Stuttgart 21 Vereint gegen das Milliardenloch
Honorige Bürger gehen zur Montagsdemo, um gegen das Bahn-Großprojekt Stuttgart 21 zu protestieren
© Bernd Weißbrod/dpa

In Stuttgart wird gegen das gigantische Bahnprojekt "Stuttgart 21" demonstriert - wie hier zum Beginn der Bauarbeiten am 2. Februar
Es gibt wohl wenige Demonstrationen in Deutschland, auf denen Menschen wie Johannes Rauschenberger ihren Protest kundtun. Der Herr trägt einen dunklen Wollmantel, der weiße Bart unter der Designerbrille ist sorgfältig ausrasiert. Auf seiner Visitenkarte steht »Wirtschaftsprüfer – Steuerberater«, die Kanzlei befindet sich in der begehrten Halbhöhenlage des Stuttgarter Kessels. Jetzt erkennt der Bürger Rauschenberger einen anderen Demonstranten. Und grüßt, wie man das aus älteren Romanen kennt: Höflich lüftet er seinen breitkrempigen Borsalino-Hut.
Es ist in Stuttgart zu einem Ritual geworden: Montagabends um sechs trifft man sich am Nordflügel des Hauptbahnhofs zur Demonstration. Gegen das »Milliardenloch«, wie Herr Rauschenberger das Großprojekt Stuttgart 21 nennt: Die Bahn, das Land, die Stadt wollen den historischen Kopfbahnhof in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof der Zukunft verwandeln. Warum erhitzt dieses Vorhaben die Gemüter, als ob es um ein atomares Endlager mitten in der Stadt ginge?
Zur ersten Demonstration im November kamen vier Leute. In der Wortwahl waren sie nicht zimperlich. Als ob sich der Kampf gegen die DDR-Diktatur richte, nannten sie ihre Veranstaltung Montagsdemo. Die Stuttgarter störten sich nicht an dieser Anmaßung. Trotz des strengen Winters kamen sie bald zu Tausenden. Diesen Montag zählen die Veranstalter 3100 Demonstranten, die Polizei schätzt 2000. »Sie brauchet au en Bäpper für Ihrn Kittel«, sagt eine Frau mittleren Alters, die Aufkleber verteilt. Der Protest verbindet offensichtlich Schichten und Milieus, die sonst keine Berührungspunkte finden. Honoratioren marschieren gemeinsam mit Alternativen, Parkas treffen Pelzmäntel. Die Globalisierungsgegner von Attac schwenken ihre Fahne, die DKP hält ihr Banner hoch. Eine Frau mit einer grünen Zipfelmütze auf schlohweißem Haar hält einen indianischen Traumfänger in den Wind. An ihm klimpern die grünen Buttons »K 21«. Das steht für »Kopfbahnhof 21« und bringt die Hoffnung der Demonstranten auf den Punkt: Statt zehn Jahre an einem unterirdischen Durchgangsbahnhof zu buddeln, soll der fast hundert Jahre alte Bahnhof erhalten bleiben und modernisiert werden.
Die Stuttgarter hängen an ihrem alten Bahnhof
Gangolf Stocker hat die Demonstration angemeldet. »Der Protest gegen S 21 hat zwei Häuptlinge«, sagt er, »der andere ist Gerhard Pfeifer vom Bund für Umwelt- und Naturschutz.« Stocker ist Kunstmaler, 65 Jahre alt, im faltigen Gesicht trägt er einen weißen Ziegenbart. Seit 1994 kämpft er gegen den Tiefbahnhof. Damals versprach der populäre Bürgermeister Manfred Rommel, der werde nichts kosten, weil die Gleise im Tunnel verschwinden würden und so mitten in der Stadt 100 Hektar Bauland entstünden, die man teuer verkaufen könne. Bei den Gemeinderatswahlen im vergangenen Sommer löste der geplante Untergrundbahnhof noch vor dem ersten Spatenstich einen politischen Erdrutsch aus. Der CDU liefen die bürgerlichen Stammwähler davon, jetzt bilden die Grünen die stärkste Fraktion – sie hatten sich klar gegen das Projekt ausgesprochen. Seither sitzt auch Gangolf Stocker im Gemeinderat, für das parteilose Bündnis Stuttgart Ökologisch Sozial.
Stocker weiß, wie sehr die Stuttgarter an ihrem Bahnhof hängen. 1914 hat der König von Württemberg den Grundstein gelegt, der Architekt Paul Bonatz schuf einen monumentalen Bau mit klaren Formen. Der viereckige Turm, auf dem der Mercedes-Stern thront, ist ein Leuchtturm in dieser Stadt. »Der Bonatz-Bau hat noch was vom Glanz der alten Residenzstadt«, sagt Stocker. Die Macher des Tiefbahnhofs wollen seine Flügel abreißen.
Der Gegenspieler von Gangolf Stocker kann von seinem Büro im sechsten Stock auf die Montagsdemo schauen. Wolfgang Drexler, SPD, Vizepräsident des Landtags, leitet das Kommunikationsbüro des Bahnprojekts, das vergangenen Herbst eingerichtet wurde. »Vorher hat man nichts gemacht, um die Leute mitzunehmen. Jahrelang sind viele Briefe der Bürger unbeantwortet geblieben.« Drexler redet mit der Energie des technokratischen Machers. »Diese verkehrspolitische Vision bringt eine Beschleunigung für die ganze Region.« Er suggeriert, die Zukunft der Wirtschaft in Baden-Württemberg stehe auf dem Spiel. Und verweist darauf, dass demokratische Parlamente S 21 beschlossen hätten. »Die Verträge sind geschlossen. Es ist eine Lüge, man könne dieses Projekt noch stoppen.«
Die Protestler wollen den Reisenden keine Unannehmlichkeiten bereiten
Der Tiefbahnhof ist an ein zweites Großprojekt gekoppelt: die Neubaustrecke nach Ulm. Sie ist Teil der Schnellbahntrasse Paris–Bratislava. Die bautechnischen Details sind umstritten, es geht um kilometerlange Tunnels und die schwierige Geologie der Schwäbischen Alb. Auch die veranschlagten Kosten liegen weit auseinander. Laut Drexler soll der Tiefbahnhof rund vier Milliarden Euro kosten. Stocker prognostiziert acht Milliarden. Die Neubaustrecke nach Ulm veranschlagt er mit fünf Milliarden, laut Drexler sind es zwei Milliarden.
Die wirtschaftliche Entwicklung spielt den Gegnern in die Hände. Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Bahn 46 vordringliche Aus- und Neubauprojekte ihres Schienennetzes nicht finanzieren kann. Gangolf Stocker setzt darauf, dass die Schnellstrecke nach Ulm gestrichen wird. »Dann ist Stuttgart 21 gestorben, dann enden die Tunnels sinnlos im Acker.« Jetzt sieht er eine realistische Chance, das Großprojekt zu stoppen.
»Oben bleiben, oben bleiben«, skandieren die Demonstranten vor ihrem Bahnhof. Ordner mit weißen Armbinden sorgen Hand in Hand mit der Polizei dafür, dass die Zufahrt für die Taxen frei bleibt – der bürgerliche Protest will den Reisenden keine Unannehmlichkeiten bescheren. Der Kunsthistoriker Dietrich Heißenbüttel zählt in seiner Rede eine lange Liste von Baudenkmälern auf, die in Stuttgart abgerissen wurden, weil man Platz schaffen wollte für die vermeintliche Zukunft. Hinter dem Rednerpult ragt die Zentrale der Landesbank Baden-Württemberg in den Abendhimmel. Unten steht ein Schild »Skaten verboten«, oben wirbt ein Plakat für »Ausgezeichnete Fonds«, als ob die Bürger schon alles vergessen hätten.
Stuttgart 21 ist zu einem Symbol geworden. Der Protest richtet sich nicht nur gegen einen teuren Bahnhof. Es geht um die Frage: Wem gehört die Stadt? Plötzlich drücken Bürger ihren Unwillen gegen Investoren aus, deren Fassaden ihren Glanz verloren haben. Auch Drexler plagt sich mit einer bangen Ahnung: »Der Glaube an die Machbarkeit von Großprojekten ist ins Wanken geraten.«
Nach einer guten halben Stunde ist die Kundgebung vorbei. Kein Blumenkübel ist umgefallen, kein Flugblatt liegt herum. Stocker freut sich: »Die Montagsdemo ist Kult geworden. Jetzt kommen auch Leute aus der Kulturszene, denen ständig Mittel gestrichen werden.« Sie sorgen für Momente voller Witz. Der Künstler Timo Brunke macht den Demonstranten selbstironisch Mut: »In Stuttgart ist nichts unumkehrbar, außer der Kehrwoche!«
- Datum 12.03.2010 - 11:14 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.03.2010 Nr. 11
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Man kann den Demonstranten nur wünschen, dass sich die überwiegende Mehrheit der Stuttgarter anschliesst.
Wer gewinnt am Ende tatsächlich bei den geplanten Grundstücksverkäufen? Die Stadt, die Bahn - für den nächsten Anlauf zum Börsengang?
Das sind genau die Leute, die 1976 gegen den U-Bahn-Bau demonstriert hätten, heute sitzen sie drin. Benjamin Völkel hatte Recht (auch wenn ich kein CDU-Wähler bin): die S21-Gegner haben ein Durchschnittsalter von mindestens 60 (s. Artikel) und damit ist jede Änderung abzulehnen; demnach hätte wir besser keine Kanalisation oder so was neumodisches.
Tja, wie hätten Sie's denn gern, oder anders gefragt. Ab wann darf man denn NICHT mehr gegen S21 sein? Vermutlich dann, wenn man auch zu alt für eine neue Hüfte ist, nicht wahr?
1976 war ich zwar gerade mal in der Schule, aber das reicht ja vermutlich "jugendmäßig" auch noch nicht. Dürfen denn dann wenigstens mein Sohn und meine Nichte, beides Schüler, weiterhin dagegen sein - oder sind die jetzt wieder zu jung dafür??
Übrigens: An dieser Stelle mal meinen herzlichen Dank und allen Respekt an all die Alten, die sich anstatt ihre Rente lustig auf Teneriffa zu verjuxen jeden Montag, egal bei welchem Wetter, an den Bahnhof stellen. Das kann ich (wie viele Gegner) nämlich nicht immer, da ich dann oft noch an meinem Arbeitsplatz bin.
ak01, rufen Sie sich die Worte von Mr. Drexler ins Ohr: Das Projekt sei demokratisch legitimiert. Dass der durchschnittliche Wähler, der die Herren Rommel, Schuster, Teufel damals ins Amt gelupft hat, die 60 damals! schon überschritten haben dürfte, sollte ihrer Ansicht nach gewaltig an dieser Legitimität kratzen, finden Sie nicht?
Tja, wie hätten Sie's denn gern, oder anders gefragt. Ab wann darf man denn NICHT mehr gegen S21 sein? Vermutlich dann, wenn man auch zu alt für eine neue Hüfte ist, nicht wahr?
1976 war ich zwar gerade mal in der Schule, aber das reicht ja vermutlich "jugendmäßig" auch noch nicht. Dürfen denn dann wenigstens mein Sohn und meine Nichte, beides Schüler, weiterhin dagegen sein - oder sind die jetzt wieder zu jung dafür??
Übrigens: An dieser Stelle mal meinen herzlichen Dank und allen Respekt an all die Alten, die sich anstatt ihre Rente lustig auf Teneriffa zu verjuxen jeden Montag, egal bei welchem Wetter, an den Bahnhof stellen. Das kann ich (wie viele Gegner) nämlich nicht immer, da ich dann oft noch an meinem Arbeitsplatz bin.
ak01, rufen Sie sich die Worte von Mr. Drexler ins Ohr: Das Projekt sei demokratisch legitimiert. Dass der durchschnittliche Wähler, der die Herren Rommel, Schuster, Teufel damals ins Amt gelupft hat, die 60 damals! schon überschritten haben dürfte, sollte ihrer Ansicht nach gewaltig an dieser Legitimität kratzen, finden Sie nicht?
Das Stuttgart21-Konzept ist eine geniale Lösung des Problems, das dem Stuttgarter Hauptbahnhof seit seiner Errichtung anheftet. Eigentlich haben alle durch den Neubau nur Vorteile, in erster Linie die Reisenden. Der Protest gegen das Projekt ist mir daher gänzlich unverständlich.
Man stelle sich nur vor, es gäbe in Stuttgart keinen Hauptbahnhof in der jetzigen Form und Politker würden jetzt vorschlagen: lasst uns zwei, drei Quadratkilometer Innenstadt abreißen und einen Kopfbahnhof dorthinsetzen.
Sehen Sie, dass ist genau das, was viele Stuttgarter allmählich ebenso ermüdet wie erzürnt:
Es werden weder stichhaltige oder nachvollziehbare Argumente für den Tiefbahnhof noch solche gegen einen sanierten Kopfbahnhof vorgebracht.
Welche Probleme, bitte?
Welche Vorteile für Reisende, bitte? (Ich sag nur: 2 min für Haltestopps? 1 m Platz zwischen Rolltreppenende und Gleis?? Erhebliches Bahnsteiggefälle??? Keine Anschlussmöglichkeiten mehr bei Verspätungen???? usw. usf.)
Meine Güte, dieser Tiefbahnhof soll doch nicht gebaut werden, um das Bahnfahren zu verbessern! Aber das wird Ihnen vermutlich nicht mehr verständlich werden.
Wer immer noch an verkehrstechnische Vorteile von S21 glaubt, kennt anscheinend die folgende Studie nicht:
Kleemann/Behnsen "Die Zukunft war gestern..." (SRL e.V. und Konrad-Adenauer-Stiftung; link: http://www.srl.de/dateien... )
Man lese und staune, was an Ingenieurskunst und Weitsicht durch die damaligen Planer in den neuen Stuttgarter Bahnhof 1906 eingeflossen ist und was daraus für heutige Notwendigkeiten werden könnte (ab S.13 der Studie). Wo sind die Argumente, die das entkräften?
Da die Alternative K21 mit ertüchtigtem Kopfbahnhof ausserdem noch weitaus kostengünstiger ausfällt, bleibt viel Geld für städtebaulich sinnvolle Projekte übrig ...
Interessant ist auch, dass z.B. in Frankfurt (und nicht nur dort) das Tiefbahnhofprojekt wieder in der Schublade verschwunden ist und dass dort nun der Kopfbahnhof nach Stuttgarter Muster mit weiteren Überwerfungsbauwerken für den Verkehr der Zukunft ertüchtigt wird - es geht also.
Morgen gibt es die Gelegenheit, einen betriebstechnischen "Insider" zu erleben, denn es spricht Egon Hopfenzitz (http://www.kopfbahnhof-21...), der ehemalige und langjährige Chef des Stuttgarter Hauptbahnhofs auf der Montags-Demo.
Montag, 15.3.10 um 18 Uhr am Nordausgang des Hauptbahnhofs Stuttgart - nicht entgehen lassen!
Sehen Sie, dass ist genau das, was viele Stuttgarter allmählich ebenso ermüdet wie erzürnt:
Es werden weder stichhaltige oder nachvollziehbare Argumente für den Tiefbahnhof noch solche gegen einen sanierten Kopfbahnhof vorgebracht.
Welche Probleme, bitte?
Welche Vorteile für Reisende, bitte? (Ich sag nur: 2 min für Haltestopps? 1 m Platz zwischen Rolltreppenende und Gleis?? Erhebliches Bahnsteiggefälle??? Keine Anschlussmöglichkeiten mehr bei Verspätungen???? usw. usf.)
Meine Güte, dieser Tiefbahnhof soll doch nicht gebaut werden, um das Bahnfahren zu verbessern! Aber das wird Ihnen vermutlich nicht mehr verständlich werden.
Wer immer noch an verkehrstechnische Vorteile von S21 glaubt, kennt anscheinend die folgende Studie nicht:
Kleemann/Behnsen "Die Zukunft war gestern..." (SRL e.V. und Konrad-Adenauer-Stiftung; link: http://www.srl.de/dateien... )
Man lese und staune, was an Ingenieurskunst und Weitsicht durch die damaligen Planer in den neuen Stuttgarter Bahnhof 1906 eingeflossen ist und was daraus für heutige Notwendigkeiten werden könnte (ab S.13 der Studie). Wo sind die Argumente, die das entkräften?
Da die Alternative K21 mit ertüchtigtem Kopfbahnhof ausserdem noch weitaus kostengünstiger ausfällt, bleibt viel Geld für städtebaulich sinnvolle Projekte übrig ...
Interessant ist auch, dass z.B. in Frankfurt (und nicht nur dort) das Tiefbahnhofprojekt wieder in der Schublade verschwunden ist und dass dort nun der Kopfbahnhof nach Stuttgarter Muster mit weiteren Überwerfungsbauwerken für den Verkehr der Zukunft ertüchtigt wird - es geht also.
Morgen gibt es die Gelegenheit, einen betriebstechnischen "Insider" zu erleben, denn es spricht Egon Hopfenzitz (http://www.kopfbahnhof-21...), der ehemalige und langjährige Chef des Stuttgarter Hauptbahnhofs auf der Montags-Demo.
Montag, 15.3.10 um 18 Uhr am Nordausgang des Hauptbahnhofs Stuttgart - nicht entgehen lassen!
aber für die Finanzierung wäre wirklich ein echtes Genie gefordert.
Es gibt in Deutschland noch viele tolle Ideen, die alle sinnvoller wären, die aber mangels Geldmangel nicht zur Ausführung kommen.
Hinzu kommt, dass die Vorteile nicht so enorm sind, dass sie diesen gewaltigen Aufwand rechtfertigen könnten.
Der neue Ministerpräsident hat in seiner Regierungserklärung gewaltige Einschnitte in allen Bereichen außer Bildung angekündigt.
Für solch ein Fantasieprojekt scheint aber unbeschränkt Geld vorhanden zu sein.
Die Hauptlast tragen natürlich nicht die Baden-Württemberger, sondern die Deutsche Bahn und damit die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik, der diese Firma gehört.
Wer sich nur ein bisschen informiert hat, weiß inzwischen, dass S21 fatale Auswirkungen für den Denkmalschutz, den Umweltschutz, den Nahverkehr und die zukünftige verkehrliche Anpassungen, den Städtebau, das Stadtklima, die Finanzen der Stadt und des Landes haben wird. Es ist, soviel ist sicher, KEIN Verkehrsprojekt. Es ist vielmehr ein lupenreines Immobilienprojekt, das einigen wenigen (Investoren) und nicht den vielen Bürgern nützen wird.
Wie hier mit der Bürgerschaft und ihrer Meinung zu diesem Irrsinn umgegangen wurde und wird, befördert hauptsächlich eines: die Politikverdrossenheit der Bevölkerung und ihre immer weiter wachsende Wut auf die Verantwortlichen, die dieses Ding wider alle Vernunft auf Teufel komm raus durchziehen wollen und wider besseres Wissen Lügen verbreiten (z.B. was die Kosten und die Zukunftsfähigkeit betrifft).
Die Politik ist nicht nur bestens beraten, sondern in der PFLICHT, das Projekt endlich zu beerdigen und die so viel sinnvollere Alternative K21 ernstzunehmen und durchzurechnen, anstatt uns Stuttgarter mit immer noch größerem Propagandaaufwand (den wir im Übrigen auch noch selbst bezahlen dürfen mit unseren Steuermitteln!) zuzumüllen und für dumm zu verkaufen. Wir Bürger haben nämlich KEIN Kommunikationsdefizit, wie immer behauptet wird, sondern allmählich die Schnauze gestrichen voll.
Übrigens auch davon, dass den S21-Kritikern permanent und reflexhaft, dafür aber meist anonym, s.o., ihr Alter und/oder "Ewiggestrigkeit" vorgeworfen wird.
Tja, wie hätten Sie's denn gern, oder anders gefragt. Ab wann darf man denn NICHT mehr gegen S21 sein? Vermutlich dann, wenn man auch zu alt für eine neue Hüfte ist, nicht wahr?
1976 war ich zwar gerade mal in der Schule, aber das reicht ja vermutlich "jugendmäßig" auch noch nicht. Dürfen denn dann wenigstens mein Sohn und meine Nichte, beides Schüler, weiterhin dagegen sein - oder sind die jetzt wieder zu jung dafür??
Übrigens: An dieser Stelle mal meinen herzlichen Dank und allen Respekt an all die Alten, die sich anstatt ihre Rente lustig auf Teneriffa zu verjuxen jeden Montag, egal bei welchem Wetter, an den Bahnhof stellen. Das kann ich (wie viele Gegner) nämlich nicht immer, da ich dann oft noch an meinem Arbeitsplatz bin.
Sehen Sie, dass ist genau das, was viele Stuttgarter allmählich ebenso ermüdet wie erzürnt:
Es werden weder stichhaltige oder nachvollziehbare Argumente für den Tiefbahnhof noch solche gegen einen sanierten Kopfbahnhof vorgebracht.
Welche Probleme, bitte?
Welche Vorteile für Reisende, bitte? (Ich sag nur: 2 min für Haltestopps? 1 m Platz zwischen Rolltreppenende und Gleis?? Erhebliches Bahnsteiggefälle??? Keine Anschlussmöglichkeiten mehr bei Verspätungen???? usw. usf.)
Meine Güte, dieser Tiefbahnhof soll doch nicht gebaut werden, um das Bahnfahren zu verbessern! Aber das wird Ihnen vermutlich nicht mehr verständlich werden.
Wer immer noch an verkehrstechnische Vorteile von S21 glaubt, kennt anscheinend die folgende Studie nicht:
Kleemann/Behnsen "Die Zukunft war gestern..." (SRL e.V. und Konrad-Adenauer-Stiftung; link: http://www.srl.de/dateien... )
Man lese und staune, was an Ingenieurskunst und Weitsicht durch die damaligen Planer in den neuen Stuttgarter Bahnhof 1906 eingeflossen ist und was daraus für heutige Notwendigkeiten werden könnte (ab S.13 der Studie). Wo sind die Argumente, die das entkräften?
Da die Alternative K21 mit ertüchtigtem Kopfbahnhof ausserdem noch weitaus kostengünstiger ausfällt, bleibt viel Geld für städtebaulich sinnvolle Projekte übrig ...
Interessant ist auch, dass z.B. in Frankfurt (und nicht nur dort) das Tiefbahnhofprojekt wieder in der Schublade verschwunden ist und dass dort nun der Kopfbahnhof nach Stuttgarter Muster mit weiteren Überwerfungsbauwerken für den Verkehr der Zukunft ertüchtigt wird - es geht also.
Morgen gibt es die Gelegenheit, einen betriebstechnischen "Insider" zu erleben, denn es spricht Egon Hopfenzitz (http://www.kopfbahnhof-21...), der ehemalige und langjährige Chef des Stuttgarter Hauptbahnhofs auf der Montags-Demo.
Montag, 15.3.10 um 18 Uhr am Nordausgang des Hauptbahnhofs Stuttgart - nicht entgehen lassen!
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