Frühstudenten »Sie hängen sich mehr rein«Seite 2/2
Corinna gibt einer fünf Jahre älteren Studentin Nachhilfe in Latein
In Würzburg studieren nicht nur die Klassenbesten, sondern auch Schüler, die trotz eines hohen IQs schlechte Noten haben, sogenannte Underachiever. »Wir wollen diesen Schülern eine Chance geben«, sagt Stumpf. Die Eltern sähen das Frühstudium oft als letzte Rettung und hofften, dass die Uni ihre Kinder endlich zum Lernen motiviere. »Aber das Frühstudium ist keine Therapie«, sagt die Psychologin. Viele Underachiever in Würzburg haben ihr Studium bald wieder abgebrochen.
Dass der überwiegende Teil der Frühstudenten das Gymnasium besucht, zeigt die Studie der Telekom-Stiftung, nur ein keiner Teil kommt von einer Gesamtschule oder einer berufsbildenden Schule. Von mehr als 71 Prozent der Jugendlichen hat einer der Elternteile studiert. Deutsch ist die Muttersprache von 98 Prozent der Befragten. Statistisch gesehen ist das Frühstudium ein Projekt für leistungsstarke Gymnasiasten aus deutschstämmigen Akademikerfamilien. Ein reines Eliteprojekt also? »Das würde ich so nicht sagen«, entgegnet Stumpf. Aber natürlich könne man das Frühstudium nicht aus dem ohnehin elitär ausgerichteten deutschen Bildungssystem herausnehmen.
Zieht der Erfolg der Frühstudenten nicht Neid und Mobbing nach sich? Nein, das komme kaum vor, sagt Rolf Theil, Lehrer am Kölner Rheingymnasium und Beauftragter der Bezirksregierung für das Frühstudium, weder in der Schule noch an der Uni. »Das liegt vor allem daran, dass hochbegabte Schüler entgegen dem Klischee meist sozial sehr kompetent sind«, sagt er. Auf Corinna trifft das jedenfalls zu. Sie engagiert sich in der Kirchengemeinde, leitet eine Jugendgruppe, und sie gibt Nachhilfe – nicht nur Mittelstufenschülern, sondern auch einer fünf Jahre älteren Mitstudentin, die das Latinum nachmachen muss. Auch sonst hat Corinna, seit sie das Frühstudium vor drei Jahren begonnen hat, in ihrer Freizeit auf kaum etwas verzichtet. Sie trifft ihre Schulfreundin Christina genauso häufig wie ihre neuen Freundinnen aus der Uni.
»Der Doppelbelastung hält nicht jeder stand«, sagt Rolf Theil. Tatsächlich sind die hohe zeitliche Belastung und die Konzentration auf das Abitur die meistgenannten Gründe, warum das Frühstudium nicht fortgeführt wird. Daher sind Lehrer und Dozenten gleichermaßen gefragt. »Sobald die Leistungen in der Schule einbrechen oder es sozial knirscht, werden wir aktiv«, erzählt Eva Stumpf von der Würzburger Beratungsstelle. »Wir empfehlen dann, im nächsten Semester nur eine Veranstaltung zu besuchen oder mal für ein Halbjahr zu pausieren.« Wer einmal das Auswahlverfahren durchlaufen hat, kann sich problemlos jedes Semester neu anmelden. In Würzburg bleiben die Schüler drei Semester länger dabei als im bundesweiten Schnitt, nicht jede Universität bietet den Frühstudenten so gute Bedingungen. Und auch an vielen Schulen rangiert das Projekt eher unter »ferner liefen«. Oft fühlen sich die Frühstudenten von ihren Lehrern und Schulleitungen nicht ausreichend gefördert, sondern allein gelassen. Die Informationspolitik der Schulen lässt zu wünschen übrig, ebenso die fehlende Vorbereitung auf das Studium und das geringe Entgegenkommen bei organisatorischen Fragen.
Wie wird es bei Corinna Schreier weitergehen, was kommt nach dem Abi, nach dem Magister? Denkt sie schon an ihre Doktorarbeit, will sie sich für einen Job bewerben? Nein, für das alles ist es noch zu früh, findet sie. Nur nicht übermütig werden. Bevor sie wieder an die Uni zurückkehrt, will sie erst mal ein halbes Jahr Praktikum in einem großen Unternehmen machen. Gern im Ausland.
- Datum 27.03.2010 - 15:26 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.03.2010 Nr. 13
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Handelt es sich auf dem Foto wirklich um die 19jährige (!) Corinna Schreier? Falls ja, dann hat sich das frühe Studieren ja nicht bezahlt gemacht...
Leider werden heute ganze Generationen gezwungen schneller zu leben. Will man aus D ein Entwicklungsland machen?
das Sie das sagen.
Ich war auch verwirrt, konnte das Bild nicht mit dem Begriff Frühstudentin in Einklang bringen...
Aber gut, muss ja jeder selber wissen, aber die Oberstufe war eine verdammt geile Zeit:). Würde ich nicht missen wollen, vor allem nicht für ein Jahr früher studieren/arbeiten.
Leider werden heute ganze Generationen gezwungen schneller zu leben. Will man aus D ein Entwicklungsland machen?
das Sie das sagen.
Ich war auch verwirrt, konnte das Bild nicht mit dem Begriff Frühstudentin in Einklang bringen...
Aber gut, muss ja jeder selber wissen, aber die Oberstufe war eine verdammt geile Zeit:). Würde ich nicht missen wollen, vor allem nicht für ein Jahr früher studieren/arbeiten.
lass die lieben kleinen mal für die studiengebühren nebenbei arbeiten gehen. dann relativiert sich die motivation ziemlich schnell.
Leider werden heute ganze Generationen gezwungen schneller zu leben. Will man aus D ein Entwicklungsland machen?
Der ideale/perfekte Bewerber für einen richtig guten Job ist aus Sicht von HR Managern wohl : 21 Jahre alt, hat sämtliche Universitäts Abschlüsse mit Auslandserfahrung und zusätzlich 20 Jahre Praxiserfahrung. Vitamin B
Das Projekt ist ja nicht schlecht, aber muss das sein? Wie über mir schon geschrieben, Corinna sieht ziemlich alt aus für Ihr Alter. Ich bin selbst an der Uni (hab mein Studium selbst mit 17 begonnen) aber nicht mit gleichzeitig Schule. Und ich wage zu bezweifeln dass, ich das unter einem Hut gebracht hätte, bzw hätte bringen wollen. Uni-leben macht zu viel Spass als das ich es mir freiwillig verderben würde.
Liebe Leistungsfanatiker, man ist nur ein Mal jung!
Nachdem ich in der USA war, habe ich in der 12. auch angefangen an die Uni zu gehen... Man muss ja dank Bachlor nicht das volle Pensum abarbeiten, sondern sucht sich aus, was einem gefällt.
Dabei kann man frei wählen... Astrophysik, Philosophie, Informatik, ... kein Problem. Natürlich müssen auch keine Studiengebühren bezahlt werden.
Die meisten Schülerstudenten wirken tatsächlich etwas reifer, aber ich bezweifle, dass ich jünger geblieben wäre, wenn ich nicht an die Uni gegangen wäre.
Nachdem ich mit zehn eigentlich schon sechzehn war, habe ich die letzten drei Jahre dann übersprungen und zügig mit dem Studium angefangen. Vorher war ich noch zum Spracherwerb in China, Russland, Indien und den USA.
Die Zahnspange habe ich dann in der Klinik bekommen, die sich auf typische Managerbeschwerden spezialisiert hat.
Vielleicht sollte man aber im Blick haben, dass viele bedeutende Wissenschaftler zwischen 20 und 30 Jahre alt waren, als sie ihre wirklich bahnbrechenden Ideen hatten. Wenn man da mit 20 sein erstes Studium erfolgreich absolviert hat, lässt das doch auf Großes hoffen...
...wie unschön, das die Hochbegabtenförderung erst dann richtig ins Laufen kam, als ich mein Abitur schon hatte...
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