Gesundheitsreform Kleinmütig
Die Regierung beschädigt sich und ihre Idee der Gesundheitsprämie.
Mit Angela Merkel und der Kopfpauschale verhält es sich ungefähr so wie mit einer Hausfrau, die versehentlich ihren Lieblingspulli aus Angora in die Kochwäsche stopft. Ausgerechnet das beste Stück schrumpft beträchtlich – und wird durch den Waschgang nicht etwa makellos, sondern unbrauchbar.
Merkel und ihr Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) haben zum Start der Reformkommission für das Gesundheitswesen aus der unbeliebten Gesundheitsprämie eine Schrumpfprämie gemacht. Beide haben mehrfach betont, dass sie nur einen ganz behutsamen Einstieg in die neue Finanzierung der Krankenkassen planen. Nur ein kleiner Teil des bisher von der Höhe des Gehalts abhängenden Beitrages zur Krankenversicherung soll umgewandelt werden in eine Prämie, die für sämtliche Versicherten gleich hoch ist.
Im Gespräch sind Beträge von 20 oder 30 Euro – gerade mal so viel, wie bei drei Arztbesuchen an Praxisgebühr zu zahlen ist. Vor einigen Jahren stand in den CDU-Papieren noch der Betrag von 145 Euro. Die Kanzlerin selbst bezeichnete den geplanten Umbau damals noch als "Jahrhundertreform". Nun will Merkel eine Bonsai-Prämie.
Das wirkt nur auf den ersten Blick vernünftig. Ist es klug, bei einer sehr unbeliebten Reform, die selbst zwei Drittel der Wähler von Union und FDP ablehnen, vorsichtig vorzugehen? Nicht unbedingt. Denn mit der Schrumpfprämie sind zwei Gefahren verbunden. Erstens werden viele Wähler fragen, ob sich die ganze Aufregung und vor allem die Einführung eines komplizierten Sozialausgleichs bei solch einer Minireform überhaupt lohnen. Käme beispielsweise eine Bonsai-Prämie von 29 Euro, würden Hunderttausende monatlich ihren leicht verringerten alten Kassenbeitrag überweisen, zusätzlich 29 Euro Prämie zahlen und anschließend beinahe den gleichen Betrag vom Finanzamt zurückbekommen. Mancher würde sich verwirrt am Kopf kratzen und nach dem Sinn des Manövers fragen. Gerade die Parteien, die besonders oft für den Bürokratieabbau werben, Union und FDP, stünden im Verdacht, den Sozialstaat zunächst mal undurchsichtiger, nicht einfacher zu machen.
Die zweite Gefahr: Ein allzu vorsichtiger Einstieg in die geplante Reform sieht schnell so aus, als traue die Regierung ihren eigenen Konzepten nicht. Entweder die Gesundheitsprämie ist gut – dann sollte die Regierung auch nicht reden, als müsse sie sich für ihre Idee entschuldigen. Oder das Konzept ist falsch – dann hilft es auch nicht, in kleinen Schritten vorzugehen. Dann sollten Merkel und Rösler ihr Projekt abblasen.
Dass Reformen nicht einfacher werden, wenn eine Regierung sie mit schlechtem Gewissen betreibt, kann die schwarz-gelbe Koalition eigentlich von der abgewählten Regierung Schröder lernen. Die SPD litt unter den Hartz-Reformen, gemeinsam mit vielen ihrer Stammwähler. Genützt hat ihr das nicht. Verschämte Reformer schätzt der Wähler nicht. Nur wer von seinen Ideen überzeugt ist, kann andere überzeugen.
- Datum 18.03.2010 - 14:55 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 18.03.2010 Nr. 12
- Kommentare 23
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gerade mal so viel, wie bei drei Arztbesuchen an Praxisgebühr zu zahlen ist
Ach, drei Arztbesuche in 3 Quartalen entsprechen einer MONATSprämie von 29 €?
Frau Niejahr sollte mal rechnen üben!
Die Regierung hätte allen Grund, ihrem Konzept nicht zu trauen, denn es ist ungerecht und unbezahlbar.
Es geht darum, die Bürger an das Prinzip zu gewöhnen, Salamitaktik!
http://kopfpauschale-stop...
http://community.zeit.de/...
im prinzip im link von kommentatorin nr. 1 auch schon beschrieben, wie ich gerade nachträglich feststelle!
na ja! doppelt gemoppelt hält besser!
Es ist wohl etwas naiv anzunehmen, daß Regierungen überhaupt das "Richtige" tun wollen. Sie wollen das tun, was sie ihren Sponsoren versprochen haben -- und das ohne viel Aufsehens.
Die Holzhammermethode der SPD hat sich nicht bewährt, also versucht Schwarz-Gelb es lieber auf leisen Pfoten und durch Platzierung von gefälligen Propagandisten in den Leitmedien.
Sicher lernen wir bald, daß die Kopfpauschale ein unabänderlicher Sachzwang ist, weil sonst die "Leistungsträger" nichts mehr "leisten".
Die Regierung, und besonders die FDP, hat keinen Grund hier zaghaft zu sein. Entweder sie setzen ihr Konzept ganz oder gar nicht um. In der Großen Koalition hieß es noch, ein großer Wurf sei mit den gegensätzlichen Positionen der Koalitionspartner nicht machbar, obwohl er schon damals nötig gewesen wäre. Die Große Koalition ist jetzt vorbei, aber scheinbar nicht in Merkels Kopf. Wenn die Regierung auch nur halb so aktiv zupacken würde wie Westerwelle und Co. medial herumtönen, würde es vielleicht endlich mal die Reformen geben die unserem Land so dringend fehlen.
...dafür wie deutsche Gesetze meistens entstehen.
Und diese Leute verlangen dann von mir, dass ich mich daran halte?!
:D
Ich finde es werden nicht die richtige Argumente vorgetragen:
Der Geschäftsführer zahlt wie seine Sekretärin- nein er ist Privat versichert und zahlt weniger, oder er ist geschieden lässt die Kinder über die gesetzliche bei der Frau als freiwillig versicherte laufen und selbst ist ja nur Privatier also wiederum privatversichert. ( kenne solche Beispiele )
Der soziale Ausgleich kann nur über die Steuer, die alle bezahlen und nicht nur durch die diejenige die weniger als 3750 € und also aus der Falle der gesetzliche nicht fliehen können.
Eine pauschale Versicherung wäre für Privat versicherte eine alternative also hätte man auch mehr jung dynamisch ungebunden und gesunde Mitglieder, die heute in die private fliehen.
Und außerdem wenn der gut Verdiener weniger Krankenkassebeiträge zahlt hat er mehr Einkommen auf dem er den höchsten Steuersatz zahlt also wo ist der Verdienst? umgekehrt kann er den Betrag steuerlich geltend machen wo ist denn die riesen Erleichterung?
Wenn der Spitzenverdiener angenommene 100 € weniger im Monat für die KV zahlen muss, und diese dafür mit 42% versteuern muss, dann kann er logischerweise 58 € davon behalten.
Die muss dann jemand anders zahlen.
Wenn der Spitzenverdiener angenommene 100 € weniger im Monat für die KV zahlen muss, und diese dafür mit 42% versteuern muss, dann kann er logischerweise 58 € davon behalten.
Die muss dann jemand anders zahlen.
Wenn der Spitzenverdiener angenommene 100 € weniger im Monat für die KV zahlen muss, und diese dafür mit 42% versteuern muss, dann kann er logischerweise 58 € davon behalten.
Die muss dann jemand anders zahlen.
andererseits kann er die Beiträge absetzen und zahlt darüber keine Steuer. Es bleibt ein kleiner Unterschied aber ist dies ein Argument dafür dass nur diejenige die angestellte sind und weniger als 3750 € bezahlen solidarisch sein sollen, die andere Großverdiener oder Privatiers sich die günstigste Lösung aussuchen dürfen. Bei 3700 € gibt es keine Wahlmöglichkeit? Ist das richtig? Allgemeine Krankenversicherung ist eine Aufgabe von allen Mitbürger und nicht vorwiegend von denen die Angestellte sind und zwar gut aber nicht gut genug verdienen. Das Steuersystem sorgt am gerechtesten für Ausgleich und nicht eine Versicherungsform dessen Leistung unabhängig ist vom Beitrag, anders z.B. als die Rentenversicherung. Aber es ist so einfach damit populistische Sprüche in die Welt zu setzen!
andererseits kann er die Beiträge absetzen und zahlt darüber keine Steuer. Es bleibt ein kleiner Unterschied aber ist dies ein Argument dafür dass nur diejenige die angestellte sind und weniger als 3750 € bezahlen solidarisch sein sollen, die andere Großverdiener oder Privatiers sich die günstigste Lösung aussuchen dürfen. Bei 3700 € gibt es keine Wahlmöglichkeit? Ist das richtig? Allgemeine Krankenversicherung ist eine Aufgabe von allen Mitbürger und nicht vorwiegend von denen die Angestellte sind und zwar gut aber nicht gut genug verdienen. Das Steuersystem sorgt am gerechtesten für Ausgleich und nicht eine Versicherungsform dessen Leistung unabhängig ist vom Beitrag, anders z.B. als die Rentenversicherung. Aber es ist so einfach damit populistische Sprüche in die Welt zu setzen!
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