Google und der Datenschutz Ich sehe was, was du nicht siehstSeite 4/4
Spätestens wenn diese Funktion auf marktüblichen Handys läuft, ist es mit unserer Anonymität vorbei. Dann sind wir alle Holländer, ohne Vorhänge vor den Fenstern unseres Lebens. Dann sind wir alle Popstars, immer und überall zu erkennen, nirgends inkognito. Mitten in der Großstadt herrscht dann die totale Sozialkontrolle des Dorfes. Und nie haben wir darüber diskutiert, ob wir eigentlich so leben wollen.
Wollen wir eine Gesellschaft ohne Geheimnis, in der jeder alles über jeden erfahren kann? In der die Entblößung allgegenwärtig ist? Würden sich in einer solchen Gesellschaft auch die Schamgrenzen verändern, die Frage nach dem Anstößigen und dem Akzeptablen? Und brauchen wir nicht die Schatten der Anonymität, die die Informanten schützen, die Quellen aus dem Inneren der Apparate, die Frauen, die von ihren Männern geschlagen werden, all jene, die Hilfe suchen, aber ihre Identität nicht preisgeben mögen?
Kein Zweifel, das wären Fragen, die die Politik umtreiben müssten. Aber noch ist die Politik nicht sprechfähig. Noch fehlt ihr ein Kompass, ein Konzept. Noch redet jeder in Berlin, was ihm so einfällt zum Netz: die Kanzlerin dies, die Verbraucherschutzministerin das, der Wirtschaftsminister jenes. Ilse Aigner warnt vor Google Street View, Angela Merkel findet diese Komplettverfilmung der deutschen Städte ganz okay. Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger kämpft für die Löschung der Kommunikationsdaten, Innenminister Thomas de Maizière will sie stoppen, ist sonst aber ganz nah beim Chaos Computer Club; Familienministerin Schröder will Kinderpornografie im Netz löschen und betont im Übrigen gern, wie »internetaffin« sie sei. Es gibt keine Struktur in dieser Debatte, keine Strategie, keine übergreifende Idee. Der Bundestag setzt erst einmal eine Enquetekommission ein. Die Sortierung von Meinungen und Vorschlägen, normalerweise Aufgabe der Parteien, hat noch nicht einmal begonnen. Nimmt man die Umweltpolitik als Maßstab, das letzte Megathema, das über die Politik gekommen ist wie eine Springflut, die alles verändert hat, dann steht die Netzpolitik ungefähr beim Bericht des Club of Rome über die »Grenzen des Wachstums« – viele Jahre vor dem Einzug der Grünen in den Bundestag.
Natürlich lässt sich leicht spotten über das Kakofonische, Desorientierte, Unfertige dieser neuen, künftigen Politik. Aber es gibt Gründe dafür: erstens die wahnwitzige Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung, die viel schneller ist als die Methoden und Mechanismen der Politik. Zweitens die ungeheure Verzweigtheit des Themas. Netzpolitik muss heute alles zugleich sein: Technologie- und Wirtschaftsförderung. Freiheitsschutz. Regulierung und Rechtsdurchsetzung. Sie muss global und national agieren, es geht um sehr viel Geld, um Infrastrukturen und militärische Szenarien, um ganze Industrien, die vom Netz hinweggefegt werden. Es geht darum, wie wir in Zukunft arbeiten und kommunizieren, wie wir denken und miteinander umgehen. Wie wir leben. Um nur ein paar Fragen zu nennen.
Drittens und nicht zuletzt gibt es zu all diesen verwickelten Problemen keinen allgemeinen Diskurs, auf den die Politik aufsetzen könnte, keine Theoriebildung, keine Leitbilder. Sicher, es gibt – vorwiegend in den Vereinigten Staaten – tausenderlei Denker, die sich den Themen widmen, mehr oder weniger ernsthaft: Blogger, Wissenschaftler, Cybergurus, Netzideologen und Industrie-Lautsprecher. Aber was sie hervorbringen, steht unverbunden nebeneinander, und es ist noch längst nicht ins allgemeine Bewusstsein vorgedrungen. Ganz wie die Politik beginnt auch die Gesellschaft gerade erst zu ahnen, was auf sie zukommt. Ein Epochenbruch, vermutlich. Mindestens eine Umwälzung von der Dimension der industriellen Revolution.
- Datum 12.03.2010 - 10:55 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.03.2010 Nr. 11
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"...jeder Besitzer eines iPhones bedient sein Gerät mittlerweile so wie Tom Cruise den Zentralrechner der Polizei in Minority Report."
Genau! Nur Besitzer von iPhones können ihre Geräte mit dem Finger bedienen!
Man könnte nun meinen, iPhones sind die häufigsten Smartphones... Nur leider sind nur 15% der Smarktphones iPhones.
http://en.wikipedia.org/w...
iPhone ist auch kein Begriff, der ausgeweitet wurde um eine ganze Produktsparte zu beschrieben, wie Tempo.
Dies ist nicht dass erste mal in der ZEIT, dass iPhones explizit herausgestellt werden, obwohl Smartphones zutreffender sind.
In Brigitte oder Bild kann ich sowas verstehen. Aber in der ZEIT bitte keine Schleichwerbung.
Denn wenn ich mich fragen muss, ob hier Geld fließt um Apple zu bewerben, liegt auch die Frage nahe, ob das ganze Googlebashing wirklich aus eigenem Antrieb erfolgt.
Generell stellt sich die Frage, ob der Mangel an Recherche in diesem Artikel noch akzeptabel ist:
"vom islamistischen Terror, dem der Staat ohne Recherchen im Internet kaum beikommen kann, wie der Sauerland-Prozess gerade wieder bewiesen hat."
Hier wird im Kontext suggeriet die Vorratsdatenspeicherung wäre nötig gewesen, um die Sauerland-Gruppe zu entlarven. Das war sie aber nicht. Und verdachtsunabhängige Totalüberwachung als "Recherche" zu bezeichnen ist ein unerträglicher Euphemismus.
Nicht jedes Smartphone ist übrigens ein Touchscreen-Handy (auch wenn es immer mehr werden) und soweit ich weiß bediente Tom Cruise die Bildschirme in der Polizei Zentrale ohne die BIldschirme zu berühren.
Ein Verweis auf den letztens hier zu lesenden Bericht über die Steuerung im 3dimensionalen Raum per Fingerspitzen wäre also deutlich passender (wenn auch nicht so plakativ) wie das iPhone.
PS: Was macht dieser Tage eigentlich das iPad?
Nicht jedes Smartphone ist übrigens ein Touchscreen-Handy (auch wenn es immer mehr werden) und soweit ich weiß bediente Tom Cruise die Bildschirme in der Polizei Zentrale ohne die BIldschirme zu berühren.
Ein Verweis auf den letztens hier zu lesenden Bericht über die Steuerung im 3dimensionalen Raum per Fingerspitzen wäre also deutlich passender (wenn auch nicht so plakativ) wie das iPhone.
PS: Was macht dieser Tage eigentlich das iPad?
Nicht jedes Smartphone ist übrigens ein Touchscreen-Handy (auch wenn es immer mehr werden) und soweit ich weiß bediente Tom Cruise die Bildschirme in der Polizei Zentrale ohne die BIldschirme zu berühren.
Ein Verweis auf den letztens hier zu lesenden Bericht über die Steuerung im 3dimensionalen Raum per Fingerspitzen wäre also deutlich passender (wenn auch nicht so plakativ) wie das iPhone.
PS: Was macht dieser Tage eigentlich das iPad?
ist nicht die Transparenz, sondern die Tatsache, das Transparenz nur vorgetäuscht wird durch Wahrscheinlichkeiten.
Das führt zu institutionalisierten Vorurteilen, wenn solche Datenbasen für Entscheidungen auf individueller Ebene genutzt werden.
Das Problem liegt dabei darin, dass Menschen der Versuchung unterliegen es sich einfach zu machen, und dem Risiko aus dem Wege gehen.
Generelle und präventive Risikominimierung ist aber nioht wirklich vorteilhaft für die Gesellschaft. Denn Risiken sind auch das Salz in der Suppe des Fortschrittes. Ein Umstand der heutzutage stark verkannt wird.
Was wir brauchen ist eine Regelung, Interessenlage, die lieber auf solcherlei Trugschlüsse und Risikovermeidung verzichtet, denn durch Kontrolle und Verbote ist das nicht erreichbar, der Kampf wäre schon verloren, bevor er begonnen hätte, da die Attraktivität ein Verbot zu umgehen zu groß ist, Beweisbarkeit fast unmöglich ist.
Also muss der Nutzen unmöglich gemacht werden.
H.
Ach, liebe ZEIT.
Lasst doch einfach mal andere Autoren als Wefing/Gaschke über die große neue Bedrohung Google/Internet schreiben.
Vielleicht kommt dabei was Neues rum.
Oder haltet eure Autoren doch mal dazu an, nicht nur bei einer Quelle (N. Carr) nach Erkenntnissen zu suchen, sondern - das wäre ja vielleicht total qualitätsjournalistisch - sich etwas intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Hier werden die gleichen Klischees und Phrasen gedroschen wie seit mehr als einem Jahr.
Mit einer ernsthaften Auseinandersetzung hat das nichts zu tun.
Wefing fehlt die Theoriebildung, er jammert über die unaufgeklärte Nichtdebatte, hat leider nicht die Muße, sich diese ganzen amerikanischen Autoren durchzulesen (na klar, außer: Carr).
Leider trägt er selbst nichts zur Theoriebildung oder zur Aufklärung in der Debatte bei.
Er macht nämlich lieber Angst. Jaja. Wir alle werden beobachtet, vor allem Herr Wefing fühlt sich "diffus bedroht".
Vielleicht sollte ihm ein Experte vom CCC mal erklären, welche Maßnahmen man als kluger Netznutzer ergreifen kann, um nicht beobachtet zu werden.
Aber darum geht es dem Mann natürlich nicht.
Denn dieser Artikel soll nicht informieren, er soll Stimmung machen. Und das tut er leider auch noch auf einem eher niedrigen Niveau.
Wenn die ZEIT ernsthaft zu dieser Debatte beitragen will, sollte sie entweder die Autoren auswechseln oder ihnen neue journalistische Maßstäbe an die Hand geben.
Die Annahme, nur durch Ahnungslosigkeit und/oder grobe Fahrlässigkeit mit erheblichen Sicherheitsrisiken bzw. (im Jargon) Einschränkungen der informationellen Selbstbestimmung konfrontiert werden zu können, kann nur vertreten, wer (etwa) niemals heisec zur Kenntnis nimmt. Google insbesondere verfährt gern nach dem Schema "erst 'mal machen und dann sehen, ob irgendjemand bessere Anwälte bezahlen kann als wir". Die "netizens" erleben das alles als COOL, häufig gerade auch die (haha) Piraten und andere, die sich so gern über Vorratsdaten usw. erregen. Kritische Distanz gegenüber staatlichen Instanzen, aber kindliche Begeisterung für die so genannten Sozialen Netzwerke, die wesentlich aus wirtschaftlichen Verwertungsinteressen entstanden sind und weiter entwickelt und verdichtet werden. - Oder aber ich habe etwas falsch verstanden, und facebookgoogletwittern handeln rein philantrophisch: Connecting people...don't be evil, see no evil. Nimm einfach an, dass alle diese Leute und Unternehmen nur dein Bestes wollen - und was dein Bestes ist, wissen sie letztlich besser als du. Privatsphäre? Du hast doch nichts zu verbergen, oder? Die - soziale - Beweislast wird sich immer weiter umkehren. Schon heute gilt tendenziell als Sonderling, wer nicht permanent erreichbar und vernetzt ist, und die Normen von morgen definieren nicht Intellektuelle, das Feuilleton oder selbst die Politik. Ein Artikel, der zum Nachdenken darüber auffordert, ist trotz aller Mängel legitim.
Die Annahme, nur durch Ahnungslosigkeit und/oder grobe Fahrlässigkeit mit erheblichen Sicherheitsrisiken bzw. (im Jargon) Einschränkungen der informationellen Selbstbestimmung konfrontiert werden zu können, kann nur vertreten, wer (etwa) niemals heisec zur Kenntnis nimmt. Google insbesondere verfährt gern nach dem Schema "erst 'mal machen und dann sehen, ob irgendjemand bessere Anwälte bezahlen kann als wir". Die "netizens" erleben das alles als COOL, häufig gerade auch die (haha) Piraten und andere, die sich so gern über Vorratsdaten usw. erregen. Kritische Distanz gegenüber staatlichen Instanzen, aber kindliche Begeisterung für die so genannten Sozialen Netzwerke, die wesentlich aus wirtschaftlichen Verwertungsinteressen entstanden sind und weiter entwickelt und verdichtet werden. - Oder aber ich habe etwas falsch verstanden, und facebookgoogletwittern handeln rein philantrophisch: Connecting people...don't be evil, see no evil. Nimm einfach an, dass alle diese Leute und Unternehmen nur dein Bestes wollen - und was dein Bestes ist, wissen sie letztlich besser als du. Privatsphäre? Du hast doch nichts zu verbergen, oder? Die - soziale - Beweislast wird sich immer weiter umkehren. Schon heute gilt tendenziell als Sonderling, wer nicht permanent erreichbar und vernetzt ist, und die Normen von morgen definieren nicht Intellektuelle, das Feuilleton oder selbst die Politik. Ein Artikel, der zum Nachdenken darüber auffordert, ist trotz aller Mängel legitim.
Die Annahme, nur durch Ahnungslosigkeit und/oder grobe Fahrlässigkeit mit erheblichen Sicherheitsrisiken bzw. (im Jargon) Einschränkungen der informationellen Selbstbestimmung konfrontiert werden zu können, kann nur vertreten, wer (etwa) niemals heisec zur Kenntnis nimmt. Google insbesondere verfährt gern nach dem Schema "erst 'mal machen und dann sehen, ob irgendjemand bessere Anwälte bezahlen kann als wir". Die "netizens" erleben das alles als COOL, häufig gerade auch die (haha) Piraten und andere, die sich so gern über Vorratsdaten usw. erregen. Kritische Distanz gegenüber staatlichen Instanzen, aber kindliche Begeisterung für die so genannten Sozialen Netzwerke, die wesentlich aus wirtschaftlichen Verwertungsinteressen entstanden sind und weiter entwickelt und verdichtet werden. - Oder aber ich habe etwas falsch verstanden, und facebookgoogletwittern handeln rein philantrophisch: Connecting people...don't be evil, see no evil. Nimm einfach an, dass alle diese Leute und Unternehmen nur dein Bestes wollen - und was dein Bestes ist, wissen sie letztlich besser als du. Privatsphäre? Du hast doch nichts zu verbergen, oder? Die - soziale - Beweislast wird sich immer weiter umkehren. Schon heute gilt tendenziell als Sonderling, wer nicht permanent erreichbar und vernetzt ist, und die Normen von morgen definieren nicht Intellektuelle, das Feuilleton oder selbst die Politik. Ein Artikel, der zum Nachdenken darüber auffordert, ist trotz aller Mängel legitim.
Natürlich ist so ein Artikel legitim. Und natürlich sind Google, Facebook, Microsoft profitorientierte Unternehmen und keine philanthropischen Gemeinnützigkeitseinrichtungen.
Aber Wefings Artikel liefert nullkommanull Ansätze, wie man dem denn begegnen könnte, außer:
Politik, tut doch was! Gesellschaft, redet doch mal drüber!
Es ist einfach zu billig, wiederholt den Teufel (Google) an die Wand zu malen und die Schuld (wofür? Dass ein Großteil der Leute freiwillig ihre Daten verschleudern?) allein bei diesem zu suchen.
Die Nutzer haben auch eine Verantwortung. Google ist (jaja, noch nicht) kein Geheimdienst, der prinzipiell seine Nutzer ins Unheil stürzen will.
Und wie es denn wirklich in einer Gesellschaft aussehen könnte, wenn alle mehr für alle wissen, darüber macht sich der Autor auch keine ernsthaften Gedanken, außer: dann geht wahrscheinlich das christliche Abendland unter.
Diese Ihre Formulierung habe ich nicht recht verstanden bzw. sie ist mehrdeutig: "Und wie es denn wirklich in einer Gesellschaft aussehen könnte, wenn alle mehr für alle wissen(...)" Was meinen Sie hier? - Durch den (in weiten Teilen der Welt) allgemeinen Zugang zu den Netzen entstehen zunächst einmal gigantische, unüberschaubare Datenmengen. Daten stellen potentielle Informationen dar, Informationen wiederum potentielles Wissen. Der Begriff *Wissen* wird in solchen Zusammenhängen häufig höchst unscharf, manchmal leichtfertig, gebraucht. Meinerseits gebrauche ich die neuen Technologien nahezu täglich, bin aber zugleich froh, dass ich meine Diplomarbeit noch "zu Fuß" anfertigen musste: vieles wäre mir leichter gefallen, aber die Illusion, das Denken delegieren zu können, existierte noch nicht.
Auch der CCC et al. unterliegt tendenziell dem Missverständnis, es ginge nur, oder wesentlich, um technische Problemlösungen. Heute noch bedarf es einer gewissen Sorglosigkeit, die eigenen Daten zugänglich zu machen; Google insbesondere arbeitet daran, das Prinzip Freiwilligkeit abzuschaffen. Darüber ist ein *politischer* Diskurs zu führen. Die Entwicklung führt in Richtung einer Gesellschaft, in der fast alle fast alles über fast alle wissen - wollen wir das??
Diese Ihre Formulierung habe ich nicht recht verstanden bzw. sie ist mehrdeutig: "Und wie es denn wirklich in einer Gesellschaft aussehen könnte, wenn alle mehr für alle wissen(...)" Was meinen Sie hier? - Durch den (in weiten Teilen der Welt) allgemeinen Zugang zu den Netzen entstehen zunächst einmal gigantische, unüberschaubare Datenmengen. Daten stellen potentielle Informationen dar, Informationen wiederum potentielles Wissen. Der Begriff *Wissen* wird in solchen Zusammenhängen häufig höchst unscharf, manchmal leichtfertig, gebraucht. Meinerseits gebrauche ich die neuen Technologien nahezu täglich, bin aber zugleich froh, dass ich meine Diplomarbeit noch "zu Fuß" anfertigen musste: vieles wäre mir leichter gefallen, aber die Illusion, das Denken delegieren zu können, existierte noch nicht.
Auch der CCC et al. unterliegt tendenziell dem Missverständnis, es ginge nur, oder wesentlich, um technische Problemlösungen. Heute noch bedarf es einer gewissen Sorglosigkeit, die eigenen Daten zugänglich zu machen; Google insbesondere arbeitet daran, das Prinzip Freiwilligkeit abzuschaffen. Darüber ist ein *politischer* Diskurs zu führen. Die Entwicklung führt in Richtung einer Gesellschaft, in der fast alle fast alles über fast alle wissen - wollen wir das??
Diese Ihre Formulierung habe ich nicht recht verstanden bzw. sie ist mehrdeutig: "Und wie es denn wirklich in einer Gesellschaft aussehen könnte, wenn alle mehr für alle wissen(...)" Was meinen Sie hier? - Durch den (in weiten Teilen der Welt) allgemeinen Zugang zu den Netzen entstehen zunächst einmal gigantische, unüberschaubare Datenmengen. Daten stellen potentielle Informationen dar, Informationen wiederum potentielles Wissen. Der Begriff *Wissen* wird in solchen Zusammenhängen häufig höchst unscharf, manchmal leichtfertig, gebraucht. Meinerseits gebrauche ich die neuen Technologien nahezu täglich, bin aber zugleich froh, dass ich meine Diplomarbeit noch "zu Fuß" anfertigen musste: vieles wäre mir leichter gefallen, aber die Illusion, das Denken delegieren zu können, existierte noch nicht.
Auch der CCC et al. unterliegt tendenziell dem Missverständnis, es ginge nur, oder wesentlich, um technische Problemlösungen. Heute noch bedarf es einer gewissen Sorglosigkeit, die eigenen Daten zugänglich zu machen; Google insbesondere arbeitet daran, das Prinzip Freiwilligkeit abzuschaffen. Darüber ist ein *politischer* Diskurs zu führen. Die Entwicklung führt in Richtung einer Gesellschaft, in der fast alle fast alles über fast alle wissen - wollen wir das??
Ich habe erst auf der zweiten Seiten gemerkt, dass der Artikel von Heinrich Wefing stammt und ich muss zugeben: Er macht Fortschritte, in den ersten Absätzen fand ich erstmal alles korrekt. Auch wenn ich jetzt nicht mehr weiter lesen werde – warum aufregen?
Und auch wenn die Wende bei den Themen VDS/Netzsperren durch ein Lob an das Bundesverfassungsgericht etwas merkwürdig klingt, ist das Thema Netzpolitik durch ihn jetzt erstmalig halbwegs grundlegend dargestellt worden. Gut. Es geht voran. Schade das ich jetzt eine andere Zeitung im Abo habe.
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