Hochstapler Flug und Trug
Mit einer gefälschten Lizenz beförderte ein schwedischer Pilot 13 Jahre lang Passagiere. Laxe Kontrollen haben es ihm erschreckend leicht gemacht.
Auch ein falscher Pilot kann es weit bringen. Der bisher bekannteste Fall eines Hochstaplers im Cockpit ereignete sich in den USA der späten sechziger Jahre. Damals war der Betrüger Frank Abagnale jr. jahrelang als vorgeblicher Pan-Am-Pilot unterwegs. Sein Leben wurde von Steven Spielberg in Catch Me If You Can mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle verfilmt. Wirklich geflogen ist Abagnale allerdings nie. Er erschwindelte sich bloß einen Platz in der Kanzel, um gratis die halbe Welt zu bereisen.
Jetzt aber stellt die Wirklichkeit den Filmstoff in den Schatten. Anfang vergangener Woche wurde auf dem Flughafen von Amsterdam Thomas S. im Cockpit einer Boeing 737 der Chartergesellschaft Corendon Airlines festgenommen. Er war im Begriff, den Jet mit 101 Passagieren nach Ankara zu starten. Der 41-jährige Schwede mit Wohnsitz in Mailand wird beschuldigt, über 13 Jahre und mehr als 10000 Flugstunden kommerzielle Passagierflüge in großen Jets gesteuert zu haben, ohne dafür zugelassen gewesen zu sein. Zwar besaß er eine Lizenz zum Fliegen kleinerer Passagierflugzeuge, die bereits lange abgelaufen war, aber nicht die erforderliche Airline Transport Pilot License (ATPL). Bei Kontrollen zeigte er eine Fälschung vor.
Thomas S. war offenbar froh, dass der Schwindel aufflog. Niederländische Ermittler berichten, er habe sich gleich die Schulterstücke mit den vier Streifen vom Pilotenhemd gerissen. Jetzt drohen ihm bis zu sechs Jahre Gefängnis wegen Urkundenfälschung und 76000 Euro Geldstrafe. In den vergangenen Jahren war er vor seinem letzten Arbeitgeber für diverse Gesellschaften aus Schweden, Großbritannien und Italien unterwegs. Nach Brancheninformationen sollen das neben wenig bekannten Nischenanbietern auch zwei größere Airlines gewesen sein.
Der Fall Thomas S. wirft viele Fragen auf und wird in Pilotenkreisen heftig debattiert. Ein bislang wohl unterschätztes Problem ist die Machart der Dokumente. Anders als Autoführerscheine sind auch innerhalb der EU Pilotenlizenzen weder einheitlich noch fälschungssicher. In Deutschland etwa erinnern sie eher an die alten Personalausweise. Zwar sind sie auf sogenanntem Neobond-Papier gedruckt und mit Wasserzeichen versehen, sie enthalten aber kein Hologramm und noch nicht einmal ein Bild des Inhabers. »Ein lausiges Stück Papier, das jeder Gymnasiast mit einem Scanner fälschen kann«, schreibt ein Pilot im Internetforum Professional Pilots Rumour Network. Ein erfahrener Lufthansa-Kapitän, der seinen Namen nicht nennen möchte, bestätigt das. Kritikwürdig sei vor allem, dass die Typenberechtigung (also für welches Flugzeugmuster der Pilot qualifiziert ist) nur handschriftlich eingetragen sei, »Zustände wie in den dreißiger Jahren«.
Befremdlich am Fall von Thomas S. ist, dass seine gefälschte ATPL mehrfach regulär verlängert worden ist – ein Routinevorgang offenbar. Bei Berufspiloten wird er meist direkt zwischen der zuständigen Behörde und der Fluggesellschaft abgewickelt, die über ihre Angestellten genau Buch führt. »Dass hier eine Fälschung unentdeckt bleibt, ist äußerst unwahrscheinlich«, sagt Cornelia Cramer, Sprecherin beim Luftfahrt-Bundesamt. Auch der Lufthansa-Kapitän versichert: »Das war ein krasser Einzelfall, eine hohe Dunkelziffer unentdeckter Fälle halte ich nicht für möglich.«
- Datum 17.03.2010 - 14:18 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.03.2010 Nr. 11
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... und umgekehrt verhält es sich wohl ähnlich. Gab es denn Zwischenfälle abnormer Art mit dem "Captain" oder versah er letztendlich seinen Dienst wie jeder andere (korrekt Zertifizierte) auch?
Schlage vor, dass Sie aus dem Anekdötchen hier mal einen Artikel machen, denn schließlich reden wir hier von einer Persönlichkeit, die trotz nicht vorhandener Ausbildung (wobei man davon ausgehen darf, dass das Wissen schon umfänglich gewesen sein wird, sonst bewegen sich die Geräte im reglementierten Luftraum nämlich mehr als "auffällig") den Mut und/oder Wahnsinn aufbrachte, das Cockpit mehr als ein Jahrzehnt zu besetzen.
Nicht nur, dass mein Fahrlehrer immer meinte, dass ich mit dem Führerschein dann fahren DÜRFTE, aber ...
Witzig übrigens, dass man sich - ganz untypisch für Deutsche - an den Berechtigungen und Zertifikaten aufhängt. Der typische Deutsche ist eben auch so erzogen, dass er mehr Wert auf den Schein als das Sein legt. Dass das eine nicht gleich das andere bedingt, sieht man nicht nur bei diesem Fall.
Am besten wäre es diesen Piloten ein Zertifikat auszuhändigen. Fliegen kann er schliesslich. Im Gefängniss wird er nur auf der Tasche der Steuerzahler liegen. Eine Geldbüsse sollte genügend sein.
Also, da fragt man sich doch, wozu man sich als Passagier die mti Sicherheitsgebühren finanzierten ineffektiven Kontrollen weiterhin gefallen lassen sollte!
Ich nehm' nun öfters den Zug, der fährt inzwischen ja durch ganz Europa, und nutze die Zeit mit dem Laptop und einem Glas Wein.
Sehen Sie mal die Fahrpläne an, in "Kerneuropa" lohnt Fliegen schon nicht mehr:
http://abc4trip.eu/speed-trains-vs-airline-and-air-traffic-controller-strikes-in-europe/
J.K. Bertel
wer 13 Jahre und mehr als 10000 Flugstunden ohne Unfall oder Problem absolviert hat ist wahrscheinlich ein guter Pilot.
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