Kapp-Putsch Marsch auf Berlin

Im März 1920 griffen rechte Republikfeinde erstmals nach der Macht in Deutschland. Doch der Kapp-Putsch scheiterte am entschlossenen Widerstand der Arbeiterschaft.

März 1920: Auch in München reiten Anhänger des Kapp-Putsches durch die Straßen

März 1920: Auch in München reiten Anhänger des Kapp-Putsches durch die Straßen

In den späten Abendstunden des 12. März 1920 alarmiert eine Nachricht die Reichshauptstadt: Die Marinebrigade Ehrhardt marschiert auf Berlin zu. Ihr Ziel: Sturz der amtierenden Koalitionsregierung unter dem sozialdemokratischen Reichskanzler Gustav Bauer und Beseitigung der erst wenige Monate alten deutschen Republik.

Eine Stunde nach Mitternacht versammelt Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) die führenden Militärs in der Bendlerstraße. Seiner Forderung, dass man Gewalt nur mit Gewalt beantworten könne, schließt sich allein der Chef der Heeresleitung, General Walther Reinhardt, an. Alle anderen hohen Offiziere lehnen einen Kampf gegen die Putschisten ab. »Truppe schießt nicht auf Truppe«, erklärt der Chef des Truppenamts, General Hans von Seeckt.

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Wolfgang Kapp
Wolfgang Kapp

Wolfgang Kapp (1868 - 1922 ) erklärte am 13. März 1920 nach der militärischen Besetzung Berlins die Regierungskoalition unter Reichskanzler Gustav Bauer für abgesetzt und proklamierte sich selbst zum Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten. Die neue Regierung brach am 17. März nach nur fünf Tagen zusammen. 

In einer eilig zusammengerufenen Kabinettssitzung um vier Uhr morgens, an der neben Reichspräsident Friedrich Ebert auch Mitglieder der preußischen Regierung teilnehmen, wird beschlossen, auf bewaffneten Widerstand zu verzichten. Eine erregte Debatte entspinnt sich über die Frage, ob man in der Hauptstadt bleiben solle oder nicht. Schließlich einigt man sich auf einen Kompromiss: Ebert, Bauer und die meisten Minister sollen sich nach Dresden begeben, da Noske den dort kommandierenden General Georg Maercker für zuverlässig hält; der Vizekanzler aber, Justizminister Eugen Schiffer von der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), soll mit zwei weiteren Ministern in Berlin ausharren.

Um 6.15 Uhr verlässt Ebert, in Begleitung von Außenminister Hermann Müller und seinem leitenden Büromitarbeiter Otto Meissner, im Kraftwagen seinen Amtssitz. Zehn Minuten später rücken die Putschtruppen in die Wilhelmstraße ein.

Eigentlich kam der Umsturzversuch nicht überraschend. »Was gegenwärtig marschiert, ist die Gegenrevolution, hinter der die Monarchie schon deutlich wieder auftaucht«, notierte der Diplomat und Kunstmäzen Harry Graf Kessler Anfang September 1919. Seit der Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28. Juni gärte es im Offizierskorps.Unerträglich war für die Militärs vor allem der Gedanke, die Regierung könne ihrer Verpflichtung nachkommen und das Heer auf 100.000 Mann reduzieren. In der Truppe herrsche große Unruhe, meldete der kommandierende General des Reichswehrgruppenkommandos I in Berlin, Walther Freiherr von Lüttwitz, dem Reichswehrminister, »weil die berechtigte Frage: Wann werde ich auf die Straße gesetzt? in allen Köpfen spukt«.

Vor allem die Freikorps, die Noske in den bürgerkriegsähnlichen Kämpfen des Frühjahrs 1919 gegen die radikale Linke eingesetzt hatte, sträubten sich gegen ihre Auflösung. Dazu zählte auch die Marinebrigade unter Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt, die im Januar 1920 nach Döberitz, 25 Kilometer von Berlin entfernt, verlegt wurde. Die rund 5000 Mann starke Truppe betätigte sich offen republikfeindlich, lehnte Schwarzrotgold ab und trug – ein deutliches Zeichen für ihre Sympathien mit völkisch-rechtsradikalen Kreisen – das Hakenkreuz am Stahlhelm.

Leser-Kommentare
  1. Entfernt, bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ft

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    • commie
    • 13.03.2010 um 14:56 Uhr

    Entfernt, bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ft

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    • 13.03.2010 um 14:56 Uhr

    Entfernt, bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ft

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    • 13.03.2010 um 14:56 Uhr

    Entfernt, bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ft

    Antwort auf "Gegenrevolution...."
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    sind, wie man sieht, bei Ihnen -, und erfahrungsgemäß bei den Sozialisten, egal ob rote oder auch braune, stets reichlich vorhanden!

    sind, wie man sieht, bei Ihnen -, und erfahrungsgemäß bei den Sozialisten, egal ob rote oder auch braune, stets reichlich vorhanden!

  2. Jedoch unermüdlich, leider aber auch erfolgreich die ständigen Versuche den National Sozialismus - das Kuckucksei der freimaurerischen Linken - bei den Rechten anzusiedeln. Genauso übrigens verlogen, wie der deutschen Arbeiterschaft eine Führungsrolle zu zusprechen, welche es in der neu entstandenen Krummenrepublik bis heute niemals hatte - selbstverständlich auch unter Hitler nicht!

    • colca
    • 13.03.2010 um 15:48 Uhr

    Schon bei den Ereignissen des Kapp-Putsches zeigte es sich, dass die Sozialdemokraten im Zweifelsfall Angst vor der eigenen Courage haben und falsche Entscheidungen treffen.
    Hätte die Reichsregierung 1920 den Aufbau einer republikanischen, loyalen Reichswehr voran getrieben und die Putschisten vor Gericht gebracht, wäre das Land 13 Jahre später nicht wehrlos den Nazis in die Hände gefallen.
    Aber das war schon immer das Problem der Sozialdemokratie, wenn sie schon mal an der Macht ist - sie nutzt einfach ihre Chancen nicht.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Sie schreiben: "Schon bei den Ereignissen des Kapp-Putsches zeigte es sich, dass die Sozialdemokraten im Zweifelsfall Angst vor der eigenen Courage haben und falsche Entscheidungen treffen."

    Es ist schon merkwürdig: Immer wird sofort auf die SPD'ler eingehauen, obwohl sie so gut sie konnten - oft mehr schlecht als recht -, eingeengt durch ihre politischen wie individuell biographischen Macken die Republik ins Leben riefen und am Leben hielten, mit durchaus beachtlichen Erfolgen.

    Dass das gesamte Bürgertum naserümpfend beiseite stand, davon kein Wort.

    Sie schreiben: "Schon bei den Ereignissen des Kapp-Putsches zeigte es sich, dass die Sozialdemokraten im Zweifelsfall Angst vor der eigenen Courage haben und falsche Entscheidungen treffen."

    Es ist schon merkwürdig: Immer wird sofort auf die SPD'ler eingehauen, obwohl sie so gut sie konnten - oft mehr schlecht als recht -, eingeengt durch ihre politischen wie individuell biographischen Macken die Republik ins Leben riefen und am Leben hielten, mit durchaus beachtlichen Erfolgen.

    Dass das gesamte Bürgertum naserümpfend beiseite stand, davon kein Wort.

  3. sind, wie man sieht, bei Ihnen -, und erfahrungsgemäß bei den Sozialisten, egal ob rote oder auch braune, stets reichlich vorhanden!

    Antwort auf "Kamerrrrad!"
  4. Wir haben so viel Vergangenheitsbewältigung fabriziert, dass inzwischen jedes Kind den famosen Herrn H. kennt samt seiner Entourage bis zu seinen Hunden.

    Die Weimarer Republik dagegen blieb ein blinder Fleck, obwohl gerade während dieser Zeit entscheidende Weichenstellungen erfolgten, etwa die Einführung der 4jährigen Grundschule als Gesamtschule. Zwölf Verfassungsartikel sicherten Grundrechte der Jugend auf Schutz, Fürsorge und Bildung. Die Gewerkschaften wurden anerkannt, Arbeitsämter eingerichtet, die Angestellten- und Arbeitslosenversicherung gesetzlich geregelt.

    Die Forschung wurde gefördert. Die Zahl der Studenten stieg von 1928 bis 1932 von 109 118 auf 124 796. Die Wissenschaft hatte Weltniveau. Zwischen 1901 bis 1917 erhielt Deutschland 17% aller Nobelpreise, zwischen 1918 und 1932 dagegen 21%. Die Lufhansa wurde gegründet, erste Pläne für die Autobahn entstanden.

    Das Problem beshreibt die ZEIT so: "Mit klingendem Spiel, freudig begrüßt vom bürgerlichen Publikum, rückte die Brigade Ehrhardt in Berlin ein."

    Das Bürgertum stand naserümpfend abseits und wollte sich von den hergelaufenen, vater
    vaterlandslosen Gesellen in der SPD nicht regieren lassen, die ihm zudem noch einen Schustergesellen als Reichspräsidenten 'zumuteten'.

    Ich wünschte mir, die sich bürgerlich-liberal nennende ZEIT würde da in Zukunft ein Stück alternativer Vergangenheitsbewältigung und Wiedergutmachung leisten. Der vorstehende Artikel wäre ein guter Anfang.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Sie schreiben: "Schon bei den Ereignissen des Kapp-Putsches zeigte es sich, dass die Sozialdemokraten im Zweifelsfall Angst vor der eigenen Courage haben und falsche Entscheidungen treffen."

    Es ist schon merkwürdig: Immer wird sofort auf die SPD'ler eingehauen, obwohl sie so gut sie konnten - oft mehr schlecht als recht -, eingeengt durch ihre politischen wie individuell biographischen Macken die Republik ins Leben riefen und am Leben hielten, mit durchaus beachtlichen Erfolgen.

    Dass das gesamte Bürgertum naserümpfend beiseite stand, davon kein Wort.

    Antwort auf "Sozialdemokraten"

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