Schauspieler Christian Friedel Starke VorstellungSeite 2/2

Friedel steht, neben anderen, für ein junges, forsches Staatsschauspiel mit klugen Einfällen und neuen Akzenten: Da sind Ideen wie die Dresdner »Bürgerbühne« im Kleinen Haus. 400 Laien engagieren sich in den Klubs und Inszenierungen. Ein Sprungbrett, sagt Friedel, und das imponiere ihm – bei so vielen Talenten, die unentdeckt blieben. »Das ist auch der Grund, warum ich sage, dass die Wende für mich zum richtigen Zeitpunkt gekommen ist.« Spät genug, heißt das: »Die Motivation des Staats war zweifelhaft, weil immer die neue Kati Witt gesucht wurde. Die Chance jedoch, entdeckt zu werden, war größer in der DDR.«

Nun, da die Mauer nicht mehr war, konnte Christian Friedel die Eroberung der Welt einleiten. Mit traumwandlerischer Sicherheit.

Sein Durchbruch kommt plötzlich, aber verdient. Früh, aber nicht zu früh. Vor zehn Jahren, sagt er, wäre er gefährdet gewesen, die Bodenhaftung zu verlieren. Nun ist seine Unbekümmertheit gefestigt. Vielleicht habe er bei Michael Hanekes Castings bestanden, weil er sich chancenlos wähnte. Weil er sich mit einer Naivität dieses Projekts annahm, die nur ein Träumer aufbringen kann. Haneke, heißt es, habe Friedel vom ersten Moment an gemocht. Nur seine Frau sei skeptisch gewesen. Sie entdeckte ihn – auf den zweiten Blick. Mittlerweile hat Friedel sogar auf ihrer Geburtstagsparty gesungen, auf dem Akkordeon begleitet von Ulrich Tukur. Best of You von den Foo Fighters. Und im Abspann von Hanekes Film steht Christian Friedel ganz oben – über den Größen der deutschen Filmbranche. Über Burghart Klaußner, Josef Bierbichler, weit über Detlev Buck. Längst liegt die Anfrage für eine zweite Filmrolle auf dem Tisch. Bisher, sagt Friedel, sei jedoch nichts spruchreif.

Aber will er diese Karriere überhaupt? Warum es nicht als Musiker versuchen? Liebeshymnen, am Computer selbst eingespielt und produziert, veröffentlicht Friedel im Internet bei MySpace, und sie sind wunderbar. Warum nicht alles auf einmal, fragt Friedel. »Mein Traum ist, alles vereinen zu können«, sagt er. »Ich könnte an keinem Theater arbeiten, das mir nicht die Freiheit lässt, nebenher auch andere Sachen zu machen.«

»Wir geben ihn nicht mehr her«, heißt es am Staatsschauspiel

Friedel scheint alles zu beherrschen, der Erfolg ihm zuzufliegen. Kollegen loben seine Frische, seine Schnelligkeit, seinen Witz. Den Schalk in seinen Augen. »Wir geben ihn nicht mehr her«, sagt Martina Aschmies, die Sprecherin des Staatsschauspiels.

Von seinem Wilhelm Meister schwärmen die Dresdner Zuschauer. Sein Peer Gynt rettet die ganze Inszenierung. In dieser Rolle sagt er: »Ich bin ein guter Junge. Ich werde reich werden.« Als Christian Friedel würde er das im Leben nicht laut sagen. 

Nun also, von Ende März an, der Don Carlos: an der Seite von Burghart Klaußner. Es ist ein Wiedersehen – auch Klaußner spielte im Weißen Band . »Aus vielen Gründen finde ich es amüsant und charmant, dass Friedel und ich erneut zusammenarbeiten«, sagt er. »Es ist toll, wie der sich reinschmeißt.« Die Reise nach Hollywood unternahmen Friedel und Klaußner gemeinsam. Es dürfte das erste Mal gewesen sein, dass eine Premiere des Staatsschauspiels Dresden ein Thema auf Oscarpartys abgab.

»23 Jahre und nichts für die Unsterblichkeit getan«, beklagt sich Friedel als Don Carlos. Ehrgeiz, der dem Schauspieler selbst nicht fremd ist – auf den zweiten Blick. Man wird von ihm hören.

 
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