Henning Mankell "Wer zur Hölle bin ich?"
Im April erscheint der letzte Wallander-Krimi. Vorab gewährte uns Henning Mankell ein Gespräch über den Abschied von seinem Helden, das Schreiben und den Tod
ZEITmagazin: Herr Mankell, der ebenso melancholische wie arbeitswütige schwedische Kriminalkommissar Kurt Wallander hat Sie über zwanzig Jahre hinweg begleitet, Millionen von Lesern lieben ihn, zahlreiche Verfilmungen haben ihn noch populärer gemacht. In Kürze erscheint nun Ihr zehnter und letzter Wallander, »Der Feind ohne Schatten«. Ist es schwer, von ihm Abschied zu nehmen?
Henning Mankell: Ich fände es gut, wenn die Menschen Wallander vermissen. Aber trotz allem bleibt er eine fiktive Figur: Der Leser bedauert womöglich, dass es ihn nicht mehr gibt, nicht der Autor. Für mich war das einfach meine Arbeit.
ZEITmagazin: In Schweden ist der Roman schon 2009 erschienen, haben Sie viele traurige Reaktionen auf Wallanders Ende bekommen?
Mankell: Nein. Ich glaube, der Leser akzeptiert es.
ZEITmagazin: Ist es wirklich endgültig?
Mankell: Ich habe ja immer noch die Möglichkeit, über seine Tochter zu schreiben...
ZEITmagazin: ...Linda, Sie haben ihr schon ein Buch gewidmet, sie ist auch Polizistin.
Mankell: Ja, und wenn ich über die Tochter schreibe, wird der Vater irgendwo im Hintergrund sein. Aber ich habe noch nicht entscheiden, ob ich es tun werde.

Henning Mankell, 62, wurde in Stockholm geboren. Als er ein Jahr alt war, ließen sich seine Eltern scheiden. Er wuchs bei seinem Vater auf. Anfangs verfasste Mankell Theaterstücke, in den siebziger Jahren begann er, auch Prosa zu schreiben. Politische und gesellschaftliche Themen nehmen in seinen Büchern viel Raum ein. Besonders erfolgreich wurde seine Wallander-Krimi-Reihe. Der erste Band, Mörder ohne Gesicht, kam in Deutschland 1993 heraus. Der zehnte und letzte, Der Feind im Schatten, wird am 30. April im Paul Zsolnay Verlag erscheinen. Am gleichen Tag veröffentlicht der Hörverlag das gleichnamige Hörbuch, gelesen von Axel Milberg. Mankell lebt in Schweden und in Mosambik, wo er ein Theater leitet. Immer wieder setzt er sich, auch in seinen Büchern, für Afrika ein.
ZEITmagazin: Sie haben einmal gesagt, dass Wallander die Tür öffne für Ihre anderen Romane. Sind Ihnen Ihre anderen Bücher wichtiger als Wallander?
Mankell: Nein, ich könnte nicht sagen, welches meiner Bücher ich am meisten mag. Aber höchstens ein Drittel meiner Arbeit sind Krimis, und es ist schön, dass sie für die anderen Bücher eine Art Lokomotive geworden sind.
ZEITmagazin: Wallander ist depressiv und einsam, er hat Gewichtsprobleme und Schwierigkeiten mit Frauen. So gut er als Ermittler ist, er kommt nicht mit seinem Leben zurecht. Warum fasziniert dieser schwermütige Mann so viele Menschen?
Mankell: Ich glaube, der Grund dafür ist das Diabetes-Syndrom.
ZEITmagazin: Das müssen Sie erklären.
Mankell: Nach dem dritten Roman habe ich mich mit einer befreundeten Ärztin unterhalten. Ich wollte Wallander mit einer Krankheit ausstatten und fragte sie, welche zu ihm passen würde. Sie sagte, zu einem Mann, der so viel Junkfood in sich hineinstopfe und sich so wenig bewege, passe Diabetes. Können Sie sich James Bond vorstellen, wie er sich eine Insulinspritze verpasst? Aber Wallander ist durch seine Krankheit noch viel populärer geworden.
ZEITmagazin: Weil sie zeigt: Er ist so wie du und ich?
- Datum 20.03.2010 - 16:24 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 18.03.2010 Nr. 12
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Tolles Interview.
Dieses von Christine Meffert mit Henning Mankell geführte Interview ist ein wahres und rares Kleinod! Mein Kompliment!
Frau Meffert, zwei Fragen möchte ich Ihnen via ZEIT-Kommentar stellen, wenn Sie erlauben:
Erstens,
"was hat denn Henning Mankell konkret auf Ihrem Notizblock gezeichnet oder gescribbelt?"
Zweitens,
"konnten Sie durch Ihr Interview in Erfahrung bringen, welcher der drei Wallander-Schauspieler (Rolf Lassgard; Krister Henriksson; Kenneth Branagh) den Vorstellungen des Autors Henning Mankell am nächsten kommt?"
-
Was Henning Mankell in diesem Interview von sich preisgegeben hat, finde ich beachtlich. Es macht ihn nur noch sympathischer. Wichtig für ein solch gelungenes Interview ist sicherlich auch die Atmosphäre, eine gewisse "beiderseitige Empathie" und eine nicht allzu aufdringliche Neugierde der Journalistin.
Da ja die Schauspielerin Johanna Sällström Anfang 2007 überraschend im Alter von 32 Jahren gestorben ist, wird es in der letzten Wallander-Krimi-Verfilmung quasi eine neue Tochter geben müssen. Schade, nachdem schon ihrem Film-Freund Stefan Lindman (Schauspieler: Ola Rapace)) ein spektakuläres Film-Ende ins Drehbuch geschrieben wurde.
henning mankell ist auch einer von den menschen, die man wirklich in der politik (besonders in der internationalen) gebrauchen könnte. andrerseits sorgt vielleicht gerade auch dieser abstand, der zwischen politik und kultur besteht das, was ihn so faszinierend und zeitlos macht.
Menschen wie Henning Mankell, die sich durch Verabtwortungsbewusstsein, Kompetenz, Moral und Mut auszeichnen, bräuchte es auch dringend in der Politik, und vor allem auch in der Wirtschaft (hier vor allem solche mit VERANTWORTUNGSGEFÜHL und MORAL). Im dt. Bundestag würden mir als herausragende Personen mit diesen Eigenschaften spontan nur Hans-Christian Ströbele, Claudia Roth und Gregor Gysi einfallen.
Mankells Engagement für Afrika und unsere Demokratie, dass sich durch alle seine Romane zieht, ob nun Wallander oder nicht, ist bewundernswert. Und auch literarisch ist er ein Meister seiner Kunst, er schafft es, spannende Kriminalromane zu schreiben, die aber stechend gut und hintergründig formuliert sind, zudem zieht sich die Verteidigung der Demokratie und des Rechtsstaates als zentrales Element durch seine Bücher!
Menschen wie Henning Mankell, die sich durch Verabtwortungsbewusstsein, Kompetenz, Moral und Mut auszeichnen, bräuchte es auch dringend in der Politik, und vor allem auch in der Wirtschaft (hier vor allem solche mit VERANTWORTUNGSGEFÜHL und MORAL). Im dt. Bundestag würden mir als herausragende Personen mit diesen Eigenschaften spontan nur Hans-Christian Ströbele, Claudia Roth und Gregor Gysi einfallen.
Mankells Engagement für Afrika und unsere Demokratie, dass sich durch alle seine Romane zieht, ob nun Wallander oder nicht, ist bewundernswert. Und auch literarisch ist er ein Meister seiner Kunst, er schafft es, spannende Kriminalromane zu schreiben, die aber stechend gut und hintergründig formuliert sind, zudem zieht sich die Verteidigung der Demokratie und des Rechtsstaates als zentrales Element durch seine Bücher!
Menschen wie Henning Mankell, die sich durch Verabtwortungsbewusstsein, Kompetenz, Moral und Mut auszeichnen, bräuchte es auch dringend in der Politik, und vor allem auch in der Wirtschaft (hier vor allem solche mit VERANTWORTUNGSGEFÜHL und MORAL). Im dt. Bundestag würden mir als herausragende Personen mit diesen Eigenschaften spontan nur Hans-Christian Ströbele, Claudia Roth und Gregor Gysi einfallen.
Mankells Engagement für Afrika und unsere Demokratie, dass sich durch alle seine Romane zieht, ob nun Wallander oder nicht, ist bewundernswert. Und auch literarisch ist er ein Meister seiner Kunst, er schafft es, spannende Kriminalromane zu schreiben, die aber stechend gut und hintergründig formuliert sind, zudem zieht sich die Verteidigung der Demokratie und des Rechtsstaates als zentrales Element durch seine Bücher!
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