Stipendienprogramm Die Unis sollen das Geld eintreiben

Dem nationalen Stipendienprogramm droht ein Fehlstart, wenn die Politik alle Verantwortung den Hochschulen zuschiebt.

Studenten an der Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)

Studenten an der Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)

Wer sich dieser Tage bei den Pressestellen großer deutscher Universitäten nach dem geplanten nationalen Stipendienprogramm erkundigt, bekommt zwei Arten von Antworten. Die eine ist der Typ verschämtes Räuspern: »Damit haben wir uns noch nicht beschäftigt.« Die andere Antwort ist ein Eingeständnis: »Uns wird angst und bange, wenn wir an den Aufwand denken, der da auf uns zukommt.« In jedem Fall schließt sich die Bitte an, die Hochschule nicht namentlich zu nennen.

Angst und bange werden sollte angesichts solcher Reaktionen auch den Verfechtern der Idee, den Anteil der Stipendiaten an Deutschlands Hochschulen von bislang zwei auf acht Prozent eines Jahrgangs zu heben – allen voran Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und der FDP-Wissenschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Andreas Pinkwart.

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Denn schon in wenigen Monaten soll es losgehen, der Gesetzentwurf ist gerade in der Ressortabstimmung und folgt weitgehend dem Prinzip, das Pinkwart bereits auf Landesebene erprobt hat: Der Staat zahlt pro Stipendiat und Monat 150 Euro – aber nur, wenn private Geldgeber sich verpflichten, den gleichen Betrag noch einmal obendrauf zu legen.

Genau hier kommen die Hochschulen ins Spiel: Sie sollen die Anwerbung potenzieller Spender übernehmen und sie dann anschließend über Dinner, Infoveranstaltungen oder auch nur regelmäßige Dankespost bei Laune halten. Pinkwart lässt keine Gelegenheit aus, zu betonen, wie gut das in Nordrhein-Westfalen funktioniert habe, übrigens gerade auch in ärmeren Regionen. Denn genau dort erwarten die Gegner des Stipendienfonds die größten Probleme bei der Einwerbung der Mittel. Sie bezweifeln, dass sich genug spendenfreudige Unternehmen, Stiftungen und Privatleute auftreiben lassen.

Tatsächlich hat die Universität Duisburg-Essen trotz ihres vermeintlich so strukturschwachen Umfelds fast allen anderen Standorten in Nordrhein-Westfalen den Rang abgelaufen und im vergangenen Jahr sogar mehr private Spendengelder einwerben können, als es ihrem Anteil an den Landesstipendien ursprünglich entsprochen hätte. Mittlerweile, rechnet der Duisburger-Essener Fundraiser Bernd Thunemeyer stolz vor, bezögen 0,5 Prozent der Studenten die Unterstützung.

Ob der Erfolg Duisburg-Essen indes zum Vorbild für den Rest des Landes macht, weiß auch Thunemeyer nicht so recht: »Für das nationale Programm müssten wir unsere Einwerbungen versechzehnfachen.« In absoluten Zahlen: Statt 130 Stipendien gilt es dann, 2500 einzuwerben. Jedes Jahr. Konnte die 0,5-Prozent-Marke noch »in einer gemeinsamen Anstrengung von Zentralverwaltung und Fachbereichen« genommen werden, wie Thunemeyer es ausdrückt, werde das bei angestrebten acht Prozent garantiert nicht klappen. »Dafür brauchen wir zusätzliche Stellen, sonst geht das schief.«

So wird Pinkwarts Paradebeispiel Duisburg-Essen plötzlich zum Symbol für die Befürchtungen vieler Hochschulen im ganzen Land. Das Geld möge da sein bei den Spendern, sagt die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, doch in Nordrhein-Westfalen habe sich erwiesen, wie mühsam es sei, private Geldgeber von einem Engagement zu überzeugen. »Hier braucht es offenbar weitere Anreize.«

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