nicht so hoch sein, dass es nachhaltig neue Arbeitsplaetze schaffen kann.
Es droht nicht nur eine "jobless recovery" sondern auch ein Sinken der Kaufkraft der Arbeitnehmer, weil es wahrscheinlich nur geringe Lohnerhehungen geben wird bei einem gleichzeitigen Steigen der Inflation.
Die Zeichen fuer eine solche sind klar. Obwohl kurzfristig eher die Defaltion ein problem ist, werden aufgrund der Ungleichgewichte im euro und dollar raum und der hohen Schulden die Verfuehrer eine Inflation herbeireden.
Bezahlen wird dafuer der Durchschnittsbuerger.
Die Alternative ist auch nicht viel besser. Durch einen radikalen konsolidierungskurs und eine harte Sparpolitik haette man zwar die Schulden niedrig halten koennen, der Absturz waere jedoch enorm gewesen.
Jetzt bekommen wir eine lange kontinuierliche Wirtschaftsentwicklung, von der der Normalbuerger kaum profitieren duerfte. Wege dies zu aendern gibt es wenig.
Die Fehler wurden in der Vergangenheit gemacht. JEtzt muessen wir dafuer bezahlen.
Ist das größte Problem am Arbeitsmarkt nicht eher, dass es überhaupt einen derart großen Niedriglohnsektor gibt?
Schließlich haben wir in Deutschland jahrelang unter unseren Verhältnissen gelebt, was man überdeutlich daran sieht, dass die Löhne in Deutschland schon seit mehreren Jahren real sinken. Dass andere Länder, wie z.B. Griechenland, diesem Wahnsinn nicht gefolgt sind, kann man ihnen nun wirklich nicht verübeln.
Dadurch haben wir eine deutliche Mitschuld an der Schieflage in der Eurozone. Es wird Zeit, dass wir dies beheben und auch die unteren Schichten über Lohnerhöhungen am Wohlstand teilhaben lassen - schließlich sind es zum größten Teil die unteren Schichten, die diesen Wohlstand mit ihrer Arbeit erwirtschaften.
.... und so führt diese Überlegung ins Leere: " Das größte Problem am Arbeitsmarkt hat mit Steuern nämlich nichts zu tun: Geringverdiener müssen von ihrem kargen Verdienst auch noch die vollen Sozialabgaben abführen." Richtiger wäre es die Kinder beim Namen zu nennen und Sein Geld zurück zu verlangen. Warum sollte jemand 45 Jahre lang hohe Abgaben und Steuern bezahlt haben um Schulen usw zu finanzieren und dann sehen, wie die Kinder hohe Einkommen haben und geringere Steuern und Abgaben?
"Warum sollte jemand 45 Jahre lang hohe Abgaben und Steuern bezahlt haben um Schulen usw zu finanzieren und dann sehen, wie die Kinder hohe Einkommen haben und geringere Steuern und Abgaben?"
Entschuldigung, aber so können nur Deutsche denken! Kein Wunder, dass man in der deutschen Politik nicht nachhaltig und an die Kinder und Enkelkinder denkend agiert.
"Warum sollte jemand 45 Jahre lang hohe Abgaben und Steuern bezahlt haben um Schulen usw zu finanzieren und dann sehen, wie die Kinder hohe Einkommen haben und geringere Steuern und Abgaben?"
Entschuldigung, aber so können nur Deutsche denken! Kein Wunder, dass man in der deutschen Politik nicht nachhaltig und an die Kinder und Enkelkinder denkend agiert.
Die Deutschen haben sich zur Unzeit die schlechteste aller falschen Regierungen gewählt. Aber, schlechte Wirtschaftspolitik gibt es seit den Zeiten des Kanzlers H. Schmidt.
Man kann wohl nur noch auf den Regierungswechsel warten bis die Nachfolgeregierung wieder ein Ziel (agenda2020) setzt.
Am besten man setzt sich für einige Jahre in Tiefschlaf.
... ist die Agenda2020 dann erfolgreicher als die Agenda2010 es war.
... ist die Agenda2020 dann erfolgreicher als die Agenda2010 es war.
Entschuldigung, aber den Artikel hätte man bereits seit 20 Jahren jede Woche einmal schreiben können. Aber Bürokratieabbau bedeutet auch den Abbau von Subventionen und wenn nur ein Verband betroffen ist, wird wieder das Neoliberale Gespenst hervorgeholt.
Staat vor Privat, in dieser Falle des nahezu absolutistisch verfolgten Grundsatzes ist Deutschland gefangen und es wäre ein bißchen viel verlangt wenn dieses, seit 25 Jahren Eingeübte von einer Regierung in knapp 6 Monaten verändert werden könnte. Zumal ein Regierungspartner, die FDP, ja als Hauptfeind allen menschlichen Daseins entlarvt ist..
Also lassen wir uns zufrieden sein, wenn London uns eine ertaunliche gute Verfassung bescheinigt und hoffen, dass es weiter so gut läuft. Mehr ist doch gar nicht drin.
Z. B. kümmert sich doch der DGB nach Zeitungsmeldungen jetzt um die Gesundheitsreform, statt sich um auskömmliche Arbeit für möglichst viele einzusetzen.
Der Spekulanten-Freund der Zeit: "Nirgendwo sonst müssen Unternehmen und Konsumenten weniger Schulden abbauen als zwischen Rhein und Oder." Eine neue Zahl macht dennoch die Runde: 480 000 000 000 € an toxischen Papieren liegen mittlerweile als "Sondervermögen" bei der Soffin, für die die Steuerzahler gerade stehen: Sozialismus für die Reichen.Die Verarmung des Staates ist im Übrigen der systematisch und bewusst eingesetzte Hebel zur Durchsetzung von privaten Geschäften.
Ist das nicht ein Synonym für deutsche Politik seit der Kohl Aera?
Ein von allen mit Schimpf überschütteter Schröder mit HarzIV und Agenda 2010 hat wenigstens Bewegung gebracht, unpopulistische gar, aber er hat polarisiert. Für Unsere Gute Frau Aus Meck Pomm zählen doch nur ihre Beliebtheitswerte.
Schließlich war ER auch ein guter Lehrmeister.
Schröder ist vor allem für eines bekannt, für Hartz IV ohne Entlastung der öffentlichen Haushalte, für Steuersenkungen der Konzerne und handwerklich schlampig gemachte Gesetze, mit fragwürdiger verfassungstreue.
Vielleicht bringt da am Ende Merkels Schweigen deutlich mehr, statt nach 100 Tagen eine Reform zu durchzuhecheln, bei der später nur die Fachleute merken, wie sehr sie uns geschadet haben.
Ob gut geplante Reformen kommen? Keine Ahnung! Aber wenn Sie kommen sollten, rechne ich nicht vor dem Ende des Jahres mit einer vernünftig führbaren Diskussion darüber.
Wie gut, das wir den hemdsärmeligen Basta-Populisten Schröder los sind, dessen Reformen samt und sonders vor dem Verfassungsgericht endeten.
H.
Das sehe ich zwiespältig.
Richtig ist, das die Kurzarbeit, die Abwrackprämie etc. erst einmal einen Gau verhindert haben.
Letztlich aber kann solches Gegensteuern nur wirken, wenn die Wirtschaft gesund ist, denn die wertlos gewordenen Geldvermögen sind ja nicht verschwunden, sondern nur verstaatlicht worden, weltweit, auch bei uns.
Es gibt begründeten Verdacht, dass unsere Wirtschaft bei weitem nicht so robust ist, wie gerne behauptet. sollte sich das als richtig erweisen, kommen die Auswüchse nur langsamer und nur etwas abgeschwächt mit Zeitverzögerung bei uns an.
Das ist zwar immer noch eine bessere Vorgehensweise, wäre aber kaum Anlass sich auf die Schultern zu klopfen, denn wenn sich das bewarheitet, steht die deutsche politi knur etwas weniger armselig da.
H.
Schröder ist vor allem für eines bekannt, für Hartz IV ohne Entlastung der öffentlichen Haushalte, für Steuersenkungen der Konzerne und handwerklich schlampig gemachte Gesetze, mit fragwürdiger verfassungstreue.
Vielleicht bringt da am Ende Merkels Schweigen deutlich mehr, statt nach 100 Tagen eine Reform zu durchzuhecheln, bei der später nur die Fachleute merken, wie sehr sie uns geschadet haben.
Ob gut geplante Reformen kommen? Keine Ahnung! Aber wenn Sie kommen sollten, rechne ich nicht vor dem Ende des Jahres mit einer vernünftig führbaren Diskussion darüber.
Wie gut, das wir den hemdsärmeligen Basta-Populisten Schröder los sind, dessen Reformen samt und sonders vor dem Verfassungsgericht endeten.
H.
Das sehe ich zwiespältig.
Richtig ist, das die Kurzarbeit, die Abwrackprämie etc. erst einmal einen Gau verhindert haben.
Letztlich aber kann solches Gegensteuern nur wirken, wenn die Wirtschaft gesund ist, denn die wertlos gewordenen Geldvermögen sind ja nicht verschwunden, sondern nur verstaatlicht worden, weltweit, auch bei uns.
Es gibt begründeten Verdacht, dass unsere Wirtschaft bei weitem nicht so robust ist, wie gerne behauptet. sollte sich das als richtig erweisen, kommen die Auswüchse nur langsamer und nur etwas abgeschwächt mit Zeitverzögerung bei uns an.
Das ist zwar immer noch eine bessere Vorgehensweise, wäre aber kaum Anlass sich auf die Schultern zu klopfen, denn wenn sich das bewarheitet, steht die deutsche politi knur etwas weniger armselig da.
H.
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