Dresden Begrabene Mythen
In Dresden widerlegen Historiker die Legende von den Hunderttausenden Toten des 13. Februar 1945. Die Stadt hat ihre wahre Geschichte zurück
Als sie das erste Skelett fanden, glaubten die Bauarbeiter an ein Verbrechen. Erschrocken riefen sie die Polizei. Schicht für Schicht legten deren Spezialisten den verfüllten Keller in Dresdens Scheffelgasse frei. Stunden später hatten sie die Überreste von vier Körpern geborgen. Deren Lage deutete darauf hin, dass diese Menschen tatsächlich keinen leichten Tod gefunden hatten. Wie Gerichtsmediziner bald feststellten, handelte es sich nicht um Opfer eines Mordes, sondern des Krieges. Es sind die bislang letzten geborgenen Toten der Bombenangriffe vom 13. Februar 1945. Wahrscheinlich rangen sie nach Luft, während oben der Feuersturm tobte und allen Sauerstoff aus den Kellern sog. Die vier erstickten qualvoll wie Tausende um sie herum. Anders als bei den übrigen Opfern entging ihr Grab den Bergungstrupps und später den Bauarbeitern, die es verfüllten und darüber das neue Dresden errichteten. Sie bleiben verschollen, bis zu jenem Juli 2009.
Die Toten von der Scheffelgasse sind die letzten, die Eingang fanden in die Statistiken einer Untersuchungskommission, wie sie in der Geschichte der historischen Forschung wohl einzigartig ist. 2004 berief Dresdens damaliger Oberbürgermeister ein Gremium aus Historikern, Archivaren, Ingenieuren, Archäologen und Technikern unter der Leitung von Rolf-Dieter Müller, Chef des Militärgeschichtlichen Forschungsamts der Bundeswehr. Sie sollten die genaue Zahl der Menschen ermitteln, die während der alliierten Luftangriffe am 13. und 14. Februar 1945 ums Leben kamen. Gestern präsentierten die Fachleute ihr Ergebnis. Demnach fanden mindestens 18.000 und höchstens 25.000 Menschen den Tod. »18.000 Opfer konnten namentlich ermittelt werden«, sagt Rolf-Dieter Müller, »bei 2000 Opfern ist die Zuordnung problematisch. Auf die übrigen 5000 können wir nur rückschließen aus der Kapazität des Dresdner Heidefriedhofs, die nach einer solchen Katastrophe sicherlich voll ausgenutzt werden musste.«
Dass dieses Ergebnis ebenso Erleichterung wie Verärgerung hervorrufen wird, und zwar aus dem gleichen Grund, ist abzusehen. Denn die Wissenschaftler befreien mit ihrer Arbeit eine historische Katastrophe, die wie keine andere das kollektive Gedächtnis und Selbstverständnis der Dresdner geprägt hat, vom Ballast vieler Mythen und Legenden. Die hartnäckigsten besagten, bei den Luftangriffen seien 200.000 bis zu einer halben Million Menschen gestorben, obgleich es für die Zahlen niemals stichhaltige Anhaltspunkte gab. Sie fußen lediglich auf bewusst übertriebenen Darstellungen der NS-Propaganda und von Ideologen des Kalten Krieges sowie auf einer gänzlich substanzlosen Schätzung des Roten Kreuzes von 1946 auf über 275.000 Opfer.
Menschlich ist das Verlangen nach derart ausufernden Dimensionen verständlich. Wer ein solch traumatisierendes Ereignis übersteht und mit dem Verlust vieler Angehöriger leben muss, greift oftmals nach möglichst unfassbaren Zahlen, um das für ihn Unfassbare überhaupt in Worte fassen zu können. Erst recht, da der Mythos von der angeblich »sinnlos zerstörten« und »unschuldigen Kunst- und Kulturstadt« weltweit Bestätigung erfährt und Dresden längst das Synonym für die Schrecken des Bombenkriegs schlechthin ist. Schon im Vorfeld wurde der Kommission vorgeworfen, sie rechne die wahren Zahlen aus Liebedienerei gegenüber Briten und Amerikanern herunter und – der populärste und törichteste Vorwurf – »verhöhne die Opfer«.
Welche Gefahren die Überhöhung der Totenzahlen birgt, zeigen jedes Jahr zum 13. Februar die »Trauermärsche« der Rechtsextremisten durch Dresden. Sie propagieren ein revisionistisches Geschichtsbild, das alliierte Massenmorde benötigt, um deutsche Kriegsgräuel zu relativieren. Und je mehr Opfer man den Alliierten unterstellt, umso plausibler scheint das perfide NPD-Wort vom »Bombenholocaust«. Dies und die weltweit übertragenen »Trauermarsch«-Bilder sorgten dafür, dass Dresden nicht mehr nur als Chiffre für die Schrecken des Bombenkrieges gilt, vielmehr auch als Hort des Revisionismus.
- Datum 17.03.2010 - 15:18 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.03.2010 Nr. 12
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Eine dieser Kommissionen bei denen das Ergebnis schon vorher feststeht, oder hat irgendjemand mit einem anderen Ergebnis gerechnet ? Jetzt sind es also "nur" noch 18.000 Opfer, außerdem wird festgestellt, dass es keine Tieffliegerangriffe gab und die Stadt nicht mit Flüchtlingen überfüllt war.Ich weiß ja nicht welche Zeugenberichte sich die Kommission angeschaut hat, aber alleine mir sind zahlreicht, auch aus dem persönlichen Umfeld, bekannt, die besagen, was für mehr als 50 Jahre historische Wahrheit war: Die Stadt war überfüllt mit Flüchtlingen und es hat Tieffliegerangriffe gegeben !
Wie kann die Kommission sicher ausschließen, dass die Temperaturen nicht hoch genug waren um Menschen soweit zu verbrennen, bis sie nicht mehr als Menschen zu erkennen waren ? Was ist mit all den vorigen Schätzungen und Zählungen? Natürlich allesamt völlig substanzlos... Bomber Harris wurde in London ein Denkmal gesetzt - vielleicht wäre es Zeit für ein zweites in Berlin, jetzt, wo wir endlich geschichtlich erleuchtet sind !
Sind wir jetzt kenntnisreicher über die Verbrechen und die Leiden des Krieges? Spielt es eine Rolle, ob in der wehrlosen Stadt 25.000 oder 250.000 Kinder, Frauen und alte Leute sinnlos gemordet wurden? Kommt es auf Zahlen an oder ist die Bombardierung der Stadt per se ein Verbrechen gewesen? Was sollen die Hinweise auf Kriegsschuld und Deportation? Ist ein nicht-jüdisches Leben weniger Wert als ein jüdisches?
Ich denke, es ist an der Zeit, dass eine neue Historikergeneration entsteht, mit weniger Sorge um "political correctness", dafür mit wahrem Interesse an den Leistungen und dem Leben früherer Generationen.
630 000 Einwohner Dresdens 1-200 000 Flüchtlinge. 650 000 Bomben der Allierten. Und dann nur 25 000 Tote? Wo sind die Bomben hingefallen?
Wir haben in der Familie eine Zeitzeugin, die versucht hat am 14.2. von Neustadt aus ins Zentrum Altstadt zu gelangen.
Da war nichts mehr geordnet. Da hat keiner registriert! Das sassen Leute in Strassenbahnen, den hatte es die Lunge aufgerissen. keiner hat sich für deren Papiere interessiert.
Was soll das eigentlich? Das zur nächsten Wahl die NPD wierder mehr Stimmen bekommt?
Diese heutigen Lügenpolitiker mag man ja auch nicht mehr wählen!
sollten Sie von der Einwohnerzahl Dresdens diejenigen abziehen, die vor dem 13.02.1945 geflohen waren. - Das lindert sicherlich nicht das Leid des Einzelnen, verhindert aber Mythenbildung. -
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