Ungewöhnliche Berufe Die Falkenärztin
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BWL-Kenntnisse in der Weiterbildung

Inzwischen gilt die Klinik nicht nur als weltweit führend in der Falkenmedizin, sondern es ist auch eine der beliebtesten Touristenattraktionen in dem größten und reichsten der Emirate. Auf zweistündigen Touren lernen die Besucher die Tradition der Falknerei kennen, besuchen das Museum und können sich mit einem Falken auf dem Arm fotografieren lassen.

Als einer ihrer Kunden fragte, ob er seinen Falken nicht bei ihr unterbringen könne, wenn er nach Europa reise, zögerte Margit Gabriele Müller nicht lange. Sie nahm den Vogel auf, entdeckte eine Marktlücke und eröffnete eine Kleintierpension, in der mittlerweile neben Hunden und Katzen auch Schildkröten und Hasen verpflegt werden. Vor Kurzem kam ein Konferenzzentrum mit einem zweiten Museum auf dem Klinikgelände dazu.

An unternehmerischen Ideen mangelte es der agilen Ärztin noch nie. Nur die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse fehlten ihr. »Ich habe zwar instinktiv oft die richtigen Entscheidungen getroffen, aber mein Wissen reichte einfach nicht aus, um das immer größer werdende Falkenhospital mit fundiertem wirtschaftlichen Hintergrundwissen leiten zu können«, erzählt sie.

Daher beschloss sie im Sommersemester 2006, neben dem Job ein MBA-Studium zu absolvieren, und entschied sich für die Business School der schottischen University of Strathclyde, die in Abu Dhabi eines ihrer internationalen Zentren betreibt. »Als ich mich bewarb, haben die erst mal gedacht, ich hätte mich geirrt«, erzählt Müller. Dass sich eine Tierärztin für Wirtschaft interessiere, sei eben sehr ungewöhnlich gewesen.

Doch trotz ihres arbeitsintensiven Jobs in der Klinik und des MBA-Studiums am Abend und am Wochenende dauerte ihr die Ausbildung einfach zu lange. »Ich bin niemand, der seine Zeit unnütz verbringt, wenn es auch anders geht«, erzählt die Ärztin. Sie stellte einen offiziellen Antrag, das restliche Studium auf einmal durchzuziehen. Die Schule stimmte aufgrund ihrer guten Leistungen zu. »Die haben nicht geglaubt, dass ich das Pensum schaffe.« Doch sie habe sich täglich einen Plan gemacht, in dem sie minutiös aufschrieb, was sie an welchem Tag lernen muss, und sich dann exakt an diesen Plan gehalten. Nach 14 Monaten hatte sie den MBA-Abschluss in der Tasche.

»Das Studium hat mir viel gebracht«, resümiert sie heute. Ob bei der Finanzplanung, im Marketing oder der besseren Abschätzung einer neuen Dienstleistung, heute könne sie auf ihre Wirtschaftskenntnisse zurückgreifen. »Es war für mich eine ganz neue Erfahrung, die Businesssprache zu verstehen und qualifiziert mitreden zu können.« Müller hält es für ein großes Manko, dass der wirtschaftliche Aspekt bei der Ärzteausbildung bisher außer Acht gelassen wird. »Auch wer nur eine kleine Tierarztpraxis führt, hat ein Geschäft, und wenn es nicht läuft, ist er irgendwann pleite.«

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