Sal. Oppenheim Niedergang einer Dynastie

Die guten Zeiten sind vorbei: Wie die bedeutendste deutsche Bankiersfamilie nach mehr als 200 Jahren die Unabhängigkeit des Geldhauses Sal. Oppenheim verspielte.

Christopher Freiherr von Oppenheim trägt einen großen Namen, aber er ist ein blasser Typ. In guten Zeiten ging das als Bescheidenheit durch, als Zurückhaltung eines vornehmen Charakters. Aber die guten Zeiten liegen hinter ihm. Die guten Zeiten sind vorbei.

Der »Baron« zählt zur siebenten Generation der bedeutendsten Bankiersfamilie des Landes. Inzwischen steht fest: Es ist die letzte Generation. Das Bankhaus Sal. Oppenheim wird Teil eines internationalen Finanzkonzerns mit dem etwas irreführenden Namen Deutsche Bank. In diesen Tagen ist das final closing des Deals: Die Deutsche Bank vollendet die vor Monaten vereinbarte Übernahme. Im Dezember hatte sie schon einen neuen Mann an der Spitze von Oppenheim installiert: Wilhelm von Haller, ein altgedienter Deutschbanker mit Erfahrungen im Firmenkreditgeschäft, zu dessen Meriten es gehört, dass er einst die DDR-Staatsbank abzuwickeln half.

Anzeige

Kapitale Fehlinvestitionen brachten das Bankhaus an den Rand der Pleite

Meilensteine Sal. Oppenheim: 1789 - 1867

1789: Im Jahr der Französischen Revolution gründet der 17-jährige Salomon Oppenheim in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus

1798: Umzug nach Köln

1837: Mitgründung regionaler Eisenbahngesellschaften

1858: Albert Oppenheim konvertiert zum katholischen Glauben

1867: Simon Oppenheim wird vom österreichischen Kaiser in den Freiherrnstand erhoben

1904 - 2010

1904: Krise nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie, eine Großbank beteiligt sich bis 1919

1938 bis 1947: Sal. Oppenheim firmiert als Pferdmenges & Co.

1989: Verkauf der Versicherungsbeteiligungen Colonia/Nordstern

2005: Durch die Übernahme der Frankfurter BHF-Bank wird Sal. Oppenheim zur größten europäischen Privatbank

2007: Die Bank verlegt ihren Hauptsitz nach Luxemburg

2010: Verlust der Unabhängigkeit: Die Deutsche Bank übernimmt Sal. Oppenheim

Auch wenn der Finanzriese verkündet, er werde die Eigenständigkeit der neuen Tochtergesellschaft wahren, ändert das nichts an den neuen Konzernverhältnissen: Aus Sal. Oppenheim wird Sal. Ackermann. Im 221. Jahr seines Bestehens verliert das renommierte Bankhaus endgültig seine Unabhängigkeit. Für Mitarbeiter und Kunden ist das nicht weiter schlimm, aber für die Familie ist es ein Tragödie.

Das große Erbe – verloren. Die Dynastie – dahin. Abrupt geendet hat die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte einer Familie, die in der Finanztradition des Landes eine herausragende Rolle spielte. »Zur deutschen Industrialisierung hat wohl kaum eine Privatbank mehr beigetragen als Oppenheim«, schreibt der Historiker Michael Stürmer.

Christopher von Oppenheim, Sohn des verstorbenen Patriarchen Alfred, ist der letzte Namensträger im Führungskreis. Er erfährt nun die dunkle Seite dessen, was es bedeutet, Teil einer Wirtschaftsdynastie zu sein. Man erbt das Geld, man erbt die Macht – und muss sich dann bewähren. Oder man scheitert.

Der Industrielle August Oetker hat das für sich einmal so formuliert: »An der Spitze eines Unternehmens, das seit 112 Jahren existiert und das in der vierten Generation von der Familie geleitet wird, wollen Sie nicht derjenige sein, der es an die Wand fährt.« Oetker ist aus der Gefahrenzone, er hat den Familienkonzern Anfang 2010 an seinen Bruder Richard übergeben.

Der Kollaps des Bankhauses Sal. Oppenheim kam plötzlich. In den Jahren bevor die Bank wackelte, war sie so schnell gewachsen wie niemals zuvor in ihrer langen Geschichte. Mit einer Bilanzsumme von 41 Milliarden Euro (mehr als zehnmal so viel wie bei den Privatbanken Metzler oder Berenberg) war sie zuletzt die größte europäische Privatbank in Familienbesitz. Und wenn man den Zahlen glaubt, dann erlebte die Bank 2007 das beste Jahr ihrer langen Geschichte.

Leser-Kommentare
  1. Interessanter Einblick in eine kuriose Welt, in der es um Millionen geht, aber die menschlichen Beziehungen ähnlich wie in jedem Krämerladen ausschlaggebend für strategische Entscheidungen sind.

    • grrzt
    • 16.03.2010 um 13:29 Uhr

    Der Autor des Artikels verbreitet eine buddenbrook'sche Stimmung, dabei ist ein Räuberhauptmann von einem anderen ausgeraubt worden, wen kümmerts?

  2. "Der Borkenkäfer und die Bank"

    http://www.cicero.de/97.p...

    "Der Club der Hasardeure"

    http://wissen.manager-mag...

  3. »Wir haben Fehler gemacht. …. «, räumte Krockow im Oktober vor Mitarbeitern ein. …»Das Bankhaus war eine Institution, auf die wir alle stolz waren. Ich hätte nie gedacht, dass das so endet.«…. »Krockow leistete etwas wie einen moralischen Offenbarungseid: »Wir sind dem in uns gesetzten Vertrauen nicht gerecht geworden. Wir würden diese Entwicklung gerne rückgängig machen, aber wir können es leider nicht.«

    Ich würde das nicht unbedingt bezogen auf die Bankgeschäfte so sehen, sondern vielmehr auf für Deutschland (und die Welt)weitreichend schlimmere politische Strategien:
    Max von Oppenheim: Denkschrift betreffend die Revolutionierung der islamischen Gebiete unserer Feinde, S. 134

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service