HOTELTEST Westerwelles WeltniveauSeite 2/2

»Das Kameha Grand würde auch London oder New York schmücken«, hat Guido Westerwelle gesagt. Er war also nicht im Spa. Da liegt man im Ruheraum, blickt auf düstere Wände statt auf den Rhein, hört das Schnattern der jungen Damen an der Spa-Rezeption und den Terminplan der anderen Gäste. Es ist hier nämlich üblich, durch die Räume zu posaunen, wer wann welche Behandlung erhält. Erst unter den heilenden Händen des wohltuend unrheinischen persischen Masseurs beginnt man sich zu entspannen – und erfährt nebenbei, dass er nicht zum Team des Hauses gehört. Es überrascht einen nicht.

Nie wieder falsch liegen: Alle Hoteltests im Überblick

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Leicht und frisch wie ein Bund Radieschen geht man zurück zum Zimmer. Der lange Korridor ist so irre rotschwarz geblümt, dass man selbst die Feuerlöscher kaum noch bemerkt. An den Wänden hängen Fotos von Frauen in Tüll und Taft, die sich elfengleich unter Wasser rekeln. Das mag schön gemacht sein, und trotzdem merkt man, wie einem mit jedem Schritt schwindeliger wird.

Wenn sich die lackrote Zimmertür öffnet, ist es, als entstiege man einem Spiegelkabinett. Geschafft! Über dem Bett leuchtet ein Mond, auch der warme Sandstein im Bad tut gut. Genauso wie die Tatsache, dass es auf dem Telefon keine tausend Knöpfe gibt. Egal ob man den Roomservice wünscht, das Housekeeping oder den Concierge, man drückt ganz einfach die Taste »Just for you«. Eher auf dem Niveau eines Vertreterhotels ist leider das Pay-TV im Zimmer. War Frau Schaffrath auf der Eröffnungsparty deshalb ein Ehrengast?

Von solchen Geschmacksverirrungen abgesehen, ist das Kameha Grand wirklich ein spannendes Hotel. Ein Bonner Abgeordneter darf es für Weltklasse halten. Ein Außenminister aber nicht.

Information und Buchung:

Kameha Grand, Am Bonner Bogen 1, 53227 Bonn, Tel. 0228/43345000, www.kamehagrand.com, DZ ab 175 Euro, Frühstück 29 Euro

 
Leser-Kommentare
  1. des Herrn Rath, welches dieses Hotel und die Kameha Bar in Köln gebaut habt, ist bekannt für seine 4 Monatigen Pressverträge. Es werden Menschen mit 4 Monatsverträgen gelockt, mit dem VErsprechen, dass eine FEstanstellung avisiert ist. Nach 4 monatiger Auspressung der Zitrone mit 12-15 h Tagen ohne Lohnausgkleich, werden die Leute entlassen und die nächsten kommen an die Reihe.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Herr Niederberghaus - Ihr Artikel hat mich sehr erfreut! Danke! :-)

    (War das ein aussagekräftiger Kommentar...? Eher nicht - aber: TROTZDEM!)

  3. ... das ist aber NICHT erfrischend - eher erdrückend... Ganz FDP-like?

    Eine Leser-Empfehlung
  4. nach meinen Recherchen ist die Kameha Holding eine "Briefkastenfirma" in der Baarerstraße 53 in Zug / Schweiz. Das Haus hat weit über 100 weitere "Geschäftsadressen". Warum Herr Rath seit vielen Monaten im Zusammenhang mit der Holding von "solventen Provatinvestoren" und selbst eingesetztem Kapital n beträchtlicher Höhe redet, vestehe ich nicht: das Einlagekapital der Holding beträgt 100.000 Schweizer Franken...Da fragt man sich, ob die bisherigen Artikelschreiber dies nicht wissen - mich hat die Recherche 15 Minuten gekostet - oder diese Informationen schlicht verschweigen..
    vgl auch: http://www.moneyhouse.ch/...

  5. Dieses Hotel würde ich als spät-deutsch-dekadent bezeichnen.
    Das passt zu Westerwelle.
    Es war schon immer etwas besonderes, einen guten Geschmack zu haben.
    Er hat ihn halt nicht.

  6. @jarreaude: Handelt es sich um das Tatsächliche Kapital oder nur dem Stammkapital? Investoren werden in aller Regel ihr Geld nicht einer Firma geben, damit diese das Stammkapital aufstocken kann. Sondern um zu investieren.

  7. der Einzigartige - hawaiianischer König - spätrömische Dekadenz - heutdeutsche Überheblichkeit mit Knebelverträgen für das Personal: Das ist die Geschmacksverirrung von Herrn Westerwelle mit Partner. - Liebe Geringverdiener, wacht endlich auf und zahlt es dieser Mischpoke heim. -

  8. Was mich an diesen Designer-Hotels (besonders in Europa) stoert ist, dass der Grundsatz hier immer "Form ueber Funktion" zu heissen scheint. Was nuetzen denn florale Teppiche und barocke Bilder an der Wand wenn gleichzeitig die Matratze zu hart und zu kurz ist, die Kissen zu weich, der Kleiderschrank (falls vorhanden) ueber ganze zwei (!) Designer-Kleiderbuegel verfuegt, kein Duschvorhang/Kabine vorhanden ist, und keine richtigen Bett- und Bodenlampen im Zimmer sind (unter diesen flimsigen, ans Bett montierten Strahlern kann doch niemand lesen ...) Wenn's geht buche ich deshalb lieber eine x-beliebige internationale Standard-Hotelkette, da weiss man wenigstens, dass man einen funktionalen Raum kriegt und nicht so einen hyper-designten Unsinn.

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