Frühlingsanfang Nächste Abfahrt FrühlingSeite 3/3
Ein paar Buchten weiter, in Nizza, auf der Place Grimaldi, sind die Stühle in der Sonne bis auf den letzten Platz belegt. Hier, an der Côte d’Azur, sehen wir sie endlich – die Frühlingsgesichter. Die Augen geschlossen, die Stirn ins Licht gerückt, um den Mund herum entspannte Erleichterung anstelle eines Lächelns, als könnte jede Muskelregung diesen scheuen Jahreszeitenwechsel vertreiben. Auf der Promenade des Anglais ist es bei heftigem Wind zwar nur im Mantel auszuhalten. Unten am Meer aber, an die Promenadenmauer gekauert, geht es auch ohne Wolle und Pelz. Kinder jagen in Gummistiefeln und Fischerpullovern über den Steinstrand. Das türkisblaue Meer spritzt Gischt ans Ufer, und am Horizont schwenkt eine Fähre ab in Richtung Korsika.
Nackte Arme aber sucht man vergeblich, was mir in Anbetracht der Umstände ein wenig versnobt erscheint. Wir sind rund 2000 Kilometer weit gefahren. Es ist Anfang März, 16 Grad. Besser wird’s nicht. Ich bestelle in einem Straßenlokal am Hafen. Ziehe den Daunenmantel von den Schultern, die Daunenweste hinterher und den Pullover über den Kopf. Sitze im kurzärmligen schwarzen T-Shirt in der Sonne, eine ganze Tasse Kaffee lang. Der Wind vom Meer treibt Gänsehaut in Böen über die Arme. Aber es ist Frühling. Und wo ich es ohne Ärmel aushalte, muss ich mir auch um Bert keine allzu großen Sorgen mehr machen.
Dem Frühling hinterher: Der Reiseverlauf auf der Karte
Eine einzige Allée des Jacinthes gibt es in Südfrankreich. Die Hyazinthenallee liegt auf halber Strecke zwischen Nizza und Cannes, in Cagnes-sur-Mer. Sie endet in einer Sackgasse, umstanden von Mehrfamilienhäusern, die einen soliden Eindruck machen. In den Pflanzenkübeln an der Ecke Chemin du Val Fleuri ist neben einer Palme noch Platz für einen Mitbewohner. Es kann nicht mehr lange dauern, bis Bert hier anfangen wird zu blühen. Vielleicht rosa. Vielleicht blau. Vielleicht auch beides. Jedenfalls im Frühling.
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- Datum 21.03.2010 - 12:21 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.03.2010 Nr. 12
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"Da hilft nur eins: So lange aufs Gas treten, bis es warm genug ist für einen Kaffee im Freien."
etwas unglücklich formuliert...;-)
Der ganze Beitrag ist höchst unglücklich - oder wird im Reiseteil neuerdings feuilletonwürdige Satire abgedruckt? "Wofür uns der Herrgott zwei Füße gegeben hat? Um einen davon auf ein Gaspedal zu stellen und so lange darauf stehen zu bleiben, bis es draußen, verdammt noch mal, so warm ist, wie es aussieht." Diese und ähnliche Formulierungen lesen sich in einem Wochenblatt, welches seine Leserschaft doch eigentlich zum klimabewussten Umdenken bewegen will, wirklich am besten als (schlechter) Witz. Gleiches gilt überhaupt für die Idee, in Frankfurt in ein Mietauto zu steigen und damit durch halb Europa zu touren, nur um in Nizza endlich im T-Shirt am Strand sitzen zu können. Dazu kommt noch, dass über Reiseetappen und Reiseziel keinerlei verwertbare Informationen geliefert werden. Also: Was soll das Ganze?? Vermutlich doch - ein Witz. Alles andere wäre ein Grund, das ZEIT-Abo zu kündigen!
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