50 Jahre Opec Im Griff der SpekulantenSeite 2/2
Aber nicht nur durch das Wiedererstarken alter (die Ölmultis) und das Aufkommen neuer Akteure (die Nicht-Opec-Produzenten) wurden die Karten auf dem Ölmarkt neu gemischt. 1988 wurde an der Londoner Börse das erste Future auf die Nordsee-Marke Brent gehandelt. Terminkontrakte, so Witte und Goldthau, bestimmten nun über den Ölpreis mit. Auf einem »liquiden, globalisierten Markt« war der Ölhandel fortan nicht nur von Produzenten und Konsumenten geprägt, sondern auch von den Finanzakteuren. Ölpreise waren also »von Erwartungshaltungen bestimmt, von Reflexionen über zukünftiges, vor allem auch spekulatives Verhalten«, schreiben die Autoren.
Das gilt bis heute. Ebenso sehr gilt aber auch, dass sich der Ölpreis nicht völlig von den »realen« Marktverhältnissen lösen kann. Dies ist der Grund dafür, dass die Opec, die Mitte der achtziger Jahre weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwand, zur Jahrtausendwende wieder auf die große Bühne zurückkehrte. Dort spielten mit unabhängig gewordenen Ländern wie Aserbaidschan oder Kasachstan inzwischen zwar weitere Produzenten mit, zugleich aber war der Ölbedarf durch den globalen Wirtschaftsboom stark angestiegen. 1990 hatte die Welt noch 66,8 Millionen Barrel Öl pro Tag verbraucht. 2007 waren es schon 85,2 Millionen. Und glaubt man den Projektionen der Internationalen Energieagentur, werden es 2030 über 105 Millionen Barrel sein.

Jan Martin Witte, Andreas Goldthau: Die OPEC Macht und Ohnmacht des Öl-Kartells; Hanser Verlag, München 2009; 295 S., 21,90 €
Trotz der in Zeiten des Klimawandels propagierten »Energiewende« wird Öl damit zwar relativ zu Gas oder erneuerbaren Ressourcen an Bedeutung verlieren, in absoluten Zahlen aber vorerst der weltweit dominante Energieträger bleiben. Der Ölmarkt sei auf absehbare Zeit »ein harter Anbietermarkt«, meinen Witte und Goldthau. Weil sich viele vergleichsweise leicht zugängliche Ölquellen langsam erschöpfen und der Zeitpunkt näher rückt, von dem an die weltweite Ölförderung kontinuierlich sinken wird, zeigt der Ölpreis also tendenziell weiter nach oben. Mitte 2008 erreichte er seinen vorläufigen Höchststand von 147,20 Dollar pro Barrel. Er dürfte noch höher steigen.
Wird die Opec davon profitieren? In den vergangenen Jahren haben die hohen Ölpreise den Ölmultis und den Öl produzierenden Nationen ungeheuer viel Geld in die Kassen gespült; auch in Zukunft werden die Opec-Staaten den Löwenanteil der globalen Ölvorkommen besitzen. Allerdings wird deren Förderung immer schwieriger und ihre Erschließung immer teurer. Zugleich bleiben Opec- und Nicht-Opec-Länder Konkurrenten um Marktanteile. Gegenwärtig ist Russland mit einer Tagesproduktion von über zehn Millionen Barrel das weltgrößte Ölförderland.
Das macht es weiter schwierig, die Ölpolitik zu koordinieren und den Ölpreis zu kontrollieren. Beides dürfte noch komplizierter werden, wenn der Irak seinen Platz als führender Ölproduzent zurückerobert. »Für Saudi-Arabiens unangefochtene Führerschaft in der OPEC könnte dies neue Konkurrenz bedeuten«, schreiben die Autoren. Und für die Opec insgesamt mehr Streit.
Witte und Goldthau haben ein lesenswertes Buch geschrieben. Ein wirklich bestimmender Machtfaktor im weltweiten Ölpoker, so ihre schlüssige Analyse, dürfte die Opec in Zukunft kaum noch sein. Das heißt nicht, dass das Kartell nicht hier und da den Gang der Weltpolitik beeinflusst – und sei es unbeabsichtigt. So war es Ende der Achtziger Jahre, als der rasante Ölpreisverfall dem sowjetische Imperium den letzten großen Schlag versetzte. »Michail Gorbatschows Perestroika war damit zum Scheitern verdammt«, urteilen die Autoren. Der Rest ist Geschichte.
- Datum 17.03.2010 - 12:12 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.03.2010 Nr. 12
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... für eine Regierung leicht. Wenn sie denn wöllte, was leider nicht der Fall ist.
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