EU-Hilfe für Griechenland Pfand von den Griechen

Dem Land muss geholfen werden, aber im Gegenzug soll es Sicherheiten stellen.

Griechenland braucht jetzt viel Geld. Es konnte sich zwar gerade fünf Milliarden Euro durch die Ausgabe einer neuen Anleihe beschaffen, aber insgesamt muss es im laufenden Jahr mehr als das Zehnfache an frischem Kapital mobilisieren. Werden die Kreditgeber auf Dauer genug Vertrauen haben?

Die übrigen Länder der Eurozone versuchen im Augenblick, das Vertrauen an den Finanzmärkten wiederherzustellen und die Gefahr eines griechischen Staatsbankrotts zu bannen, indem sie ein radikales Sparprogramm einfordern. Dieser Weg setzt aber genau am falschen Ende an.

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Notwendig ist ganz im Gegenteil ein Programm, das die Liquidität des griechischen Staates sichert, aber zugleich keine Anreize für die Fortsetzung der bisherigen Politik liefert. Die Eurozone braucht einen Gläubiger der letzten Instanz – eine europäische Institution, die im Krisenfall Liquidität bereitstellt, dafür aber hohe Zinsen verlangt, und die vor allen Dingen nur gegen die Bereitstellung angemessener Sicherheiten aktiv wird. Einen lender of last resort, wie ihn schon der britische Ökonom Walter Bagehot vorgeschlagen hatte.

In der Schuldenkrise Mexikos 1994/95 wurde eine solche Lösung gefunden. Die USA, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich stellten damals kurzfristig Kredite im Gesamtvolumen von 50 Milliarden US-Dollar bereit. Die USA verlangten indes Sicherheiten. Mexiko verpflichtete sich, im Falle der Nichtbedienung der Kredite die Einnahmen aus künftigen Erdölexporten an die USA abzutreten. Auf diese Weise konnte die Regierung unter Bill Clinton eine Einmischung in interne Angelegenheiten des Nachbarstaats vermeiden und zugleich in einer Phase der Panik Solidarität mit den Mexikanern beweisen. Dieses Konzept gilt seitdem als beispielhaft für die Überwindung von Liquiditätskrisen souveräner Schuldner.

In der Griechenland-Frage hingegen sind drei andere Ansätze im Gespräch: die Gewährung von an Auflagen geknüpfte Kredite durch nordeuropäische Staaten, die Einschaltung des IWF und der komplette Ausschluss jeglicher Hilfen. Vor allem die Gewährung von Krediten stößt zu Recht auf politischen Widerstand. Wie können die Geldgeber Griechenlands sicherstellen, dass die gewährten Hilfen nicht im griechischen Staatsapparat versickern, sondern zurückgezahlt werden? Und auch der IWF, obwohl ein erfahrener Krisenmanager, kann im Alleingang keine ausreichenden Mittel für Athen zur Verfügung stellen. Selbst bei großzügiger Auslegung der Vergaberichtlinien des IWF könnte er in diesem Jahr nicht mehr als etwa zehn Milliarden Euro an Griechenland ausleihen. Das ist zu wenig, falls die Situation sich weiter zuspitzt.

Leser-Kommentare
    • joG
    • 11.03.2010 um 12:09 Uhr

    ....ob europäische Länder den Griechen Geld leihen dürfen nach dem Euro Vertrag. Da geht es zunächst darum, ob man da die Verträge ändert und wie. Die damit verbundene Souveränitätsabgabe der Nationen ist da schon erheblich, da es die Natur der EU grundlegend ändert. Man haftet nämlich dann plötzlich für die Schulden Anderer in Präzedenz.

    Auch ist der Punkt der Verwertung ziemlich heikel. Wie sieht das aus, wenn Deutschland gesehen wird den Pantheon zu verkaufen an einen Chinesen!?!

  1. So lange von den Griechen noch was mit Wert zu holen ist, wird die westlich kapitalistische Welt sicher nicht das Interesse an den Griechen verlieren. Das ist auch gut für uns. Wir sollten unsere Hitech- und Militärerzeugnisse nur noch gegen griechische Inseln abgeben. Und wenn die Griechen dann gar nichts mehr haben, können wir sie zum 1-Euro-Jobben auf unseren Olivenplantagen verdonnern. So macht Kapitalismus Spaß.

  2. ... ist für mich ein Kriegstreiber und Neokolonialist. Sorry.

    Was wenn das Land sich doch anders entscheidet und sein nationales Eigentum und seine Zukunft nicht, zugunsten eines unfairen perversen Währungssystems, beschlagnahmen lassen will? Dann hat der Schuldner vertraglich geregelte "nationale Interessen" bei denen sogar die Nato-Bündnistreue greift. Schon hat man einen Krieg. Finanzindustrie mit Militär gegen die Bevölkerung eines verarmten Landes. Protektorate, Terror, Diktatur. Die andere Seite: Sachzwänge ohne Ende und ausblutende Zivilgesellschaft. Massive Abhängigkeit vom Geldgeber und seinen Wünschen, defakto eine Abschaffung der nationalen Souveränität oder besser: ein Aufkauf derselben.

    Etwas derart unreflektiertes oberflächliches in der ZEIT zu lesen depremiert mich.

    Die Krone setzt der USA-Mexiko-Vergleich auf. Die USA: richtig, das Land mit dem größten Außenhandelsdefizit auf der Welt, das Land, welches gerade munter seine Währung abwertet. Was verpfändet denn die USA? Glaubt ernsthaft jemand, die würden auch nur ein Krümel von Mount Rushmore freiwillig abgeben? Die USA kippt einfach das System und etabliert ein Neues. Nein, bluten sollen nur die Kleinen, die Satellitenstaaten.

    Wenn es jemals eines Beweises bedurft hätte, dass dieses Währungs- und Geldsystem hochgradig unmoralisch und kolonialistisch ist. Hiermit wäre er erbracht.

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    "Dann hat der Schuldner vertraglich geregelte "nationale Interessen" bei denen sogar die Nato-Bündnistreue greift."

    Der "Gläubiger", meinte ich natürlich.

    Zu dem Thema passt:
    http://www.heise.de/tp/bl...
    "Das US-Haushaltsdefizit explodiert weiter"

    Nein, die Krise ist längst nicht vorbei, wie uns die Schönredner weismachen wollen. Sie kommt gerade erst in Schwung. Nach dem Vorbeben haben alle schon aufgeatmet, nach dem Hauptbeben werden sie jedoch nur noch ihre Wunden verarzten und die Trümmer wegräumen können...

    Die letzte Hoffnung der Reichen: Krieg und Leichen!

    "Dann hat der Schuldner vertraglich geregelte "nationale Interessen" bei denen sogar die Nato-Bündnistreue greift."

    Der "Gläubiger", meinte ich natürlich.

    Zu dem Thema passt:
    http://www.heise.de/tp/bl...
    "Das US-Haushaltsdefizit explodiert weiter"

    Nein, die Krise ist längst nicht vorbei, wie uns die Schönredner weismachen wollen. Sie kommt gerade erst in Schwung. Nach dem Vorbeben haben alle schon aufgeatmet, nach dem Hauptbeben werden sie jedoch nur noch ihre Wunden verarzten und die Trümmer wegräumen können...

    Die letzte Hoffnung der Reichen: Krieg und Leichen!

    • peto1
    • 11.03.2010 um 13:46 Uhr

    Alaska ist viel gröser als grieschenland und hat öl und edelmetalle vorkommen , griesenland hat keinen öl und edelmetall vorkommen Alaska wurde für 7 sieben millionen dollar verkauft dan dürfte grieschenland im vergleich zu Alaska nicht mehr wert sein als vielleicht 500.000 tausend im höchstfall....

  3. Ein Pfand von Griechenland, ein Pfand von Italien, ein Pfand von Portugal, ein Pfand von Spanien, ein Pfand von...

    Und am Ende gehen wir doch alle GEMEINSAM unter.

    Die EU:
    Für Wirtschaftsbosse: schon längst ein Markt ohne Grenzen
    Für die Bevölkerung: Grenzen und Nationalitäten
    Für den Rest der Welt: leichte Beute

    Aufwachen!

  4. "Dann hat der Schuldner vertraglich geregelte "nationale Interessen" bei denen sogar die Nato-Bündnistreue greift."

    Der "Gläubiger", meinte ich natürlich.

    Zu dem Thema passt:
    http://www.heise.de/tp/bl...
    "Das US-Haushaltsdefizit explodiert weiter"

    Nein, die Krise ist längst nicht vorbei, wie uns die Schönredner weismachen wollen. Sie kommt gerade erst in Schwung. Nach dem Vorbeben haben alle schon aufgeatmet, nach dem Hauptbeben werden sie jedoch nur noch ihre Wunden verarzten und die Trümmer wegräumen können...

    Antwort auf "Wer sowas schreibt..."
  5. ... Verwertung von Sicherheiten ist einfach Unsinn.

    Jegliche kreditvergabe mit ökonomischem Augenmaß muß Tilgung und Zins als zukünftige Realität sehen können. Das Risiko des Ausfalls darf nur gering sein. Und nur für dieses restliche Zukunftsrisiko stehen die Sicherheiten bereit.

    Dazu ist es erforderlich, daß der griechische Staat ganz deutlich seine Mißwirtschaft nachhaltig bekämpft. Das fängt mit der Schattenwirtschaft an und mit dem Bakschisch Verhalten bei Produzenten und Verbrauchern (und auch bei den Behörden).

    Der staaatliche Konsum ist drastisch zu reduzieren zugunsten staatlicher Investitionen; die Ausgaben müssen durchforstet werden. Und auch die Einnahmenseite ist unter die Lupe zu nehmen; Steuern und Abgaben sind konsequent einzufordern und notfalls auch anzuheben.

    Wenn das überzeugend geschieht, werden sich auch sehr leicht wieder Kreditgeber finden lassen.

  6. Die letzte Hoffnung der Reichen: Krieg und Leichen!

    Antwort auf "Wer sowas schreibt..."

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