Nahost-Konflikt Genug ist genug

Mit der Entscheidung, weitere Siedlungen zu bauen, gefährdet Israel die Friedensverhandlungen und stößt Obama vor den Kopf. Fühlt sich das Land zu stark?

Es klang nach diplomatischer Normalität und war doch eine kleine Sensation. Da stand die Bundeskanzlerin am Montag neben dem libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri, der zu Besuch in Berlin war, und tat das Unerwartete: Sie kritisierte Israels Pläne, den Siedlungsbau im arabischen Osten von Jerusalem voranzutreiben. »Wir haben durch die Ankündigungen des Baus neuer Wohnungen einen schweren Rückschlag erlitten in der Frage, ob es zu Annäherungsgesprächen zwischen Palästinensern und Israelis kommt.« Merkels Worte fielen in der Gegenwart eines arabischen Regierungschefs – normalerweise wäre gerade dann eine Solidaritätserklärung mit Israel üblich, wie sie sie nicht nur einmal formuliert hat.

Aber die Zeiten sind nicht normal. Israel hat öffentlich seine größten Freunde düpiert: die Amerikaner, in Gestalt von Vizepräsident Joe Biden und Außenministerin Hillary Clinton. Aus Versehen, sagt der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu. Wissentlich und willentlich, sagt die Regierung von US-Präsident Obama. Wenn nicht gezielt und in Sabotageabsicht, warum sonst verkündet das israelische Innenministerium den Bau von 1600 neuen Siedlerwohnungen just in dem Moment, da Biden seinen Fuß auf israelischen Boden setzt, um für neue Friedensverhandlungen zu werben?

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Washington reagiert prompt, konzentriert und heftig. Von »Vertrauensbruch«, »Beleidigung«, einer »tiefen Störung« der Freundschaft ist die Rede. Der amerikanische Sondergesandte George Mitchell, der am Dienstag nach Jerusalem kommen wollte, um eine neue – indirekte – Gesprächsrunde zwischen Israelis und Palästinensern zu starten, sagte kurzfristig seinen Besuch ab. Hillary Clinton nahm sich 43 Minuten Zeit, um Netanjahu ihre Bedingungen zu diktieren: Rücknahme der Siedlungsentscheidung, Freilassung einer Reihe von palästinensischen Gefangenen aus israelischen Gefängnissen, Verhandlungen über den Endstatus einer Zwei-Staaten-Lösung sowie eine regierungsamtliche Untersuchung des diplomatischen Affronts. Noch deutlicher könnte Obama kaum sagen, dass es reicht.

Völlig schuldlos jedoch ist der amerikanische Präsident an dieser Zuspitzung nicht. Er trägt die Forderung nach einem umfassenden Stopp des Siedlungsbaus apodiktisch vor und lässt selbst bei bereits bestehenden Siedlungen keine Ausnahme zu – so wird sein Absolutheitsanspruch selbst zur Hürde, solche Vorbedingungen hatten nicht einmal die Palästinenser gestellt. Kein Wunder, dass die Israelis im November nur einem zehnmonatigen Baumoratorium zustimmten und selbst davon Ostjerusalem ausnahmen.

Die Israelis misstrauen Barack Obama, er ist ihnen nicht geheuer, tat er sich doch lange schwer, ein Verhältnis zum jüdischen Staat zu finden. Als Senator aus Illinois beklagte er vor allem das Leid der Palästinenser, als Präsidentschaftskandidat, auf der Suche nach jüdischen Wählerstimmen, übertrieb er in die andere Richtung. Auf der Jahresversammlung des mächtigen amerikanisch-israelischen Lobbyvereins Aipac bekannte er sich unter Jubelstürmen zu Jerusalem als ungeteilter Hauptstadt Israels. Doch kaum im Weißen Haus, reiste der Präsident nach Kairo, Ankara und Riad, nicht aber nach Jerusalem.

Nun hat Aipac Obama zur Mäßigung seiner Israelkritik aufgerufen, unterstützt von einer Reihe republikanischer und auch demokratischer Abgeordneter. Doch der Präsident sagt, genug ist genug – und weiß dabei um die Beschränkungen seiner Möglichkeiten. Einstellung der Militärhilfe? Der finanzilellen Unterstützung? Unmöglich. Die Solidarität mit Israel, der Demokratie im Nahen Osten, gehört zum amerikanischen Selbstverständnis, zur Staatsräson. So bleiben Obama nur der Zorn und der Aufbau internationalen Drucks. In der Vergangenheit hatten solche Maßnahmen manchmal Wirkung gezeitigt. Manchmal gab Israel im letzten Moment nach – nur so sind letztlich unter George Bush senior und Bill Clinton die Friedensverhandlungen von Oslo und Taba zustande gekommen.

Nicht nur Angela Merkel, auch der französische Präsident, Großbritanniens Premier und die EU-Außenministerin Catherine Ashton reagieren empört auf die israelischen Pläne. Aufgebracht ist ebenso das sogenannte Nahost-Quartett; die Vierergruppe aus EU, Vereinten Nationen, Russen und Amerikanern berät bereits am Freitag in Moskau darüber, wie es mit den Friedensverhandlungen weitergehen kann. Barack Obama ist davon überzeugt, dass ein Friede zwischen Israelis und Palästinensern der Schlüssel für eine Neuordnung des Mittleren Ostens ist. Von der Siedlungspolitik und dem Ansehensverlust Israels dürften sich gerade die Gegner des jüdischen Staates – Iran, Hisbollah, Hamas – gestärkt fühlen.

Leser-Kommentare
    • remail
    • 17.03.2010 um 14:04 Uhr

    Siedlungen sind das eine, doch die Gewaltausbrüche der islamischen Welt kann ich einfach nicht nachvollziehen. Wie baut man ein Haus während man es zerstört, da können die Menschen in Israel doch einfach praktischer denken.

    • Jiyan
    • 17.03.2010 um 17:49 Uhr

    Ein Land wie Israel hat mehr Macht(aussenpolitisch)als Deutschland und das nervt.Israel ist nur deshalb so frech weil es Atomwaffen hat.deshalb wollen Iraner auch Atomwaffen bauen.jedes Land im nahen osten will Atomwaffen besitzen.irgendwann haben alle Atomwaffen.und irgendwann macht einer davon gebrauch.dann hat man den salat.Israel destabilisiert mit dieser Haltung das ganze Nahen osten.Ob man die Folgen kontrolieren kann?Ic glaube nicht.Kuzfristige wirtschaftliche(vor allem Waffenverkäufe) und politische Interesen machen den Westen blind.Da sind die Chinesen sehr viel schlauer.Israel spielt seine karten sehr gut.wenn man israel kritisiert ist man antisemit oder fundamentalist oder sogar terorist.

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    ....stimme Ihrer Beobachtung zu und vermute als anderer Deutscher wie der andere Israeli Avraham Burg in seinem Buch "Hitler besiegen" (NICHT: Hitler hat gewonnen!) , als Hintergrund ein Hitlertrauma bei einer knappen Mehrheit der Israelischen Wählerschaft und einem nur zu schätzenden Prozentsatz bei den Palästinensischen und den Deutschen Wählern...

    ....stimme Ihrer Beobachtung zu und vermute als anderer Deutscher wie der andere Israeli Avraham Burg in seinem Buch "Hitler besiegen" (NICHT: Hitler hat gewonnen!) , als Hintergrund ein Hitlertrauma bei einer knappen Mehrheit der Israelischen Wählerschaft und einem nur zu schätzenden Prozentsatz bei den Palästinensischen und den Deutschen Wählern...

    • eras
    • 21.03.2010 um 15:43 Uhr
    3. China

    "Kuzfristige wirtschaftliche(vor allem Waffenverkäufe) und politische Interesen machen den Westen blind.Da sind die Chinesen sehr viel schlauer."

    Glaub ich nicht. Sie haben offensichtlich die Beziehungen (insbesondere die Handelsbeziehungen - genauer: Waffenlieferungen) zwischen China und Israel übersehen. China ist heute einer der engsten Alliierten der Israelis...

  1. 4. Faktum

    Ja, Israel fühlt sich zu stark, es ist zu stark?
    Warum?
    Durch Militärhilfe von der BRD u. USA/ Wirtschaftshilfe, obwohl das Land ein Industriestaat ist.
    Und weil sich die rechte Likud, was das Paradigma aller rechten Parteien ist, ganz besonders unschlagbar fühlen- schließlich sind sie das "auserwählte" Volk!

    Gut nur, dass die Welt dies nicht länger akzeptiert.

    Fakt ist, dass, sollte sich Israel gegenüber den Palästinensern und Kriegsdrohungen gen Iran weiterhin derart unterdrückerisch, demütigend und Vorlaut verhalten, sich Deutschland sehr schwer tun wird, falls die Existenz Israels tatsächlich einmal bedroht sein sollte, da diese Hilfe auch moralisch vertretbar sind.

  2. ....stimme Ihrer Beobachtung zu und vermute als anderer Deutscher wie der andere Israeli Avraham Burg in seinem Buch "Hitler besiegen" (NICHT: Hitler hat gewonnen!) , als Hintergrund ein Hitlertrauma bei einer knappen Mehrheit der Israelischen Wählerschaft und einem nur zu schätzenden Prozentsatz bei den Palästinensischen und den Deutschen Wählern...

    Antwort auf "freche kind"
    • Afa81
    • 03.08.2010 um 9:29 Uhr

    Ich denke, der Westen hat viele Fehler in seiner Diplomatie mit Israel gemacht. Wir vergessen zu oft, dass die Juden ein Volk (oder eine Religionsgemeinschaft) sind, dass nun schon seit fast 2 000 Jahren verfolgt wird. Die jüngste Vergangenheit macht da keine Ausnahme. Nach dem dritten Reich kam der erste Palöstinakrieg, gleich nach der Staatsgründung. Es folgte ein zweiter. Im Sechstagekrieg ist die komplette UNEF aus Israel abgezogen, weil Nasser das mal so wollte und postwendend sind die Ägypter an der Grenze aufmarschiert. So kann man nicht handeln.
    Ich finde diese Siedlungspolitik auch nicht richtig, aber um mal auf die Überschrift "Genug ist genug" zurück zu kommen... Den Israelis ist es nun schon lange genug. Und sie werden sich unser Friedensgerede nicht anhören, denn diese Land und diese Leute kämpfen haben gesehen, dass sie in der Welt nicht all zu viele Freunde und Verbündete haben und auch nie hatten!

  3. Den Grund kann ich mit nur einem Wort nennen: Gebietsverlust.
    -Golanhölen
    -Ostjerusalem
    -Westjordanland

    "Genug ist Genug", dieser Titel trifft genau den Kernpunkt.

    Es ist immer der selbe Kreislauf: Friedensgespräche sind im Anlauf, die wiederum durch ein neuen Konflikt stagniert bzw. gestoppt werden.
    Das Problem ist zu 99% immer gleich: Der Siedlungsbau.
    Es hat den Anschein, dass Israel keinen Frieden will.- zumindest keinen, der gegen ihre Interessen spricht.
    Die Palistinänser haben Vorbedingungen (Siedlungsstopp) für indirekte Friedensgespräche. Und da diese nicht erfüllt sind, weigern sie sich.
    Das Ergebnis: Israel hat einen Grund, die Palistinänser als Blockierer der Friedensgespräche anzuzeigen.
    Natürlich ist das meine persönliche Meinung und ich habe mich auch gefragt und mich damit außernander gesetzt was der Grund ist.
    Den Grund kann ich mit nur einem Wort nennen: Gebietsverlust.
    -Golanhölen
    -Ostjerusalem
    -Westjordanland
    Ein weiterer Grund, was für die Friedensgespräche kontraproduktiv ist, ist die amerikanische Außen- Parteipolitik.
    Durch etliche Lobbys (Aipac, die größte judische Lobby-Organisation)ist Amerika zum Teil die Hände gebunden. Und das ist einer der Gründe, warum Israel so stur und selbstsicher an ihrer Siedlungspolitik halten kann.
    Dennoch animiert die Arabische-Liga den verzweifelten Palistinänser-Präsidenten zu indirekten Friedensgesprächen.

  4. deutschland bewies in sachen israel das, was beorder treffend als "gratismut" bezeichnet.

    schöne reden ohne verpflichtungen, aber wenn es hart auf hart kommt, lässt deutschland israel fallen.

    nehmen wir 1973 und den yom kipur krieg. araber griffen israel überraschend mit dem selbsterklärten ziel, den staat zu vernichten an und zwar mit 600.000 soldaten und 6.000 panzer. was tat deutschland?

    sperrte deutsche flughäfen und häfen für amerikanische lieferungen für das hart bedrängte israel ab und half israel in keinsterweise.

    oder den sogenannten Un menschenrechtsrat, wo lybien, iran, pakistan, china, saudi-arabien..das sagen haben und dafür sorgen, dass diese witzveranstaltung sich zu 80% mit israel befasst. regelmässig bringen totalitäre islamische regime resulotionen gegen israel ein und regelmässig enthält sich deutschland der stimme, statt nein zu sagen.

    diese ganze gerede von besondere verantwortung für israel ist leeres gefassel ohne substanz.

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