Liberalismus-Debatte Und alle werden Bürger

Freiheit braucht Staat – gut, dass das jetzt auch die FDP begreift. Eine Antwort auf Christian Lindner und Bernd Ulrich

Christian Lindner hat kürzlich in dieser Zeitung das Freiheits- und Staatsverständnis der heutigen FDP erläutert. In seinem Text wie in seinem bisherigen Wirken als Generalsekretär deutet sich an, dass Lindner das »Mitgefühl« des FDP-Liberalismus für diejenigen wecken möchte, die es allein nicht schaffen. Staat und Institutionen werden etwas pfleglicher behandelt, weil man sie für die Lebenschancen der Menschen brauche, für eine tatsächlich realisierbare Freiheit möglichst vieler.

Herzlich willkommen – sage ich da – an der Seite der CDU, die schon immer wusste, dass Freiheit nicht für alle vom Himmel fällt. Der undifferenzierte Ruf nach »weniger Staat!« ist fantasielos und falsch. So angebracht er etwa beim Abbau von Bürokratie ist, so wenig passt er für alle Politikfelder. Der Staat bleibt dort ein wichtiger Förderer der Freiheit, wo sie sich nicht von selbst einstellt. Und da gibt es noch durchaus viel zu tun.

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Die veröffentlichte Meinung fahndet seit einiger Zeit nach einem christlich-liberalen Projekt, einer gemeinsamen Idee, wohin die neue Koalition das Land führen will. Für mich liegt diese Idee spätestens seit der Unterzeichnung des etwas ungerecht behandelten Koalitionsvertrages auf der Hand. Wir wollen, wie es Bernd Ulrich zu Beginn dieser kleinen Debatte treffend formuliert hat, »Bürgertum für alle«. Bürgerliche Politik ist nicht Politik für die, die es geschafft haben, sondern dafür, dass es möglichst viele schaffen. Christdemokratische Politik, an die die Politik der FDP sich besser anschließen lässt als die jeder anderen Partei, ist moderne bürgerliche Politik.

Bürgerliche Politik organisiert die Gesellschaft so, dass es in ihr frei, gerecht und solidarisch zugeht. Sie sorgt dafür, dass diejenigen, die Unterstützung brauchen, Unterstützung finden. Sie achtet gleichwohl darauf, dass derjenige, der arbeitet, mehr hat als der, der nicht arbeitet. Sie steht dafür ein, dass die Früchte der Anstrengungen eines jeden nicht mehr als unbedingt nötig für die Allgemeinheit in Anspruch genommen werden. Sie garantiert gleichzeitig, dass diejenigen, die mehr zum Gemeinwesen beitragen können, auch mehr beitragen.

Nun ist eine Zusammenarbeit von Union und FDP in diesem Geiste nicht unbedingt ein Selbstläufer. Denn unter der Freiheit, deren Idee diesem bürgerlichen Politikentwurf zugrunde liegt, verstehen Christdemokraten und Liberale zunächst durchaus nicht dasselbe.

Während der individualistische Liberalismus sich traditionell schwertut, zum freien Individuum Verantwortung und Gemeinwohl hinzuzudenken, ist das christdemokratische Verständnis von Freiheit von vornherein gegründet in einem Bild vom Menschen, das die ganze Person in den Blick nimmt, in der Ganzheitlichkeit ihrer Bezüge zu sich selbst und zu den Mitmenschen.

Im christlichen Menschenbild kommt dem von Gott nach seinem Bilde geschaffenen Menschen eine Würde zu, die durch nichts relativiert werden kann. Jeder Mensch ist einmalig und unverfügbar und hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit. Gleichzeitig ist er in die Gemeinschaft mit seinen Mitmenschen gestellt; er verwirklicht sich in Beziehungen. Das ist die einzigartige Ausgewogenheit des christlichen Menschenbildes. Der Mensch besitzt eine individuelle und eine soziale Natur, und beide sind ineinander verflochten: Freiheit und Verantwortung, Freiheit nur in der und durch die Gemeinschaft, Verantwortung für sich und für die anderen.

Leser-Kommentare
    • Harzer
    • 21.03.2010 um 18:58 Uhr

    vielleicht aber ganz bewußt und mit Absicht nicht.
    Einfältig ( zu unterschätzen ) ist er doch sicher auch nicht.
    Wahrscheinlich rechnet er sich aus, daß der Anteil der verunsicherte, wildgewordene Kleinbürger und Lumpen-Bourgeoisie schon stabil über 10% liegt, und will seine Partei in diese Richtung drehen !?
    Die Herren Möllemann und Haider lassen grüßen !

  1. Was will diese kleine Klientelpartei denn noch?
    Sie hat nur wenige Wähler - und ist in der Regierung.
    Der Staat ist bereits von Gerhard Schröder und seinen Genossen zur Plünderung durch Spekulanten freigegeben worden. Die Ergebnisse davon werden gerade von der Bevölkerung bezahlt.
    Ein geringer Teil der Deutschen (max. 20%) besitzt bereits die Masse aller Vermögen (mind. 80%).
    Begriffe wie Nachhaltigkeit, Kaufmännische Ehre und Verantwortungsbewusstsein sind in der Wirtschaft und Wirtschaftspolitik zu Unworten verkommen.
    Deutschland ist 65 Jahre nach dem Ende des 2.Weltkrieges und 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus der drittgrößte Rüstungsexporteur der Welt.
    Auf deutschem Boden sind weiterhin ausländische Atomwaffen stationiert, auf die deutsche Politik weiterhin keinen Einfluss hat.
    Die soziale Marktwirtschaft ist kaum noch in Konturen zu erkennen.
    Kinder aus armen und bildungsfernen Familien werden auch als Erwachsene wieder in armen und bildungsfernen Verhältnissen leben.
    Die heute 40-Jährigen werden als Rentner nur noch 500 Euro gesetzliche Rente erhalten.
    Es sind also bereits alle Wünsche erfüllt.
    Was will diese Mini-Partei mit ihrem großschnäuzigen Vorsitzenden denn noch?

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    die von der Kanzlerin Angela Merkel so verdächtig oft im Munde geführt wird, entpuppt sich bei genauer, komplexer und dynamischer Analyse der heutigen Wirtschafts- und Politikstrukturen als marodierender und brandschatzender Finanzspekulations- und -anlagenbetrugsfeudalstaat.

    Kaum einer wird Deutschland im Jahre 2015 wiedererkennen, wenn der sich heute willkürlich und autokratisch gebärdenen Politrepräsentantenclique nicht ebenso Einhalt geboten wird, wie dies zwischzen 1987 und 1989 mit der stalinisitschen Kaderfunktionärclique von den Ossis durchgezogen wurde.

    Schlussendlich sind wir das Volk, auch wenn das Volk üblicherweise die Melkkühe der Kaderfunktionäre repräsentiert.

    die von der Kanzlerin Angela Merkel so verdächtig oft im Munde geführt wird, entpuppt sich bei genauer, komplexer und dynamischer Analyse der heutigen Wirtschafts- und Politikstrukturen als marodierender und brandschatzender Finanzspekulations- und -anlagenbetrugsfeudalstaat.

    Kaum einer wird Deutschland im Jahre 2015 wiedererkennen, wenn der sich heute willkürlich und autokratisch gebärdenen Politrepräsentantenclique nicht ebenso Einhalt geboten wird, wie dies zwischzen 1987 und 1989 mit der stalinisitschen Kaderfunktionärclique von den Ossis durchgezogen wurde.

    Schlussendlich sind wir das Volk, auch wenn das Volk üblicherweise die Melkkühe der Kaderfunktionäre repräsentiert.

  2. Nach Globalisierung und Wiedervereinigung lässt sich nicht an bürgerliche oder liberale Idealvorstellungen anschließen. Das Bürgertum benötigt anerkannte Wertvorstellungen - solche waren vorhanden, sind aber abgeschafft worden. Jetzt müsste von den Christdemokraten entweder die bisherige Wertordnung verteidigt oder ein neues Konzept von Werten geschaffen werden. Im Prinzip wäre die Katholische Moraltheologie zumindest als Orientierungsmarke unverzichtbar - nur sag sowas mal. Freiheitlichkeit und Liberalismus bedeuten nicht die Relativierung aller Sitten und Normen, was nur Gerede wäre und zur Totalherrschaft der Untugend führen und jedes Pflänzlein von Freiheit sofort abschaffen würde. Liberalismus, wäre - wohl verstanden - auch immer die Freiheit der Anderen - und das ist in der realexistierenden BRD das Letzte, was praktiziert wird und praktizierbar ist. Da wäre es eher die Freiheit der einen, das zu tun, was sie gerne wollen und andrerseits es zu verbieten, wenn andere dasselbe tun wollen. Ob allerdings so ein Pseudobürgertum oder Pseudoliberalismus gelingen wird, darf auch bezweifelt werden - und schon schweift der Blick suchend nach Persönlichkeiten und Autoritäten, die mit leichter Hand, die Dinge so ordnen, dass es in dieser Ecke der Welt noch einigermaßen homogen und geordnet zu geht - doch Persönlichkeiten und Autoritäten werden kaum an die Spitze gelassen - die Demontage läuft rasant. Neue Zeit, neue - gute - Konzepte, wären gefragt.

  3. Ok, ja. Ich gebe es zu. Ich mache für die Linken Propagande.

    Und zwar richtig infam, verschlagen, hinterhältig und absolut bösartig.

    Ich mache nämlich Propaganda für
    a) Walter Eucken - siehe: Grundsätze der Wirtschaftspolitik
    b) Ludwig Erhard - siehe: Wohlstand für alle.

    Und die Organisatoren der Drückerorganisation, die heute unter dem Begriff F.D.P. als .............. reüssiert und von der omnipotenten Freiheitsstatue Deutschlands repräsentiert und angeführt wird, nennen sich Vorstandsmitglieder. In jedem Falle ist aber eines nicht mehr übersehbar: Die FDP ist eine Organisation, welche die Interessen der Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft sowie der bundesdeutschen Monopolfirmen der Pharma-, Energie-, Berater- und Waffenindustrie unter dem Deckmantel der parlamentarischen Repräsentanz durchzusetzen versucht.

    Wer das befürwortet, der gehe zur Wahl und wähle: F.D.P.
    Fantastische Deutsche Profiteurpartei.

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    ihre Meinung?

    Ich kann das beim besten Willen nicht nachvollziehen.

    Sicher auch in der FDP gibt es Politiker die den Eindruck vermitteln, als würden sie nur Klientelinteressen vertreten.
    Doch finde ich das bei der CDU /CSU / Grünen / SPD und Linken noch viel ausgeprägter, auch wei l die eine viel homogenere Klientel haben. Was mich auch nicht daran hindern würde richtige Methoden aufzugreifen, wenn ich sie denn erkennen könnte.

    H.

    ihre Meinung?

    Ich kann das beim besten Willen nicht nachvollziehen.

    Sicher auch in der FDP gibt es Politiker die den Eindruck vermitteln, als würden sie nur Klientelinteressen vertreten.
    Doch finde ich das bei der CDU /CSU / Grünen / SPD und Linken noch viel ausgeprägter, auch wei l die eine viel homogenere Klientel haben. Was mich auch nicht daran hindern würde richtige Methoden aufzugreifen, wenn ich sie denn erkennen könnte.

    H.

  4. die von der Kanzlerin Angela Merkel so verdächtig oft im Munde geführt wird, entpuppt sich bei genauer, komplexer und dynamischer Analyse der heutigen Wirtschafts- und Politikstrukturen als marodierender und brandschatzender Finanzspekulations- und -anlagenbetrugsfeudalstaat.

    Kaum einer wird Deutschland im Jahre 2015 wiedererkennen, wenn der sich heute willkürlich und autokratisch gebärdenen Politrepräsentantenclique nicht ebenso Einhalt geboten wird, wie dies zwischzen 1987 und 1989 mit der stalinisitschen Kaderfunktionärclique von den Ossis durchgezogen wurde.

    Schlussendlich sind wir das Volk, auch wenn das Volk üblicherweise die Melkkühe der Kaderfunktionäre repräsentiert.

  5. winnermobil - Auch Christen sind egoistisch, und zwar gar nicht wenig. Schauen Sie mal in die politischen Ortsgruppen, wie man sich um die Pöstchen rangelt! Vorteilsdenken und Ellbogenhandeln, fehlende Demokratie, stattdessen vorgesetzte Entscheidungen, alles weit verbreitet. Auch der Nichtchrist kann sozial und liberal handeln, das darf man nicht vergessen, nur es braucht die Gesellschaft dazu. Und was uns vorgelebt wird in der Volksvertretung zeigt, dass soziales Denken, Liberalität, Gerechtigkeit und Realitätsnähe oft anders ausgelegt werden.

    • ADoria
    • 21.03.2010 um 21:57 Uhr

    … christdemokratischem Verständnis funktioniert so, dass man sich die Wähler in einer Abhängigkeit hält und somit zu einer auf wohltäterische Sozialpolitik angewiesenen Mündel degradiert. In einem System, in dem die Hälfte aller Haushalte einkommenssteuerfrei überlebt, ist eine unheilige Allianz zwischen Wohlfahrtsparteien und Wohlfahrtsempfängern entstanden. Kein Wunder, dass die Mehrheit einer Steuersenkung skeptisch gegenübersteht, sie zahlt ja auch nicht. Nur ganz langsam stößt diese Methode an ihre Grenzen. Die „Volksparteien“ haben so viele Abhängige geschaffen, dass die Basis derer, die das ganze Theater bisher bezahlen durfte, langsam aber stetig immer kleiner wird. Die in ihre Gemeinschaft mit seinen Mitmenschen gestellte Persönlichkeit entpuppt sich als die gegängelte und bevormundete Kreatur, die auf die milden Gaben der Politik angewiesen ist, damit sie nicht völlig unter die Räder kommt.
    Das Christentum stand nie für Freiheit, sondern immer für Bevormundung. Insofern bleibt sich die CDU treu. Die dem Wahlvolk propagierte christliche Nächstenliebe und christliches Menschenbild ist Blödsinn. Es waren in ihren klerikalen Ansichten verhaftete Landesfürsten, die die Landesbanken gegen die Wand gefahren haben und nun in ihrem christlichen Menschenbild den Steuerzahler zur karitativen Mitarbeit erpresst. Mein Tipp, wenn die CDU wieder genug gepfuscht hat, ist die Eigenkapitalquote des Mittelstandes wieder weiter gesunken.

    • ADoria
    • 21.03.2010 um 22:02 Uhr

    Wer in einem solchen Schafbrief 27 mal das Wort Freiheit missbraucht, der ist verdächtig.

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    • keox
    • 22.03.2010 um 17:44 Uhr

    nichts ist so kalt wie die christliche Nächstenliebe.

    • keox
    • 22.03.2010 um 17:44 Uhr

    nichts ist so kalt wie die christliche Nächstenliebe.

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  • Quelle DIE ZEIT, 18.03.2010 Nr. 12
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  • Schlagworte CDU | FDP | Caritas | Hermann Gröhe
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