Auf zwei Titel waren die Deutschen seit seligen Wirtschaftswunderzeiten von Herzen stolz. Fußballweltmeister: Das waren wir dreimal. Und Exportweltmeister: Das waren wir in jüngster Zeit eigentlich immer. »Exportweltmeister Deutschland«, das las sich wie Bayern München. Oder Real Madrid. Zwei Wörter, ein Begriff.

Seit dem vergangenen Jahr sind wir es nicht mehr. Da hat uns China abgehängt. Die Volksrepublik exportierte Waren für 1202 Milliarden Dollar, die Bundesrepublik für 1121 Milliarden. Die Niederlage war knapp, aber schmerzhaft.

Und ausgerechnet in diesem Moment kommt aus Paris der Vorwurf: Ihr exportiert zu viel! Konsumiert mal lieber etwas mehr! Erhoben hat ihn die Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde.

Madame Lagarde hat es so formuliert. Die deutschen Exportüberschüsse, zurückzuführen auf niedrige Lohnkosten, seien für die anderen EU-Staaten »unhaltbar«. Könnte die deutsche Regierung, könnten Unternehmer und Konsumenten »nicht ein klein wenig mehr tun«? Die Steuern senken, höhere Löhne zahlen, mal wieder shoppen gehen?

Mitten in die Debatte um die Rettung Griechenlands platzt also eine Kontroverse um das deutsche Wirtschaftsmodell. Mit dieser Wendung hatten die Berliner – die gerade barsch gerufen hatten: Von uns gibt’s kein Geld! – am allerwenigsten gerechnet. Jetzt sind sie ein bisschen beleidigt. Und ziemlich ratlos.

Ist es Neid? Will die Regierung in Paris von eigenen Fehlern ablenken? Oder sollte etwas dran sein an der französischen Kritik?

Tüchtigkeit macht uns bei den Nachbarn nicht eben beliebter

»Lohndumping« lautet der Vorwurf. Deutschland zahle seinen Arbeitern und Angestellten weniger Geld, als es könne, um so gegenüber den Nachbarn konkurrenzfähiger zu sein. Worauf die deutsche Politik stolz ist, nämlich die Lohnkosten niedrig gehalten zu haben, wird ihr als boshafte Wettbewerbsverzerrung ausgelegt.