Kabel Deutschland Mit Schulden an die Börse

Die KDG ist Deutschlands führender TV-Kabelnetzbetreiber. Sie geht am Montag an den Markt. Aber was bekommen die Aktionäre da eigentlich?

Wenn Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) am Montag an die Börse geht, wird das ein Großereignis. Denn es ist – vorausgesetzt, alles gelingt – der erste bedeutende Börsengang seit mehr als zwei Jahren. Weitere Kandidaten sind der Chemikalienhändler Brenntag und das Modeunternehmen Tom Tailor.

Doch während Brenntag und Tom Tailor durch Kapitalerhöhungen neues Geld fürs eigene Unternehmen einsammeln, erfolgt die Aktienplatzierung bei KDG aus dem Altbesitz. Das heißt, der Kabelnetzbetreiber selbst bekommt keinen einzigen Cent, alles fließt an die Eigentümer um den US-Finanzinvestor Providence Equity Partners, der knapp 90 Prozent an KDG hält. Dabei könnte das Unternehmen aus Unterföhring bei München das Geld selbst gut gebrauchen. Es sitzt auf einem Schuldenberg von mehr als drei Milliarden Euro, den zum Teil der Eigentümer selbst aufgehäuft hat. Der größte Teil stammt aus der Zeit, als die Kabelnetze von der Deutschen Telekom übernommen wurden. Das war 2003.

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Wieder loswerden wollen die Amerikaner das deutsche Kabelgeschäft schon länger, am liebsten an einen Käufer aus der Private-Equity-Szene. Doch die Verhandlungen scheiterten am Preis. Nun bringt Providence rund ein Drittel der Aktien an die Börse und will damit rund 700 Millionen Euro einsammeln. Der Rest, so vermuten Kenner, folgt einige Zeit später, falls die Kurse steigen.

Die KDG bietet knapp neun Millionen Haushalten in 13 Bundesländern nicht nur Kabelanschlüsse fürs Fernsehen. Die Kunden können auch eine Telefon- und Internetflatrate mitbestellen. Alles auf eine Rechnung, so lautet die Devise. Bislang machen das zwar erst wenige Kunden; geschätzte elf Prozent gehen hierzulande mit einem Kabelbetreiber online. Doch nach und nach sichern sich KDG und seine Konkurrenten Unitymedia und Kabel BW ein immer größeres Stück von diesem Markt: Jeder dritte neue Internetnutzer entscheidet sich heute für einen Netzzugang per TV-Kabel, der oftmals günstiger zu haben ist und in vielen Gebieten auch schneller funktioniert als die Angebote von Telekom, Vodafone und Co.

Allein bei der KDG haben rund 1,8 Millionen Haushalte schon das Kombipaket aus Fernsehen und Internet gewählt. Das ist ein durchaus ansehnlicher Wert, immerhin erreicht das Unternehmen damit fast doppelt so viele Kunden wie die Telekom mit ihrem Bündelangebot aus Internet, Fernsehen und Telefon.

Trotzdem bleibt die Frage, ob Providence den potenziellen Aktionären ein faires Angebot macht. Denn es gibt einige derbe Schönheitsfehler in der Bilanz von KDG. Seit Jahren schreibt das Unternehmen nämlich rote Zahlen, die Zinslast ist hoch. Auch das Eigenkapital steht laut Bilanz mit 1,7 Milliarden Euro im Minus. Das Unternehmen erklärt das vor allem mit hohen Abschreibungen, etwa auf Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro, die seit 2003 in die Aufrüstung der Kabelnetze gesteckt wurden.

Auch die Kundenzahlen sind zuletzt gesunken. Und den künftigen Aktionären schreibt die Gesellschaft schon einmal in den Börsenprospekt, dass die »Fähigkeit, Dividenden zu zahlen, aufgrund unserer Finanzinstrumente eingeschränkt« ist.

Trotzdem glauben Experten, dass die Aktienplatzierung gelingt. »Das deutsche Kabelnetz ist extrem attraktiv für Investoren«, sagt Roman Friedrich von der Strategieberatung Booz & Company. Sie hoffen vermutlich, die KDG könne der Telekom weitere Marktanteile abnehmen. Wie da gleichzeitig Milliardenschulden abgetragen werden können, bleibt offen.

 
Leser-Kommentare
    • th80ej
    • 19.03.2010 um 16:52 Uhr

    Wer sollte überhaupt ein Interesse an dieser Müllfirma haben, die mir auf den Arte Kanal zu bestimmten Zeiten Euronews, inzwischen morgens und nach 3.00h BibelTV zukommen lässt??

  1. [Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]

  2. Wehe dem Kunden, der in Berlin am Vormittag seine Wiederholungen des ZDF-Programms ansehen möchte.

    Dem kann es nämlich passieren, dass er ab und an nur eines sieht:

    "Schnee" auf der Mattscheibe.

    Will er dann noch ins Internet ausweichen und hat er dann noch gleich den High-Speed-Anschluss bei KABEL DEUTSCHLAND dann sollte er lieber gleich zum Buch greifen.

    Wenigstens Lesen bildet und wer gebildet ist, der lässt die Finger von den komplett-Paketen von KABEL DEUTSCHLAND.

    Was KABEL DEUTSCHLAND wirklich ordentlich auf die Reihe bekommt, dass ist das ständige Nerven mit eigener Werbung im Hausbriefkasten oder per Telefon.

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