Meinhard Miegel An die ElitenSeite 3/3
Auch diese Zeilen klingen vertraut. Diese Art der Zivilisationskritik, des Verzweifelns an der gesellschaftlichen Moderne hat man schon des Öfteren gelesen. Die amerikanischen Kommunitaristen haben sie seit den achtziger Jahren formuliert und einige kritische Sozialwissenschaftler in Europa, und auch Konservative wie zum Beispiel der Verfassungsrichter Udo Di Fabio (Die Kultur der Freiheit) haben die Schäden der Moderne hervorgehoben .
Das Neue an Meinhard Miegels Buch ist, dass er zweierlei zusammenführt: die umweltorientierte Kapitalismuskritik mit dem wertorientierten Kulturpessimismus einer erschöpften Gesellschaft. So wird sein Text zur ökologisch-konservativen Begegnungsfläche, zur schwarz-grünen Koalition zwischen Buchdeckeln. Und ganz nebenbei offenbart er auch, wo die Schwächen einer solchen Farbmischung liegen: in der Suche nach Lösungen nämlich.
Während Miegels grüne Vorgänger im Bemühen um eine Wirtschaft ohne Wachstum mitunter Szenarien entwarfen, die an Science-Fiction erinnerten, begnügt sich Miegel damit, Begriffe zu zitieren, die selbst in der Neujahrsansprache des Bundespräsidenten kaum auffallen würden. Hier offenbart er sich als typischer Konservativer, dem es schwerfällt, in Utopien zu denken.
Die Länder des Westens brauchten mehr privates Engagement, schreibt er, denn die heutigen Sozialleistungen seien künftig nicht mehr zu finanzieren. Sie benötigten mehr Sinn für kulturellen statt monetären Reichtum, damit die Leute begriffen, »welche geringen materiellen Mittel der Mensch zu einem erfüllten Leben braucht«. Und natürlich müssten die Kinder und die Eltern und die Großeltern einander näherkommen, müssten künftig die Wärme und Geborgenheit erzeugen, die eine Flucht in die Scheinwelt des Konsums unnötig macht.
Schön. Kann sicher nicht schaden. Aber lässt sich damit ein neues Zeitalter beginnen?
Ohne Wirtschaftswachstum gingen früher oder später Tausende von Unternehmen pleite, Millionen von Arbeitsplätzen wären in Gefahr, die Kluft zwischen oben und unten ließe sich nicht mehr mit dem Versprechen kaschieren, dass ja auch die Armen mit der Zeit wohlhabender würden. Der Kapitalismus verlöre seinen Motor. Die Folge wäre eine Transformation, die weit über die Umwandlung des sozialistischen Blocks in eine Welt des Marktes hinausgeht. Und das alles soll sich mit ein wenig familiärer Wärme und sonstigem Gedöns bewerkstelligen lassen?
Miegel fordert den Verzicht auf Unnötiges. Er schreibt: »Wie oft ist einer Frau zuzumuten, dieselbe Festrobe zu tragen? Ist es imageschädigend, wenn sich Begüterte gelegentlich in Second-Hand-Shops umtun? Muss das Auto wirklich so viele Kilowatt haben? Verdient der Fernreisende größere Bewunderung als derjenige, der nahe gelegene Urlaubsziele ansteuert?«
Das sind Fragen, die nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus sozialpolitischer Sicht sehr interessant sind. Denn der durchschnittliche Hartz-IV-Empfänger, der sich keine Interkontinentalflüge leisten kann und auch sonst eher immobil ist, verhält sich rein umweltmäßig durchaus vorbildlich, gezwungenermaßen. Wie aber will Miegel die Manager, Unternehmer und Politiker, denen er bei Konzernbeiratssitzungen, Symposien und Vorträgen regelmäßig begegnet, zu dem Verzicht bewegen, den er durch schöne Worte nahelegt? Durch Verbote? Umweltsteuern?
Oder nur durch noch mehr schöne Worte? Das wären interessante Fragen gewesen.
- Datum 01.04.2010 - 14:41 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.03.2010 Nr. 12
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Die Lösung, die sich unterschwellig in dem Text kundtut, die gleichwohl nicht mein favorit ist, scheint recht simpel zu sein. Unten sparen, damit oben alles wie gehabt weiter gehen kann.
"Unten sparen, damit oben alles wie gehabt weiter gehen kann."
... mit solchen "Pamphleten" wird die "untere Gesellschaft" allmählich darauf vorbereitet, dass sie von den Reichen keine Hilfe mehr zu erwarten hat, dass sie auf Fernseher und Reisen in Zukunft verzichten muss - und all das der "Umwelt zuliebe".
Ich habe Miegel anders verstanden.
Er fordert mehr privates Engagement, um die langfristig vom Staat nicht mehr finanzierbaren Sozialleistungen zu erstzen.
Er nimmt also quasi die "obere Schicht" in die Pflicht, sich im Einklang mit John Rawls Theorie der fairen Gesellschaft mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln der Schwächeren anzunehmen.
Meinen Segen hat diese Theorie.
"Unten sparen, damit oben alles wie gehabt weiter gehen kann."
... mit solchen "Pamphleten" wird die "untere Gesellschaft" allmählich darauf vorbereitet, dass sie von den Reichen keine Hilfe mehr zu erwarten hat, dass sie auf Fernseher und Reisen in Zukunft verzichten muss - und all das der "Umwelt zuliebe".
Ich habe Miegel anders verstanden.
Er fordert mehr privates Engagement, um die langfristig vom Staat nicht mehr finanzierbaren Sozialleistungen zu erstzen.
Er nimmt also quasi die "obere Schicht" in die Pflicht, sich im Einklang mit John Rawls Theorie der fairen Gesellschaft mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln der Schwächeren anzunehmen.
Meinen Segen hat diese Theorie.
Vieleicht hat der Mann ja bei Karl Marx abgeschrieben. Diese Erkenntnis ist so alt wie der Kapitalismus. Und die Umsetzung dieser richtigen Erkenntnis heisst schlicht und ergreifend, Überwindung des Kapitalismus. Ob er das wirklich will, darf bezweifelt werden. Gehört er doch zur privelegierten Klasse dieses Systems. Es ist einfach, von allen anderen Verzicht zu fordern, wenn man selbst an den Fleichtöpfen der Macht sitzt.
Wachstum und nochmals Wachstum macht unsere Umwelt : Erde, Wasser, Luft kaputt. Es ist vollkommen richtig
Herr Miegel, ein anderer Wohlstand muss her.
Irgendwann wird es wohl kommen, dass unsere Meere, Luft und Boden versaut sind.
Doch irgendwie ist de Todesengels des Irrsinn des Vernichtens zum normalen Alltag geworden bei uns auf der Erde.
Wissenschaftler der Erde hier ist Euer Forschungsgebiet
um ein neues System herbeizuschaffen.
„Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluß vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werdet ihr feststellen,
daß man Geld nicht essen kann.‘‘
"Wachstum und nochmals Wachstum macht unsere Umwelt : Erde, Wasser, Luft kaputt. Es ist vollkommen richtig."
Nein falsch. Was die Umwelt kaputt macht ist: "nicht nachhaltiges Wachstum", produziert vom Turbokapitalismus, ermöglicht durch bedingungslosen Freihandel und Kapitalfreizügigkeit.
"Wissenschaftler der Erde hier ist Euer Forschungsgebiet
um ein neues System herbeizuschaffen."
Ideen gibts genug, nur haben unsere "Eliten" natürlich keinerlei Interesse daran. Davon abgesehen reicht ordentliche Demokratie, die Bevölkerung hat nämlich idR kein Interesse an einer Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen. Nur neigen unsere Pseudodemokratien leider zu einer gewissen Korrumpierbarkeit. Daher auch die Entmachtung der Bürger durch die Hintertür: WTO, EU, IWF usw.
„Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluß vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werdet ihr feststellen,
daß man Geld nicht essen kann.‘‘
"Wachstum und nochmals Wachstum macht unsere Umwelt : Erde, Wasser, Luft kaputt. Es ist vollkommen richtig."
Nein falsch. Was die Umwelt kaputt macht ist: "nicht nachhaltiges Wachstum", produziert vom Turbokapitalismus, ermöglicht durch bedingungslosen Freihandel und Kapitalfreizügigkeit.
"Wissenschaftler der Erde hier ist Euer Forschungsgebiet
um ein neues System herbeizuschaffen."
Ideen gibts genug, nur haben unsere "Eliten" natürlich keinerlei Interesse daran. Davon abgesehen reicht ordentliche Demokratie, die Bevölkerung hat nämlich idR kein Interesse an einer Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen. Nur neigen unsere Pseudodemokratien leider zu einer gewissen Korrumpierbarkeit. Daher auch die Entmachtung der Bürger durch die Hintertür: WTO, EU, IWF usw.
der letzte wahre Konservative.
Konservative heute propagieren unter dem Deckmantels des "C"'s in "CDU" Dinge, die noch nie christlich oder konservativ waren, oder je sein werden.
Und das ist es auch, was den Kapitalismus vergiftet hat.
Sowas nennt man Altersüberdruss und ist ganz normal. Ich konsumiere mit über 40zig auch nicht mehr so gerne wie mit Mitte 20zig. Wenn man alt wird, so wird man auch tendentiell gelassener, konservativer, aber auch oftmals misssmutiger. Hat was mit altersbedingten Stoffwechselveränderungen im Gehirn zu tun. So lebenslustig und unbeschwert fröhlich wie ein 3jähriges Kind, dass quietschend vor Freude auf dem Bett rumhüpft, dass ist man halt nur in der Zeitspanne zwischen dem 2ten und dem 4ten Lebensjahr und dann nie wieder. Da ist halt des Lebens Lauf. Müssen sie sich mit abfinden, Herr Miegel.
Habe gerade gestern noch äußerst lebenslustig herumgequietscht, junger Mann - und ich bin zwar noch nicht 90, aber eindeutig in den höheren Semestern... Bis ich Ende dreißig war, habe ich außerdem ziemlich lustig weitgehend konsumfrei gelebt.
Vielleicht ist doch nicht alles "Natur", was einem gerade selbst "normal" scheint, oder?
Habe gerade gestern noch äußerst lebenslustig herumgequietscht, junger Mann - und ich bin zwar noch nicht 90, aber eindeutig in den höheren Semestern... Bis ich Ende dreißig war, habe ich außerdem ziemlich lustig weitgehend konsumfrei gelebt.
Vielleicht ist doch nicht alles "Natur", was einem gerade selbst "normal" scheint, oder?
"Unten sparen, damit oben alles wie gehabt weiter gehen kann."
Wer sich, in der momentanen Phase als
"Berater eines von der Deutschen Bank finanzierten Forschungsinstituts"
gegen Wirtschaftswachstum ausspricht, der versucht nur von dem eigentlichen Problem abzulenken und die Krise auf ein marktwirtschaftliches Instrument abwälzen.
Denn Marxismus wird es in der freien Marktwirtschaft nicht geben.
"...mehr privates Engagement..." und diese "...die Sozialleistungen sind nicht mehr zu finanzieren..." dröhnen aktuell aus beinahe jedem Medium als alleinseligmachendes Ziel zu einem besseren Leben... Gerade dort wird aber fleissig weiter an einem der Fundamente gebaggert die meines Erachtens moderne und fortschrittliche Gesellschaftstrukturen auszeichen. Nebst etlichen anderen Dingen wie bezahlbare und lebenswerte Kultur, Wohnraum, Lebensraum, Bildung die eben, moderne und fortschrittliche Gesellschaftsformen auszeichnen. Klar ist auch das durch die aktuell angewendeten Steuer und Anreizsysteme in vielen Ländern die anhängige Arbeit bestraft wird, der Kapitaleinsatz aber gefördert und im übermass belohnt wird. Der "trickle down" Effekt sollte theoretisch diese Einseitige Begünstigung bei weitem aufheben doch man hat die Steueroptimierungssysteme i.e. Steueroasen "vergessen". Doch da war nichts und es kommt auch nichts... im Gegenteil. Die Armen sind noch nicht Arm genug und die Reichen noch nicht Reich genug. Soll tatsächlich jeder wieder auf sich selbst schauen (steuern wir mit der akteullen EU Verfassung nicht genau in diese Richtung?) so lässt sich sagen das genau dies bereits vorhanden war und es Generationen gedauert hat sich daraus zu befreien. Schon vergessen? Sehr wahrscheinlich schon, hört man sich so an was da an Oekonomisch/ Gesellschaftlichem Unsinn verbreitet wird. Es bleibt die Erklärung schuldig warum Sozial- und Rentensystem maximale Profite abwerfen müssen?
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