Porträt Theo Zwanziger Wie ausgewechselt
In der Schiedsrichter-Affäre hat sich DFB-Präsident Theo Zwanziger verrannt
Als er das Spielfeld in Hannover an diesem Sonntag im November verließ, da wusste Theo Zwanziger, wie brillant er gewesen war. Am Mittelkreis war der schlichte Sarg des Torhüters Robert Enke aufgebahrt, ringsum auf den Tribünen lagen sich die Fußballfreunde in den Armen und weinten. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes stand an seinem Pult, ein Manuskript hatte er nicht mitgebracht. Er sprach frei, würdig, voller Mitleid, aber auch voller Zuversicht. "Fußball ist nicht alles", rief er in das Stadionrund. Es war der größte Auftritt seines Lebens.
Da stand ein Mann auf dem Platz, der Hunderttausenden Halt geben konnte. Der Nationaltorwart Enke hatte sich das Leben genommen, weil er depressiv war, er sich einem unerträglichen Leistungsdruck ausgesetzt fühlte. Alle waren sprachlos, Zwanziger nicht. Der 64 Jahre alte Präsident entwarf das Bild einer Fußballwelt, in der Rücksicht, Offenheit und Transparenz walten sollten. Für einen Augenblick schien die Männerwelt des DFB empfänglich für Zwischentöne, für Empfindungen jenseits lauter Torschreie und schnell verdienter Millionengagen.
Was macht Stärke aus, was den Stärkeren – was Siege und Sieger? Wer Zwanziger damals zuhörte, konnte den Eindruck haben, dass über diese Begriffe neu verhandelt werden sollte. Ein ehrgeiziges, wohl auch aussichtsloses Unterfangen. Aber einer schien tatsächlich an das große Ziel zu glauben, er traute es sich zu – Theo Zwanziger selbst. Oder?
In Zwanzigers Nähe möchte man sich gerne gemütlich niederlassen. Er ist ein Zuhörer, aber auch ein Mann, der viel redet. Im Scheinwerferlicht besonders. Ein Mann, dem man alles glauben will, der aber unversehens zum kalten Vollstrecker werden kann. Vor allem bei Widerspruch. Wie sonst hätte er sich so lange an der Spitze eines von machtpolitischen Rankünen und Seilschaften durchsetzten Verbandes halten können? Kein Mann für die kurzen Pässe, wenn Zwanziger Anlauf nahm, gab es den raumgreifenden Ball. Er verabreichte dem Macho-Kosmos Bundesliga eine kaum für möglich gehaltene Neuerung, Frauenfußball! Ausgerechnet! Im Jahre 2011, mit der Weltmeisterschaft in Deutschland, soll das Ganze sommermärchenhaft gekrönt werden. Mit Zwanziger?
- DFB will klagen
Der DFB will Manfred Amerell nach seinen erneuten Anschuldigungen gegen Theo Zwanziger verklagen. Der Verband kündigte an, den ehemaligen Schiedsrichter-Funktionär wegen übler Nachrede und Verleumdung anzuzeigen. Amerell hatte dem Präsidenten des DFB einseitige Aufklärung im Schiedsrichter-Skandal vorgeworfen. "Das ist die größte menschliche Enttäuschung meines Lebens, dass ein Präsident mit so viel Erfahrung rücksichtslos über Leichen geht", hatte Amerell der Sportbild gesagt.
- Vor der Präsidiumssitzung
Vor der Sitzung des DFB-Präsidiums am Freitag gerät Theo Zwanziger zunehmend in die Kritik. Das Thema sei von Anfang an "falsch angefasst" worden, kritisierte Werders Manager Klaus Allofs: "Ich glaube, dass sich der DFB da ein wenig überschätzt hat. Die Dinge gehören woanders hin", sagte der Bremer. Zudem nahm die Vorsitzende des Sportausschusses im deutschen Bundestag, Dagmar Freitag, den DFB in die Pflicht: "Ich glaube, dass es dem Fußball nicht gut tut, wie die ganze Diskussion geführt wird." Rückendeckung bekam Theo Zwanziger indes von Franz Beckenbauer. Zwanziger sei ein guter und starker Präsident, erklärte Beckenbauer. Der Präsident der Deutschen Fußball Liga Reinhard Rauball sagte: "Theo Zwanziger ist alternativlos."
- Das Zukunftskonzept
Herbert Fandel, der designierte Nachfolger des Schiedsrichter-Chefs Volker Roth, will auf der DFB-Präsidiumssitzung ein Zukunftskonzept für das Schiedsrichterwesen vorstellen. Bei den Schiedsrichter-Ansetzungen soll jede Art der Multifunktionalität vermieden werden, die Benotung durch die Schiedsrichterbeobachter an Bedeutung verlieren. Zudem sollen die Inhalte und Programme der Lehrgänge modernisiert werden. Um Abhängigkeiten zu vermeiden, sollen junge Referees künftig von mehreren Mentoren betreut werden.
Dass sich diese Frage überhaupt stellt. Es war dieser Präsident, der den Rechtsradikalen den Kampf ansagte – nicht nur jenen gewalttätigen Kriminellen in den Stadien, sondern auch jenen, die im feinen Zwirn reaktionäres Gedankengut innerhalb und außerhalb der Fußballfamilie verbreiten. Dies war als ein erster Schritt gedacht hin zu seinem großen Ziel, den Fußballverband in einen Menschenverband der hehren Werte zu verwandeln. Fußball als Schlüssel zu einer besseren Welt. Zu einer Welt der wirklichen Sieger.
Wer so auftritt, kann auch gegen die letzten Schweigekartelle zu Felde ziehen und sich für die starkmachen, die es nach landläufiger Meinung im Profifußball gar nicht gibt: die Homosexuellen. Über sie will der Präsident seine Hand halten, die Schwulen sollen sich auf ihn verlassen dürfen.
Zwanziger dreht das große präsidiale Rad, wird zum "Volks-Theo", der den sportlichen Alltag mehr und mehr aus den Augen verliert. Auf Kritik reagiert er zunehmend beleidigt und verärgert. Als es sich ein freier Journalist, schon im Herbst 2008, ernsthaft herausnimmt, den Präsidenten in einem Blog einen "Demagogen" zu nennen, geht "Volks-Theo" von der Kette. Er wütet, klagt und droht in alle Richtungen mit dem Äußersten – mit seinem Rücktritt. Warum?
- Datum 12.03.2010 - 06:56 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.03.2010 Nr. 11
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Als im letzten Jahr der neue ''Wettskandal'' veröffentlicht wurde,sellte sich der oberste DFB_Präsident hin und sagte:
''Wir haben gedacht,das mit dem neuen Kontrollsystem des DFB und der FIFA das Thema eigentlich vom Tisch ist''.
Hat der Mann noch nichts von globaler Vernetzung und von der Wettmafia in Asien gehört?Er hätte nir die richtigen Leute fragen müssen.
Und warum sollen sich Fussballer als schwul outen?
Mag sein das unsere Gesellschaft in D.so weit ist,allerdings spielen Fussballclubs sehr oft im Ausland-und in vielen Ländern ist man bei weitem nicht so weit wie hier-wenn überhaupt.
Wäre eine Internationale Initiative nicht der richtige Weg statt eines ''Alleingangs'' von Theo?
Wollte er sich ein kleines ''menschliches''Denkmal setzten?
Theo sollte weiter Empfänge veranstalten,Schecks übergeben in SOS-Kinderdörfern....usw.aber fachlich als DFB -Präsident des 21Jh.ist er nicht geeignet.
Internet? Globale Vernetzung?
Herr Zwanziger kannte ja bis vor anderhalb Jahren nicht einmal Blogs, geschweige denn die dynamische Kraft, die so eine Blogosphäre - wenn einmal provoziert - entwickeln kann. Im Gegenteil. Der Ahnungslose meinte noch, er könne mit fröhlichen nordkoreanischen Sprichwörtern, “Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer.”, und Attitüden - wir prozessieren so lange, bis Du finanziell nicht mehr kannst - mal kurz einen kritischen Journalisten platt machen.
Wie auch immer. Wenn es denn noch eines Beweises bedurft hätte, dass dieser Mann in seiner Position schlichtweg überfordert ist, dann sollten die diskreten Löw-Verhandlungen, kombiniert mit übereifrigen Vorverurteilungen in der Amerell-Kempter-Geschiche diesen geliefert haben.
Abschließend noch: Ich finde es ja schon lustig, dass die "Qualitätsjournalisten", die inzwischen auch zum Halali auf Herrn Zwanziger blasen, seinerzeit nahezu ausnahmslos Herrn Weinreich im Regen haben stehen lassen. Obwohl er eigentlich für ihre Sache kämpfte. Heute wird die damalige Konfrontation gerne mit herangezogen, um argumentativ gegen Herrn Zwanziger zu punkten. Das ist arm.
Internet? Globale Vernetzung?
Herr Zwanziger kannte ja bis vor anderhalb Jahren nicht einmal Blogs, geschweige denn die dynamische Kraft, die so eine Blogosphäre - wenn einmal provoziert - entwickeln kann. Im Gegenteil. Der Ahnungslose meinte noch, er könne mit fröhlichen nordkoreanischen Sprichwörtern, “Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer.”, und Attitüden - wir prozessieren so lange, bis Du finanziell nicht mehr kannst - mal kurz einen kritischen Journalisten platt machen.
Wie auch immer. Wenn es denn noch eines Beweises bedurft hätte, dass dieser Mann in seiner Position schlichtweg überfordert ist, dann sollten die diskreten Löw-Verhandlungen, kombiniert mit übereifrigen Vorverurteilungen in der Amerell-Kempter-Geschiche diesen geliefert haben.
Abschließend noch: Ich finde es ja schon lustig, dass die "Qualitätsjournalisten", die inzwischen auch zum Halali auf Herrn Zwanziger blasen, seinerzeit nahezu ausnahmslos Herrn Weinreich im Regen haben stehen lassen. Obwohl er eigentlich für ihre Sache kämpfte. Heute wird die damalige Konfrontation gerne mit herangezogen, um argumentativ gegen Herrn Zwanziger zu punkten. Das ist arm.
Internet? Globale Vernetzung?
Herr Zwanziger kannte ja bis vor anderhalb Jahren nicht einmal Blogs, geschweige denn die dynamische Kraft, die so eine Blogosphäre - wenn einmal provoziert - entwickeln kann. Im Gegenteil. Der Ahnungslose meinte noch, er könne mit fröhlichen nordkoreanischen Sprichwörtern, “Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer.”, und Attitüden - wir prozessieren so lange, bis Du finanziell nicht mehr kannst - mal kurz einen kritischen Journalisten platt machen.
Wie auch immer. Wenn es denn noch eines Beweises bedurft hätte, dass dieser Mann in seiner Position schlichtweg überfordert ist, dann sollten die diskreten Löw-Verhandlungen, kombiniert mit übereifrigen Vorverurteilungen in der Amerell-Kempter-Geschiche diesen geliefert haben.
Abschließend noch: Ich finde es ja schon lustig, dass die "Qualitätsjournalisten", die inzwischen auch zum Halali auf Herrn Zwanziger blasen, seinerzeit nahezu ausnahmslos Herrn Weinreich im Regen haben stehen lassen. Obwohl er eigentlich für ihre Sache kämpfte. Heute wird die damalige Konfrontation gerne mit herangezogen, um argumentativ gegen Herrn Zwanziger zu punkten. Das ist arm.
Es ist nicht nachvollziehbar warum sich jetzt fast die gesamte Kritik in dieser Schlammschlacht auf Herrn Zwanziger konzentriert. Der wahre Schuldige ist doch zunächst einmal Herr Amerell, dessen "Kartell" jetzt zusammengebrochen ist.
Herr Amerell hat doch jahrelang den DFB betrogen, indem er Schiedsrichter gegen "Gefälligkeiten" nach oben gebracht hat, ohne die nötige Distanz zu diesen Herren zu wahren.
Wer Herrn Zwanziger jetzt die Hauptschuld an der ganzen Misere gibt, will ihn offensichtlich (aus welchen Gründen auch immer)loswerden und glaubt jetzt einen Vorwand gefunden zu haben.
Also ich finde es reicht. Die Kritik an Zwanziger ist völlig unsachlich.
Fakt ist ja wohl das es VIER eidesstattliche Erklärungen gegeben hat, die belegen dass Amerell sich an Untergebenen (na ja) vergangen haben soll. Da muss Zwanziger handeln, oder soll es er machen wie die katholische Kirche?
Was hätte er den sonst machen sollen, Amerell im Amt belassen?
Wenn nun die eidesstattlichen Erklärungen falsch sind so sind diejenigen zu belangen, die diese abgegeben haben, aber nicht Theo Zwanziger.
Von Theo Zwanziger eine Faktenprüfung zu verlangen ist totaler Quatsch. Theo Zwanziger kann doch gar keine Fakten Prüfung machen, dass kann doch nur eine Ermittlungsbehörde. Es stand auch nicht Aussage gegen Aussage sondern 4 gegen eine Aussage. Es waren auch nicht so dahin geworfene Aussagen sondern EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNGEN. Eine eidesstattliche Erklärung beginnt wie folgt:
"In dem Wissen über die Bedeutung und über die strafrechtlichen Folgen einer vorsätzlich oder fahrlässig falsch abgegebenen eidesstattlichen Erklärung versichere ich an Eides statt Folgendes:"
Wenn vier Leute so eine Erklärung abgeben benötigt Herr Zwanziger keine Faktenprüfung.
Ich finde seinen Einsatz gegen Nazis und für den Frauenfußball und für Schwule bewundernswert und alles andere als selbstverständlich. Verglichen mit seinem Vorgänger wird dies besonders deutlich.
Ich finde den Artikel unter Zeit Niveau.
etwas muss ich zurücknehmen.
nur weil mir 2 sachen nicht gefallen bei zwanziger ,sollte ich nicht daraus schliessen ob der mann geeignet ist als DFB präsident oder nicht.
erstens habe ich keine ahnung was so ein DFB präsident so alles zu tun hat,und zweitens hat er ja nicht mal die möglichkeit darauf zu antworten.
normalerweise bin ich nicht so schnell mit verurteilungen.
kritik ja-hexenjagd nicht
etwas muss ich zurücknehmen.
nur weil mir 2 sachen nicht gefallen bei zwanziger ,sollte ich nicht daraus schliessen ob der mann geeignet ist als DFB präsident oder nicht.
erstens habe ich keine ahnung was so ein DFB präsident so alles zu tun hat,und zweitens hat er ja nicht mal die möglichkeit darauf zu antworten.
normalerweise bin ich nicht so schnell mit verurteilungen.
kritik ja-hexenjagd nicht
...Fussball ist nicht alles, lieber Theo...und die Weltmoral hierin zu retten, ist doch auch selbstgefällige Anmaßung. Die Fussball-Predigt ist zuende.
Ihr Zitat: "Ohne Not und ohne dass eine wirkliche Faktenprüfung erkennbar wäre, schlägt er sich auf die Seite des vermeintlichen Opfers, des jungen Schiedsrichters Michael Kemptner. Der Vorwurf an Amerell lautet: sexuelle Belästigung. Als sich weitere vermeintliche Opfer aus der jungen Schiedsrichter-Riege melden, sichert ihnen die DFB-Spitze Anonymität zu."
Das wichtigste bei sexuellen Straftaten, auch bei denen gegen Frauen und Kinder, ist gemeinhin,
dass den Opfern geglaubt wird,
dass die Opfer auch deutlich vermittelt bekommen, dass ihnen geglaubt wird,
dass sie sich nicht schämen müssen,
dass ihr Leiden nicht in der Öffentlichkeit breitgetreten oder kleingeredet wird,
dass sie geschützt werden.
Solche Opfer brauchen Unterstützung auf allen Ebenen. Ich sehe nur, dass Herr Zwanziger genau das versucht hat. Er hat, vielleicht mit untauglichen Mitteln, versucht, die Opfer zu schützen vor öffentlicher Anklage, vor "Seelenstriptease", vor Bloßstellung. Er hat ihnen einfach erstmal geglaubt. Das finde ich absolut löblich.
Ihr Zitat: "An Unappetitlichkeit ist die Angelegenheit nicht zu überbieten."
Das ist wohl wahr. Aber wenn die Opfer wirkliche Opfer (und nicht nur vermeintliche Opfer) sind, dann darf das Etikett " Unappetitlichkeit" für sie auf gar keinen Fall gelten.
Und Herrn Zwanziger dafür zu kritisieren, dass er versucht hat, menschlich das richtige zu tun, finde ich vom Autor dieses Porträts absolut unter allem Niveau!
etwas muss ich zurücknehmen.
nur weil mir 2 sachen nicht gefallen bei zwanziger ,sollte ich nicht daraus schliessen ob der mann geeignet ist als DFB präsident oder nicht.
erstens habe ich keine ahnung was so ein DFB präsident so alles zu tun hat,und zweitens hat er ja nicht mal die möglichkeit darauf zu antworten.
normalerweise bin ich nicht so schnell mit verurteilungen.
kritik ja-hexenjagd nicht
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