Google und der DatenschutzIch sehe was, was du nicht siehst

Darf Google mehr wissen als der Staat? Eigentlich will niemand eine Gesellschaft ohne Geheimnisse. Aber es fehlt noch an politischen Leitbildern für das Internet.

Leben folgt Algorithmen: Datenschützer treibt die Frage um, ob die Welt im Internetzeitalter zu berechenbar geworden ist

Leben folgt Algorithmen: Datenschützer treibt die Frage um, ob die Welt im Internetzeitalter zu berechenbar geworden ist

Als Steven Spielberg vor mehr als zehn Jahren die Verfilmung von Philip K. Dicks Science-Fiction-Story Minority Report vorbereitete, lud er fünfzehn besonders kluge Menschen in ein Hotel in Santa Monica ein. Drei Tage lang sollten die coolsten Computerfachleute, Mediziner, Autodesigner und Stadtplaner Szenarien für eine nicht allzu ferne Zukunft entwerfen. Es war ein ziemlich produktives Treffen.

Vieles, was die Futurologen damals für das Jahr 2054 ersannen, ist längst Realität geworden – oder steht kurz vor der Serienreife: das Scannen der Iris zur Identifizierung von Menschen etwa oder die Steuerung von Computern mit ein paar schnellen Bewegungen der Fingerspitzen; jeder Besitzer eines iPhones bedient sein Gerät mittlerweile so wie Tom Cruise den Zentralrechner der Polizei in Minority Report.

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Nur beim eigentlichen Thema des Science-Fiction-Thrillers haben die Vordenker merkwürdig versagt. Minority Report erzählt von einer Spezialeinheit der Polizei, die Morde verhindert, noch ehe sie begangen werden. Für diese ultimative Verbrechensvorbeugung aber benutzt die »Pre-Crime«-Truppe keine Hochtechnologie, kein supersmartes Computerprogramm, sondern drei Hellseher. Das war schon 2002, als der Film in die Kinos kam, reichlich anachronistisch. Heute klingt es wie ein Märchen aus uralter Zeit.

Natürlich lassen sich Morde heute und wohl auch in nächster Zukunft nicht vorhersagen. Aber längst arbeiten Sicherheitsexperten weltweit an Konzepten zur vorbeugenden Kriminalitätsbekämpfung. Nur stützen sie sich dabei nicht auf Wahrsagerei, sondern auf die automatisierte Analyse von Daten. Das vielleicht harmloseste Beispiel ist die computergesteuerte Kontrolle des Kreditkartengeschäfts: Werden mit einer Karte, die bislang nur in Europa eingesetzt wurde, auf einmal große Summen in Shanghai oder Rio bewegt, schlägt ein Rechner Alarm. Vielleicht ist da ein Urlauber bloß dem Kaufrausch verfallen. Vielleicht aber ist auch ein Betrug im Gange.

Wir alle leben auf Trampelpfaden. Tag für Tag folgen wir eingespielten Routinen, treffen einen ziemlich überschaubaren Kreis von Menschen, halten uns an berechenbare soziale Muster. Wer das einmal begriffen, wer die Trampelpfade vermessen hat, kann nicht nur nachzeichnen, wo wir uns bewegt haben. Er kann auch ziemlich genau prognostizieren, was wir morgen tun werden. Und das eröffnet Möglichkeiten, ebenso fantastisch wie unheimlich.

Der kalifornische Suchmaschinengigant Google beispielsweise testet seit einiger Zeit eine mathematische Formel, die aufgrund von Beurteilungen, Beförderungen, Krankheitstagen und Gehaltsentwicklung jedes Mitarbeiters berechnet, wie wahrscheinlich eine Kündigung ist. Der Algorithmus helfe seiner Firma, »in die Köpfe unserer Leute zu schauen, noch ehe sie selbst ahnen, dass sie vielleicht gehen werden«, erklärte der Google-Personalchef Laszlo Bock ganz freimütig in einem Interview.

Besonders aufschlussreich für alle Kontrollfreaks und professionell Neugierigen ist die Durchleuchtung der Kommunikation von Menschen und Gruppen. Wer telefoniert mit wem? Wann? Wie lange? Wer verschickt E-Mails wohin? Wie häufig? Und was bedeutet der neue Kontakt, der plötzlich immer wieder auftaucht? Ein Indiz für eine Affäre vielleicht. Ein Hinweis auf einen neuen Geschäftspartner oder auf eine Krankheit, die dringend ärztliche Beratung erfordert. Oder ein Signal, dass jemand mit den Medien Kontakt aufgenommen hat, um zu plaudern: über seinen Chef, über Korruption, über politischen Murks.

Leserkommentare
    • Ranjit
    • 12.03.2010 um 11:56 Uhr

    "...jeder Besitzer eines iPhones bedient sein Gerät mittlerweile so wie Tom Cruise den Zentralrechner der Polizei in Minority Report."

    Genau! Nur Besitzer von iPhones können ihre Geräte mit dem Finger bedienen!

    Man könnte nun meinen, iPhones sind die häufigsten Smartphones... Nur leider sind nur 15% der Smarktphones iPhones.
    http://en.wikipedia.org/w...

    iPhone ist auch kein Begriff, der ausgeweitet wurde um eine ganze Produktsparte zu beschrieben, wie Tempo.

    Dies ist nicht dass erste mal in der ZEIT, dass iPhones explizit herausgestellt werden, obwohl Smartphones zutreffender sind.

    In Brigitte oder Bild kann ich sowas verstehen. Aber in der ZEIT bitte keine Schleichwerbung.

    Denn wenn ich mich fragen muss, ob hier Geld fließt um Apple zu bewerben, liegt auch die Frage nahe, ob das ganze Googlebashing wirklich aus eigenem Antrieb erfolgt.

    Generell stellt sich die Frage, ob der Mangel an Recherche in diesem Artikel noch akzeptabel ist:
    "vom islamistischen Terror, dem der Staat ohne Recherchen im Internet kaum beikommen kann, wie der Sauerland-Prozess gerade wieder bewiesen hat."

    Hier wird im Kontext suggeriet die Vorratsdatenspeicherung wäre nötig gewesen, um die Sauerland-Gruppe zu entlarven. Das war sie aber nicht. Und verdachtsunabhängige Totalüberwachung als "Recherche" zu bezeichnen ist ein unerträglicher Euphemismus.

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    Nicht jedes Smartphone ist übrigens ein Touchscreen-Handy (auch wenn es immer mehr werden) und soweit ich weiß bediente Tom Cruise die Bildschirme in der Polizei Zentrale ohne die BIldschirme zu berühren.

    Ein Verweis auf den letztens hier zu lesenden Bericht über die Steuerung im 3dimensionalen Raum per Fingerspitzen wäre also deutlich passender (wenn auch nicht so plakativ) wie das iPhone.

    PS: Was macht dieser Tage eigentlich das iPad?

    Nicht jedes Smartphone ist übrigens ein Touchscreen-Handy (auch wenn es immer mehr werden) und soweit ich weiß bediente Tom Cruise die Bildschirme in der Polizei Zentrale ohne die BIldschirme zu berühren.

    Ein Verweis auf den letztens hier zu lesenden Bericht über die Steuerung im 3dimensionalen Raum per Fingerspitzen wäre also deutlich passender (wenn auch nicht so plakativ) wie das iPhone.

    PS: Was macht dieser Tage eigentlich das iPad?

  1. Nicht jedes Smartphone ist übrigens ein Touchscreen-Handy (auch wenn es immer mehr werden) und soweit ich weiß bediente Tom Cruise die Bildschirme in der Polizei Zentrale ohne die BIldschirme zu berühren.

    Ein Verweis auf den letztens hier zu lesenden Bericht über die Steuerung im 3dimensionalen Raum per Fingerspitzen wäre also deutlich passender (wenn auch nicht so plakativ) wie das iPhone.

    PS: Was macht dieser Tage eigentlich das iPad?

  2. ist nicht die Transparenz, sondern die Tatsache, das Transparenz nur vorgetäuscht wird durch Wahrscheinlichkeiten.
    Das führt zu institutionalisierten Vorurteilen, wenn solche Datenbasen für Entscheidungen auf individueller Ebene genutzt werden.
    Das Problem liegt dabei darin, dass Menschen der Versuchung unterliegen es sich einfach zu machen, und dem Risiko aus dem Wege gehen.
    Generelle und präventive Risikominimierung ist aber nioht wirklich vorteilhaft für die Gesellschaft. Denn Risiken sind auch das Salz in der Suppe des Fortschrittes. Ein Umstand der heutzutage stark verkannt wird.

    Was wir brauchen ist eine Regelung, Interessenlage, die lieber auf solcherlei Trugschlüsse und Risikovermeidung verzichtet, denn durch Kontrolle und Verbote ist das nicht erreichbar, der Kampf wäre schon verloren, bevor er begonnen hätte, da die Attraktivität ein Verbot zu umgehen zu groß ist, Beweisbarkeit fast unmöglich ist.
    Also muss der Nutzen unmöglich gemacht werden.

    H.

  3. Ach, liebe ZEIT.

    Lasst doch einfach mal andere Autoren als Wefing/Gaschke über die große neue Bedrohung Google/Internet schreiben.

    Vielleicht kommt dabei was Neues rum.

    Oder haltet eure Autoren doch mal dazu an, nicht nur bei einer Quelle (N. Carr) nach Erkenntnissen zu suchen, sondern - das wäre ja vielleicht total qualitätsjournalistisch - sich etwas intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.

    Hier werden die gleichen Klischees und Phrasen gedroschen wie seit mehr als einem Jahr.

    Mit einer ernsthaften Auseinandersetzung hat das nichts zu tun.

    Wefing fehlt die Theoriebildung, er jammert über die unaufgeklärte Nichtdebatte, hat leider nicht die Muße, sich diese ganzen amerikanischen Autoren durchzulesen (na klar, außer: Carr).

    Leider trägt er selbst nichts zur Theoriebildung oder zur Aufklärung in der Debatte bei.

    Er macht nämlich lieber Angst. Jaja. Wir alle werden beobachtet, vor allem Herr Wefing fühlt sich "diffus bedroht".

    Vielleicht sollte ihm ein Experte vom CCC mal erklären, welche Maßnahmen man als kluger Netznutzer ergreifen kann, um nicht beobachtet zu werden.

    Aber darum geht es dem Mann natürlich nicht.
    Denn dieser Artikel soll nicht informieren, er soll Stimmung machen. Und das tut er leider auch noch auf einem eher niedrigen Niveau.

    Wenn die ZEIT ernsthaft zu dieser Debatte beitragen will, sollte sie entweder die Autoren auswechseln oder ihnen neue journalistische Maßstäbe an die Hand geben.

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    Die Annahme, nur durch Ahnungslosigkeit und/oder grobe Fahrlässigkeit mit erheblichen Sicherheitsrisiken bzw. (im Jargon) Einschränkungen der informationellen Selbstbestimmung konfrontiert werden zu können, kann nur vertreten, wer (etwa) niemals heisec zur Kenntnis nimmt. Google insbesondere verfährt gern nach dem Schema "erst 'mal machen und dann sehen, ob irgendjemand bessere Anwälte bezahlen kann als wir". Die "netizens" erleben das alles als COOL, häufig gerade auch die (haha) Piraten und andere, die sich so gern über Vorratsdaten usw. erregen. Kritische Distanz gegenüber staatlichen Instanzen, aber kindliche Begeisterung für die so genannten Sozialen Netzwerke, die wesentlich aus wirtschaftlichen Verwertungsinteressen entstanden sind und weiter entwickelt und verdichtet werden. - Oder aber ich habe etwas falsch verstanden, und facebookgoogletwittern handeln rein philantrophisch: Connecting people...don't be evil, see no evil. Nimm einfach an, dass alle diese Leute und Unternehmen nur dein Bestes wollen - und was dein Bestes ist, wissen sie letztlich besser als du. Privatsphäre? Du hast doch nichts zu verbergen, oder? Die - soziale - Beweislast wird sich immer weiter umkehren. Schon heute gilt tendenziell als Sonderling, wer nicht permanent erreichbar und vernetzt ist, und die Normen von morgen definieren nicht Intellektuelle, das Feuilleton oder selbst die Politik. Ein Artikel, der zum Nachdenken darüber auffordert, ist trotz aller Mängel legitim.

    Die Annahme, nur durch Ahnungslosigkeit und/oder grobe Fahrlässigkeit mit erheblichen Sicherheitsrisiken bzw. (im Jargon) Einschränkungen der informationellen Selbstbestimmung konfrontiert werden zu können, kann nur vertreten, wer (etwa) niemals heisec zur Kenntnis nimmt. Google insbesondere verfährt gern nach dem Schema "erst 'mal machen und dann sehen, ob irgendjemand bessere Anwälte bezahlen kann als wir". Die "netizens" erleben das alles als COOL, häufig gerade auch die (haha) Piraten und andere, die sich so gern über Vorratsdaten usw. erregen. Kritische Distanz gegenüber staatlichen Instanzen, aber kindliche Begeisterung für die so genannten Sozialen Netzwerke, die wesentlich aus wirtschaftlichen Verwertungsinteressen entstanden sind und weiter entwickelt und verdichtet werden. - Oder aber ich habe etwas falsch verstanden, und facebookgoogletwittern handeln rein philantrophisch: Connecting people...don't be evil, see no evil. Nimm einfach an, dass alle diese Leute und Unternehmen nur dein Bestes wollen - und was dein Bestes ist, wissen sie letztlich besser als du. Privatsphäre? Du hast doch nichts zu verbergen, oder? Die - soziale - Beweislast wird sich immer weiter umkehren. Schon heute gilt tendenziell als Sonderling, wer nicht permanent erreichbar und vernetzt ist, und die Normen von morgen definieren nicht Intellektuelle, das Feuilleton oder selbst die Politik. Ein Artikel, der zum Nachdenken darüber auffordert, ist trotz aller Mängel legitim.

  4. Die Annahme, nur durch Ahnungslosigkeit und/oder grobe Fahrlässigkeit mit erheblichen Sicherheitsrisiken bzw. (im Jargon) Einschränkungen der informationellen Selbstbestimmung konfrontiert werden zu können, kann nur vertreten, wer (etwa) niemals heisec zur Kenntnis nimmt. Google insbesondere verfährt gern nach dem Schema "erst 'mal machen und dann sehen, ob irgendjemand bessere Anwälte bezahlen kann als wir". Die "netizens" erleben das alles als COOL, häufig gerade auch die (haha) Piraten und andere, die sich so gern über Vorratsdaten usw. erregen. Kritische Distanz gegenüber staatlichen Instanzen, aber kindliche Begeisterung für die so genannten Sozialen Netzwerke, die wesentlich aus wirtschaftlichen Verwertungsinteressen entstanden sind und weiter entwickelt und verdichtet werden. - Oder aber ich habe etwas falsch verstanden, und facebookgoogletwittern handeln rein philantrophisch: Connecting people...don't be evil, see no evil. Nimm einfach an, dass alle diese Leute und Unternehmen nur dein Bestes wollen - und was dein Bestes ist, wissen sie letztlich besser als du. Privatsphäre? Du hast doch nichts zu verbergen, oder? Die - soziale - Beweislast wird sich immer weiter umkehren. Schon heute gilt tendenziell als Sonderling, wer nicht permanent erreichbar und vernetzt ist, und die Normen von morgen definieren nicht Intellektuelle, das Feuilleton oder selbst die Politik. Ein Artikel, der zum Nachdenken darüber auffordert, ist trotz aller Mängel legitim.

  5. Natürlich ist so ein Artikel legitim. Und natürlich sind Google, Facebook, Microsoft profitorientierte Unternehmen und keine philanthropischen Gemeinnützigkeitseinrichtungen.

    Aber Wefings Artikel liefert nullkommanull Ansätze, wie man dem denn begegnen könnte, außer:

    Politik, tut doch was! Gesellschaft, redet doch mal drüber!

    Es ist einfach zu billig, wiederholt den Teufel (Google) an die Wand zu malen und die Schuld (wofür? Dass ein Großteil der Leute freiwillig ihre Daten verschleudern?) allein bei diesem zu suchen.

    Die Nutzer haben auch eine Verantwortung. Google ist (jaja, noch nicht) kein Geheimdienst, der prinzipiell seine Nutzer ins Unheil stürzen will.

    Und wie es denn wirklich in einer Gesellschaft aussehen könnte, wenn alle mehr für alle wissen, darüber macht sich der Autor auch keine ernsthaften Gedanken, außer: dann geht wahrscheinlich das christliche Abendland unter.

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    Diese Ihre Formulierung habe ich nicht recht verstanden bzw. sie ist mehrdeutig: "Und wie es denn wirklich in einer Gesellschaft aussehen könnte, wenn alle mehr für alle wissen(...)" Was meinen Sie hier? - Durch den (in weiten Teilen der Welt) allgemeinen Zugang zu den Netzen entstehen zunächst einmal gigantische, unüberschaubare Datenmengen. Daten stellen potentielle Informationen dar, Informationen wiederum potentielles Wissen. Der Begriff *Wissen* wird in solchen Zusammenhängen häufig höchst unscharf, manchmal leichtfertig, gebraucht. Meinerseits gebrauche ich die neuen Technologien nahezu täglich, bin aber zugleich froh, dass ich meine Diplomarbeit noch "zu Fuß" anfertigen musste: vieles wäre mir leichter gefallen, aber die Illusion, das Denken delegieren zu können, existierte noch nicht.
    Auch der CCC et al. unterliegt tendenziell dem Missverständnis, es ginge nur, oder wesentlich, um technische Problemlösungen. Heute noch bedarf es einer gewissen Sorglosigkeit, die eigenen Daten zugänglich zu machen; Google insbesondere arbeitet daran, das Prinzip Freiwilligkeit abzuschaffen. Darüber ist ein *politischer* Diskurs zu führen. Die Entwicklung führt in Richtung einer Gesellschaft, in der fast alle fast alles über fast alle wissen - wollen wir das??

    Diese Ihre Formulierung habe ich nicht recht verstanden bzw. sie ist mehrdeutig: "Und wie es denn wirklich in einer Gesellschaft aussehen könnte, wenn alle mehr für alle wissen(...)" Was meinen Sie hier? - Durch den (in weiten Teilen der Welt) allgemeinen Zugang zu den Netzen entstehen zunächst einmal gigantische, unüberschaubare Datenmengen. Daten stellen potentielle Informationen dar, Informationen wiederum potentielles Wissen. Der Begriff *Wissen* wird in solchen Zusammenhängen häufig höchst unscharf, manchmal leichtfertig, gebraucht. Meinerseits gebrauche ich die neuen Technologien nahezu täglich, bin aber zugleich froh, dass ich meine Diplomarbeit noch "zu Fuß" anfertigen musste: vieles wäre mir leichter gefallen, aber die Illusion, das Denken delegieren zu können, existierte noch nicht.
    Auch der CCC et al. unterliegt tendenziell dem Missverständnis, es ginge nur, oder wesentlich, um technische Problemlösungen. Heute noch bedarf es einer gewissen Sorglosigkeit, die eigenen Daten zugänglich zu machen; Google insbesondere arbeitet daran, das Prinzip Freiwilligkeit abzuschaffen. Darüber ist ein *politischer* Diskurs zu führen. Die Entwicklung führt in Richtung einer Gesellschaft, in der fast alle fast alles über fast alle wissen - wollen wir das??

  6. Diese Ihre Formulierung habe ich nicht recht verstanden bzw. sie ist mehrdeutig: "Und wie es denn wirklich in einer Gesellschaft aussehen könnte, wenn alle mehr für alle wissen(...)" Was meinen Sie hier? - Durch den (in weiten Teilen der Welt) allgemeinen Zugang zu den Netzen entstehen zunächst einmal gigantische, unüberschaubare Datenmengen. Daten stellen potentielle Informationen dar, Informationen wiederum potentielles Wissen. Der Begriff *Wissen* wird in solchen Zusammenhängen häufig höchst unscharf, manchmal leichtfertig, gebraucht. Meinerseits gebrauche ich die neuen Technologien nahezu täglich, bin aber zugleich froh, dass ich meine Diplomarbeit noch "zu Fuß" anfertigen musste: vieles wäre mir leichter gefallen, aber die Illusion, das Denken delegieren zu können, existierte noch nicht.
    Auch der CCC et al. unterliegt tendenziell dem Missverständnis, es ginge nur, oder wesentlich, um technische Problemlösungen. Heute noch bedarf es einer gewissen Sorglosigkeit, die eigenen Daten zugänglich zu machen; Google insbesondere arbeitet daran, das Prinzip Freiwilligkeit abzuschaffen. Darüber ist ein *politischer* Diskurs zu führen. Die Entwicklung führt in Richtung einer Gesellschaft, in der fast alle fast alles über fast alle wissen - wollen wir das??

    Antwort auf "Legitimität"
  7. Ich habe erst auf der zweiten Seiten gemerkt, dass der Artikel von Heinrich Wefing stammt und ich muss zugeben: Er macht Fortschritte, in den ersten Absätzen fand ich erstmal alles korrekt. Auch wenn ich jetzt nicht mehr weiter lesen werde – warum aufregen?

    Und auch wenn die Wende bei den Themen VDS/Netzsperren durch ein Lob an das Bundesverfassungsgericht etwas merkwürdig klingt, ist das Thema Netzpolitik durch ihn jetzt erstmalig halbwegs grundlegend dargestellt worden. Gut. Es geht voran. Schade das ich jetzt eine andere Zeitung im Abo habe.

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