Deutsche Post Ein gestörter Riese

Milliarden verschwendet, Millionen verärgert: Die Post hat bei den Deutschen einen miesen Ruf. Doch nun wendet sie sich ihren Kunden zu.

Ordentlich aufgereiht: Briefmarken liegen in einer kleinen Postfiliale in Berlin zum Verkauf aus

Ordentlich aufgereiht: Briefmarken liegen in einer kleinen Postfiliale in Berlin zum Verkauf aus

Die Geschichte beginnt mit einem Umschlag, der an einem Donnerstagabend gegen 18 Uhr in der Voltastraße, 60486 Frankfurt, in einem gelben Briefkasten verschwindet. Sein Ziel ist die Zugspitze, genauer gesagt Deutschlands höchstgelegene Postfiliale, auf 2600 Metern, knapp unterhalb des Gipfels. Wer dem Brief auf seinem Weg folgt und mit den Menschen spricht, die ihn transportieren, lernt viel über Zeitdruck, über eine Zweiklassengesellschaft und den Frust der Arbeitnehmer. Wer den Brief begleitet, spürt, wie gestört das Verhältnis der Deutschen zu ihrer Post ist.

Die Deutsche Post bringt Briefe auf hohe Berge und unwegsame Almen, liefert Pakete noch auf die letzte Hallig. Sie sichert eine Grundversorgung, ihre Filialen sind Ortsmarken – wie Kirchen und Rathäuser. Über die Jahrhunderte hat sich eine tiefe Beziehung zwischen Post und Mensch entwickelt. Sie ist Liebesbote. Strafzettelzusteller. Und sie bringt die Weihnachtsgeschenke. Das Posthorn ist fester Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses. Ebenso der Briefträger in seiner Joppe, der Sendungen zustellt – selbst wenn die Hunde hinter ihm her sind. Er wurde in Filmen verewigt und in Liedern besungen. Es ist diese Welt aus Stempelkissen, bunten Sondermarken und geregelten Öffnungszeiten.

Anzeige
Lieferzeit

Viele Bürger glauben, die Deutsche Post arbeite immer schlechter. Diese aber beteuert stets, 95 Prozent aller Briefe erreichten am nächsten Tag ihr Ziel. Ein Widerspruch? Drei Erklärungen: 95 Prozent ist der Zielwert der Post. Jeden Monat lässt sie ein Hamburger Institut bis zu 70.000 Briefe durchs Land schicken, in einem repräsentativen Mix aus Formaten, Gewichten und Strecken. Nun entfällt, erstens, das Gros aller Briefe auf Strecken wie Frankfurt–Hamburg. Da können viele Briefe von Garmisch nach Leer drei Tage brauchen, für den Bundesschnitt spielt das kaum eine Rolle. Zweitens gilt die Vorgabe »im Jahresdurchschnitt«. Da kann in ganz Hamburg die Post eine Woche lang ausbleiben – die 95 Prozent sind drin. Drittens beginnt die Messung der Post erst, wenn der Brief im Zustellnetz ist, etwa mit Leerung des Briefkastens, nicht mit dem Einwerfen des Briefes. Und, ach ja: »Nächster Tag« kann auch heißen »nächster Tag, 15 Uhr«. Wer redet von 10 Uhr?

Universaldienst

Als Universaldienst bezeichnet das Postgesetz das Mindestangebot an Postdienstleistungen, das »flächendeckend« und »zu einem erschwinglichen Preis« zu erbringen ist. Eine Verordnung legt Details fest: So muss es mindestens 12.000 stationäre Einrichtungen, vulgo Filialen, geben, die gemäß klarer Kriterien zu verteilen sind. Briefkästen müssen in bebauten Gebieten binnen 1000 Metern zu erreichen sein, 80 Prozent aller Briefe am Folgetag am Ziel sein und werktäglich zugestellt werden, also sechs Tage die Woche. Filialen sind »nachfragegerecht« zu öffnen und Briefkästen gemäß den »Bedürfnissen des Wirtschaftslebens« zu leeren. Wachen über den Universaldienst muss die Bundesnetzagentur. Seit dem Fall des Briefmonopols am 1. Januar 2008 erbringt die Post den Dienst freiwillig. Nur wünscht sie in Zeiten von E-Mail, SMS und Facebook mehr Flexibilität. Zumal der Konzern in den Privathaushalten vor allem Empfänger sieht. Seine Kunden sind die zahlenden Absender, und das sind zu 85 Prozent Geschäftskunden.

Mit ihrer Geschichte von 500 Jahren verkörpert die Post die Erinnerung an eine Zeit, in der alles noch seine Ordnung hatte. Doch diese Zeit ist vorbei. Und diese Post gibt es nicht mehr.

Alle zu versorgen war lange Jahre die Pflicht einer Behörde namens Deutsche Bundespost – seit 2008 ist es eine freiwillige Leistung des privaten Konzerns Deutsche Post DHL. Eines Unternehmens, das fünf Prozent aller globalen Handelsströme organisiert und 46 Milliarden Euro Umsatz macht. Die Postoberen haben sich diese Geschäfte erschlossen und weltweit mehr als 100 Firmen zusammengekauft. Von ihrem 162 Meter hohen, vollverglasten Bonner Post Tower aus, den der Stararchitekt Helmut Jahn entworfen hat, haben die Manager die ganz großen Ziele im Visier: Sie bewegen Frachtcontainer und Dokumente, Küken und Schiffsschrauben – von China bis nach Hawaii. Im Expressgeschäft sehen sie sich in Asien und Lateinamerika an Nummer eins, bei Luft- und Schiffsfracht gar weltweit als Marktführer.

Unten, auf dem deutschen Boden, hat sich derweil tiefer Groll ausgebreitet: über Briefkästen, die abmontiert wurden, über Briefe, die mehrere Tage brauchen, über Postfilialen, in denen die Warteschlangen so lang sind wie an Skiliften. Viele Deutsche haben das Gefühl, sie seien der Post lästig.

Ende 2008 rügt die Gewerkschaft ver.di ein bundesweites »Zustellchaos«, sie beklagt Personalmangel, Überstunden und Postmengen, die nicht mehr zu bewältigen seien. 10.000 neue Briefzusteller, so ihre Forderung, müssten auf der Stelle her.

Im Sommer 2009 bringt die Post viele Bürger gegen sich auf, weil sie ohne offizielle Ankündigung sonntags die Arbeit in einigen Briefzentren reduziert und montags weniger Zusteller losschickt. Sie testet, wie sie ein paar Millionen sparen kann.

In den nächsten Monaten nun entscheidet sich, ob die Bonner den Abbau fortsetzen dürfen. Berlin wird festlegen, was künftig noch zur Grundversorgung, dem sogenannten Universaldienst, gehört.

Doch ausgerechnet jetzt, da sich die Deutschen und ihre Post so fremd geworden sind, geht der Konzern auf die Bürger zu. Er wirbt um sie mit Kampagnen, mit Investitionen, mit einem neuen Tonfall. »Ein Unternehmen darf genau so viel Profit machen, dass die Kunden und die Mitarbeiter noch zufrieden sind«, sagt Vorstandschef Frank Appel öffentlich und lässt so etwas wie Reue über Missmanagement und Arroganz erkennen. Man kann sein Bemühen ernst nehmen: Der Konzern kommt erst jetzt endgültig in der Marktwirtschaft an, und sein oberster Angestellter erkennt, dass er um seine Kunden und Mitarbeiter werben muss. Am Dienstag hat Appel für 2009 einen Profit vor Steuern und Einmaleffekten von 1,5 Milliarden Euro verkündet, getragen fast allein vom Brief.

Erste Etappe, Frankfurt am Main. Der Brief mit der Postleitzahl 82475 ist in einen Postsack gefallen. Dieser liegt inzwischen in einem gelben Lieferwagen, an dessen Lenkrad Luigi Virnuccio sitzt. Der Mann steuert das Briefzentrum Frankfurt an. Mehr als die Hälfte seines Lebens arbeitet der 54-jährige Mann aus Mittelsizilien schon bei der Post. Er ist praktisch unkündbar. Bekommt 13 Monatsgehälter. Hat Anspruch auf Zuschläge für Ehepartner und Kinder. Jede Überstunde wird bezahlt. Und zwischen 20 Uhr und 6 Uhr früh gibt es 25 Prozent Nachtzuschlag auf den Stundenlohn. Luigi Virnuccio ist ein Postmitarbeiter erster Klasse – und alter Schule. Als er als Fahrer anfing, vor 16 Jahren, erzählt er, sei er die Bezirke in seiner Freizeit so lange abgefahren, bis er jeden einzelnen Briefkasten auch bei Sturm im Dunkeln gefunden hätte. »Eins können Sie mir glauben«, sagt der Sizilianer, »ich kenne Frankfurt.«

Der junge Mann, der den Brief im Frankfurter Briefzentrum übernimmt und nach Nürnberg befördert, heißt Leo und stammt aus der Ukraine. Der 25-Jährige macht es diese Nacht umsonst. Er vertritt einen kranken Freund, der als Spediteur im Auftrag der Post Sendungen durch die Nacht fährt wie weitere rund 1900 Subunternehmen, die die Post mittlerweile im Briefbereich mit Transporten beauftragt hat. »Einer muss ja fahren«, sagt Leo, »krank werden geht nicht.« Wie viel die Post für die Fahrt nach Nürnberg zahlt, sagen weder sie noch der Spediteur.

Vor der Abfahrt hat man den Wagen verplombt. Hinter der Windschutzscheibe liegt ein abgegriffenes Ausweisschild der Deutschen Post, auf dem Beifahrersitz eine gelbe Fleecejacke mit Posthorn. Vier Spediteure fahren jeden Abend für die Post auf dieser Strecke. Der Ukrainer ist der zweite Fahrer und erzählt, dass der dritte, der eine Dreiviertelstunde später starte, ihn unterwegs regelmäßig überhole.

Wer sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält, kann die Strecke in der vorgesehenen Zeit auch ohne Staus und Baustellen kaum schaffen. Sind die Fahrer verspätet, müssen sie ihre halbstündige Pause in Nürnberg verkürzen – weil auch die Post in umgekehrter Richtung einen engen Zeittakt vorgibt. So arbeitet es sich bei der Post in der zweiten Klasse.

Die da unten, er da oben: Frank Appel weiß, was viele Mitarbeiter denken. »Respekt und Resultate«, dieses große Motto hat der Vorstandschef vor einem Jahr ausgegeben. »Natürlich kriege ich E-Mails von Mitarbeitern, die mich mit ihren eigenen Erfahrungen konfrontieren«, sagt der 48-Jährige, der den Konzern seit 2008 führt. »Das wundert mich nicht. ›Respekt und Resultate‹ ist eine Reise, ein Ziel, das zu erreichen Jahre dauern wird.« Es ist das Dilemma von Frank Appel: Wo er einen Anspruch verkündet, sehen andere die Wirklichkeit. Da sind zwar Zehntausende, deren Löhne noch aus einer Zeit stammen, als die Post vom Staat beschützt wurde und auch Geringqualifizierte hohe Löhne erhielten. Wer aber heute dazustößt, bekommt weit weniger – und oft nur einen befristeten Vertrag. Aber Appel sieht sich unter Druck. Wo andere auf die Gewinne von heute zeigen, bangt er um die Ergebnisse von morgen. Der Wettbewerb nimmt zu. Die Mengen sinken.

Im täglichen Geschäft versucht der Vorstandschef die Mängel zu beheben. Bereits nach dem Zustellchaos Ende 2008 hatte die Post 1000 Briefträger befristet eingestellt und 1300 Azubis übernommen. 420 Millionen Euro investiert sie bis 2012 in neue Sortiermaschinen. Briefvorstand Jürgen Gerdes verspricht, die Zahl der Verkaufsstellen binnen drei Jahren kräftig auszubauen. Die Anzahl der Briefkästen solle zudem »eher steigen« als sinken. Heute lobt sogar Elmar Müller vom Postkundenforum, sonst ein harscher Kritiker, »erhebliche Verbesserungen«, etwa in der Weihnachtszeit 2009. Selbst während des Wintereinbruchs sind größere Proteste über Zustellmängel ausgeblieben. Andrea Kocsis von ver.di, die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende ist und den Konzern im Zustellchaos 2008 noch scharf angegriffen hatte, sieht keine übermäßige Überlastung mehr. »Die Post hat aus dieser Geschichte gelernt«, sagt Kocsis. »Das Management hat kein Interesse, dass es noch einmal zu einem solchen Aufstand kommt.«

53113 Bonn, Platz der Deutschen Post, im 40.Stock des Post Towers ist das Büro des Chefs. Frank Appel hat eine Wand um einige Meter versetzen lassen, der Raum ist nun kleiner als zu Zeiten Klaus Zumwinkels. Und alles, was früher so gravitätisch anmutete, ist verschwunden: der tiefe Teppich, das dunkle Holz der Wandverkleidung, das Porträt des preußischen Generalpostmeisters Heinrich von Stephan, mit dem sich Zumwinkel gern verglich. Nun dominieren Glas und helle Farben. Auf einem schmalen Podest steht eine Pflanze, von einer roten Säule daneben rinnt Wasser hinab.

Über die verringerte Zustellung 2009 sagt Appel: »Wir haben diese Maßnahmen im Sommer ausprobiert, ohne die Bürger vorher ausreichend darüber aufzuklären. Das werden wir in Zukunft besser machen.« Sollte man derlei wiederholen, werde man »sehr viel offensiver« die Zwänge der Post erklären und »die Bürger darüber informieren, was wir vorhaben, und zwar nicht über die Zeitungen, sondern direkt zu Hause«. Solche Töne sind neu. In der Ära Zumwinkel verwies die Post bei Problemen stets routiniert auf »Einzelfälle«, Erkrankungen und Betriebsversammlungen während der Arbeitszeit.

Nach außen versucht Appel den Ruf seiner Post mit einer Kampagne zu heben: »Für Sie geben wir alles«, versprechen Briefträger in Zeitungsanzeigen. Seit Kurzem plakatiert das Unternehmen »156.000 Mal Danke!«, im Namen der Mitarbeiter, für »rund 90 Prozent Zufriedenheit« – so das Ergebnis einer Umfrage unter den Deutschen. »Die Post für mehr Kundenzufriedenheit. Die Post für Deutschland.«

Der neue Ton ist auch nötig, weil Frank Appel mit dafür verantwortlich ist, dass die Post in den vergangenen Jahren viele Milliarden Euro versenkt hat. Nach einer Karriere bei den Kostenkillern von McKinsey wechselte der Neurobiologe im Jahr 2000 zur Post, wurde Strategiechef, Vorstand – und führte in der Ära Zumwinkel oft Regie, wenn es um Firmenübernahmen ging. Mit diesen, so Kritiker, habe die Post es übertrieben – zu oft kaufte sie das Falsche, für zu viel Geld, mit zu großen Ambitionen. Und dann versagte noch das Management bei den Töchtern.

Erst jüngst zogen sich die Bonner kleinlaut aus dem Paketgeschäft in Frankreich und in Großbritannien zurück. Nichts aber symbolisiert das Scheitern mehr als der Flughafen in Wilmington, Ohio: Für 310 Millionen Dollar bauten die Deutschen ihn zum Luftdrehkreuz aus, um im US-Expressgeschäft gegen die Rivalen UPS und FedEx anzutreten. Das Vorhaben scheiterte kläglich. Im Januar verschenkte man die Anlage an die lokalen Behörden. Insgesamt verschlang das Abenteuer Amerika mindestens 7,5 Milliarden Euro.

In der Heimat fuhr die Post derweil als Monopolist im Briefgeschäft viele Milliarden Gewinn ein. »So gern die Post immer wieder über den Universaldienst klagt – dieser ist eine Gelddruckmaschine«, urteilt der Logistikexperte und Unternehmensberater Horst Manner-Romberg. Die Briefsparte mit ihren zweistelligen Umsatzrenditen ist bis heute die Ertragsperle des Unternehmens. Nun aber, da der Markt für alle offen ist, muss Appel mehr tun, um dieses Geschäft zu erhalten. Zumal der Druck seitens der Aufsicht zunimmt und die Politik sich vom Schutzherrn in einen Verbraucheranwalt verwandeln könnte.

Zweite Etappe im Briefdienst, Nürnberg. Eine Kiste Obst haben sie den Fahrern hingestellt. »Die wollen halt nicht, dass die Leute krank werden«, meint Viktor Cejka und schält eine Apfelsine. Die Firma, für die er früher Lkw fuhr, habe sich aufgelöst, erzählt der gebürtige Tscheche, deshalb sei er damals, 1995, zur Post gegangen. Wegen der Sicherheit. »Aber das ist auch längst vorbei.« Irgendwann, glaubt Cejka, werde die Post nur noch mit Servicepartnern arbeiten. Die Fahrten mit längeren Pausen seien jedenfalls die ersten gewesen, die an Subunternehmen abgegeben wurden. Anfangs sei es deshalb auch manchmal zu Rangeleien unter Fahrern gekommen. »Ist ja klar, die haben uns doch die Arbeit weggenommen.«

Der 55-Jährige erzählt von Freunden, die als Briefträger arbeiteten und früher »manchmal schon um halb eins fertig waren, aber jetzt sind die auch oft bis 15, 16 Uhr unterwegs«. Bedeutet es ihm noch etwas, Teil des gelben Riesen zu sein? Cejka zuckt die Schultern. »Eigentlich ist es mir egal, was ich fahre.«

Matthias Kurth ist Präsident der Bundesnetzagentur, er überwacht Energiekonzerne, Telekommunikationsfirmen, die Bahn – und den Postmarkt. Gewerkschafter kritisieren, die Netzagentur kümmere sich zu wenig um die Arbeitnehmer. Andere rügen, sie hätte für mehr Wettbewerb kämpfen müssen. Leicht gerät da eine andere Aufgabe aus dem Blick: die Grundversorgung sicherzustellen. Die Post mag dafür die Verantwortung tragen; der Netzagentur obliegt die Kontrolle. Hier hat sie, gemessen an den Erwartungen der Bürger, versagt.

53113 Bonn, Tulpenfeld 4, ein Hochhaus im alten Regierungsviertel, 13. Stock, Zimmer 13.11. In Kurths Büro steht eine Deutschlandfahne. Der 58-Jährige weiß, sein Ruf als Anwalt der Bürger ist gefährdet. Herr Kurth, haben Sie versagt? »Nein, wir nehmen unsere Aufgabe sehr ernst.« Sein Haus gehe jeder Klage nach, doch »trotz aller Beschwerden konnten wir bisher nicht feststellen, dass die Post den Universaldienst nicht mehr erbringt«. Bei allen Beschwerden müsse man auch die Relationen bedenken: 70 Millionen Sendungen jeden Tag! Die im internationalen Vergleich hohe Qualität! Kurth selbst sind aus seinem Wohnort die Proteste bekannt, wenn die Postfiliale durch eine Poststelle beim Gemüsehändler ersetzt wird. Das sei dann so, »als ob die Fahne eingerollt« werde; Post und Staat seien aber nicht mehr identisch, und der Händler habe länger auf.

Was er nicht sagt: Über Jahre hat ihm die Handhabe gegen die Post gefehlt. Im Jahr 2001 beschnitt die Politik die Kontroll- und Sanktionsrechte der Bundesnetzagentur drastisch: Weder war es ihr möglich, Verstöße gegen den Universaldienst öffentlich zu machen, noch konnte sie damit drohen, den Universaldienst auszuschreiben und anderweitig zu vergeben. 2003 dann bedrängten Bundesrechnungshof und Politik die Behörde sogar noch, nicht mehr selbst zu messen, wie viele Briefe tatsächlich nach einem Tag ankommen – obwohl die Aufseher stets schlechtere Werte ermittelt hatten als die Deutsche Post selbst. Es sei Geldverschwendung, zweimal zu messen, hieß es. Die Netzagentur gehorchte.

Seit dem Fall des Briefmonopols vor zwei Jahren ist die Netzagentur zwar wieder im Vollbesitz ihrer Rechte. Trotzdem haben Kurth und die gerade mal 50 für die Post zuständigen Mitarbeiter es meist weiter bei mahnenden Worten belassen. Jetzt aber wollen sie mehr Biss zeigen: »Ich habe es immer sehr bedauert, dass wir unsere eigenständige Messung der Brieflaufzeiten aufgeben mussten«, sagt Kurth. »Wir werden einen zweiten Anlauf unternehmen.« Ja, das sei ein Thema für dieses Jahr. »Bei Strom, Gas und anderen Netzen legt man ja auch Wert auf eine unabhängige Überwachung.«

Dritte Etappe der Reise, Starnberg. Im Briefzentrum sortieren Maschinen den Brief mit der Postleitzahl 82475 in eine der Lieferkisten für Garmisch-Partenkirchen. Es ist vier Uhr morgens, in der Cafeteria im ersten Stock dimmt ein Mitarbeiter mit dem Rauch seiner Zigarette das Licht der Neonleuchten. Ja, klar, sagt er, die Post ist immer schuld. Früher hätten die Leute gesagt: Ihr seid lahm und ineffizient, wartet bloß, bis ihr privatisiert werdet. Nun ist die Privatisierung da – aber das Schimpfen geht weiter. Jetzt sagten alle: Ihr seid zu wenige und überlastet, die Schlangen sind zu lang, der Briefträger hat keine Zeit. Beim Thema Post lasse sich noch bei jeder Party Einigkeit qua Nörgeln herstellen. Vielleicht, sagt der Mann, beschwerten sich die Deutschen einfach gerne. Er klingt gekränkt.

Wolfgang Bötsch fühle sich verantwortlich »aus vorangegangenem Tun«, sagt der Jurist – und lacht. Der Mann, der 1993 Bundespostminister wurde, hat die Privatisierung der Post vorangetrieben und 1997 seinen Posten und sein Ministerium abgeschafft. Die Post mag die Hauptverantwortung tragen und die Netzagentur in ihrer Kontrolle versagt haben. Den Rahmen aber – den hat beiden die Politik gesetzt. Insbesondere Wolfgang Bötsch. Die Urkunde über die Umwandlung der Post in eine Aktiengesellschaft trägt seine Unterschrift.

60325 Frankfurt, Taunusanlage 21. Im vierten Stock eines Bürogebäudes arbeitet Bötsch heute in einer Kanzlei. Zu Beginn des Gesprächs legt er sein zerkratztes Handy mit der alten, einprägsamen Dienstnummer auf den Tisch. Bötsch setzt sich.

War die Privatisierung der Post ein Fehler? »Es gab keine Alternative zur Liberalisierung wie auch zur Privatisierung«, antwortet der 71-Jährige. »Wissen Sie, die Leute meckern heute, aber damals, in den neunziger Jahren, war alles defizitär.« Allein die Postämter – von denen es nach der Vereinigung 29.000 gab – hätten jährlich zwei Milliarden Mark Verlust gemacht, bei vier Milliarden Mark Umsatz. Die Post – die damals Deutsche Bundespost Postdienst hieß und von einer Generaldirektion geführt wurde – sei »ein Kostgänger der Telefonkunden« gewesen. Auch hätten die Welthandelsrunde und die EU zur Liberalisierung gedrängt.

Viele Bürger pflegten, so Bötsch, überholte Erinnerungen. Das Postamt als Wärmestube. Was er nicht sagt: Der Bürger spielte in den Plänen kaum eine Rolle. All die Jahre ging es der Politik vorrangig um die Sanierung der Post, um niedrigere Preise für Geschäftskunden und volkswirtschaftliche Effizienz. Sie wollte der behäbigen Behörde mit Wettbewerb drohen können – ohne Wettbewerb wirklich zu wollen. Vielmehr verlängerte sie kurz vor der geplanten Marktöffnung 2003 das Briefmonopol um fünf Jahre, kurz vor der Marktöffnung 2008 führte sie hastig einen Mindestlohn ein. Und stets hielt man in Berlin daran fest, dass die Post keine Umsatzsteuer bezahlen muss. Viele Regierungsmitglieder sonnten sich gern im Glanz des börsennotierten Global Players. Und nicht zu vergessen: Als größtem Aktionär war und ist dem Bund vor allem an hohen Gewinnen gelegen.

Vierte Briefetappe, Garmisch-Partenkirchen. Früher, als noch Beamte hinter Postschaltern saßen, gehörte das repräsentative Gebäude nahe dem Bahnhof der Post allein. Den Amtsvorsteher, der die Geschäfte führte, nannten sie den Alpenkönig. Jedem Bürgermeister, der um einen Briefkasten ersuchte, habe er zwei ins Dorf gestellt, heißt es. Deshalb sei in der Region nach der Privatisierung besonders viel abgebaut worden. Und dem »Alpenkönig« soll der Abschied von seinem Schloss so schwergefallen sein, dass er sich tagelang geweigert habe, die Schlüssel des Postamts zu übergeben.

Mittlerweile hat die Postbank die vorderen Räume übernommen, die oberen Stockwerke sind vermietet. Ihre Post sortieren die Briefträger des Zustellstützpunkts nur noch im hinteren Trakt des Gebäudes in Taschen und Wagen. In der Teeküche röchelt unter Postern von Playmates eine Kaffeemaschine, während draußen der Morgen graut. Die Kissen auf der Eckbank sind durchgesessen. An einer Pinnwand hängen Urlaubsgrüße von Kollegen neben einem Foto von der Trauerfeier für einen verstorbenen Mitarbeiter. Die Postler von Garmisch erschienen geschlossen in Uniform. Doch das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft, Teil eines größeren Ganzen zu sein, verkümmert. »Stolz darauf, Postler zu sein, ist heute kaum noch wer«, sagt jemand.

Die neuen Töne aus dem Post Tower lassen sich auch mit der Sorge um das Wohlwollen der Politik erklären, nun, da die CDU von der SPD zur FDP gewechselt ist. Vergangene Woche beschloss der Bundestag, dass der Konzern von Juli an für Post von Geschäftskunden Umsatzsteuer zahlen muss, wie es seine Konkurrenz längst tut (zu der auch die Verlagsgruppe Holtzbrinck zählt, in der die ZEIT erscheint). Es geht um Hunderte Millionen Euro.

Noch brisanter ist die Frage, was weiter zur Grundversorgung zählen soll. Bei Wettbewerb. Und wenn bald der rechtsverbindliche Brief im Internet kommt. Selbst wenn es 50 Prozent weniger physische Briefe gibt, braucht es Briefkästen, Filialen und Zusteller. Reichen fünf Zustelltage, wie es die EU will? Muss jede Filiale jedes Produkt anbieten? Walter Maschke, im Konzern für Regulierungsfragen zuständig, erwartet bald Klarheit: »Die Vorschläge für Änderungen von Postgesetz und Universaldienst werden wohl noch 2010 kommen.« Experte Manner-Romberg ist sich sicher: »Wir werden uns langfristig an einen reduzierten Postservice gewöhnen müssen.«

Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Post bewegt: zwischen Kapitalmarkt und Öffentlichkeit, zwischen den Zwängen von heute und den Erwartungen von gestern. Mit Berlin muss die Post austarieren, welche Freiheiten die Politik dem privaten Unternehmen in einem nun offenen Markt gewähren muss und was beide zusammen den Bürgern zumuten wollen. Diese beharren mit Recht auf einer Grundversorgung und werden in ihrer Wut über Mängel heute auch ernster genommen als in den vergangenen Jahren. Zugleich aber müssen sie wissen, dass das Posthorn keineswegs mehr für den Konzern als Ganzes steht. Die Idylle, die sie vermissen, hatte einen Preis, ist Verklärung – und wird so nicht wiederkehren.

Fünfte Briefetappe, Zugspitze. Gäbe es den idealen Briefträger, er würde aussehen wie Andreas Oberauer. Kaum über null Grad, und er ist im Polohemd unterwegs, sein Bizeps dehnt die kurzen Ärmel, die schwarze Gelfrisur sitzt. Die Sonne kommt über die Berge, als er den Lieferwagen durch Garmisch-Partenkirchen steuert, alle paar Meter hält, die Handbremse zieht, zum Briefkasten joggt, dann weiter zum nächsten Haus, zurück ins Auto steigt, anfährt. Er kennt die Menschen, ruft laut »Servus«, Schweiß auf der Stirn.

Als Kind, sagt Oberauer, habe er Polizist, Rennfahrer oder Briefträger werden wollen. 44 Jahre ist er alt, seit 28 Jahren arbeitet er bei der Post, seit 16 Jahren ist er auch zuständig für die Postleitzahl 82475 – die Zugspitze. Immer wieder hat sich sein Zustellbezirk vergrößert. Und so fällt es zwar schwer, sich vorzustellen, dass ein Postbote schneller sein könnte als Andreas Oberauer. Die Seilbahn aber, die er erwischen müsste, um die kleine Filiale auf dem Gipfel pünktlich öffnen zu können – die verpasst er trotzdem.

 
Leser-Kommentare
  1. Zu dem Beitrag fällt mir doch glatt der Erlebnisbericht von einem guten Freund ein. Mit der Überschrift: "Deutsche Post - nimm das Konto du Luder" berichtete er über seine Erlebnisse im Postfinanzcenter, als er einen Brief abgeben wollte und nach den Preisen für einen Paketversand nachfragte.

    Ich hoffe mal, dass dies jetzt nicht zu dreist ist aber seinen Erlebnisbericht findet ihr unter:
    http://www.ploync.de/verm...

  2. Die neoliberale Ideologie hat auch in Deutschland zur Zerschlagung staatlicher Infrastruktur geführt. Post, Telekom und Bahn, ein einziges Trauerspiel. Die Marktideologen haben bis heute nicht den Nachweis erbracht, wieso ein privates Monopol besser sein soll als ein staatliches. Und bei netzgebundener Infrastruktur gibt es zwangsläufig Monopole. Wieviel Firmen sollen denn die Bahnstrecke München-Hamburg bedienen? Wer macht den Fahrplan? Wer bucht um bei Verspätungen? Wohin dieser Irrsinn führt, ist bei British Rail zu besichtigen. Netzgebundene Infrastruktur muss monopolistisch sein, und damit ist kein Markt zu organisieren. Außerdem muss in jedem Netz der Anschluß abgelegener Gebiete quersubventioniert werden. Im Mobilfunknetz können sich verschiedene Anbieter tummeln, im Schienennetz nicht. Und warum sollen sich im Postverkehr Private die Rosinen rauspicken dürfen, während die Post den Betrieb für die Fläche aufrecht erhalten muss. Mein Postfiliale wurde dicht gemacht. Die neue Filiale entlockte mir spontan den Kommentar "Gutes Versteck.".
    Und warum muß mit Infrastruktur Gewinn gemacht werden? Schulen und Kindergärten werfen auch keinen Gewinn ab, der entsteht an anderer Stelle. Und angesichts der enormen externen Kosten unseres Autoverkehrs haben wir allen Anlass, den öffentlichen Nahverkehr zu subventionieren.

    Wir haben kein Öl in Deutschland. Nur Bildung und Infrastruktur. Warum ist beides im freien Fall?

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • wizcom
    • 13.03.2010 um 15:17 Uhr

    "Netzgebundene Infrastruktur muss monopolistisch sein, und damit ist kein Markt zu organisieren."

    Hier liegen Sie falsch. Natürlich führt eine Netzinfrastruktur zu einem natürlichen Monopol. Das bedeutet jedoch nicht, dass mittels Regulierung nicht Wettbewerb zu organisieren ist. Bestes Beispiel hierfür leifert der Telekommunikationsmarkt. Das der Wettbewerb im Strombereich noch nicht recht in Gang gekommen zu sein scheint liegt hauptsächlich an der unzureichenden Regulierungstätigkeit sowie der geringen Wechselbereitschaft der Stromkunden. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre hier m.E. die strikte eigentumsrechtl. Trennung der Bereiche Stromübertragung und Stromproduktion.

    "Außerdem muss in jedem Netz der Anschluß abgelegener Gebiete quersubventioniert werden."

    Nein, die Quersubventionierung durch die anderen Netzteilnehmer ist nicht die Lösung. Wenn der Staat gleichwertige Lebensverhältnisse gewährleisten will, ist die Bereitstellung von Infrastruktur in entlegenen Gebieten eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und daher durch Steuermittel zu realisieren. So könnten private Anbieter Steuermittel für diese Dienstleistung erhalten.

    "Die neue Filiale entlockte mir spontan den Kommentar "Gutes Versteck."."

    Auch die Postfiliale in unserer Region wurde geschlossen. Jetzt befindet sie sich integriert in einem großen Einkaufsmarkt (längere Öffnungszeiten, bessere Zufahrtmöglichkeit durch die bequeme Mitnutzung der bestehenden Parkplätze). Sie sehen, es geht auch anders.

    • wizcom
    • 13.03.2010 um 15:17 Uhr

    "Netzgebundene Infrastruktur muss monopolistisch sein, und damit ist kein Markt zu organisieren."

    Hier liegen Sie falsch. Natürlich führt eine Netzinfrastruktur zu einem natürlichen Monopol. Das bedeutet jedoch nicht, dass mittels Regulierung nicht Wettbewerb zu organisieren ist. Bestes Beispiel hierfür leifert der Telekommunikationsmarkt. Das der Wettbewerb im Strombereich noch nicht recht in Gang gekommen zu sein scheint liegt hauptsächlich an der unzureichenden Regulierungstätigkeit sowie der geringen Wechselbereitschaft der Stromkunden. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre hier m.E. die strikte eigentumsrechtl. Trennung der Bereiche Stromübertragung und Stromproduktion.

    "Außerdem muss in jedem Netz der Anschluß abgelegener Gebiete quersubventioniert werden."

    Nein, die Quersubventionierung durch die anderen Netzteilnehmer ist nicht die Lösung. Wenn der Staat gleichwertige Lebensverhältnisse gewährleisten will, ist die Bereitstellung von Infrastruktur in entlegenen Gebieten eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und daher durch Steuermittel zu realisieren. So könnten private Anbieter Steuermittel für diese Dienstleistung erhalten.

    "Die neue Filiale entlockte mir spontan den Kommentar "Gutes Versteck."."

    Auch die Postfiliale in unserer Region wurde geschlossen. Jetzt befindet sie sich integriert in einem großen Einkaufsmarkt (längere Öffnungszeiten, bessere Zufahrtmöglichkeit durch die bequeme Mitnutzung der bestehenden Parkplätze). Sie sehen, es geht auch anders.

  3. hat sich neben der grauen auch die gelbe Post unter den Nagel gerissen. Es wurden schon ordentliche Boni, Beratervertrage usw. gezahlt. Jetzt wird man die letzten Filialen verkaufen. Dann gibt es nur noch die Menschen, die man weiter ausquetschen kann, damit der Gewinn stimmt.

    • Ranjit
    • 13.03.2010 um 14:28 Uhr

    Wozu genau nochmal Post? Vor allem in dieser Form.

    Wie wärs mit Geschäfts- und Amtsbriefen, die digital übermittelt und dann ortsnah und zeitnah gedruckt und dann zugestellt werden? Völlige digitalisierung ist natürlich nicht drin, bei der großen Zahl Menschen ohne Internetzugang in der BRD.

    Soweit ich weiß ist so ein halbdigitaler Brief nur für den Privatbereich geplant und da sehe ich keinen Zukunftsmarkt.

    Allein schon aus Umweltgründen müssen wir und überlegen, wie lange wir uns noch leisten wollen tote Bäume quer über die Landkarte zu karren.

    • wizcom
    • 13.03.2010 um 15:17 Uhr

    "Netzgebundene Infrastruktur muss monopolistisch sein, und damit ist kein Markt zu organisieren."

    Hier liegen Sie falsch. Natürlich führt eine Netzinfrastruktur zu einem natürlichen Monopol. Das bedeutet jedoch nicht, dass mittels Regulierung nicht Wettbewerb zu organisieren ist. Bestes Beispiel hierfür leifert der Telekommunikationsmarkt. Das der Wettbewerb im Strombereich noch nicht recht in Gang gekommen zu sein scheint liegt hauptsächlich an der unzureichenden Regulierungstätigkeit sowie der geringen Wechselbereitschaft der Stromkunden. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre hier m.E. die strikte eigentumsrechtl. Trennung der Bereiche Stromübertragung und Stromproduktion.

    "Außerdem muss in jedem Netz der Anschluß abgelegener Gebiete quersubventioniert werden."

    Nein, die Quersubventionierung durch die anderen Netzteilnehmer ist nicht die Lösung. Wenn der Staat gleichwertige Lebensverhältnisse gewährleisten will, ist die Bereitstellung von Infrastruktur in entlegenen Gebieten eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und daher durch Steuermittel zu realisieren. So könnten private Anbieter Steuermittel für diese Dienstleistung erhalten.

    "Die neue Filiale entlockte mir spontan den Kommentar "Gutes Versteck."."

    Auch die Postfiliale in unserer Region wurde geschlossen. Jetzt befindet sie sich integriert in einem großen Einkaufsmarkt (längere Öffnungszeiten, bessere Zufahrtmöglichkeit durch die bequeme Mitnutzung der bestehenden Parkplätze). Sie sehen, es geht auch anders.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • NoG
    • 13.03.2010 um 16:02 Uhr

    ganz schluessig ist ihre gegenargumentation aber nicht.

    zum einen...was nuetzt die postfiliale in einem einkaufsmarkt,
    wenn dieser (wie so oft) nicht durch oepnv sinnvoll angesteuert wird. besser sind da die postagenturen, auch wenn sie nicht alle leistunegn anbieten (duerfen).

    die paketdienste und deren partner-systeme kann man teilweise in der pfeife rauchen. wer moechte sein paket schon in einem abgelegenen zentrallager abholen oder sich mit dem zusteller verabreden?

    und ob die subventionierung aus steuermitteln dem staat/ steuerzahler letztlich weniger kostet, ist doch eher zweifelhaft.
    von quersubventionierung der anderen anbieter steht uebrigens nichts da. gemeint war vermutlich eine mischkalkulation der preise, wie sie logischerweise jeder anbieter (auch der monopolanbieter) vornehmen muss.

    • NoG
    • 13.03.2010 um 16:02 Uhr

    ganz schluessig ist ihre gegenargumentation aber nicht.

    zum einen...was nuetzt die postfiliale in einem einkaufsmarkt,
    wenn dieser (wie so oft) nicht durch oepnv sinnvoll angesteuert wird. besser sind da die postagenturen, auch wenn sie nicht alle leistunegn anbieten (duerfen).

    die paketdienste und deren partner-systeme kann man teilweise in der pfeife rauchen. wer moechte sein paket schon in einem abgelegenen zentrallager abholen oder sich mit dem zusteller verabreden?

    und ob die subventionierung aus steuermitteln dem staat/ steuerzahler letztlich weniger kostet, ist doch eher zweifelhaft.
    von quersubventionierung der anderen anbieter steht uebrigens nichts da. gemeint war vermutlich eine mischkalkulation der preise, wie sie logischerweise jeder anbieter (auch der monopolanbieter) vornehmen muss.

  4. ein Brief mus nicht nach einem Tag ankommen. Wer so knapp plant, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Früher hat es eben zwei Tage gedauert. Die Packstationen sind nicht schlecht. Schlimm ist die Werbung. Wir haben jeden Sa. eine ganze Schubkarre von diesen Werbeprospekten im Flur liegen, die keiner bestellt hat. Ich habe drei Mal einen Brief im Kasten gehabt, der für jemand anderen bestimmt war und dessen Name keine Ähnlichkeit mit meinem hatte. Einmal war sogar eine SIM-Karte drin, was ich erst gemerkt habe, als ich den Brief aufgemacht habe und feststellen musste, dass das Teil für jemand anderen war. Übel, Übel

    • NoG
    • 13.03.2010 um 16:02 Uhr

    ganz schluessig ist ihre gegenargumentation aber nicht.

    zum einen...was nuetzt die postfiliale in einem einkaufsmarkt,
    wenn dieser (wie so oft) nicht durch oepnv sinnvoll angesteuert wird. besser sind da die postagenturen, auch wenn sie nicht alle leistunegn anbieten (duerfen).

    die paketdienste und deren partner-systeme kann man teilweise in der pfeife rauchen. wer moechte sein paket schon in einem abgelegenen zentrallager abholen oder sich mit dem zusteller verabreden?

    und ob die subventionierung aus steuermitteln dem staat/ steuerzahler letztlich weniger kostet, ist doch eher zweifelhaft.
    von quersubventionierung der anderen anbieter steht uebrigens nichts da. gemeint war vermutlich eine mischkalkulation der preise, wie sie logischerweise jeder anbieter (auch der monopolanbieter) vornehmen muss.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "@ Kurt Kraus"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • wizcom
    • 13.03.2010 um 18:15 Uhr

    Meine Argumente sind sehr wohl schlüssig:

    "was nuetzt die postfiliale in einem einkaufsmarkt,
    wenn dieser (wie so oft) nicht durch oepnv sinnvoll angesteuert wird"

    Nun ja, hier ist das Problem die Anbindung an den OPNV. Eine derartige Anbindung ist, da haben Sie recht, vorteilhaft. Nur war im vorliegenden Fall auch die herkömmliche Postfiliale nicht angeschlossen. Somit kommt dieses Argument hier (in diesem subjektiven Beispiel) nicht zum tragen.

    "wer moechte sein paket schon in einem abgelegenen zentrallager abholen oder sich mit dem zusteller verabreden"

    Dies habe ich ja gar nicht postuliert. Ich denke der Wettbewerb wird dies regeln und ggf. auch wieder für eine Marktbereinigung sorgen. Kein Widerspruch. Doch deswegen muss man doch den Wettbewerb nicht unterbinden, oder?

    "ob die subventionierung aus steuermitteln dem staat/ steuerzahler letztlich weniger kostet, ist doch eher zweifelhaft"

    Dem Staat kostet es auf alle Fälle mehr, da ihn die andere Lösung nichts kostet, zahlen in diesem Fall ja die anderen Postkunden. Allerdings müssten unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten gesamtgesellschaftliche Aufgaben auch von der gesamten Gesellschaft getragen werden, nicht nur von den Postkunden

    Ich bezog mich in der Tat auf eine Mischkalkulation der Preise. Leider ist mir der Zwang zur Mischk. nicht ersichtlich. Eine unternehmensinterne "Quersubventionierung" ist sogar bedenklich,da mit Monopolgewinnen aus einem Bereich der Wettbew. in einem anderen Bereich verzerrt würde.

    • wizcom
    • 13.03.2010 um 18:15 Uhr

    Meine Argumente sind sehr wohl schlüssig:

    "was nuetzt die postfiliale in einem einkaufsmarkt,
    wenn dieser (wie so oft) nicht durch oepnv sinnvoll angesteuert wird"

    Nun ja, hier ist das Problem die Anbindung an den OPNV. Eine derartige Anbindung ist, da haben Sie recht, vorteilhaft. Nur war im vorliegenden Fall auch die herkömmliche Postfiliale nicht angeschlossen. Somit kommt dieses Argument hier (in diesem subjektiven Beispiel) nicht zum tragen.

    "wer moechte sein paket schon in einem abgelegenen zentrallager abholen oder sich mit dem zusteller verabreden"

    Dies habe ich ja gar nicht postuliert. Ich denke der Wettbewerb wird dies regeln und ggf. auch wieder für eine Marktbereinigung sorgen. Kein Widerspruch. Doch deswegen muss man doch den Wettbewerb nicht unterbinden, oder?

    "ob die subventionierung aus steuermitteln dem staat/ steuerzahler letztlich weniger kostet, ist doch eher zweifelhaft"

    Dem Staat kostet es auf alle Fälle mehr, da ihn die andere Lösung nichts kostet, zahlen in diesem Fall ja die anderen Postkunden. Allerdings müssten unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten gesamtgesellschaftliche Aufgaben auch von der gesamten Gesellschaft getragen werden, nicht nur von den Postkunden

    Ich bezog mich in der Tat auf eine Mischkalkulation der Preise. Leider ist mir der Zwang zur Mischk. nicht ersichtlich. Eine unternehmensinterne "Quersubventionierung" ist sogar bedenklich,da mit Monopolgewinnen aus einem Bereich der Wettbew. in einem anderen Bereich verzerrt würde.

  5. Der Service ist heute viel schlechter.
    (1) Ein Nachsendungsantrag ist heute Unfug, weil er nur für die deutsche Post und nicht für andere Postdienstleister gilt. (2) Wenn man einen Brief erhält, dessen Empfänger man nicht ist und der Brief wurde nicht durch die "Deutsche Post" überbracht, weiß man nicht, wie man ihn wieder los wird.

    Warum es billiger sein soll, wenn mich heute 5 Briefträger bedienen und früher war es einer, kann mir auch niemand schlüssig erklären. Beim Telefon gehört der letzte Rest der Leitung ab dem Verteiler der Post. Nicht jede Telefongesellschaft muss ein Kabel bis vor meine Haustür legen. Bei der Briefpost wird die Verteilung durch alle Postunternehmen bis zum Endkunden durchgeführt. Das kann überhaupt nicht günstiger sein.

    Die "Postdienstleister" sind Rosinenpicker. Nur bestimmte Leute können sich der Postdienstleister bedienen und sie bringen die Briefe nur in eine bestimmte Region. Trotzdem werden die Mitarbeiter viel schlechter bezahlt als bei der "Deutschen Post". Dies ist kaum erklärbar. Viele Mitarbeiter der Postdienstleister sind sogar Aufstocker. Sie bekommen einen Teil ihres Gehaltes aus dem Steuersäckel. Damit also bestimmte Firmen günstige Posttarife bekommen, muss ich mehr Steuern bezahlen. Da hört der Spaß eigentlich auf. Ich muss praktisch einen Teil der Briefkosten für diese Firmen bezahlen.

    Ein Hr. Westerwelle findet dies als Fortschritt. Der Mann hat von Volkswirtschaft leider keine Ahnung.

    Eine Leser-Empfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service