Patricia Riekel Die Frau, von der man spricht
Als Chefredakteurin der "Bunten" berichtet Patricia Riekel über die Prominenten dieser Welt. Seit ein paar Wochen steht sie selbst in der öffentlichen Kritik. Wie geht sie damit um?
Das Beverly Hills Hotel in Los Angeles. Nach zwölf Stunden Flug Warten auf einen Anruf von Patricia Riekel. Das Hotel erinnert ein bisschen an Schloss Neuschwanstein, nur in Pink. Drinnen typisch amerikanischer Pappmaschee-Prunk in Gold und Apricot. Ein traditionsreiches Haus. Marlene Dietrich soll aus der Hotelbar verwiesen worden sein, weil sie nicht adäquat gekleidet war. Riekel steigt immer im Beverly Hills Hotel ab, wenn sie die Oscar-Verleihung besucht, was für sie mehr Pflicht ist als Vergnügen, sie macht sich nichts aus roten Teppichen.
Doch in diesem Jahr wird ihr der Termin nicht ungelegen gekommen sein. Eine kleine Flucht, denn zu Hause ist ihre Zeitschrift in den Schlagzeilen: Die Fotoagentur CMK aus Berlin hat im Auftrag der Bunten Politiker verfolgt. Die Methoden, von denen der stern berichtet, mit denen die Agentur Fotos von Politikern mit ihren vermeintlichen Geliebten machen wollte, klingen abenteuerlich. Eine Kamera, kaum mehr als hundert Meter von der verglasten Wohnzimmerfront des Linke-Chefs Oskar Lafontaine entfernt auf ein Hausboot montiert; ein Bewegungsmelder unter dem Fußabtreter des ehemaligen SPD-Chefs Franz Müntefering. Auch wenn diese Maßnahmen nur erwogen, aber nicht umgesetzt wurden und die Bunte es von sich weist, über die Methoden der CMK informiert gewesen zu sein, so wurde doch der journalistische Ethos verletzt. Nach Recherchen des Spiegels soll der Kopf der Agentur in den neunziger Jahren bei mehreren Detektiv- und Sicherheitsfirmen gearbeitet haben. Seine Mitarbeiter, die Lafontaine, wie der stern unter Berufung auf Beschattungsprotokolle schrieb, wochenlang ausspähten, haben die Grenze zwischen Recherchieren und Spionieren überschritten.
Der Termin mit Patricia Riekel, es war bereits das vierte Interview, wurde mehrmals verschoben. Erst von München nach Los Angeles, dann vom Mittwoch auf den Donnerstag. Spiegel und stern hatten Namen von Politikern nachgelegt, die zusammen mit ihren angeblichen Freundinnen von CMK heimlich fotografiert worden seien: Der ehemalige EU-Kommissar Günter Verheugen zählt dazu und der ehemalige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Im Fall von Tiefensee druckte die Bunte ein Foto von CMK ab, das ihn und seine neue Begleiterin in Joggingkleidung zeigte. Dazu schrieb die Zeitschrift: "Nach Bunte-Informationen lebt der Minister bereits seit einigen Monaten in der Wohnung von Frau Bender in Berlin-Charlottenburg." Patricia Riekel musste viele Interviews geben, sie schrieb sogar einen offenen Brief, um die Vorwürfe zu entschärfen.
Endlich, ein Anruf. Riekel lässt bitten. Zimmer 315. Sie steht schon in der Tür. Schwarz gekleidet, in der Farbe der Mächtigen der Filmindustrie. Dazu landestypisches Schuhwerk, Cowboystiefel, die sie auch in Deutschland lieber trägt als Pumps. Sie lässt sich in einen beigen Polstersessel fallen.
Wir kennen uns. Viele Male haben wir uns im vergangenen halben Jahr getroffen. Sie hat mich eingeladen, bei einer Redaktionskonferenz dabei zu sein, zu einer Podiumsdiskussion im Münchner Presseclub und zu einer Gala in Passau, wo sie Karl Lagerfeld einen Preis verlieh. Sie war im Kleinbus vorgefahren. Wenn ein Weltstar wie Lagerfeld Bayern besucht, reist die Bunte in Mannschaftsstärke an. Uschi Glas und ihren Mann haben sie auch noch eingeladen in ihren Bus. Die Bunte bringt die Protagonisten ihrer Party-Seiten manchmal selbst mit.
Riekel starrt auf den Fußboden, spricht fast mechanisch. Wie jemand, der sich viele Sätze zurechtgelegt hat und keinen vergessen will. Ihre Stimme ist gepresst, dunkel. Was sie sagt, war schon im Editorial der Bunten zu lesen: Wenn die Zeitschrift über Affären von Politikern berichte, dann nur, wenn diese zu Staatsaffären würden. "Wie im Fall von Günter Verheugen, der als EU-Kommissar seine Geliebte zur Bürochefin beförderte und ihr Gehalt damit deutlich erhöhte – mit Steuergeldern." So ähnlich sagt sie das jetzt wieder.
Sie wirkt angespannt, abgespannt, was nicht ausschließlich am heiklen Thema liegen muss, sondern vielleicht auch daran, dass sie ihren Wecker auf sieben Uhr Ortszeit gestellt hatte, so wie in München, die Zeitverschiebung einfach ignorierend. Dabei ist sie erst am Vortag angekommen. Um neun Uhr hatte sie bereits ein 15-Minuten-Frühstück mit dem Oscar-Gewinner Arthur Cohn. So schnell isst man nur in Amerika. Anschließend traf sie den Bodybuilder Ralf Möller noch auf ein Rührei. Patricia Riekel schont sich nicht.
Sie hat sich noch eigens zurechtgemacht, denn unser Fotograf ist mitgekommen. Wie sie so dasitzt, der blonde Pagenkopf perfekt geföhnt, ihr rundes, für eine 60-Jährige erstaunlich mädchenhaftes Gesicht dezent geschminkt, ist ihr vom Stress nichts anzusehen. Bis auf ihren Blick. Sie schaut konzentriert, manchmal genervt. Nach einer Weile entspannt sie sich. Gemeinplätze über Los Angeles austauschend, laufen wir nach draußen. Auf dem Flur küsst sie Arthur Cohn, der uns entgegenkommt. Dann knipst sie ihr Lächeln an, das sie auf fast allen Bildern so lieblich aussehen lässt, und posiert geduldig für die Fotos, die nie erscheinen werden.
Sieben Stunden später, in Los Angeles ist es drei Uhr nachts, zieht sie die Autorisierung der Bilder zurück. Auch alle wörtlichen Zitate der langen Recherche, die längst von ihr zur Veröffentlichung freigegeben worden waren, dürfen auf einmal nicht mehr erscheinen. In einem Fax an das ZEITmagazin schreibt sie, sie habe den Eindruck, dass das Porträt eine "tendenzielle Richtung" bekomme. Deshalb sind die Fotos von Serge Hoeltschi hier nicht zu sehen, und im Text fehlt die wörtliche Rede.
Das ist bedauerlich. Denn in unseren mehrstündigen Interviews sagte sie viel Interessantes. Sie wirkte viel reflektierter als die Bunte. Bei unserem ersten Treffen im Spätsommer saß sie in ihrem Chefbüro im Münchner Arabellapark und erzählte, wie schwer sie sich mit der Rolle der Chefredakteurin zunächst tat. Bei einem Termin vor Werbern habe sie einmal vor Aufregung kein Wort herausgebracht. Sie dachte, dass dies das Ende ihrer Karriere wäre.
Die Woche im Spätsommer hatte, anders als die vorherigen Wochen, gut angefangen für die Bunte. Der Schauspieler Patrick Swayze war gestorben. Bauchspeicheldrüsenkrebs. Mit Swayze war eine mögliche Titelfigur gefunden. Daran mag es gelegen haben, dass man Patricia Riekel damals so anders als in Los Angeles erlebte: sehr gelassen. In der Redaktionskonferenz schlug Paul Sahner, der mittlerweile selbst prominent gewordenen Prominentenreporter der Bunten, vor, dass man die Liebesgeschichte von Swayze und seiner Frau nacherzählen sollte. Sahner saß neben Riekel. Drum herum 30 schweigende Redakteure, die erst zum Leben erwachten, als es Fotos der Schwimmerin Charlene Wittstock zu interpretieren galt. Einige waren der Ansicht, dass sie traurig schaut, weil Fürst Albert von Monaco sie nicht heiraten will, andere, dass sie glücklich aussieht, weil eine Hochzeit bevorsteht. Gesichtslesen, sozusagen, fast wie Handlesen, als Recherchemethode, um in die Zukunft von für deutsche Journalisten unerreichbare Figuren zu schauen.
Der Klatschjournalismus ist ein luftiges Geschäft. Patricia Riekel ließ einen sehr offenherzigen Einblick zu. Sie gab sich fast so, als wollte sie eine jüngere Kollegin an ihren Erfahrungen teilhaben lassen. Sie sprach vertraulich, jedenfalls sehr zutraulich. Dabei hat sie mit den Medien nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Als sie anfing bei der Bunten, hatte die Süddeutsche Zeitung aus der Redaktion kolportiert, dass sie "null journalistisches Gespür, null Bildung, null Charme" habe. Riekel ließ sich davon sehr verunsichern, sie stellte sogar ihr eigenes Können infrage. Das räumte sie damals selbst ein. Und Jahre später, als die Medien den Fernsehableger Bunte TV zerrissen, musste sie sogar weinen.
Weinen gilt unter deutschen Führungskräften als Tabu. Es sei denn, man weint aus Rührung. Dass sich Patricia Riekel sogar dieses Tabu zu brechen traute, machte deutlich, wie unangefochten sie war im Münchner Arabellapark. Eine selbstkritische Alleinherrscherin, deren Tür immer offen steht. Während des Interviews bildeten sich manchmal kleine Schlangen von Redakteuren vor ihrem Büro, die Riekel die Seiten zur Kontrolle vorlegten. Fast alle schickte sie zur Nachbearbeitung. Mal fand sie den Hintergrund zu gelb, mal die Überschrift zu langweilig.
Es wirkte routiniert, fast reflexhaft, wie sie mit einem Blick die Seiten musterte. Seit 13 Jahren leitet sie jetzt die Bunte. Es ist ein manchmal ehrfürchtiger, jedenfalls immer freundlicher Journalismus, für den Riekel steht und für den sie anfangs von den Kollegen der Medienseiten so hart kritisiert wurde. Deshalb schlagen die gänzlich unfreundlichen Recherchemethoden, die jetzt herauskamen, auch so ein. Wer sich mit Riekels Bunte einlässt, so galt als Regel, darf keine Peinlichkeit scheuen. So fragt der Prominentenreporter Sahner im Interview schon mal: "Wann hattest du zuletzt das, was man vulgär als guten Sex bezeichnen würde?" Doch die Fassade der Selbstinszenierung tastet die Bunte nicht an.
Während Patricia Riekels Vorgänger Franz Josef Wagner mit seiner überdrehten, manchmal überheblichen Art Deutschlands Prominente verschreckte, drängen sie heute in die Bunte. Es ist sogar eher umgekehrt: Riekel hat mit der Bunten mittlerweile die Deutungsmacht, wer in Deutschland zum Promi wird. Die Abkürzung "Promi" drückt zwar die verlorene Ehrfurcht vor der vermeintlich besseren Gesellschaft aus, die sich so gar nicht mehr in vornehmer Zurückhaltung übt. Dennoch glauben offenbar diejenigen, die etwas werden wollen im Land, nicht mehr ohne den Status auskommen zu können – seien es Schauspieler, Musiker, Models und eben auch Politiker. Dass Riekel das klassische Klatschpersonal um diese Gruppe erweitert hat, ist wohl die größte Erfindung ihrer Amtszeit. Fast ausnahmslos berichten Politiker in der Bunten aus ihrem Privatleben. In der Hoffnung, dass die Zeitschrift ein wenig Glamour über ihnen ausschüttet, der im politischen Gefecht besser schützt als Argumente. "Die Bunte hat den Obama-Effekt vorweggenommen", sagt der Soziologe Heinz Bude. "Sie hat die Tendenz zur Verbildlichung der Politik in diesen postideologischen Zeiten gefördert."
Wie verhängnisvoll ein privates Bild sein kann, selbst wenn es einen bloß im Swimmingpool zeigt, erfuhr der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping im Jahr 2001. Deutsche Soldaten standen kurz vor dem Einsatz in Makedonien, als das Foto entstand. Die Bunte konnte ihren ersten Ministerrücktritt verbuchen. Bude rief sie damals zum "Leitmedium der Berliner Republik" aus. Seitdem gilt Riekel in der Branche, in der es überdurchschnittlich viele Praktikantinnen, aber fast keine Chefredakteurinnen gibt, als die mächtigste Medienfrau Deutschlands.
Den Umgang mit Politikern erklärte Riekel in einem Porträt über sie in der Süddeutschen einmal als "eine Art Tauschgeschäft": "Der Politiker gibt ein bisschen was Privates preis, dafür darf er sich dann auch als Person darstellen und ein Bild von sich setzen".
Ausgerechnet Politiker bringen sie jetzt in Bedrängnis. Wer sich nicht auf das Tauschgeschäft mit der Bunten einlässt, wer nicht freiwillig etwas preisgibt, zu dem kommen die Detektive – das ist das Rufschädigende, das die Enthüllungen im stern suggerieren.
Patricia Riekel kann nicht verstehen, warum das berufliche Vorleben des Bildagenturchefs anstößig sein soll. Als wir in Los Angeles darauf zu sprechen kommen, verliert sie die Geduld. Bei einer anderen Frage bittet sie um Wiederholung: "Hat sich seit den Enthüllungen Ihr Verhältnis zu Paparazzi verändert?" Sie hält die Frage für absurd.
Und es ist alles auch nicht so einfach. Bei CMK handelt es sich um eine Art Paparazzi-Agentur, und Paparazzi sind nur in den seltensten Fällen ausgebildete Fotografen, schon gar keine Journalisten. Es gibt kaum eine unseriösere Branche, und trotzdem zeigen alle Medien ihre Bilder. Hier in Amerika mieten sich Paparazzi sogar Schnellboote und Hubschrauber, um die Stars zu verfolgen. Dagegen scheint eine manipulierte Fußmatte wie ein Kinderstreich. Paparazzi sind moderne Goldgräber. Ein Schnappschuss, und man ist reich. Das berühmte Bild, das Britney Spears mit kahl geschorenem Kopf zeigt, soll sich rund um die Welt für insgesamt 40 Millionen Dollar verkauft haben.
Nun ist Franz Müntefering nicht Britney Spears. Politikern, die ihr Leben in Ausschüssen und auf Parteiveranstaltungen verbringen, sollte man ihr letztes Stück Privatsphäre lassen: ihre Wohnung. So sehen das viele in Deutschland. Wenn Patricia Riekel sich einfach entschuldigt hätte bei den Betroffenen, wahrscheinlich wäre die vermeintliche Affäre binnen Tagesfrist vorbei gewesen. Was kann sie dafür, wenn ein paar Mitarbeiter einer Agentur, die sie beschäftigt, außer Kontrolle geraten? Doch sie machte das ganz große Fass auf, sprach von der Kontrollfunktion der Presse, die die Recherchen rechtfertige.
Hehre Worte, die für sie selbst offenbar nicht gelten: Wenn es zu kritisch zu werden droht, wie sie es von diesem Porträt im ZEITmagazin befürchtete, zieht sie alles zurück. Eine Journalistin versucht zu verhindern, dass über sie berichtet wird.
Ist Riekel mit den Jahren doch ein wenig abgehoben? Dabei ist ihr Bodenhaftung so wichtig, auch ihrer Zeitschrift hatte sie, als sie antrat, ausdrücklich eine Erdung verordnet. Ihr Ansatz: Das Leben der Prominenten soll eine Blaupause für das Leben der Leser sein.
Sie hat die da oben einfach eingemeindet. Bezeichnend für Riekel ist, dass sie statt hoch dotierter Berater gerne ihre Putzfrau um Rat fragt, die mit den Jahren zur Haushälterin aufgestiegen ist. Als praktische, bodenständige Frau wird sie beschrieben, deren Kummer es war, dass sie so früh ergraute. Sie soll mit den Themen der Bunten etwas anfangen können. Wenn sie einen amerikanischen Star nicht kenne, heißt es zugespitzt in der Redaktion, komme er nicht auf den Titel.
Ihre Strategie, die Zeitschrift für die breite Masse zu öffnen, ging auf. Patricia Riekel hat aus der Bunten, die Mitte der neunziger Jahre kurz vor der Einstellung stand, einen der größten Gewinnbringer des Burda-Verlags und sich selbst für den Verleger Hubert Burda offenbar unersetzlich gemacht. Von ihm hat sie, das wird beim Gespräch mit der Pressestelle deutlich, in der Beschattungsaffäre nichts zu befürchten. Der Verleger will die Vorfälle noch nicht einmal kommentieren.
Bei einem Gespräch im Oktober äußerte er sich euphorisch über Riekel. "Sie ist die Bunte, sie lebt sie", sagte er damals. "Die muss sich nicht verstellen." Burda hat selbst lange die Bunte geleitet. Er sei damals von der Universität gekommen, ein Kunstgeschichtler, erklärt er, und man hört ein leichtes Fremdeln heraus mit den Lebensmodellen, wie die Bunte sie zeigt. Um die Zeitschrift zu verstehen, empfiehlt er den Aufsatz Der Hofmann von Castiglione. Burda theoretisiert. Riekel psychologisiert, stereotypisiert – bis sich das Leben von Heidi Klum nicht mehr von dem ihrer Haushälterin unterscheidet.
Ein wenig grenzt sich Riekel dann doch von der Welt ab, die sie selbst erschaffen hat. Außer Dienst, stellt sie klar, interessiert sie sich für Theater, Kino und Politik. Ihr Vater war Professor für Psychologie und Philosophie, später erfolgreicher Drehbuchautor. Die Familie lebte am Starnberger See, ein Intellektuellenhaushalt. Mit fünf Jahren sagte sie bereits Verse aus dem Faust auf. Und in der Pubertät schwärmte sie für Klaus Kinski. Schriftstellerin hat sie immer werden wollen und leben so wie die Eltern: mit vielen Kindern, Büchern und Hunden.
Sie volontierte beim Münchner Merkur, sichtete bei Aktenzeichen XY die eingesandten Verbrechensfälle, schrieb in der Abendzeitung Horoskope und für die Freundin Reisereportagen. Ihre intellektuellen Ambitionen muss sie irgendwann verloren haben. Asta Scheib, die mit Riekel bei der Freundin zusammenarbeitete und die später tatsächlich Schriftstellerin wurde, beschreibt sie als spöttisch. Eine junge Frau mit "einer leisen Ironie". Und immer saß ihr Hund zu ihren Füßen, den sie in einer Mülltonne gefunden und Kiesl genannt hatte, nach dem damaligen Münchner Oberbürgermeister. "Romantisch und verführerisch sah sie aus", sagt Scheib. Mit blonden Locken, aber ohne Ehrgeiz. Die Kollegen hätten Riekels Artikel oft nachrecherchieren müssen. "Sie hat darauf vertraut, dass es das Leben gut meint mit Patricia Riekel."
Riekel drückte das in der Abendzeitung einmal so aus: Sie sei mit einem Glücksgen auf die Welt gekommen. Eine griffige, schlichte Formel. Es ist wohl doch kein Zufall, dass sie bei den Illustrierten gelandet ist, die das vielgestaltige menschliche Leben auf die Leitdifferenz glücklich/unglücklich bringen, und nicht in der Literatur. Beim Gong-Verlag hat sie schließlich Karriere gemacht, bei Die Zwei und der Aktuellen. Dort lernte sie auch Helmut Markwort kennen, heute Focus- Chefredakteur und ihr Lebensgefährte.
Der langjährige Chefredakteur der Aktuellen, Tonio Montel, erinnert sich, wie Riekel und er Pläne geschmiedet hätten, die Bunte zu übernehmen, in den achtziger Jahren, beide waren da noch freie Mitarbeiter. Sie teilten sich ein Zimmer, zusammen mit Riekels Hund, der nach jedem gebissen habe, aber ihn verschonte. Einmal hätten sie sogar einen Schneehügel bestiegen, irgendwo in Oberbayern, um oben Schlachtpläne zu schmieden. Als stünde zu befürchten, dass sie sonst belauscht würden. "Wir Journalisten nehmen uns doch immer so schrecklich wichtig", sagt er.
Als Patricia Riekel schließlich das Angebot für die Bunte bekam, stand außer Frage, dass Montel ihr Stellvertreter würde. Doch dann überredeten ihn die Kollegen, die Chefredaktion der Aktuellen zu übernehmen. Er habe sich kaum zu Riekel hineingetraut, um ihr abzusagen. "Sie hat sich wortlos umgedreht und ist gegangen." Montel nennt seine damalige Entscheidung "einen der größten Fehler meines Lebens". Nicht weil er den Aufstieg der Bunten verpasste, der ihn mit nach oben getragen hätte. "Eine Freundschaft ist mehr wert. Seitdem lebten wir getrennt."
Er ist immer noch eingeladen zu den großen Festen, die Riekel und Helmut Markwort in ihrer Villa im Münchner Herzogpark veranstalten. Im Hause Riekel/Markwort herrscht ein konservatives Rollenverständnis: Riekel, die den mehr als zehn Jahre Älteren bewundert, der ihr journalistisch immer einen Schritt voraus war. Montel erzählt, dass sie sogar mal einen Artikel geschrieben habe, der sinngemäß so überschrieben war: Warum man seinen Mann vergöttern muss. Und Markwort, der sich, unbehelligt von allen Haushaltspflichten, seinen Büchern widmen kann – was kein allzu großes Zugeständnis von Patricia Riekel ist. Es gibt ja die Haushälterin.
Riekel legt Wert darauf, dass sie die Beziehung zu Herrn Markwort, wie sie ihn nennt, gewissenhaft pflegt. Vielleicht ist es diese Eigenschaft, die sie so erfolgreich macht: eine Gewissenhaftigkeit, mit der sie auch ihre Zeitschrift betreut und ihre Freundinnen. Sie hat eine feste Clique, jenseits der Prominentenwelt, mit der sie in ihr Wochenendhaus zum Starnberger See fährt, wenn Markwort beispielsweise etwas mit seiner Frau unternimmt. Denn diese Ehefrau gibt es noch immer: Er war verheiratet, als er Riekel kennenlernte, und hat sich nie scheiden lassen.
Glück sei, so lautet Riekels Credo, wenn es einem gelingt, seine Möglichkeiten an die Gegebenheiten anzupassen und seine Gegebenheiten an die Möglichkeiten. Pragmatischer kann man Glück nicht definieren. Sie ist eine illusionslose Romantikerin.
Doch einmal zeigte ihr Glücksgen tatsächlich Wirkung, bei der Tombola des Bundespresseballs. Sie gewann einen Jaguar, den sie nicht brauchte. Sie hatte ein Auto. Doch als der Moderator die Gewinner verlas und sich die Blicke auf sie und ihren Begleiter Helmut Markwort richteten, war Riekel in den Augen der Kollegen zur offiziellen Lebensgefährtin aufgestiegen.
Nun befinden sich beide Erfolgsjournalisten in einem Ausnahmezustand, eine seltsame Koinzidenz. Markworts Focus musste zuletzt Auflagenverluste hinnehmen. Im Herbst gibt er nach 17 Jahren die Chefredaktion ab. Er wird Herausgeber und tritt damit in die zweite Reihe. Und Patricia Riekel sieht sich zum ersten Mal mit öffentlicher Kritik konfrontiert, die über Medienkreise hinausgeht.
Die vielen Termine, mit denen sie ihre Tage in Los Angeles vollgepackt hat, vermitteln das Gefühl, dass wieder Normalität einkehrt sei. Sie bewegt sich hier auf sicherem Terrain, im alten Kerngeschäft der Klatschzeitungen: unter Schauspielern, auf roten Teppichen. Nur die vier Handys, die auf dem Tisch liegen, bringen ihr die unangenehme deutsche Wirklichkeit, kurz gehackt in SMS-Fetzen, ins sonnige Los Angeles. Franz Müntefering hat sich beim Presserat beschwert. Patricia Riekel starrt auf die Handys, die in ihrem Hotelzimmer auf einem Glastisch liegen, als wollte sie sie beschwören, zu schweigen. In beiden Händen hält sie eine Büroklammer, die sie in zwei Stücke gebrochen hat.
- Datum 19.03.2010 - 08:16 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 18.03.2010 Nr. 12
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sie seien selbst die Stars, haben sie das Level der Unfähigkeit erreicht. Dies gilt für Riekel, Markwort, viele weitere nicht nur in den Print- und Onlinemedien, auch im TV. Hierzu sei an einige Sportreporter erinnert.
Diesen Film habe ich neulich bei ARTE entdeckt; dauert nur 5 Minuten. Den Finde ich sehr gelungen - sehenswert.
http://plus7.arte.tv/de/1...
Diesen Film habe ich neulich bei ARTE entdeckt; dauert nur 5 Minuten. Den Finde ich sehr gelungen - sehenswert.
http://plus7.arte.tv/de/1...
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Kommentare und halten Sie sich an die Netiquette. Die Redaktion/vv
falsch, es müsste heißen die frau, die von sich selbst spricht
ich kenne niemanden, der von ihr spricht, sehe sie nur von zeit zu zeit im tv, wo sie hauptsächlich über sich selbst spricht
ein solch schwaches magazin, das aus menschen, die nichts können, nichts wissen möchtegernstars macht, es kommt darauf an, die richtigen klamotten zu tragen, vom richtigen hersteller, also was für markenfetischisten mit zu geringem selbstwertgefühl
mir reicht es schon wenn ich beim zahnarzt sitze, und die nachbarin blättert in dem fremdschämblatt - an oberflächlichkeit nicht zu überbieten
Diesen Film habe ich neulich bei ARTE entdeckt; dauert nur 5 Minuten. Den Finde ich sehr gelungen - sehenswert.
http://plus7.arte.tv/de/1...
Ein Artikel mit Bunte - Qualität in der Zeit.
Über die Grenzen von Spionieren und Recherchieren hat man zwar nichts gehört, aber man hat etwas über die Dame erfahren, die Prominente macht. Auch gut. Dann kann ja auch der Kommentar entsprechend ausfallen.
Cowboystiefel finde ich bei einer Frau, wenn sie ihr denn stehen, äußerst sexy. Hat sowas von Bereitschaft zu gemeinsamen (nein, nicht zu dem, was jetzt naheliegen würde)spontanen Unternehmungen.
... das würde meine dreizehnjährige Tochter dazu sagen, dass eine Journalistin und ein Fotograf (?) nach Los Angeles fliegen um die Chef-Redakteurin der deutschen Zeitschrift "Bunte" zu interviewen. Unabhängig davon ob man sich für dieses Thema interessiert oder nicht - was ja Geschmackssache ist - ist so eine Aktion in der heutigen Zeit m.E. ökologisch unverantwortbar.
Liebe Zeit: Wie halten Sie es eigentlich mit der Nachhaltigkeit Ihrer Tätigkeit?
sei´s drum, Willy Wichtig wird sie wohl als Leistungsträger bezeichnen.
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