Geldscheine, eingemacht im Marmeladenglas! 25.000 Euro, geschreddert und zusammen mit einem Lachsack verpackt! Wer das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank in Frankfurt besucht, darf sich nicht in die Irre führen lassen von den Scherzkeksen, die hier den Souvenirshop bestückt haben. Die alte bundesrepublikanische Institution trägt ein ernstes Vermächtnis mit sich herum: die Erinnerung an Jahre in Deutschland, in denen das Geld rapide seinen Wert verlor. An die Superinflation der zwanziger Jahre, als man Reichsmarkbündel bloß noch auf die Waage legte, statt sie zu zählen. An die nationalen Traumata von 1923 und 1948, als sich unser Geld in Luft auflöste.

Die Bundesbank, jahrzehntelang die Wächterin über die D-Mark und heute die konservativste Stimme im Kreis der Euro-Aufseher, versteht in diesem Punkt keinen Spaß. Einen Vertrauensverlust in die Währung – und in der Folge den Ruin der Wirtschaft durch frustrierte Investoren und Sparer, enteignete Gläubiger und panische Hamsterkäufer – soll es nie wieder geben. "Wie wichtig stabiles Geld für Wirtschaft und Gesellschaft ist": Dieser Satz steht im Ausstellungskatalog. Und er ist die eigentliche Botschaft des Geldmuseums.

Für manche Ökonomen und Anlageberater ist er inzwischen sogar ein Schlachtruf. Die Inflationsfalle – Retten Sie Ihr Vermögen!, Die Inflation kommt!, Sprengsatz Inflation. Ein Buch nach dem anderen mit solchen Titeln kommt in diesen Tagen auf den Markt. Investorenbriefe warnen vor einer rapiden Geldentwertung und empfehlen den Kauf von Goldbarren, Aktien, Sachwertefonds, Kunstwerken oder Immobilien, je nach Temperament des Ratgebenden und seiner sonstigen Interessenlage. "Ich habe Kunden, die sich jetzt schützen", sagt Claus Vogt, der Chefökonom der Quirin Bank in Berlin. "Ich empfehle 20 bis 30 Prozent Gold und Goldminen-Aktien im Portfolio." Der Wert des Geldes sei in Gefahr wie lange nicht mehr.

Die Mehrheit der Deutschen rechnet schon mit Geldentwertung

Das Meinungsforschungsinstitut GfK meldete im Herbst, dass 57 Prozent der Deutschen mit einer Geldentwertung wegen der Krise rechneten. "An unserer Verpflichtung auf die Gewährleistung von Preisstabilität gibt es nichts zu rütteln", knurrte zum Wochenbeginn Bundesbankchef Axel Weber in einem Interview mit der Wirtschaftswoche und griff ungewöhnlich scharf Olivier Blanchard an, den Chefökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF). "Grob fahrlässig und schädlich" sei dessen Vorschlag, man solle in der kommenden Zeit die Geldpolitik ein wenig lockerer gestalten und statt der üblichen zwei Prozent Inflation lieber vier Prozent anstreben.

Man kann das auf den ersten Blick für eine absonderliche Debatte halten: Eine kleine Schar namhafter Ökonomen hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten schon so ähnlich geäußert wie Blanchard, darunter auch Kenneth Rogoff, einer seiner Amtsvorgänger. Grob gesprochen kann man sie der keynesianischen Denkschule zurechnen, und sie haben im Sinn, die Anpassungsschocks nach der Wirtschaftskrise sanfter zu gestalten. Eine haltlose Teuerung wie in den zwanziger Jahren will niemand. Inflationsraten von vier Prozent plus gab es gelegentlich auch schon unter dem Regiment der alten Bundesbank, etwa während der späten Wirtschaftswunderzeit der sechziger Jahre.

Überhaupt: Im vergangenen Jahr stiegen die Verbraucherpreise in Europa und in den USA überhaupt nicht, mehrere Monate lang fielen sie sogar. Aktuell liegt die Inflationsrate der Euro-Zone bei knapp einem Prozent. Deshalb finden sich auch genug Ökonomen, die statt einer Inflation ihr genaues Gegenteil befürchten, also sinkende Preise, eine Deflation, die erdrückende Schuldenlasten produziert und erfahrungsgemäß zum Stillstand der Wirtschaft führt. Zu diesen Mahnern gehört auch Ben Bernanke, der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve.

Wie kommt es zu so völlig unterschiedlichen Prognosen?