Die Verschwörer fliehen ins Ausland
Bereits am 16. März war Koch-Weser überzeugt: »Kapp bricht zusammen.« Deshalb lehnte die von Stuttgart aus wieder selbstbewusster agierende Regierung auch alle Vermittlungsversuche ab. Mit der Konterrevolution dürfe es kein Verhandeln geben, erklärte Ebert. Am 17. März kapitulierten die Putschisten; zuerst trat Kapp zurück, danach Lüttwitz. Die Brigade Ehrhardt zog am 18. März ab, nicht ohne zuvor am Brandenburger Tor ein Blutbad anzurichten, bei dem zwölf Menschen getötet und dreißig verletzt wurden.
Das Ende des Putsches bedeutete noch nicht das Ende des Generalstreiks. Denn nun präsentierten die Gewerkschaften, die sich das Hauptverdienst an der Verteidigung der Republik zuschreiben konnten, ihre Rechnung: Sie verlangten den Rücktritt von Noske, den sie zu Recht für die reaktionären Umtriebe in der Reichswehr verantwortlich machten, darüber hinaus eine »entscheidende Mitwirkung bei der Neuordnung der Verhältnisse«. Obwohl Ebert alles versuchte, um Noskes Entlassung zu verhindern – der Reichswehrminister war nicht mehr zu halten. Ihre weiter gehenden Forderungen allerdings vermochten die Gewerkschaften nicht durchzusetzen.
Von einer durchgreifenden Erneuerung der Reichswehr konnte keine Rede sein. Zum Chef der Heeresleitung wurde General von Seeckt ernannt, der seine Unzuverlässigkeit in der Stunde des Putsches unter Beweis gestellt hatte. Unter seiner Ägide entwickelte sich die Reichswehr der Weimarer Republik zu einem »Staat im Staate«.
Das den Gewerkschaften gegebene Versprechen, die bewaffneten Arbeiter im Ruhrgebiet nicht anzugreifen, wurde von der Regierung gebrochen. Anfang April 1920, kaum dass der Generalstreik beendet war, setzte sie gegen die »Rote Ruhrarmee« ausgerechnet jene Freikorpsverbände ein, die eben noch den Putsch unterstützt hatten. Der Publizist und spätere Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky traf ins Schwarze: »Die Soldateska, die von Lüttwitz zu Seeckt hinübergewechselt hat, wirtschaftet ungestört weiter. Übergriffe schlimmster Art sind an der Tagesordnung. Arbeiter, die zur Verteidigung der Republik die Waffen erhoben haben, werden von Seeckts ›republikanischen Truppen‹ vor Standgerichte geschleppt.«
Ebenso wenig gehalten wurde das Versprechen, die für den Staatsstreich Verantwortlichen zu bestrafen. Die meisten Verschwörer konnten sich einer Verhaftung entziehen. Kapp setzte sich nach Schweden, Lüttwitz nach Ungarn, Pabst nach Österreich ab. Ludendorff, Bauer und Ehrhardt begaben sich nach Bayern, dessen rechte Regierung die schützende Hand über sie hielt. Verurteilt wegen Hochverrats wurde im Dezember 1921 nur ein einziger Beteiligter, Kapps Innenminister Jagow. Von seiner fünfjährigen Festungshaft musste er nur drei Jahre absitzen. Gegen Ludendorff, den Regisseur des Staatsstreichs, wurde nicht einmal Anklage erhoben.
So konnte er im November 1923 von München aus zum zweiten Marsch auf Berlin ansetzen, diesmal im Bunde mit dem aufstrebenden Lokalmatador der Rechten, Adolf Hitler. Der war schon im März 1920 nach Berlin geflogen in der Hoffnung, sich den neuen Herren als Mann für die Propaganda andienen zu können. Doch er kam zu spät; der Zusammenbruch des Putsches stand unmittelbar bevor. »So wie Sie aussehen und sprechen, lachen die Leute Sie aus«, will Pabst den Bierkellerdemagogen abgekanzelt haben.
Wie man sich irren kann.
- Datum 13.03.2010 - 11:47 Uhr
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- Serie Zeitläufte
- Quelle DIE ZEIT, 11.03.2010 Nr. 11
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Entfernt, bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ft
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sind, wie man sieht, bei Ihnen -, und erfahrungsgemäß bei den Sozialisten, egal ob rote oder auch braune, stets reichlich vorhanden!
sind, wie man sieht, bei Ihnen -, und erfahrungsgemäß bei den Sozialisten, egal ob rote oder auch braune, stets reichlich vorhanden!
Jedoch unermüdlich, leider aber auch erfolgreich die ständigen Versuche den National Sozialismus - das Kuckucksei der freimaurerischen Linken - bei den Rechten anzusiedeln. Genauso übrigens verlogen, wie der deutschen Arbeiterschaft eine Führungsrolle zu zusprechen, welche es in der neu entstandenen Krummenrepublik bis heute niemals hatte - selbstverständlich auch unter Hitler nicht!
Schon bei den Ereignissen des Kapp-Putsches zeigte es sich, dass die Sozialdemokraten im Zweifelsfall Angst vor der eigenen Courage haben und falsche Entscheidungen treffen.
Hätte die Reichsregierung 1920 den Aufbau einer republikanischen, loyalen Reichswehr voran getrieben und die Putschisten vor Gericht gebracht, wäre das Land 13 Jahre später nicht wehrlos den Nazis in die Hände gefallen.
Aber das war schon immer das Problem der Sozialdemokratie, wenn sie schon mal an der Macht ist - sie nutzt einfach ihre Chancen nicht.
Sie schreiben: "Schon bei den Ereignissen des Kapp-Putsches zeigte es sich, dass die Sozialdemokraten im Zweifelsfall Angst vor der eigenen Courage haben und falsche Entscheidungen treffen."
Es ist schon merkwürdig: Immer wird sofort auf die SPD'ler eingehauen, obwohl sie so gut sie konnten - oft mehr schlecht als recht -, eingeengt durch ihre politischen wie individuell biographischen Macken die Republik ins Leben riefen und am Leben hielten, mit durchaus beachtlichen Erfolgen.
Dass das gesamte Bürgertum naserümpfend beiseite stand, davon kein Wort.
Sie schreiben: "Schon bei den Ereignissen des Kapp-Putsches zeigte es sich, dass die Sozialdemokraten im Zweifelsfall Angst vor der eigenen Courage haben und falsche Entscheidungen treffen."
Es ist schon merkwürdig: Immer wird sofort auf die SPD'ler eingehauen, obwohl sie so gut sie konnten - oft mehr schlecht als recht -, eingeengt durch ihre politischen wie individuell biographischen Macken die Republik ins Leben riefen und am Leben hielten, mit durchaus beachtlichen Erfolgen.
Dass das gesamte Bürgertum naserümpfend beiseite stand, davon kein Wort.
sind, wie man sieht, bei Ihnen -, und erfahrungsgemäß bei den Sozialisten, egal ob rote oder auch braune, stets reichlich vorhanden!
Wir haben so viel Vergangenheitsbewältigung fabriziert, dass inzwischen jedes Kind den famosen Herrn H. kennt samt seiner Entourage bis zu seinen Hunden.
Die Weimarer Republik dagegen blieb ein blinder Fleck, obwohl gerade während dieser Zeit entscheidende Weichenstellungen erfolgten, etwa die Einführung der 4jährigen Grundschule als Gesamtschule. Zwölf Verfassungsartikel sicherten Grundrechte der Jugend auf Schutz, Fürsorge und Bildung. Die Gewerkschaften wurden anerkannt, Arbeitsämter eingerichtet, die Angestellten- und Arbeitslosenversicherung gesetzlich geregelt.
Die Forschung wurde gefördert. Die Zahl der Studenten stieg von 1928 bis 1932 von 109 118 auf 124 796. Die Wissenschaft hatte Weltniveau. Zwischen 1901 bis 1917 erhielt Deutschland 17% aller Nobelpreise, zwischen 1918 und 1932 dagegen 21%. Die Lufhansa wurde gegründet, erste Pläne für die Autobahn entstanden.
Das Problem beshreibt die ZEIT so: "Mit klingendem Spiel, freudig begrüßt vom bürgerlichen Publikum, rückte die Brigade Ehrhardt in Berlin ein."
Das Bürgertum stand naserümpfend abseits und wollte sich von den hergelaufenen, vater
vaterlandslosen Gesellen in der SPD nicht regieren lassen, die ihm zudem noch einen Schustergesellen als Reichspräsidenten 'zumuteten'.
Ich wünschte mir, die sich bürgerlich-liberal nennende ZEIT würde da in Zukunft ein Stück alternativer Vergangenheitsbewältigung und Wiedergutmachung leisten. Der vorstehende Artikel wäre ein guter Anfang.
Sie schreiben: "Schon bei den Ereignissen des Kapp-Putsches zeigte es sich, dass die Sozialdemokraten im Zweifelsfall Angst vor der eigenen Courage haben und falsche Entscheidungen treffen."
Es ist schon merkwürdig: Immer wird sofort auf die SPD'ler eingehauen, obwohl sie so gut sie konnten - oft mehr schlecht als recht -, eingeengt durch ihre politischen wie individuell biographischen Macken die Republik ins Leben riefen und am Leben hielten, mit durchaus beachtlichen Erfolgen.
Dass das gesamte Bürgertum naserümpfend beiseite stand, davon kein Wort.
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