Europäischer Währungsfonds Mr. Euro
Wolfgang Schäuble bricht mit deutschen Traditionen – ein Glück.
© Louisa Gouliamaki/AFP/Getty Images

Ein Passant vor einer Filiale der Eurobank in Athen. "Diebe" und "Molotov, keine Anleihen" steht auf den heruntergelassenen Läden
Für die Mehrheit der deutschen Ökonomen begeht Wolfgang Schäuble in diesen Tagen Hochverrat. Erst lässt er seine Beamten ein Rettungskonzept für Griechenland vorbereiten, dann einen Hilfsfonds für alle finanzschwachen Länder. Schäubles Vorgänger haben lange dafür gekämpft, dass genau so etwas in Euroland verboten ist. Jeder löst seine Probleme selbst, und keiner zahlt für den anderen, so lautete ein Gesetz der Währungsunion, das doch die Stabilität des Euro sichern sollte. Schäuble bricht es, sagen seine Kritiker.
- Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps)
-
Eigentlich ist das Prinzip einfach: Wer einem anderen ein Darlehen gewährt, geht damit das Risiko ein, sein Geld nicht mehr wiederzusehen. Als Gegenleistung bekommt er Zinsen. Je höher das Ausfallrisiko einer Unternehmens- oder Staats, desto höher ist auch der Zins, der gezahlt werden muss.
Credit Default Swaps, zu deutsch: Kreditausfallversicherungen, setzen dieses Prinzip außer Kraft. Gläubiger, die einen CDS kaufen, schützen sich dadurch vor dem Totalverlust ihres Kapitals. Sie zahlen einen bestimmten Satz, bezogen auf den Nominalwert der Anleihe, an ihre Bank. Im Gegenzug springt diese ein, falls der Schuldner bankrott geht.
Credit Default Swaps können an den Finanzmärkten frei - getrennt von den zugehörigen Anleihen - gehandelt werden. Man nutzt sie, um Anlagerisiken zu beschränken oder zu diversifizieren. Sie können aber auch genutzt werden, um damit zu spekulieren - zum Beispiel, um auf eine Pleite eines Staats oder Unternehmens zu wetten.
Das stimmt sogar. Trotzdem handelt der Minister klug. Denn die Regel hat in der Praxis versagt. Sonst wäre es nicht so weit gekommen, dass der Süden der Währungsunion beim Norden tief in der Kreide steht. So tief, dass ein Bankrott allen schaden würde. Es ist bemerkenswert, dass ein konservativer Finanzminister bereit ist, die Konsequenz aus den Versäumnissen der Euro-Architekten um Theo Waigel und Hans Tietmeyer zu ziehen.

Für Griechenland kommt er wohl zu spät. Wird der EWF beschlossen, könnte er künftig auch Staatsinsolvenzen abwickeln - die Rolle des Retters spielt er nur bedingt
Mit der Errichtung eines Währungsfonds würde Europa anerkennen, dass eine gemeinsame Währung ohne Solidarität nicht überlebensfähig ist. Die Defizitregeln würden verschärft, und im Gegenzug würde ein Rahmen für den geordneten Umgang mit Schuldenstaaten geschaffen. In einigen Fällen wird die Gemeinschaft den Retter spielen, in anderen werden die Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten müssen. Dazu braucht man vorab festgelegte Verfahren – und die existieren nicht, weil sich die deutsche Politik bislang hartnäckig weigerte, die Realität zur Kenntnis zu nehmen.
Allerdings: Für Stabilität werden die neuen Vorschriften nur sorgen, wenn sie bei Schuldnern und Gläubigern ansetzen. Die deutsche Sparsamkeit und die griechischen Kreditexzesse sind zwei Seiten einer Medaille. Wir haben uns darauf verlassen, dass die anderen unsere Waren kaufen. Das geht nur, wenn sie sich immer weiter verschulden. Wenn jetzt der Süden den Gürtel enger schnallen soll, muss der Norden mehr Geld ausgeben. Sonst steht die Wirtschaft in ganz Europa still.
- Datum 10.03.2010 - 12:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 11.03.2010 Nr. 11
- Kommentare 37
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Der Stabilitaetspakt hat sicher nicht versagt. Schuld an der aktuellen misere ist das Wegschauen von allen Beteiligten der Eurozone, das durch die Nichtahndung der Ueberschreitung der Defizitgranzen vorbereitet wurde.
Daran ist Deutschland sicherlich schuld.
Nicht aber an dem fragwuerdigen Zusammenhang, wonach unsere Lohnpolitk schuld waere am Desaster der Griechen. Jetzt werden wir dafuer in haftung genommen, dass wir noetige Reformen machten und unsere Wirtschaft wettbewerbsfaehig ist. Manchen waere es wohl lieber, wenn es uns aenhlich schlecht ginge.
Das ist schon eine sehr verdrehte Argumentation.
Der EWF fuehrt dabei in eine vollkommen falsche Richtung. Er ist nichst anderes als die Erlaubnis zum unbegrenzten Schuldenmachen. Zur Begruendung dieses vertragsbruches wird auf die "Solidaritaet" verwiesen, die nichts anderes ist als ein Freifahrtschein fuer Defizitsuender.
Hoffen wir nur, dass die letzten Horte relativer Stabilitaet und ordnungspolitischer Linie, die EZB und die Bundesbank hart bleiben in ihrer Ablehnung.
Wer einen EWF einfuehren will, oeffnet die Buechse der Pandora. Ausserdem ist es auch verfassungsrechtlich hoechst problematisch, dass in Zukunft wir fuer die Suenden anderer EU-Laender hafte sollen. Nichts anderes will der EWF.
"Nicht aber an dem fragwuerdigen Zusammenhang, wonach unsere Lohnpolitk schuld waere am Desaster der Griechen. Jetzt werden wir dafuer in haftung genommen, dass wir noetige Reformen machten und unsere Wirtschaft wettbewerbsfaehig ist."
Wettbewerbsfähig ist schön und gut, wir aber erwirtschaften Exportüberschüsse, d.h. wir sind, um bei der fragwürdigen Formulierung zu bleiben, zu wettbewerbsfähig. Wir leben von den Schulden die andere Länder machen, denn nur durch Schulden kommt Geld in die Welt.
Das ist das ganze Dilemma an dieser neoliberalen Deppenpolitik, eine Volkswirtschaft ist eben kein Unternehmen, was man mal eben pleite gehen lassen kann. Da hat es sich, mit dem dämlichen Gequatsche von Wettbewerb.
Die Griechen usw. auszuhungern ist genauso unrealistisch, wie sie mal eben zu sanieren und auf unser industrielles Niveau zu bringen. Höhere Löhne sind bei uns auch nicht ohne weiteres durchsetzbar, der vielbeschworene "Race to the Bottom" in voller Aktion.
"Hoffen wir nur, dass die letzten Horte relativer Stabilitaet und ordnungspolitischer Linie, die EZB und die Bundesbank hart bleiben in ihrer Ablehnung."
Ja, hoffe ich auch, denn dann ist nämlich schwupp die wupp Schluss mit dem Euro, da bin ich sicher.
... hoechst problematisch, dass in Zukunft wir fuer die Suenden anderer EU-Laender hafte sollen. "
Nicht problematischer als der Souveränitätsverlust, den der EU Verfassungsvertrag bedeutet. Den hat ja auch die Gerichtsbeamten abgesegnet. Da wird das mit einem Instrument, das endlich den Regierungen und der EU Bürokratie die Möglichkeit einräumt über Verschuldung Projekte an der Bevölkerung vorbei zu finanzieren und somit zu betreiben, auch kein Problem. Da braucht man das Volk nicht lange zu fragen.
Eigentlich braucht es nur noch geheime Abstimmungen für Mehrheitsbeschlüsse und die politische Elite Europas hätte sich vom Volk befreit.
"Nicht aber an dem fragwuerdigen Zusammenhang, wonach unsere Lohnpolitk schuld waere am Desaster der Griechen. Jetzt werden wir dafuer in haftung genommen, dass wir noetige Reformen machten und unsere Wirtschaft wettbewerbsfaehig ist."
Wettbewerbsfähig ist schön und gut, wir aber erwirtschaften Exportüberschüsse, d.h. wir sind, um bei der fragwürdigen Formulierung zu bleiben, zu wettbewerbsfähig. Wir leben von den Schulden die andere Länder machen, denn nur durch Schulden kommt Geld in die Welt.
Das ist das ganze Dilemma an dieser neoliberalen Deppenpolitik, eine Volkswirtschaft ist eben kein Unternehmen, was man mal eben pleite gehen lassen kann. Da hat es sich, mit dem dämlichen Gequatsche von Wettbewerb.
Die Griechen usw. auszuhungern ist genauso unrealistisch, wie sie mal eben zu sanieren und auf unser industrielles Niveau zu bringen. Höhere Löhne sind bei uns auch nicht ohne weiteres durchsetzbar, der vielbeschworene "Race to the Bottom" in voller Aktion.
"Hoffen wir nur, dass die letzten Horte relativer Stabilitaet und ordnungspolitischer Linie, die EZB und die Bundesbank hart bleiben in ihrer Ablehnung."
Ja, hoffe ich auch, denn dann ist nämlich schwupp die wupp Schluss mit dem Euro, da bin ich sicher.
... hoechst problematisch, dass in Zukunft wir fuer die Suenden anderer EU-Laender hafte sollen. "
Nicht problematischer als der Souveränitätsverlust, den der EU Verfassungsvertrag bedeutet. Den hat ja auch die Gerichtsbeamten abgesegnet. Da wird das mit einem Instrument, das endlich den Regierungen und der EU Bürokratie die Möglichkeit einräumt über Verschuldung Projekte an der Bevölkerung vorbei zu finanzieren und somit zu betreiben, auch kein Problem. Da braucht man das Volk nicht lange zu fragen.
Eigentlich braucht es nur noch geheime Abstimmungen für Mehrheitsbeschlüsse und die politische Elite Europas hätte sich vom Volk befreit.
… ist ein zentrales, vernünftiges Kriterium in einer Volkswirtschaft. Nur wer sich nicht verschuldet, behält den Wert seines Geldes und muss entsprechend wenig des erwirtschafteten Mehrwertes an die Kreditgeber abtreten.
Was jetzt geschieht ist folgendes: Die Politik hat einen Fehler produziert, dem sie nun einen noch größeren Fehler hinterwirft, da ansonsten der ganze Tand in sich zusammenfällt. Die Einführung eines neuen Währungsfonds rüttelt ja nicht an der Ursache der Krise. Er verlängert die Krise. Was mit einer gemeinsamen Anleihe nicht zu bewerkstelligen wäre, wird nun dadurch realisiert, dass Länder die Schulden anderer Staaten aufkaufen bzw. zu deren Kreditgebern werden. Dies bedeutet im Umkehrschluss: Dass für die Geld gebenden Länder ebenfalls die Zinsen steigen, da der Schuldenrahmen steigt. Das in Verbindung mit einem Land, in dem die Erhebung der Umsatz- und Einkommenssteuer nur punktuell funktioniert, ist riskant und unverantwortlich.
Mithin ist bedenklich, dass durch die Einführung eines solchen Fonds die Europäische Kommission in Brüssel Durchgriffsrechte auf staatshoheitliche Aufgaben erhält, die quasi einer Amtsverwesung entsprechen, unter Umgehung der jeweiligen Länderparlamente.
...
"Das Kriterium, die Verschuldung zu deckeln,ist ein zentrales, vernünftiges Kriterium in einer Volkswirtschaft."
Ähm, jein. Der Staat muss sich bei Geldknappheit verschulden, um eine Rezession zu vermeiden. Andererseits könnte er natürlich auch die Vermögen höher besteuern, das ist die andere (und noch viel unbeliebtere) Methode, Geld wieder in Umlauf zu bringen. Eine Rezession in Kauf zu nehmen, ist hingegen keine Alternative.
"Nur wer sich nicht verschuldet, behält den Wert seines Geldes und muss entsprechend wenig des erwirtschafteten Mehrwertes an die Kreditgeber abtreten."
Wer sich nicht verschuldet lebt von den Schulden anderer. Wer spart, verhindert, dass andere risikobereite Menschen ihre Kredite nicht zurückzahlen können bzw. noch mehr Schulden angehäuft werden müssen. Das ist die knallharte Realität in unserem Geldsystem.
"Das Kriterium, die Verschuldung zu deckeln,ist ein zentrales, vernünftiges Kriterium in einer Volkswirtschaft."
Ähm, jein. Der Staat muss sich bei Geldknappheit verschulden, um eine Rezession zu vermeiden. Andererseits könnte er natürlich auch die Vermögen höher besteuern, das ist die andere (und noch viel unbeliebtere) Methode, Geld wieder in Umlauf zu bringen. Eine Rezession in Kauf zu nehmen, ist hingegen keine Alternative.
"Nur wer sich nicht verschuldet, behält den Wert seines Geldes und muss entsprechend wenig des erwirtschafteten Mehrwertes an die Kreditgeber abtreten."
Wer sich nicht verschuldet lebt von den Schulden anderer. Wer spart, verhindert, dass andere risikobereite Menschen ihre Kredite nicht zurückzahlen können bzw. noch mehr Schulden angehäuft werden müssen. Das ist die knallharte Realität in unserem Geldsystem.
Das Problem unserer Wirtschafts- und Finanzpolitik ist zügellose Schuldenmacherei. Das Resultat dessen findet man in jeder Kommune und Gemeinde. Ich sehe nicht, wie dies geändert wird. Im Gegenteil, durch die Bereitstellung neuer Geldmittel weitet sich das Problem aus.
Kurz und gut, die Europäische Kommission hat gepennt. Zum Dank dafür möchte sie jetzt noch mehr Macht und den ungezügelten Zugriff auf die Länderfinanzen. Es wird wahrscheinlich so kommen, gut ist dies nicht.
"Das Problem unserer Wirtschafts- und Finanzpolitik ist zügellose Schuldenmacherei. Das Resultat dessen findet man in jeder Kommune und Gemeinde."
Ohne Schulden kein Geld. Wenn kein Unternehmen, Bürger oder öffentliche Einrichtung mehr Kredite aufnehmen würde, gäbe es kein Geld mehr. Kredite sind der Dreh- und Angelpunkt in unserem Geldsystem. Problematisch wird es nur dann, wenn nicht mehr ausreichend getilgt werden kann, etwa weil die Inflationsraten zu niedrig und die Zinsen zu hoch sind oder weil gerade Rezession herrscht (Geldknappheit) und die Einnahmen wegbrechen. Dann kann man nur hoffen, dass eine übergeordnete Instanz (z.B. der Staat) den Karren mit neuen Schulden aus dem Dreck zieht, ohne dabei selbst pleite zu gehen.
"Kurz und gut, die Europäische Kommission hat gepennt. Zum Dank dafür möchte sie jetzt noch mehr Macht und den ungezügelten Zugriff auf die Länderfinanzen. Es wird wahrscheinlich so kommen, gut ist dies nicht."
Ja, da stimme ich zu. Wobei schon die Einführung des Euros verfrüht und ein Fehler war. Aber in der Politik stehen Fakten manchmal hintenan, sonst würde man jetzt nicht auch noch Griechenland kaputt zu sparen versuchen.
"Das Problem unserer Wirtschafts- und Finanzpolitik ist zügellose Schuldenmacherei. Das Resultat dessen findet man in jeder Kommune und Gemeinde."
Ohne Schulden kein Geld. Wenn kein Unternehmen, Bürger oder öffentliche Einrichtung mehr Kredite aufnehmen würde, gäbe es kein Geld mehr. Kredite sind der Dreh- und Angelpunkt in unserem Geldsystem. Problematisch wird es nur dann, wenn nicht mehr ausreichend getilgt werden kann, etwa weil die Inflationsraten zu niedrig und die Zinsen zu hoch sind oder weil gerade Rezession herrscht (Geldknappheit) und die Einnahmen wegbrechen. Dann kann man nur hoffen, dass eine übergeordnete Instanz (z.B. der Staat) den Karren mit neuen Schulden aus dem Dreck zieht, ohne dabei selbst pleite zu gehen.
"Kurz und gut, die Europäische Kommission hat gepennt. Zum Dank dafür möchte sie jetzt noch mehr Macht und den ungezügelten Zugriff auf die Länderfinanzen. Es wird wahrscheinlich so kommen, gut ist dies nicht."
Ja, da stimme ich zu. Wobei schon die Einführung des Euros verfrüht und ein Fehler war. Aber in der Politik stehen Fakten manchmal hintenan, sonst würde man jetzt nicht auch noch Griechenland kaputt zu sparen versuchen.
Euroland in der Eurofalle
Die Schulden der PIGS- Staaten sind nicht mal das Hautproblem.
Bedenklich ist die Neuverschuldungsrate, besonders bei Griechenland.
Hinzu kommt, diese Staaten haben in der Regel ein großes Leistungsbilanzdefizit.
Das rührt nicht daher, dass sie eine leistungsfähige Volkswirtschaft aufbauen sondern daher, dass sie einfach über ihre Verhältnisse leben.
Zu hoher Konsum, zu hohe Löhne, NICHT wettbewerbsfähig gegenüber den anderen Ländern der Welt.
Früher wäre das kein Problem gewesen, die Währungen dieser Staaten hätten sich einfach abgewertet und der Kostennachteil gegenüber dem Ausland hätte sich egalisiert, Exporte wären begünstigt, Importe verteuert worden, Tourismus im Inland hätte sich für Ausländer verbilligt.
Nun sitzen diese Länder in der Euro-Falle. Abwertung ist nicht mögtlich, drastische Lohnkürzungen zum Erreichen der Wettbewerbsfähigkeit würden zu bürgerkriegsähnlichen Zustanden führen.
Was bleibt? Vernünftigerweise nur das Verlassen der Eurozone, Wiedereinführung einer eigenen Währung, die zur Abwertung gegenüber dem Euro fähig ist.
Das wiederum birgt eigene gravierende Gefahren.
Fest steht, wenn diese Länder es nicht schaffen, die Wettbewerbsfähigkeit wie auch immer wieder herzustellen, werden diese Länder zu Sozialfällen des Euroraums.
Demnächst droht uns Deutschen nach dem Soli-Ost ein zusätzlicher Soli-Südeuropa. Das könnte dann den Sprengstoff bereitstellen, den viele 1997 für Europa schon prophezeiten.
"Nicht aber an dem fragwuerdigen Zusammenhang, wonach unsere Lohnpolitk schuld waere am Desaster der Griechen. Jetzt werden wir dafuer in haftung genommen, dass wir noetige Reformen machten und unsere Wirtschaft wettbewerbsfaehig ist."
Wettbewerbsfähig ist schön und gut, wir aber erwirtschaften Exportüberschüsse, d.h. wir sind, um bei der fragwürdigen Formulierung zu bleiben, zu wettbewerbsfähig. Wir leben von den Schulden die andere Länder machen, denn nur durch Schulden kommt Geld in die Welt.
Das ist das ganze Dilemma an dieser neoliberalen Deppenpolitik, eine Volkswirtschaft ist eben kein Unternehmen, was man mal eben pleite gehen lassen kann. Da hat es sich, mit dem dämlichen Gequatsche von Wettbewerb.
Die Griechen usw. auszuhungern ist genauso unrealistisch, wie sie mal eben zu sanieren und auf unser industrielles Niveau zu bringen. Höhere Löhne sind bei uns auch nicht ohne weiteres durchsetzbar, der vielbeschworene "Race to the Bottom" in voller Aktion.
"Hoffen wir nur, dass die letzten Horte relativer Stabilitaet und ordnungspolitischer Linie, die EZB und die Bundesbank hart bleiben in ihrer Ablehnung."
Ja, hoffe ich auch, denn dann ist nämlich schwupp die wupp Schluss mit dem Euro, da bin ich sicher.
"Das Problem unserer Wirtschafts- und Finanzpolitik ist zügellose Schuldenmacherei. Das Resultat dessen findet man in jeder Kommune und Gemeinde."
Ohne Schulden kein Geld. Wenn kein Unternehmen, Bürger oder öffentliche Einrichtung mehr Kredite aufnehmen würde, gäbe es kein Geld mehr. Kredite sind der Dreh- und Angelpunkt in unserem Geldsystem. Problematisch wird es nur dann, wenn nicht mehr ausreichend getilgt werden kann, etwa weil die Inflationsraten zu niedrig und die Zinsen zu hoch sind oder weil gerade Rezession herrscht (Geldknappheit) und die Einnahmen wegbrechen. Dann kann man nur hoffen, dass eine übergeordnete Instanz (z.B. der Staat) den Karren mit neuen Schulden aus dem Dreck zieht, ohne dabei selbst pleite zu gehen.
"Kurz und gut, die Europäische Kommission hat gepennt. Zum Dank dafür möchte sie jetzt noch mehr Macht und den ungezügelten Zugriff auf die Länderfinanzen. Es wird wahrscheinlich so kommen, gut ist dies nicht."
Ja, da stimme ich zu. Wobei schon die Einführung des Euros verfrüht und ein Fehler war. Aber in der Politik stehen Fakten manchmal hintenan, sonst würde man jetzt nicht auch noch Griechenland kaputt zu sparen versuchen.
"Das Kriterium, die Verschuldung zu deckeln,ist ein zentrales, vernünftiges Kriterium in einer Volkswirtschaft."
Ähm, jein. Der Staat muss sich bei Geldknappheit verschulden, um eine Rezession zu vermeiden. Andererseits könnte er natürlich auch die Vermögen höher besteuern, das ist die andere (und noch viel unbeliebtere) Methode, Geld wieder in Umlauf zu bringen. Eine Rezession in Kauf zu nehmen, ist hingegen keine Alternative.
"Nur wer sich nicht verschuldet, behält den Wert seines Geldes und muss entsprechend wenig des erwirtschafteten Mehrwertes an die Kreditgeber abtreten."
Wer sich nicht verschuldet lebt von den Schulden anderer. Wer spart, verhindert, dass andere risikobereite Menschen ihre Kredite nicht zurückzahlen können bzw. noch mehr Schulden angehäuft werden müssen. Das ist die knallharte Realität in unserem Geldsystem.
Meine Aussage war: Schulden sind das Problem. Ihre Kommentar: Der Staat muss sich bei Geldknappheit verschulden, um eine Rezession zu vermeiden. Nach Ihrer Meinung ist also die Folge Grundvoraissetzung, damit auch ja die Ursache eintritt. Interessanter Aspekt!
Noch spektakulärer ist die Aussage, dass Sparer risikobereite Menschen de facto in den Ruin treiben. Sicherlich, wer im Sinne der Finanzwirtschaft spart und für seine Ersparnisse Zinsen verlangt, setzt darauf, dass ein anderer ihm diese Zinsen erwirtschaftet. Tatsache ist aber auch, dass Inlandsinvestitionen und Kapitalexport (Überschuss) den Ersparnissen das Gleichgewicht halten. Wer spart investiert. Die Frage ist nun: Sind alle Kapitalexporte auch tatsächlich Investitionen oder doch nur Konsum? Innerhalb der EU stellt sich da eine Anomalie heraus. Alle Länder, die jetzt sehr große Neuverschuldungen vorweisen, waren zuvor Länder, die mit Wachstumsraten auftrumpften, von denen in Deutschland nur geträumt wurde. Dies erscheint logisch, stieg ja auch der Kapitalimport. Jetzt lesen wir, die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder hat gelitten. Folgerung: Das Wirtschaftswachstum war wohl doch hautsächlich Konsum und eben keine Investition. Während Deutschland mit Nettokapitalinvestitionen von unter 2% herumkrepelte, floss mehr und mehr Geld in den Süden. Offensichtlich waren dies aber mehr Ausgaben als Investitionen.
… der im verarbeitenden Gewerbe Tätigen in Deutschland kontinuierlich, Deutschland hat sowohl einen Kapitalabfluss als auch einen Export an Arbeitsplätzen zu verzeichnen. Kapital fließt in die westlichen Staaten, Arbeitsplätze wandern gen Osten ab.
Wer auf halbe Wahrheiten Wert legt, ist bei Herrn Flassbeck gut aufgehoben. Es stimmt eben nicht, dass Deutschland mit seinen Exporten unter allen Handelspartnern Griechenlands besonders hervorsticht. Sicherlich ergibt sich ein gewaltiges Defizit in den Warenströmen. Verglichen mit seiner Größe ist Deutschland im Handel mit Griechenland aber nicht überrepräsentiert. Ein Land wie Italien liegt quasi gleichauf. Das größte Manko ergibt sich jedoch mit Südostasien, den Beneluxstaaten sowie den Energieexporteuren. Außerdem hege ich starke Zweifel an der These, dass Deutschland und Griechenland in gleichen Sektoren konkurrieren. In erster Linie nährt sich da wohl ein aufgepumpter Immobilien- und Finanzmarkt.
http://griechenland.ahk.d...
http://ahk.de/fileadmin/u...
Meine Aussage war: Schulden sind das Problem. Ihre Kommentar: Der Staat muss sich bei Geldknappheit verschulden, um eine Rezession zu vermeiden. Nach Ihrer Meinung ist also die Folge Grundvoraissetzung, damit auch ja die Ursache eintritt. Interessanter Aspekt!
Noch spektakulärer ist die Aussage, dass Sparer risikobereite Menschen de facto in den Ruin treiben. Sicherlich, wer im Sinne der Finanzwirtschaft spart und für seine Ersparnisse Zinsen verlangt, setzt darauf, dass ein anderer ihm diese Zinsen erwirtschaftet. Tatsache ist aber auch, dass Inlandsinvestitionen und Kapitalexport (Überschuss) den Ersparnissen das Gleichgewicht halten. Wer spart investiert. Die Frage ist nun: Sind alle Kapitalexporte auch tatsächlich Investitionen oder doch nur Konsum? Innerhalb der EU stellt sich da eine Anomalie heraus. Alle Länder, die jetzt sehr große Neuverschuldungen vorweisen, waren zuvor Länder, die mit Wachstumsraten auftrumpften, von denen in Deutschland nur geträumt wurde. Dies erscheint logisch, stieg ja auch der Kapitalimport. Jetzt lesen wir, die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder hat gelitten. Folgerung: Das Wirtschaftswachstum war wohl doch hautsächlich Konsum und eben keine Investition. Während Deutschland mit Nettokapitalinvestitionen von unter 2% herumkrepelte, floss mehr und mehr Geld in den Süden. Offensichtlich waren dies aber mehr Ausgaben als Investitionen.
… der im verarbeitenden Gewerbe Tätigen in Deutschland kontinuierlich, Deutschland hat sowohl einen Kapitalabfluss als auch einen Export an Arbeitsplätzen zu verzeichnen. Kapital fließt in die westlichen Staaten, Arbeitsplätze wandern gen Osten ab.
Wer auf halbe Wahrheiten Wert legt, ist bei Herrn Flassbeck gut aufgehoben. Es stimmt eben nicht, dass Deutschland mit seinen Exporten unter allen Handelspartnern Griechenlands besonders hervorsticht. Sicherlich ergibt sich ein gewaltiges Defizit in den Warenströmen. Verglichen mit seiner Größe ist Deutschland im Handel mit Griechenland aber nicht überrepräsentiert. Ein Land wie Italien liegt quasi gleichauf. Das größte Manko ergibt sich jedoch mit Südostasien, den Beneluxstaaten sowie den Energieexporteuren. Außerdem hege ich starke Zweifel an der These, dass Deutschland und Griechenland in gleichen Sektoren konkurrieren. In erster Linie nährt sich da wohl ein aufgepumpter Immobilien- und Finanzmarkt.
http://griechenland.ahk.d...
http://ahk.de/fileadmin/u...
"Wir haben uns darauf verlassen, dass die anderen unsere Waren kaufen. Das geht nur, wenn sie sich immer weiter verschulden."
Was ist denn das fuer eine klein-Erna-Oekonomie?
@ Kassandro (8):
Zweifellos haben Sie recht, dass wir diese schwächeren Euro-Länder mit Waren überschütteten. Konnten sie nicht zahlen, bot man ihnen einfach Anleihen an, die indirekt unsere Exportweltmeisterschaft überhaupt erst ermöglichten. Griechenland ist nur ein kleines Beispiel. Spanien, das europäischen Banken 792 Milliarden Euro schuldet (225 Mrd allein bei deutschen Banken) ist noch mehr verschuldet.
Bei näherer Betrachtung entpuppt sich die sogenannte "Export"weltmeisterschaft als 80% Binnenhandel innerhalb der Eurozone, der ja in Euros abgerechnet wurde, also gar keine Devisen einbrachte.
@ Kassandro (8):
Zweifellos haben Sie recht, dass wir diese schwächeren Euro-Länder mit Waren überschütteten. Konnten sie nicht zahlen, bot man ihnen einfach Anleihen an, die indirekt unsere Exportweltmeisterschaft überhaupt erst ermöglichten. Griechenland ist nur ein kleines Beispiel. Spanien, das europäischen Banken 792 Milliarden Euro schuldet (225 Mrd allein bei deutschen Banken) ist noch mehr verschuldet.
Bei näherer Betrachtung entpuppt sich die sogenannte "Export"weltmeisterschaft als 80% Binnenhandel innerhalb der Eurozone, der ja in Euros abgerechnet wurde, also gar keine Devisen einbrachte.
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