Dieser Warnung hätte es nicht bedurft. Premier al-Maliki machte ohnehin bald deutlich, dass er keiner Marionettenregierung vorstehen wolle. Er lehnte nicht nur die Forderungen der USA ab, sondern reaktivierte ausgerechnet einen alten Ölvertrag mit den Chinesen. Dieser war noch unter Saddam Hussein unterzeichnet worden, und die Amerikaner hatten ihn nach der Invasion kurzerhand storniert.

Dabei fassen die Iraker auch die Chinesen nicht mit Samthandschuhen an. "Wenn wir uns schnell einigen, können Sie gleich anfangen", lockte Ölminister Hussain al-Shahristani die Chinesen zunächst. Dann wollten die Iraker jedoch Zugeständnisse sehen. Es wurde über einen Erlass irakischer Schulden in China verhandelt – und im Juni 2007 hatte der irakische Staatspräsident Dschalal Talabani nach der Rückkehr von einem Chinabesuch eine wertvolle Zusicherung Pekings in der Tasche. China werde dem Irak 80 Prozent seiner auf über acht Milliarden US-Dollar aufgelaufenen Schulden erlassen und insgesamt 3,7 Milliarden US-Dollar in das Al-Ahdab-Ölfeld investieren.

Im Gegenzug ließ der Irak die chinesischen Ölkonzessionen wieder aufleben, wenn auch zu ungünstigeren Bedingungen. Anstatt einer Profitbeteiligung mussten sich die Chinesen nun damit zufriedengeben, technische Hilfe beim Erschließen und Fördern zu leisten, die mit einer festgelegten Summe pro Fass Öl vergütet wird. Profitbeteiligung, so der Beschluss der irakischen Führung, werde es mit ausländischen Investoren grundsätzlich nicht mehr geben.

Als der Vertrag mit den Chinesen im Herbst 2008 unterzeichnet wurde, fühlte sich die Regierung in Washington hintergangen. "Warum", fragte Frederick Kagan, Professor für Militärstrategie und Berater von George W. Bush , "wurde nach all der Hilfe, die wir dem Irak in den letzten fünf Jahren gegeben haben, das erste Ölgeschäft mit den Chinesen abgeschlossen?" Der Bruder des Außenpolitikspezialisten Robert Kagan erhielt eine lapidare Antwort vom Sprecher des irakischen Ölministeriums: "Das Geschäft war einfacher abzuschließen, weil wir nicht bei null anfangen mussten."

Ein triftigerer Grund dürfte das Rundum-sorglos-Paket gewesen sein, das die Chinesen den Irakern anbieten konnten. Neben dem Schuldenerlass liefert Peking auch noch das Kraftwerk, um aus dem in al-Ahdab gewonnenen Öl Strom zu erzeugen. Gebaut wird das 950-Millionen-Dollar-Projekt derzeit von dem chinesischen Anlagenbauer Shanghai Heavy Industries. "Das ist ein historisches Ereignis", freute sich Ölminister al-Shahristani. "Zum ersten Mal nach 30 Jahren unterstützt uns wieder ein ausländisches Unternehmen bei der Entwicklung von Ölfeldern."

Die Amerikaner ließen freilich auch nicht locker. Doch drei Monate nachdem die Chinesen im Januar 2009 ihre Arbeit aufgenommen hatten, führte ExxonMobil-Chef Rex Tillerson immer noch Gespräche mit der irakischen Regierung "über die Schaffung von Investmentbedingungen", die es Exxon ermöglichen sollten, "einer der größten Ölkonzerne im Land zu werden".

Eines war da schon klar: Das Al-Ahdab-Ölfeld war das letzte, das ohne Auktion an ausländische Investoren vergeben werden sollte. Von nun an würden die Felder meistbietend versteigert. "Damit reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, dass es einem bestimmten Land gelingt, Druck zugunsten seiner Unternehmen auszuüben", erläuterte Ahmed Mousa Jiyad, ein irakischer Ölberater und ehemaliger Ökonom im irakischen Ölministerium. Die Chinesen hatten je nach Entwicklungsphase für die Erschließung des Feldes noch zwischen drei und sechs Dollar pro Fass Öl bekommen. Die Iraker waren überzeugt, dass die Ausländer es auch für weniger tun würden. Und sie sollten recht behalten.