Pro höhere Studentenquote Brauchen wir mehr Studenten?

Ja, sagt Jutta Allmendinger, weil ein Studium ein breites Fundament für die berufliche Weiterentwicklung aller bietet

Brauchen wir wirklich mehr Studenten?

Brauchen wir wirklich mehr Studenten?

Alle Berechnungen kommen zum selben Ergebnis: Wir brauchen mehr Hochschulabsolventen pro Geburtsjahrgang. Das gilt selbst dann, wenn wir die Zahl der Akademiker in Deutschland nur stabil halten wollen – die im internationalen Vergleich ohnehin schon niedrig ist. Grund ist der sich abzeichnende drastische Bevölkerungsrückgang. Wollen wir zukunftsfähig bleiben, brauchen wir sogar mehr als nur stabile Zahlen, nämlich einen deutlichen Zuwachs bei der Gruppe der Hochschulabsolventen. Denn neue Jobs in Deutschland entstehen überwiegend bei den wissensbasierten Dienstleistungen, und für diese Tätigkeiten ist eine sehr gute und breit fundierte Qualifikation die Voraussetzung.

Deutschland hatte der OECD-Veröffentlichung Bildung auf einen Blick zufolge 2007 eine Studienanfängerquote von 34 Prozent und lag damit deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 56 Prozent. Auf der anderen Seite gibt es in Deutschland mehr Bildungsarme als in anderen Ländern. Diese haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Nehmen wir die gegenwärtige Hartz-IV-Diskussion. Arbeitslose zögen die staatliche Alimentierung dem eigenen Erwerbseinkommen vor, lautet der Kernvorwurf. Die staatlichen Leistungen müssten gesenkt werden, dann lohne sich Arbeit wieder, und Alg-II-Bezieher bemühten sich endlich um Erwerbsarbeit. Doch diese Rechnung geht nicht auf. Viele Hartz-IV-Bezieher haben ein niedriges Bildungsniveau, andere haben veraltete berufliche Qualifikationen. Welche Arbeit sollen diese Menschen übernehmen? Wer hilft ihnen, in Berufe umzuschulen, in denen wir Fachkräfte brauchen – in der Pflege oder in den Schulen?

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Wir müssen uns eingestehen, dass wir viele der Hartz-IV-Bezieher einfach links haben liegen lassen. Dafür müssen wir geradestehen; die Betroffenen sind nicht die Schuldigen.

Was wir für die Zukunft brauchen, ist eine gute und breite Bildung. Es kann nicht mehr die eine, berufsspezifische Ausbildungsphase in der Jugend sein, die ein Leben lang tragen muss. Gefragt ist ein belastbares Fundament, das eine spätere Weiterentwicklung in unterschiedliche Bereiche erlaubt. Hierzu bedarf es zunächst einer Grund(aus-)bildung für alle und einer hohen Bildung für möglichst viele. Gemeint ist damit nicht die rein akademische Bildung, die weit entfernt vom realen Berufsleben ist. Eine hohe Bildung bedeutet, theoretisches Wissen mit Erfahrung zu verknüpfen und gleichzeitig soziale Kompetenzen und Gemeinsinn zu entwickeln.

Unser duales Ausbildungssystem war jahrzehntelang weltweit ein Erfolgsmodell. Seine Prämisse, die enge Verzahnung von abstraktem Wissen und praxisnaher Anwendung, bleibt bis heute gültig. Hinterfragt werden müssen aber spezifische Elemente dieses Systems: die rund 350 Ausbildungsberufe zum Beispiel und die hoch spezialisierten Berufsbilder, die damit einhergehen. Dass das Ausbildungssystem noch immer stark auf den industriellen Sektor ausgerichtet ist, obwohl gerade hier die meisten Jobs in Deutschland verloren gehen. Dass es nur selten Anschlussmöglichkeiten gibt, die den Weg in die Hochschulen ebnen. Dass sich eine zweite oder dritte Ausbildung – wenn überhaupt – nur nach der Überwindung hoher Hürden bewerkstelligen lässt.

Was bedeutet die Quote?

Zu den Zielen der Bologna-Reform gehört in Deutschland, die Studierendenquote zu erhöhen. Seit Jahren kritisiert die OECD, dass sich zu wenig junge Menschen hierzulande an den Hochschulen einschrieben. Zwar stieg der Anteil der Erstsemester an ihrem Altersjahrgang zuletzt auf über 40 Prozent, doch liegt die Bundesrepublik international immer noch auf den hinteren Plätzen. Aber stimmt es wirklich, dass mehr Studenten gut für das Land sind? Bedeutet das nicht weniger gute Auszubildende und eine Schwächung der Berufsbildung? Wir haben führende Experten gefragt.

Die Hochschulbildung ist hier breiter angelegt. Zumindest könnte sie es sein. Von den Irrungen einiger zu stark spezialisierter Bachelor- und Masterprogramme abgesehen, hat sie das Potenzial, akademisch und dennoch anwendungsbezogen zu bilden. Dafür sind auch Praktika nötig, und sicherlich gehören mehr Berufspraktiker in die Hochschulen und mehr Hochschullehrer in die Betriebe. Wir brauchen Einführungsveranstaltungen, ein Studium generale.

Wir brauchen mehr Kraft für die Lehre, mehr Teilzeitstudiengänge, die selbstverständliche Öffnung von Hochschulen für die Weiterbildung, eine bessere Vereinbarkeit von Studium und Familie. Kurzum: An den Hochschulen muss sich noch vieles ändern. Dies alles aber ist zu leisten.

Und wir sollten es uns leisten.

Technische Innovationen, zentral für die Wirtschaftsdynamik, sind von Hochschulabsolventen zu erwarten, nicht aus der beruflichen Bildung, so wichtig diese auch ist. In den Spitzentechnologien liegt Deutschlands Zukunft.

Die Forderungen nach mehr Studierenden und der Erhaltung des dualen Systems schließen sich nicht aus. Wir reden über einen Standort Deutschland, der sich ein differenziertes, durchlässiges Bildungssystem leisten sollte. Dann können auch mehr dual Ausgebildete studieren: Die Schweiz oder Österreich bieten eine Doppelqualifikation von Berufsausbildungsabschluss und Zugangsberechtigung zur Hochschule an. Möglich ist das aber nur, wenn wir alle mitnehmen. Wir dürfen uns nicht nur über die Exzellenz da oben den Kopf zerbrechen, sondern müssen uns auch um die Bildung da unten kümmern.

Jutta Allmendinger, 53, ist Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB)

Lesen Sie hier die Gegenmeinung von Felix Rauner, Leiter der Forschungsgruppe Berufliche Bildung an der Uni Bremen

 
Leser-Kommentare
  1. eine der unsinnigsten Erkentnisse ist, daß Deutschland zu wenig Studenten und Akademiker hätte. Das Gegenteil ist der Fall.

    Erstens: das Abitur ist heute kein Qualifikationskriterium mehr für den Universitätszugang.

    Zweitens: Es gibt zu viele Studiumsabbrecher.

    Drittens; dDie Gesellschaft hat keinen Bedarf an all den Leuten, die irgend so ein Orchideen-Studium betrieben haben: Soziologie, Politologie, Entnologie, Psychologie, Altertumswissenscahften, Philosophie, Volkswirtschaft, ... Die Anzahl akademischer Taxifahrer ist nirgends so groß wie in Deutschland

    Viertens: Es gibt zu viele, die - wenn sie einen Job mal bekommen - heillos überqualifiziert sind - (z.B. Betriebswirten und Sozialpädagogen). Wofür die langen Ausbildungszeiten bis zum 27. Lebensjahr und darüber ?

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    • SoHo
    • 15.03.2010 um 13:19 Uhr

    "Die Qualität der Aburenten auf der Unität ist katastral"

    ...mehr braucht man zu Ihrem Kommentar wohl nicht zu sagen.

    "Drittens; dDie Gesellschaft hat keinen Bedarf an all den Leuten, die irgend so ein Orchideen-Studium betrieben haben: Soziologie, Politologie, Entnologie, Psychologie, Altertumswissenscahften, Philosophie, Volkswirtschaft"

    ?????????????????????????????????????????????????????????

    Ohne diese Wissenschaften und Menschen, die sich damit beschäftigen, wäre nichts, aber auch wirklich überhaupt gar nichts von dem, was wir heute an geistigen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen haben, vorhanden!
    Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?! Woher Sie kommen? Wie es dazu gekommen ist, dass "die Gesellschaft" heute das ist, was sie ist?
    Ich muss Ihnen leider insofern zustimmen, dass es wirklich der Fall ist, dass viele Menschen meinen, diese Wissenschaften und ihre Wissenschaftler seien überflüssig, aber: Ich bitte nur um eine Sekunde nachdenken; wer muss hier wen von was überzeugen? Die Leute, die meinen, z.B. Philosophie wäre ein überflüssiges Studium, diejenigen, die Philosophie studieren oder andersherum? Und was passiert, wenn Ersteres der Fall wäre? ? Müssten diese Leute nicht selbst in irgendeiner Form philosophisch denken, um überhaupt argumentieren zu können? Und wie könnten sie das, wenn es keine Philosophiegeschichte gäbe?
    Wer der Meinung ist, Philosophie und Co. seien überflüssig oder auch nur verhältnismäßig unwichtig, denkt ebenso verquer wie der berühmte Dummkopf, der die Säge auf dem Ast ansetzt, auf dem er selbst sitzt.

    • bla123
    • 15.03.2010 um 14:11 Uhr

    gut das sie wenigstens wissen, was die gesellschaft braucht, sie orchideen-spezialist

    • MmeL
    • 15.03.2010 um 21:26 Uhr

    Eigentlich sollten ein bis zwei Philosophie als Pflichtfach eingeführt werden. Die Streitkultur würde sich verbessern, denn hier lernt man, dass ein persönliche Angriff keine Argument ist und stringente Beweisführung einer These. Gleichzeitg ist es eine Erweiterung des eigenen Tunnelblicks - zu erkennen, dass andere Menschen auch ein Recht auf andere Interessen und Lebenseinstellungen bzw. -vorstellungen haben.

    Und zu alledem kommt auch noch die Fähigkeit mal den Blickwinkel ändern zu können. Das ist bei jedem Wissenschaftler eine gute Voraussetzung.

    • SoHo
    • 15.03.2010 um 13:19 Uhr

    "Die Qualität der Aburenten auf der Unität ist katastral"

    ...mehr braucht man zu Ihrem Kommentar wohl nicht zu sagen.

    "Drittens; dDie Gesellschaft hat keinen Bedarf an all den Leuten, die irgend so ein Orchideen-Studium betrieben haben: Soziologie, Politologie, Entnologie, Psychologie, Altertumswissenscahften, Philosophie, Volkswirtschaft"

    ?????????????????????????????????????????????????????????

    Ohne diese Wissenschaften und Menschen, die sich damit beschäftigen, wäre nichts, aber auch wirklich überhaupt gar nichts von dem, was wir heute an geistigen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen haben, vorhanden!
    Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?! Woher Sie kommen? Wie es dazu gekommen ist, dass "die Gesellschaft" heute das ist, was sie ist?
    Ich muss Ihnen leider insofern zustimmen, dass es wirklich der Fall ist, dass viele Menschen meinen, diese Wissenschaften und ihre Wissenschaftler seien überflüssig, aber: Ich bitte nur um eine Sekunde nachdenken; wer muss hier wen von was überzeugen? Die Leute, die meinen, z.B. Philosophie wäre ein überflüssiges Studium, diejenigen, die Philosophie studieren oder andersherum? Und was passiert, wenn Ersteres der Fall wäre? ? Müssten diese Leute nicht selbst in irgendeiner Form philosophisch denken, um überhaupt argumentieren zu können? Und wie könnten sie das, wenn es keine Philosophiegeschichte gäbe?
    Wer der Meinung ist, Philosophie und Co. seien überflüssig oder auch nur verhältnismäßig unwichtig, denkt ebenso verquer wie der berühmte Dummkopf, der die Säge auf dem Ast ansetzt, auf dem er selbst sitzt.

    • bla123
    • 15.03.2010 um 14:11 Uhr

    gut das sie wenigstens wissen, was die gesellschaft braucht, sie orchideen-spezialist

    • MmeL
    • 15.03.2010 um 21:26 Uhr

    Eigentlich sollten ein bis zwei Philosophie als Pflichtfach eingeführt werden. Die Streitkultur würde sich verbessern, denn hier lernt man, dass ein persönliche Angriff keine Argument ist und stringente Beweisführung einer These. Gleichzeitg ist es eine Erweiterung des eigenen Tunnelblicks - zu erkennen, dass andere Menschen auch ein Recht auf andere Interessen und Lebenseinstellungen bzw. -vorstellungen haben.

    Und zu alledem kommt auch noch die Fähigkeit mal den Blickwinkel ändern zu können. Das ist bei jedem Wissenschaftler eine gute Voraussetzung.

  2. Psychologie und VWL sind sicherlich kein "Orchideen-Studium", Politik und Soziologie ebenso wenig.

    Was BWL und VWL angeht, decken doch die Absolventen die Nachfrage. Wir brauchen hier wohl nicht mehr, aber auch nicht weniger Absolventen.

  3. sind Studenten, die auch in der Lage sind, die intellektuellen Anforderungen eines Studiums zu meistern, nicht nur aus der Unfähigkeit zu realistischer Selbsteinschätzung und darauf beruhender Berufswahl studieren und die dann auch noch den Ehrgeiz und die Kraft entwickeln, ein Studium durchzustehen. Nicht die Masse machts. Machte es noch nie!

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    Ich stimme Ihnen voll und ganz zu bei allem was Sie sagen. Darüber hinaus finde ich es jedoch wichtig, daß gerade engagierte Studenten die Möglichkeit bekommen, sich fachlich auszuprobieren.
    Ein schneller und schlanker Abschluß der Uni setzt immer voraus, daß dem Betroffenen der Weg in seine Zukunft von Anfang an sehr gut bekannt ist. Das ist aber sicher nicht immer zutreffend. Außerdem kann man ein Studium nicht in Höchstzeit abschließen, und gleichzeitig eine enorm breite Bildung erfahren haben. Schnelle Abschlüsse sind etwas für verschulte Stundenpläne; Gedanken kosten Zeit.

    Übrigens habe ich in der letzten Woche Mann's Untertan gelesen, und ich habe einige Mal den Duden bemühen müssen, da sich mir trotz Hochschulausbildung (Ingenieurstudium) nicht alle Sätze gleich erschlossen. Dabei wurde mir erneut nachdrücklich klar, wie wichtig der Erhalt von Kulturschätzen - auch der Sprache - ist. Deutschland mag sein Geld mit Maschinenbau verdienen; das kann aber sicher nicht Identitätsstiftend sein. Man sollte daher auch den "Orchideen-Studien" eine Chance geben.

    Ich stimme Ihnen voll und ganz zu bei allem was Sie sagen. Darüber hinaus finde ich es jedoch wichtig, daß gerade engagierte Studenten die Möglichkeit bekommen, sich fachlich auszuprobieren.
    Ein schneller und schlanker Abschluß der Uni setzt immer voraus, daß dem Betroffenen der Weg in seine Zukunft von Anfang an sehr gut bekannt ist. Das ist aber sicher nicht immer zutreffend. Außerdem kann man ein Studium nicht in Höchstzeit abschließen, und gleichzeitig eine enorm breite Bildung erfahren haben. Schnelle Abschlüsse sind etwas für verschulte Stundenpläne; Gedanken kosten Zeit.

    Übrigens habe ich in der letzten Woche Mann's Untertan gelesen, und ich habe einige Mal den Duden bemühen müssen, da sich mir trotz Hochschulausbildung (Ingenieurstudium) nicht alle Sätze gleich erschlossen. Dabei wurde mir erneut nachdrücklich klar, wie wichtig der Erhalt von Kulturschätzen - auch der Sprache - ist. Deutschland mag sein Geld mit Maschinenbau verdienen; das kann aber sicher nicht Identitätsstiftend sein. Man sollte daher auch den "Orchideen-Studien" eine Chance geben.

    • Puzi
    • 15.03.2010 um 13:05 Uhr

    Jetzt muss die Autorin aber entscheiden: Praxisnahes Grundstudium für alle ODER technologische abstrakte Spitzenforschung beides geht nicht...

    • SoHo
    • 15.03.2010 um 13:19 Uhr

    "Die Qualität der Aburenten auf der Unität ist katastral"

    ...mehr braucht man zu Ihrem Kommentar wohl nicht zu sagen.

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    • Acrux
    • 16.03.2010 um 1:41 Uhr

    es haette heissen sollen "Die Kalliteet...."

    Ironiedetektor kaputt?

    • Acrux
    • 16.03.2010 um 1:41 Uhr

    es haette heissen sollen "Die Kalliteet...."

    Ironiedetektor kaputt?

  4. Man kann auch während der Berufsausbildung kostenlos abends Fachabitur machen.Das kommt ungefähr auf dasselbe heraus wie eine duale Qualifikation. Es ist zwar etwas zeitaufwändig aber nicht sonderlich schwer. Ob man dann auf das Studium vorbereitet ist, steht auf einem anderen Blatt. Es gibt so viele (nicht sonderlich schwere) Wege an das Fachabitur zu kommen, dass praktisch jeder der möchte zumindest auf die Fachhochschule kann. Aussortiert wird erst dort.

  5. 7. Wissen

    Ich stimme Ihnen voll und ganz zu bei allem was Sie sagen. Darüber hinaus finde ich es jedoch wichtig, daß gerade engagierte Studenten die Möglichkeit bekommen, sich fachlich auszuprobieren.
    Ein schneller und schlanker Abschluß der Uni setzt immer voraus, daß dem Betroffenen der Weg in seine Zukunft von Anfang an sehr gut bekannt ist. Das ist aber sicher nicht immer zutreffend. Außerdem kann man ein Studium nicht in Höchstzeit abschließen, und gleichzeitig eine enorm breite Bildung erfahren haben. Schnelle Abschlüsse sind etwas für verschulte Stundenpläne; Gedanken kosten Zeit.

    Übrigens habe ich in der letzten Woche Mann's Untertan gelesen, und ich habe einige Mal den Duden bemühen müssen, da sich mir trotz Hochschulausbildung (Ingenieurstudium) nicht alle Sätze gleich erschlossen. Dabei wurde mir erneut nachdrücklich klar, wie wichtig der Erhalt von Kulturschätzen - auch der Sprache - ist. Deutschland mag sein Geld mit Maschinenbau verdienen; das kann aber sicher nicht Identitätsstiftend sein. Man sollte daher auch den "Orchideen-Studien" eine Chance geben.

  6. "Drittens; dDie Gesellschaft hat keinen Bedarf an all den Leuten, die irgend so ein Orchideen-Studium betrieben haben: Soziologie, Politologie, Entnologie, Psychologie, Altertumswissenscahften, Philosophie, Volkswirtschaft"

    ?????????????????????????????????????????????????????????

    Ohne diese Wissenschaften und Menschen, die sich damit beschäftigen, wäre nichts, aber auch wirklich überhaupt gar nichts von dem, was wir heute an geistigen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen haben, vorhanden!
    Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?! Woher Sie kommen? Wie es dazu gekommen ist, dass "die Gesellschaft" heute das ist, was sie ist?
    Ich muss Ihnen leider insofern zustimmen, dass es wirklich der Fall ist, dass viele Menschen meinen, diese Wissenschaften und ihre Wissenschaftler seien überflüssig, aber: Ich bitte nur um eine Sekunde nachdenken; wer muss hier wen von was überzeugen? Die Leute, die meinen, z.B. Philosophie wäre ein überflüssiges Studium, diejenigen, die Philosophie studieren oder andersherum? Und was passiert, wenn Ersteres der Fall wäre? ? Müssten diese Leute nicht selbst in irgendeiner Form philosophisch denken, um überhaupt argumentieren zu können? Und wie könnten sie das, wenn es keine Philosophiegeschichte gäbe?
    Wer der Meinung ist, Philosophie und Co. seien überflüssig oder auch nur verhältnismäßig unwichtig, denkt ebenso verquer wie der berühmte Dummkopf, der die Säge auf dem Ast ansetzt, auf dem er selbst sitzt.

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