Internationale Kritik Biedermeier-Syndrom
Wilhelm Zwo ist out, aber nicht deutsche Verantwortungspolitik. Dass Merkel nicht führen will, ist typisch für das moderne Europa.
Newsweek und Economist haben den Deutschen zu Ostern zwei geknickte Eier ins Nest gelegt. »Warten auf Merkel: Warum Deutschland nicht führen will« steht auf dem amerikanischen Titel, das britische Blatt pikst etwas sanfter: "Die EU verdankt der deutschen Führung eine ganze Menge. Wenn die wegfällt, leidet der Club – und Deutschland ist der größte Loser."
Ein »linkshändiges« Kompliment, wie man auf Angelsächsisch sagt – mit eingebautem Stachel. Die Nummer eins in Europa möge sich doch so verhalten, wie Onkel Ben es dem Ziehsohn Spider-Man zuflüstert: "Mit großer Macht kommt große Verantwortung." Das ist richtig, schönt aber die Realität in Deutschland, ja in Europa.
Diese EU bringt zwar 18 Billionen Dollar BIP auf die Waage; das ist ein Viertel mehr als Amerika und dreimal mehr als Japan oder China. Die EU hat so viele Soldaten wie die USA, etwa 1,5 Millionen, und 200 Millionen mehr Bürger. Aber: Dieses Europa, einst ein Kontinent der Krieger und Eroberer, ist genauso wenig wie Deutschland ein strategischer Player.

ist Herausgeber der ZEIT. Von 2001 bis 2004 war er auch ihr Chefredakteur, gemeinsam mit Michael Naumann. Davor leitete er das außenpolitische Ressort der Süddeutschen Zeitung. Weitere Texte von ihm finden Sie hier
Das ist gewollt, und Deutschland ist zum ersten Mal in der Moderne nicht Sonderweg, sondern Mainstream – weshalb die Anglos auch nicht zögern, den »Hunnen« die Führung anzutragen. Sie bedrängen Frau Merkel, übersehen aber das Strukturelle an der Sache, das zugleich deutsch und europäisch ist. Deutschland will nicht führen, und das hat gute Gründe.
Merkel verkörpert keine persönliche Marotte, sondern eine nationale, ja europäische Befindlichkeit. Das Feuer des Nationalismus ist ausgebrannt, Macht ist auf dem Alten Kontinent bis zur Unkenntlichkeit zerkleinert und ausbalanciert worden – kein Wunder nach einem totalitären 20. Jahrhundert. Gesteuert wird höchstens zwei, drei Grad nach rechts oder links; mehr produziert exponentiellen Widerstand. Politik, wie Schröder aus Hartz IV gelernt hat, kann nicht führen, sondern muss austarieren.
Wie zu Hause, so in der Welt. Deutschland ist so einwärts gekrümmt wie der Rest, auch wenn es mit China die höchste Exportquote der Welt unter den Großen hat. Doch Händler sind keine Helden, um Werner Sombarts berüchtigtes Werk von 1915 aufzugreifen. Deutschland will gut Freund mit jedermann sein, und deshalb macht das Land der Mitte eine Politik der Mitte: europäisch und atlantisch, West und Ost, Klima und Kundus – aber nie zu viel, nie zu weit.
Wie sollte es anders sein, wenn Politik zu 90 Prozent Verhandlungsprozess ist? Die Zeit der Bismarcks und Bonapartes ist vorbei. Außerdem: Was gibt es da draußen eigentlich zu gewinnen, jedenfalls so lange, wie Amerika auf dem Balkan eingreift, Iran und Nordkorea eindämmt, die Taliban zurückdrängt und das Überkochen des Hexenkessels Nahost verhindert?
Und doch liegen die Kritiker nicht falsch. Es ist das Eigeninteresse, das Verantwortung gebietet. Ohne Stabilitätspolitik "made in Germany" kein Euro, ohne Freihandel keine Exportüberschüsse; ohne Konfliktbeherrschung "weit, hinten, in der Türkei" keine Friedensinsel Europa. Es muss ja nicht gleich Bismarck sein, aber Biedermeier ist ein Möbel, keine Strategie.
- Datum 19.03.2010 - 06:52 Uhr
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- Serie Zeitgeist
- Quelle DIE ZEIT, 18.03.2010 Nr. 12
- Kommentare 52
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das ist ja historisch nun völlig daneben, und keineswegs ein Synonym.
Natürlich ist "Hunnen" historisch falsch, allerdings trotzdem ein üblicher Schmähbegriff für die Deutschen im Angelsächsischen Raum. Wurde soweit ich weiß vor allem während den Weltkriegen geprägt.
Die Bezeichnung haben wir Kaiser Wilhelm II. zu verdanken, seit dem ersten Weltkrieg sind wir in der britischen Boulevardpresse "the Huns". Das gehört aber doch eigentlich zu Allgemeinbildung, oder nicht? Mehr dazu bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/w...
Gar nicht so falsch…
…bezieht sich der Autor doch gerne auf die Geschichte und im Zusammenhang mit „Wilhelm Zwo“ ist das Wort Hunne ja nicht verkehrt.
Wurde doch den Deutschen durch Wilhelms „Hunnenrede“
am 27. Juli 1900 (Boxeraufstand), ihr böses Gesicht aufgesetzt – entstand der Schmähbegriff im Angelsächsischen
Aber ein wenig möchte Herrn Joffe widersprechen.
Das Volk würde einen Politiker mit dem Format eines Bismarcks begrüßen, jemand der die Zügel in die Hand nimmt.
Dieser könnte aber nicht mehr mit den Parteien spielen, wie es einst Bismarck tat.
Er nutzte die Parteien, wie er sie gerade brauchte, egal welcher Couleur. Er hat sie belächelt.
Aber auch ein Bismarck würde in der heutigen Politik verweichen und aufgerieben. Die findet man heute eher in den Führungsetagen der Wirtschaft.
Ich würde ein solches "Feindbild" aber dennoch begrüßen, weit eher als unsere Wischi-Waschi Politiker von heute...
Natürlich ist "Hunnen" historisch falsch, allerdings trotzdem ein üblicher Schmähbegriff für die Deutschen im Angelsächsischen Raum. Wurde soweit ich weiß vor allem während den Weltkriegen geprägt.
Die Bezeichnung haben wir Kaiser Wilhelm II. zu verdanken, seit dem ersten Weltkrieg sind wir in der britischen Boulevardpresse "the Huns". Das gehört aber doch eigentlich zu Allgemeinbildung, oder nicht? Mehr dazu bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/w...
Gar nicht so falsch…
…bezieht sich der Autor doch gerne auf die Geschichte und im Zusammenhang mit „Wilhelm Zwo“ ist das Wort Hunne ja nicht verkehrt.
Wurde doch den Deutschen durch Wilhelms „Hunnenrede“
am 27. Juli 1900 (Boxeraufstand), ihr böses Gesicht aufgesetzt – entstand der Schmähbegriff im Angelsächsischen
Aber ein wenig möchte Herrn Joffe widersprechen.
Das Volk würde einen Politiker mit dem Format eines Bismarcks begrüßen, jemand der die Zügel in die Hand nimmt.
Dieser könnte aber nicht mehr mit den Parteien spielen, wie es einst Bismarck tat.
Er nutzte die Parteien, wie er sie gerade brauchte, egal welcher Couleur. Er hat sie belächelt.
Aber auch ein Bismarck würde in der heutigen Politik verweichen und aufgerieben. Die findet man heute eher in den Führungsetagen der Wirtschaft.
Ich würde ein solches "Feindbild" aber dennoch begrüßen, weit eher als unsere Wischi-Waschi Politiker von heute...
...bräuchten in der Tat mal wieder eine wirklich starke, charismatische und doch weise Führungspersönlichkeit (im demokratischsten Sinne), die die Kernproblematik in unserem Land (Schulden, Bildung, Soziales) mit viel Engagement, viel Rückendeckung und auch einer gewissen Rücksichtslosigkeit angeht, auf das endlich mal vom Altpräsidenten besagter "Ruck" durch unser Land geht. Das Rumgeeier und "Gebiedermeier" von Frau Merkel kann ich - parteineutral betrachtet - echt nicht mehr sehen!
Ich kann Ihnen nur zustimmen. Und ich glaube auch nicht, dass sie nicht will. Das mag aus irgendwelchen verschwurbelten Gründen vorschiebefähig sein. Aber am Ende kann sie's einfach nicht. Zum Glück werden Politiker nur auf Zeit gewählt.
Ich kann Ihnen nur zustimmen. Und ich glaube auch nicht, dass sie nicht will. Das mag aus irgendwelchen verschwurbelten Gründen vorschiebefähig sein. Aber am Ende kann sie's einfach nicht. Zum Glück werden Politiker nur auf Zeit gewählt.
Und so wie wir heute die ach so bitteren Kosten der wahn-visionären geistig-moralischen Wende der Herren Kohl und Genscher in der Form der vom Parlament der Deutschen so vehement herbei regierten und gesetzlich geregelten kannibalkapitalistischen Finanzspekulations- und –anlagenbetrugswirtschaft immer radikaler beklagen, so dramatischer und radikaler inszenieren sich die Erben und Nachfolger der geistig-moralischen Wende als die neuen Feudalherrschaften der neuen deutschen Besitzfeudal-gesellschaft.
Wer wissen will, wie ein Besitzfeudalstaat sich identifiziert, d.h. also „outet“, der schlage im Statistischen Jahrbuch 2008 nach. Dort findet sich die amtliche Information, dass im Jahre 2007 weniger als 15% aller deutschen Privathaushalte über mehr als 85% aller Privatvermögen verfügen. Damit ist der Zustand einer Feudalgesellschaft manifest.
Da hilft kein Jammern und kein Klagen, denn dieses gesellschaftspolitische Verbrechen ist begangen und ein Faktum. Dass dies nicht nur den Leistungsträgern Kohl und Genscher und deren Helfershelfern und Herolden zu danken ist, ist ebenfalls ein Faktum. Die Gruppe Schröder-Fischer, die sich der Alphatierphilosophie so verschrieben haben, wie Dr. Faust seine Seele dem Teufel verkauft hat, nun, dass wissen wir selbst dann, wenn wir das, wie so viele Gutmenschen und Biederfrauen und -männer immer noch nicht wahrhaben wollen.
Übrigens ist das der gleiche Trick, mit dem die wohl doch in die vielen Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen gehenden sexuell, emotional, geistig und physisch missbrauchten Kinder in diesem „Deutschland“ mit der 3-Affen-Politik so wunderbar „weg gezaubert“ wurden.
[...].
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen und halten Sie sich an die Netiquette. Die Redaktion/vv
Man fühlt sich in eine andere Welt versetzt, in der eben ein Hund nicht ein Hund, ein Pferd kein Pferd und ein Betrug kein Betrug ist, sondern dass, was gerade in das Konzept jener Lobbygruppen passt, die scheinbar vom Zentralkomitee der Leistungsträger nach der Regie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft von unseren Besitzstandfeudalherren und –damen gefordert ist, damit dem Wohle des Deutschen Volkes gedient wird. Dumm nur, dass dass Volk, übrigens genau so wie in der Ostzone, die heutige Besitzstandselite und ihre Kaderfunktionäre in den sogen. „bürgerlichen Parteien“ ist.
Ja, da kommt wohl die nächste Überraschung für die Bevölkerung hoch. Dem strukturellen und systemischen Kindesmissbrauch folgt demnächst die Aufführung „Enthüllungen über den sozio-ökonomischen Machtmissbrauch im Parlamentarismus“
Une Angela M.?
Sie steht stellvertretend für diesen Komplex des parlamentarischen Machtmissbrauchs, so wie der Papst für den Machtmissbrauch seiner theokratischen Funktionäre, die ihre Macht und ihr Amt zur Schändung, seelischen Tötung und sexuellen Ausbeutung von Kindern und Schutzbefohlenen missbraucht haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und halten Sie sich an die Netiquette. Die Redaktion/vv
Ich kann Ihnen nur zustimmen. Und ich glaube auch nicht, dass sie nicht will. Das mag aus irgendwelchen verschwurbelten Gründen vorschiebefähig sein. Aber am Ende kann sie's einfach nicht. Zum Glück werden Politiker nur auf Zeit gewählt.
Eine wichtige Aussage vermisse ich in dem Artikel, der fast alle EU-Länder betrifft, den ständigen hypnotischen Blick über den Teich. Wenn Hamkon1 von der Feudalgesellschaft spricht, dannn hat er recht, aber bei uns ist das eine nachgemachte. Wie ist es denn in USA? Wir werden nicht mehr lange brauchen um völlig identisch zu sein. Aber dieser Prozess läuft doch bereits seit rund zwanzig Jahren und deshalb soll niemand sagen, dass es überraschend gekommen ist. Die Mittelschicht wird aussterben und die Volksvertreter, gleich welcher Farbe, schauen zu und steuern höchstens zwei, drei Grad nach links oder rechts. Wie heißt doch der Auftakt zu den Börsennachrichten? Warten auf die Vorgaben aus den USA.
Demokratie mag vielleicht das beste System sein,bloss seit
Jahren kommt in Deutschland ausser der Reform Hartz4 nichts
voran,genauso in der EU.Eine Poliik des Stillstands,die mit
Kompromissen belegt ist.Anstatt das Land und Europa voran
zubringen,wird immer mehr Bürokratie geschaffen,die Poli-
tiker heute kommen aus gutem Haus und kennen die Probleme
der Bürger nicht,zu dem steht die Wirtschaft immer im Vor-
dergrund,nie der Mensch!Ich kenne noch andere Politik,wo
Geld nicht die grosse Rolle spielte,heute wird nur noch
Wirtschaftlich gedacht.Ob Deutschland in Europa führen kann
oder sollte geht leider nicht,da die EU eine Staatengemein-
schaft ist,die sich nicht immer einig ist und auch die Kon-
kurrenten Frankreich und England wollen führen.Für mich
heisst Führung,ich bestimmte,wo es lang geht,das macht Ame-
rika mit seine 51 Staaten,aber in Europa funktioniert es
nicht.
´
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