Parfum: Männlichkeit aus der Flasche
Jahrelang waren Frauenparfums süß und fruchtig. Nun wagen sich die Duftdesigner an die maskuline Seite der Frau heran.
Man sagt Männern nach, dass sie Düfte mit herber, seifiger Note vor allem deshalb bevorzugen, weil sie gerne den Eindruck erwecken möchten, sie seien frisch gewaschen. Freilich wäre das auch einfacher zu haben, nämlich, indem man sich tatsächlich regelmäßig waschen würde, anstatt das Eau de Toilette als olfaktorischen Ersatz für echtes Wasser zu nehmen.
Die Frau hingegen war jahrelang auf süße Fruchtigkeit gebucht. Die klassischen Parfümnoten wie etwa der Lavendel oder die Nelke waren ersetzt worden durch wahre Obstkörbe. An der Dame war fast nichts mehr zu riechen, was man nicht auch hätte essen können. Im Bouquet machten sich die Duftnoten der Ananas breit, der Orange und des Apfel. Die Düfte erinnerten an Multivitaminsaft, die Frauen aber entwickelten sich weiter. Sie machten Karriere, etablierten sich in Führungspositionen und können sich inzwischen mit dem Fruchtzuckerimage der Düfte nicht mehr identifizieren.
Die herberen Noten finden sie aber nicht mehr in der Damenduft-Abteilung, sondern bei den Herren. Männerparfüm wird für Frauen immer attraktiver. Die Forschung gibt ihnen recht. So hat die Berner Sozialwissenschaftlerin Sabine Sczesny in einer Studie ermittelt, dass Frauen tendenziell erfolgreicher in Bewerbungsgesprächen sind, wenn sie einen Männerduft auftragen. Die maskuline Note lässt sie auf ihre Gesprächspartner vertrauenswürdiger wirken.
Die Duftindustrie hat sich des Trends längst angenommen und deklariert viele Produkte als "unisex", um die weibliche Kundschaft nicht auszuschließen. Aber auch neue Damendüfte wagen sich an die maskuline Seite der Frau heran. So legte die Marke Versace den Duft Versus neu auf. Ein Frauenparfüm, das riecht wie ein Männerduft. Amalfi-Zitronen verschaffen ihm Frische, sogar ein bisschen Moschus, die wohl maskulinste Duftzutat, ist beigemischt. Das alles passt gut zu dem, was das Haus Versace modisch beschäftigt.
Kürzlich wurde, den Duft begleitend, zum zweiten Mal eine Kollektion "Versace Versus" in Mailand präsentiert, eine Fusion aus Damen- und Herrenmode. Donatella Versace hat sie zusammen mit dem britischen Designer Christopher Kane geschaffen. Das neue Duftkleid entspricht somit bestens dem Geist der Mode. Und nun kann auch die Frau so riechen, als habe sie sich gerade ganz frisch gewaschen.










entlarven jeden Beitrag über Unwichtiges
Bild-Sprache
Richtige Eier haben eigentlich lediglich solche Männer, die sich nicht scheuen die Wahrheit ans Licht zu bringen. Wenn Sie dann auch noch gut riechen, meinetwegen. Die Wahrheit finden wahrscheinlich eher auf den nachfolgenden Seiten, als anderswo:
[Der Rest wurde entfernt. Bitte verzichten Sie auf Mehrfachpostings desselben Inhalts (Spam), vielen Dank. /Die Redaktion pt.]
Im Hinblick auf Marktanteil, psychologisches Potential und Stellenwert im täglichen Leben ist das Thema Parfüm in deutschen Medien sträflich unterrepräsentiert - insbesondere auf einigermaßen professionellem Niveau, wie z.B. der Bericht über Daniela Andrier vom 24.03. in der Zeit. Insofern bravo für die guten Absichten.
Versace schneidet im Vergleich mit anderen Modemarken in Bezug auf Duft seit Jahren schwach ab. „Männlichkeit für die Frau“; Konzepte wie dieses, und leider auch der obenstehende Artikel, sagen über die Qualität der Komposition oder das Konzept der Parfümeurin (in diesem Fall Natalie Lorson) wenig aus; meist ist es eine von der Marketingabteilung im Nachhinein angefügte Verkaufsstrategie. Versace hat es auf diese Weise mit einem Produkt in eine der renommiertesten deutschen Printmedien geschafft, ohne dass die Qualität auch nur ansatzweise evaluiert worden wäre.
Unisex-Düfte werden wichtiger. Dabei scheuen Frauen sich noch relativ wenig, mit Herrendüften zu experimentieren. Es sind somit verstärkt auch Männer, die mit Unisex angesprochen werden. So ist beispielsweise die vor Kurzem auf den Markt geworfene D&G Unisex-Duftserie fast durchgehend in konventionellem Sinne feminin. Männlichen Fans fruchtig-malziger Noten, die nicht von Kollegen am Damenduft-Regal erwischt werden wollen, kann somit für diesen Chemie-Cocktails einfacher Geld entlockt werden.
Doch warum wird Versace Versus nicht als unisex vermarktet?
Mit Verlaub, noch eine Korrektur: Moschus ist keine typisch männliche Duftnote und findet auch in klassischen Damenparfums Verwendung.
Wen’s noch interessiert, der Pressetext von Versace liest sich wie folgt: „This fresh, enveloping fragrance celebrates the numerous moods of femininity, from the punk to the melodious, the gentle to the tough at heart. The notes reflect this contemporary diversity, with the dynamic yet harmonious statement encompassing kumquat, star apple, rose and patchouli.“ (www.nstperfume.com/2010/0...)
In verschiedenen Wortkombinationen wird diese Art nahezu sinnfreier Aussagen für die große Mehrzahl der jährlich rund 1000 (!) neu auf den Markt gebrachten Parfüms verwandt. Wenn man über eines schreibt, sollte man gut wählen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren