Sal. Oppenheim: Niedergang einer DynastieSeite 3/3
Nach dem im Oktober 2009 abgeschlossenen Rahmenvertrag zahlt die Deutsche Bank eine Milliarde Euro für Sal. Oppenheim. Wie das manager magazin anhand interner Unterlagen vorgerechnet hat, werden etliche Eigentümer von dem Erlös kaum etwas übrig behalten, denn sie müssen hohe Schulden abtragen.
Viele Beobachter rechnen damit, dass das Oppenheim-Debakel ein Nachspiel vor Gericht haben wird. Die Staatsanwaltschaft Köln prüft derzeit in einem Vorverfahren, ob sie Ermittlungen wegen Untreue gegen die frühere Führung der Bank aufnimmt. Dabei geht es um Kredite über 680 Millionen Euro, die sechs Bankeigentümer von ihrer Bank, teils zu Sonderkonditionen, erhalten haben. Voraussichtlich werden einige der um ihr Vermögen gebrachten Familienaktionäre Klagen gegen die alte Bankspitze einreichen.
Der Exbankier Thomas Bscher beobachtet das Spiel schon seit Langem von der Seitenlinie. Vor 14 Jahren hat er seine Anteile an dem Bankhaus verkauft. Seiner Schwester und seinem Bruder hat er geraten, dasselbe zu tun, und die beiden sind ihm damals gefolgt. »Das Geld wäre jetzt weg«, sagt Bscher und schaut durch das Fenster seines Büros in Köln-Marienburg. »Die Geschwister müssten mir eigentlich einen Obelisken im Garten aufstellen.«
Bscher selbst ist keiner aus dem Oppenheim-Clan. Aber sein Wohnhaus liegt an einer Straße, die nach seinem Großvater benannt ist: Robert Pferdmenges. Der war im 20. Jahrhundert einer der mächtigsten deutschen Bankiers und Aufsichtsrat in unzähligen Unternehmen. Nach dem Krieg war er der wichtigste Berater Konrad Adenauers und vermutlich der einzige Duzfreund des ersten Bundeskanzlers. Pferdmenges half der Familie Oppenheim, die Bank, deren Teilhaber er 1929 geworden war, durch die Nazi-Zeit zu bringen. Von 1938 bis 1947 firmierte die Bank als Pferdmenges & Co. Eine »Arisierung« unter Freunden, Pferdmenges agierte als Platzhalter für den Clan, der jüdische Wurzeln hat. Später begründete er die CDU im Rheinland mit und saß bis 1962 im Bundestag.
Thomas Bscher trat in die Fußstapfen des Großvaters und wurde 1986 persönlich haftender Gesellschafter bei Sal. Oppenheim. Gegen den Widerstand älterer Partner betrieb er den Verkauf der Colonia-Versicherungen. Der Megadeal katapultierte die Bank 1989 in eine neue Klasse. Das Eigenkapital wuchs von 180 Millionen Mark auf eine Milliarde. »Die Bank musste sich neu erfinden, und das hat ihr gutgetan«, sagt Bscher. Er selbst hat sich dann auch neu erfunden. 1996 verließ er die Bank mit 43 Jahren, gründete eine Vermögensverwaltung und widmete sich dem Motorsport. Von 2003 bis 2007 führte er den zu VW gehörenden Luxusautohersteller Bugatti.
»Die Bank war eine Institution, ich hätte nie gedacht, dass das so endet«
Mit Sal. Oppenheim fühlt sich Bscher bis heute verbunden. »Das Bankhaus war eine Institution, auf die wir alle stolz waren. Ich hätte nie gedacht, dass das so endet.« Über seine einstigen Partner und Nachfolger, die die Bank vor die Wand fuhren, mag Bscher sich nicht öffentlich äußern, aber wenn man ihn fragt, warum er nach seinem Ausscheiden aus dem »Chefcabinet« auch sein Kapital aus dem Institut gezogen hat, dann sagt er: »Mir wurde damals klar, dass die Familien ihren Einfluss auf die Bank ausweiten würden.«
Zur Familie und zur Bankführung zählte schon damals Graf Krockow, er hatte eine Oppenheim-Nachfahrin aus dem Ullmann-Zweig geheiratet. 1998 stieg er zum Sprecher der Gesellschafter auf. Von 2005 an war der Aufsichtsratsvorsitzende, der ihn hätte kontrollieren sollen, der Zwillingsbruder seiner Frau.
»Wir haben Fehler gemacht. Vor allem auch im Management«, räumte Krockow im Oktober vor Mitarbeitern ein. »Die Bank ist zu groß geworden. Zu groß und zu komplex für eine Familiengesellschaft. Unsere Strukturen und unser Risikoprofil waren nur unzureichend auf die möglichen negativen Entwicklungen ausgerichtet. Das war ein großer Fehler.« Krockow leistete so etwas wie einen moralischen Offenbarungseid: »Wir sind dem in uns gesetzten Vertrauen nicht gerecht geworden. Wir würden diese Entwicklung gerne rückgängig machen, aber wir können es leider nicht.«
Über Christopher von Oppenheim ist in Köln zu hören, dass er über das Drama persönlich gut hinweggekommen sei. Seine Familie fange ihn auf. Geld ist auch noch da. Ehefrau Gabriele stammt aus der Teppich- und Staubsaugerdynastie Vorwerk.




Interessanter Einblick in eine kuriose Welt, in der es um Millionen geht, aber die menschlichen Beziehungen ähnlich wie in jedem Krämerladen ausschlaggebend für strategische Entscheidungen sind.
Der Autor des Artikels verbreitet eine buddenbrook'sche Stimmung, dabei ist ein Räuberhauptmann von einem anderen ausgeraubt worden, wen kümmerts?
"Der Borkenkäfer und die Bank"
http://www.cicero.de/97.p...
"Der Club der Hasardeure"
http://wissen.manager-mag...
»Wir haben Fehler gemacht. …. «, räumte Krockow im Oktober vor Mitarbeitern ein. …»Das Bankhaus war eine Institution, auf die wir alle stolz waren. Ich hätte nie gedacht, dass das so endet.«…. »Krockow leistete etwas wie einen moralischen Offenbarungseid: »Wir sind dem in uns gesetzten Vertrauen nicht gerecht geworden. Wir würden diese Entwicklung gerne rückgängig machen, aber wir können es leider nicht.«
Ich würde das nicht unbedingt bezogen auf die Bankgeschäfte so sehen, sondern vielmehr auf für Deutschland (und die Welt)weitreichend schlimmere politische Strategien:
Max von Oppenheim: Denkschrift betreffend die Revolutionierung der islamischen Gebiete unserer Feinde, S. 134
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