Enders im Interview "Meine Söhne fiebern mit"

Airbus-Chef Thomas Enders über kritische Stunden, zusätzliche Steuermilliarden für den Militärtransporter A400M – und warum es leichter ist, in China Fuß zu fassen als in den USA.

Airbus-Chef Thomas Enders: "Luftfahrt ist eine besondere Branche"

Airbus-Chef Thomas Enders: "Luftfahrt ist eine besondere Branche"

DIE ZEIT: Herr Enders, der Schrecken hat ein Ende. Sie bekommen zusätzliche Milliarden aus Deutschland, Frankreich und anderen EU-Ländern für den Militärtransporter A400M.

Thomas Enders: Die Schlacht ist geschlagen. Bei Airbus sind wir dankbar, jetzt eine Vereinbarung mit den Nationen gefunden zu haben. 3,5 Milliarden Euro sind ein veritabler Beitrag zu den Programmkosten. Es hat sich gelohnt, hart zu kämpfen und die Regierungen nicht aus ihrer Mitverantwortung für die A400M-Probleme zu entlassen.

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ZEIT: Jetzt können Sie es ja sagen. Kosten die 180 Flugzeuge tatsächlich 31 statt 20 Milliarden Euro?

Enders: Das war eine Schätzung von Regierungsberatern und basiert auf Worst-Case-Annahmen. Wir haben das Interesse, dass es nicht so weit kommt. Denn dann würden auch die heutigen Rückstellungen nicht ausreichen. Trotzdem gilt, die A400M bleibt für Jahre finanziell wie ressourcenseitig eine große Belastung für Airbus.

ZEIT: Können Sie noch empfehlen, einen Vertrag mit Thomas Enders zu unterschreiben?

Enders: Natürlich. Aber ich kann niemandem empfehlen, auch nur zu erwägen, einen Vertrag zu unterzeichnen, wie wir ihn im Jahr 2003 mit den sieben Bestellnationen unterzeichnet haben.

ZEIT: Haben Sie schon mal ein Haus gebaut?

Enders: Ja.

ZEIT: Und war es hinterher 50 Prozent teurer, als ursprünglich vereinbart?

Enders: (lacht) Welcher Häuslebauer hat dabei nicht sein blaues Wunder erlebt? Aber ich will Airbus nicht mit der Baubranche vergleichen. Die Kostenexplosion bei der A400M entstand, weil die Vertragsparteien zu Beginn keine realistische Einschätzung vorgenommen haben. Ein Festpreisvertrag für ein völlig neu zu entwickelndes Flugzeug, ein überdimensionierter Zeitplan, überzogene Kundenforderungen und eine unzureichende Industriestruktur – das konnte nicht gut gehen.

ZEIT: Sie waren damals schon in führender Position bei der Muttergesellschaft von Airbus, dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, tätig. Was ist Ihre Verantwortung?

Enders: Ich war damals nicht für die A400M zuständig. Aber ich will mich auch nicht wegducken. Ich sage: Das waren wir. Wir bei EADS. Das war so eine Phase, wo EADS und Airbus vor lauter Kraft kaum laufen konnten. Und sehen Sie: Da hat man zehn Jahre für ein Projekt geworben. All die Arbeit hineingesteckt. Und dann kommt dieses kleine Zeitfenster: Sieben Nationen, sieben Airforces einigen sich, keine Parlamentswahl steht an. Man denkt: Jetzt oder nie. Und gut, wenn es nicht auskömmlich ist, dann werden wir hinterher schon sehen, wie wir eine Lösung finden. So denken viele, aber es funktioniert fast nie. Wir haben also unsere Kräfte und Möglichkeiten bei Weitem überschätzt.

ZEIT: Und am Ende hatten die Regierungen den längeren Atem.

Enders: Es war ein Pyrrhussieg für beide Seiten. Die Besteller haben sich gefreut, dass sie uns so geknebelt haben. Aber wem hilft’s, wenn die Industrie ihre Verpflichtungen nicht erfüllen kann? Eine Lehre ist, dass beide Seiten vor Abschluss eines solchen Vertrages offen und ehrlich über Risiken reden sollten und diese dann auch in den Budget- und Lieferplänen angemessen berücksichtigen. Dafür werbe ich seit Jahren.

Leser-Kommentare
  1. für wie gut durchdacht hat die eads das geschäfft gehalten??
    wieviele bestechungsgelder sind de da geflossen das sie sich dermasen drauf verlassen haben??

    das war doch jedem normal denkenden menschen klar das diese firma niemals einen us rüstungsauftrag in diesem umfang erhält. wen ein inländischer hersteller dies auch anbietet.
    ich sehe die herrn manager denken nicht wirklich weit. ich empfehle hierzu ein paar gute bücher die sich mit der rüsstungsindustrie und ihrer geschichte auseinandersetzen.

    mfg

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    Da kann ich "revolvermann" nur absolut zustimmen, wie dumm naiv muß man eigentlich sein, wenn man glaubt, daß die Amerikaner einen so umfangreichen Rüstungsauftrag an ein ausländisches Unternehmen vergeben!? Faire Ausschreibungen, Handelsschrankenabbau, alles nur etwas für die dummen naiven Europäer!Ich lach mich krumm...

    Da kann ich "revolvermann" nur absolut zustimmen, wie dumm naiv muß man eigentlich sein, wenn man glaubt, daß die Amerikaner einen so umfangreichen Rüstungsauftrag an ein ausländisches Unternehmen vergeben!? Faire Ausschreibungen, Handelsschrankenabbau, alles nur etwas für die dummen naiven Europäer!Ich lach mich krumm...

    • tuxman
    • 10.03.2010 um 12:21 Uhr

    Mal ehrlich, wer trauert schon einem Rüstungskonzern hinterher, jeder Rheinmetall Mitarbeiter ist im Laufe seiner "Karriere" für über 100 Morde mitverantwortlich. Wer einem Mörder eine Waffe beschafft wird wegen Mittäterschaft angeklagt, warum werden die Produzenten nicht zur Verantwortung gezogen? Weil sie Steuern zahlen?

    Es wird Zeit Unternehmen, die so krass und so direkt am Leid von Millionen von Menschen verdienen das Wasser abgraben. Airbus hat die versprochenen Vertragsbedingungen aufgrund eigener Verfehlungen nicht eingehalten, also sollte man das Produkt auch nicht nehmen.

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    ja nicht, was sie in einem Tankflugzeug für eine Waffe sehen? Es hiilft lediglich die Kampfjets auf ihrer Reise ins Feindesland zu betanken. Klar, trägt es in dem Sinne auch zur Vernichtung bei, aber wenn sie so anfagenzu argumentieren, dann müsseten sie auch alle Erdölkonzerne anprangern, die ja das Kerosin herstellen. Am besten auch gleich die Erde, weil die hat das Erdöl ja bereitgestllt. -.-

    Mfg

    ja nicht, was sie in einem Tankflugzeug für eine Waffe sehen? Es hiilft lediglich die Kampfjets auf ihrer Reise ins Feindesland zu betanken. Klar, trägt es in dem Sinne auch zur Vernichtung bei, aber wenn sie so anfagenzu argumentieren, dann müsseten sie auch alle Erdölkonzerne anprangern, die ja das Kerosin herstellen. Am besten auch gleich die Erde, weil die hat das Erdöl ja bereitgestllt. -.-

    Mfg

  2. ja nicht, was sie in einem Tankflugzeug für eine Waffe sehen? Es hiilft lediglich die Kampfjets auf ihrer Reise ins Feindesland zu betanken. Klar, trägt es in dem Sinne auch zur Vernichtung bei, aber wenn sie so anfagenzu argumentieren, dann müsseten sie auch alle Erdölkonzerne anprangern, die ja das Kerosin herstellen. Am besten auch gleich die Erde, weil die hat das Erdöl ja bereitgestllt. -.-

    Mfg

    Antwort auf "Deutschland Waffenfrei"
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    • xtc
    • 10.03.2010 um 13:54 Uhr

    Na dann sag ich mal, daß es ja auch eigentlich gar keine gefährlichen Waffen gibt. Die durchgeladene Pumpgun ist die Harmlosigkeit "in Person", solange niemand den Abzug drückt.

    • xtc
    • 10.03.2010 um 13:54 Uhr

    Na dann sag ich mal, daß es ja auch eigentlich gar keine gefährlichen Waffen gibt. Die durchgeladene Pumpgun ist die Harmlosigkeit "in Person", solange niemand den Abzug drückt.

  3. Ja, warum wird das schöne Geld immernoch in Rüstungsprojekte investiert und nicht in Bildung und Frieden - in neue Märkte und soziale Aufgaben?

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    Weil die Welt halt nicht 68 ist...

    Weil die Welt halt nicht 68 ist...

    • joG
    • 10.03.2010 um 13:26 Uhr

    ....und den Vertrag mit den Amerikanern nicht riskiert. Darin war nämlich ein Festpreis für die Flugzeuge angegeben und EADS kann, anders als die deutsche und französische Regierungen, nicht politisch unter Druck setzen.
    Andererseits war es offenbar Northrop Grumman die zurücktrat. Die Fixpreisvereinbarung trauten sie vielleicht EADS nicht zu?

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    • cvnde
    • 10.03.2010 um 18:38 Uhr

    Sie vergleichen immer Äpfel mit Birnen.
    Hier geht es um ein Flugzeug, dass längst flieg und sich bewährt hat.

    Der A400M als Zelle ist auch nicht das Probleme, man will aber unbedingt diese bestimmten Triebwerke haben.
    Wenn man da ein paar ordentliche Fans dran montieren würde könnte das dingen in einem halben Jahr oder so in Serie gehen.
    Diese Triebwerke sind aber unbedingt von den Auftraggebern gewollt.

    • cvnde
    • 10.03.2010 um 18:38 Uhr

    Sie vergleichen immer Äpfel mit Birnen.
    Hier geht es um ein Flugzeug, dass längst flieg und sich bewährt hat.

    Der A400M als Zelle ist auch nicht das Probleme, man will aber unbedingt diese bestimmten Triebwerke haben.
    Wenn man da ein paar ordentliche Fans dran montieren würde könnte das dingen in einem halben Jahr oder so in Serie gehen.
    Diese Triebwerke sind aber unbedingt von den Auftraggebern gewollt.

  4. Weil die Welt halt nicht 68 ist...

    • xtc
    • 10.03.2010 um 13:54 Uhr

    Na dann sag ich mal, daß es ja auch eigentlich gar keine gefährlichen Waffen gibt. Die durchgeladene Pumpgun ist die Harmlosigkeit "in Person", solange niemand den Abzug drückt.

    Antwort auf "Ich weiß"
  5. Da kann ich "revolvermann" nur absolut zustimmen, wie dumm naiv muß man eigentlich sein, wenn man glaubt, daß die Amerikaner einen so umfangreichen Rüstungsauftrag an ein ausländisches Unternehmen vergeben!? Faire Ausschreibungen, Handelsschrankenabbau, alles nur etwas für die dummen naiven Europäer!Ich lach mich krumm...

    Antwort auf "selten so laut gelacht"

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