DDR-Volkskammerwahl Wir haben frei gewähltSeite 2/2
Deshalb ist der 18. März 1990 doch ein gesamtdeutscher Tag. Er legte das Gleis zur Einheit. Er revidierte den 30. Januar 1933, von dem, durch Hitlers Machtbestallung, Krieg und deutsche Teilung ihren Ausgang nahmen. Zugleich bleibt der 18. März 1990 der ostdeutsche Geburtstag staatsbürgerlicher Individualität. Er datiert, dem Bananenmann zum Trotz, die erste demokratische Selbstverortung des Ostens. Eine politische Klasse ist dort nicht entstanden. Das Wir-sind-das-Volk zerbröckelte in sehr verschiedene Menschen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann blieben sie das bis heute. Lothar de Maizière ist gerade 70 geworden. Jetzt lernt er Englisch.
- Datum 18.03.2010 - 06:42 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 18.03.2010 Nr. 12
- Kommentare 10
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Damals glaubten wir auch noch an den Weihnachtsman und, dass der Klapperstorch die kleinen babys bringt. Heute wissen wir es besser, leider noch nicht alle.
Seit wann sind 48,2% denn die Mehrheit?
Die Demonstration vom 4. 11.89 auf dem Alexanderplatz, offiziell von der sozialistischen Theatergewerkschaft veranstaltet, war von ungewohnter Meinungs- und Redefreiheit, lief aber nach einer Choreografie, die es auch Stasi-General Wolf und ZK-Chefpropagandist Schabowski ermöglichte, sich live im DDR-Fernsehen als Revolutionsredner zu versuchen. Gregor Gysi durfte ausgiebig seinen neuen Chef Egon Krenz loben und die Botschaft des Tages war, dass sich einiges im Lande ändern müsse, das wichtigste jedoch der Erhalt des Sozialismus’ sei. Der Berliner Historiker I. S. Kowalczuk hat nachgewiesen, dass die Teilnehmerzahl keineswegs eine halbe Million betrug, sondern unter 200 000 lag (Endspiel – die Revolution von 1989, C.H. Beck, München 2009, S. 452)! Die Entscheidung über das Ende der DDR fiel am 9. Oktober in Leipzig, als 70 000 Demonstranten die SED unter Lebensgefahr zwangen, auf militärische Gewalt zu verzichten und sie als Dialogpartner und nicht als Kriminelle zu behandeln. So wurde ermöglichte, dass man in Berlin schließlich ohne Todesangst auch einmal demonstrieren konnte. In Leipzig waren es schon am 16. Oktober etwa 100 000 SED-Gegner, jeweils 300 000 am 23. und 30. Oktober und fast 500 000 am 6. November 1989! Die freien Wahlen sind Ergebnis der Leipziger Demonstrationen. Der 4.11.89 hat damit herzlich wenig zu tun, auch wenn er für Berliner Verhältnisse durchaus revolutionär war und deshalb manchem aus der Bauchnabelperspektive als epochal erscheint.
genau so sieht es naemlich aus.
vergessen sie den 4.11.89
genau so sieht es naemlich aus.
vergessen sie den 4.11.89
daß Sie zu diesem wichtigen Jahrestag einen Kommentar geschrieben haben. An dem 'lebhaften Echo' können Sie erkennen
wie weit sich die Geschichtsvergessenheit und Geschichtsgleichgültigkeit im ZEIT-Umfeld ausgebreitet hat.
Wenn Sie mich fragen, suchen Sie sich bitte ein anderes Umfeld. Ich habe die ZEIT nach knapp 20 Jahren im vergangenen
Jahr abbestellt.
genau so sieht es naemlich aus.
vergessen sie den 4.11.89
Ok, bischen sehr reißerische Überschrift. Gebe ich ja zu.
Aber meine Einschätzung von gestern war offensichtlich zutreffend. Persönlich habe ich meine Entscheidung betreff wöchentlicher Lektüre längst getroffen.
Ich habe zur Jungen Freiheit gewechselt. Da hat z.B. Thorsten Hinz alle Freiräume, die für einen Qualitätsjournalismus erforderlich sind. Die Kommentare von Herrn Dieckmann werden mir allerdings fehlen.
Von der Diktatur des Proletariats zur "Bananenrepublik" - ein kleiner Schritt an die Wahlurne, der zu einem großen "Bauchklatscher" für viele Ostdeutsche wurde.
Warum ist die SPD verröchelt? Weil Oskar Lafontaine die Ostbüreger damals hasste, weil sie seinem Lieblingsziel, dem Sozialismus nicht mehr treu waren! Er war gegen die Einheit und später auch gegen die polnischen Fremdarbeiter.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren