Stimmt's? Rätselhafte Wahrnehmung
"Sieht man den "Postkutscheneffekt" nur im Film oder auch im richtigen Leben?", fragt Christoph Azone aus Berlin.
© Wolfgang Langenstrassen/dpa

Gibt es den Postkutscheneffekt nur im Film? Hier kann man es testen: Die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg
Es geht um eine optische Täuschung: Im Western bleiben die Räder einer Postkutsche bei einem gewissen Tempo stehen oder drehen sich gar rückwärts. Manchmal sieht man auch doppelt so viele Speichen, wie vorhanden.

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Warum der Effekt im Film auftritt, ist simpel: Dort werden Einzelbilder aufgenommen, 24 oder 25 pro Sekunde. Dreht sich das Rad just so schnell, dass von einem Bild zum anderen eine Speiche genau den Platz der benachbarten eingenommen hat, wirkt das wie Stillstand. Ist die Geschwindigkeit ein wenig niedriger, interpretiert unser Gehirn das als eine Rückwärtsdrehung. Wenn das Rad von Bild zu Bild eine halbe Speiche weiter springt, sehen wir diese doppelt.
Im richtigen Leben senden die Sehzellen der Netzhaut aber einen kontinuierlichen Strom von Sinneseindrücken ans Gehirn, jede auf ihrem eigenen »Datenkanal«. In Einzelbilder zerlegt und nacheinander gesendet wird hier nichts. Deshalb hätte ich die Frage spontan mit »Blödsinn!« beantwortet.
Aber 1995 konnte der amerikanische Neuroforscher Dale Purves mit seinem Team bei elf von zwölf Probanden den Postkutscheneffekt in der Realität erzeugen – unter künstlicher, aber kontinuierlicher Beleuchtung. Es gab ein paar Unterschiede zum Film: Die Testpersonen sahen keine stehenden Bilder. Der Effekt war auch nicht dauerhaft, die Wahrnehmung sprang ständig zwischen der echten und der scheinbaren Bewegung hin und her. Trotzdem lässt der Versuch den Schluss zu: Auch unser Gehirn zerlegt kontinuierliche Eindrücke auf ungeklärte Weise in kurze Einzelwahrnehmungen.
Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts
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- Datum 22.03.2010 - 10:34 Uhr
- Serie Stimmt's
- Quelle DIE ZEIT, 18.03.2010 Nr. 12
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...man kann diesen effekt zum einen sehr wohl auch unter ganz natuerlichem licht sehen - beobachten sie einmal waehrend des autofahrens (idealerweise wenn nicht hinterm steuer ;) etwa auf der autobahn die (leichtmetall-) felgen eines parallel fahrenden autos, sie koennen haeufig durchaus 'stehende' oder langsam rotierende bilder sehen (je nach felge und geschwindigkeit des autos natuerlcih).
auch unter kontrollierteren laborbedingungen wurde der effekt unter natuerlichem licht bereits gezeigt.
der 'diskrete' sampling-mechanimus ist dabei vmtl. hauptsaechlich in der visuellen hirnrinde lokalisiert - die sogenannten alpha- (und evtl beta-) wellen (10 / 15 Hz oszillationen der elektrischen aktivitaet von nervenzellen), welche auch das spontan-EEG dominieren.
diese oszillationen bewirken eine erhebliche modulation neuronaler erregbarkeit durch visuelle stimuli ueber die zeit. der mechnismus ist dabei kein deterministischer wie bei einer kamera, es findet kein eigentl diskretes sampling statt, sondern eine probabilistische modulation der zellulaeren erregbarkeit...
der zusammenhang von alpha/beta und "wagon-wheel" illusion wurde von vanrullen & koch 2006 in einer publikation im journal of neuroscience erstmals gezeigt.
Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund, Hans!
Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund, Hans!
In Tunneln, die mit orangem Licht beleuchtet werden, kann man es immer und deutlich sehen. Das Licht scheint eine Frequenz zu haben. Außerdem kann man den Effekt auch bei Autos sehen, die hinter senkrecht stehenden Stäben fahren, wie einem Zaun, oder bei mir zu hause einem Fliederstrauch im Winter.
Bei normalem Sonnenlicht habe ich es noch nicht bemerkt.
Gruß, Martin Kather
Wechselstrom hat 50Hz, also flackern Leuchtstoffröhren 50 mal pro Sekunde. Unter solchem Licht tritt der beschriebene Effekt auf. Zum Beispiel, wenn man über einen beleuchteten, gepflasterten Radweg fährt: Bei einem gewissen Tempo scheinen die Pflastersteine mitzufahren.
Das mit dem Flackern und der Netzfrequenz ist natürlich der allererste Einwand. Glühlampen und moderne Leuchtstoffröhren sind aber so träge, dass es da zu keinem stroboskopischen Flackern kommt. Die Wissenschaftler schreiben dazu in ihrer Arbeit:
The rotating disks were illuminated with two 34-W sealed-beam headlights powered by a highly filtered dc in an otherwise darkroom. It should be noted that all the effects we describe were equally evident in sunlight, ruling out artifact associated with the dc power source.
Das mit dem Flackern und der Netzfrequenz ist natürlich der allererste Einwand. Glühlampen und moderne Leuchtstoffröhren sind aber so träge, dass es da zu keinem stroboskopischen Flackern kommt. Die Wissenschaftler schreiben dazu in ihrer Arbeit:
The rotating disks were illuminated with two 34-W sealed-beam headlights powered by a highly filtered dc in an otherwise darkroom. It should be noted that all the effects we describe were equally evident in sunlight, ruling out artifact associated with the dc power source.
Hätte da noch ein paar völlig langweilige Themen:
Warum kocht das Wasser auf dem Mount Everest schneller?
Wenn man einen Regenwurm auseinanderschneidet, hat man dann wirklich zwei Regenwürmer?
Welche Farbe haben Eisbären?
Und wenn wir schon dabei sind: Warum fressen Eisbären keine Pinguine?
..Räder die sich rückwärts drehen - nicht immer, aber durchaus - allerdings unter welchen Bedienungen ("echtes"/"künstliches" Licht, Tunnel etc.) wüsste ich jetzt aber nicht mehr.
Das letzte Mal fiel es mir bei einer längeren Autofahrt auf - als Beifahrer langweilt man sich schnell....
Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund, Hans!
nun dem kolumnenschreiber kann geholfen werden. aber die richtige antwort wuesste er wenn er nur manchmal in ein museum gehen wuerde. das sich rueckwaertsdrehende rad haben schon die kelten gekannt, es liegt an der bestimmten form von verdickungen der speichen. dadurch entsteht eine art spirale, die sich ab einer bestimmten geschwindikeit in die entgegegengestzte richtung der radbewegung bewegt. alte kutscheraeder (wie man sie auch in kutschenmuseum sehen kann oder in manchen zeughaus) sind ebenfalls nicht komplett eben gearbeitet, was dann zu dem gleichen effekt fuehrt. im grunde ist es richtig das unser auge alle bilder wahrnimmt, nur verarbeitet unser gehirn diese information nicht. alles was dem gehirn nicht sinnvoll erscheint wird umgedeutet (jede optische taeuschung bassiert darauf)
es ist ein grosses missverstaendniss das das was das auge wahrnimmt auch das ist was wir sehen. was ja die frage der philosophie wieder hervorbringt wie real ist unser umfeld wenn alle sinneseindruecke ja nichts anderes sind als elektrische impulse im gehirn.
Warum fressen Eisbären keine Pinguine? Tierpfleger und Zoobesucher fressen sie doch auch.
hab selbst noch an keinem Pinguin-Barbecue teilgenommen. Wo gibt es denn so was?
hab selbst noch an keinem Pinguin-Barbecue teilgenommen. Wo gibt es denn so was?
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