Promotion: Gestatten: Dr. Kunst
An den Kunsthochschulen gibt es einen neuen Trend: Promovieren. In die Bewertung gehen nicht nur theoretische Arbeiten, sondern auch schöpferische Werke ein
© Imke Sommer/HFBK Hamburg

Installation von Max Frisinger. Mit solchen Kunstprojekten könnten Studenten künftig sogar einen Doktortitel erwerben
Für den Anfang braucht Timo Schuhmacher wie jeder Doktorand nur ein Blatt Papier und einen Bleistift. Er wird seine Gedanken skizzieren und der Frage nachgehen, wie sich naturwissenschaftliche Inhalte mithilfe neuer Medien anschaulich vermitteln lassen. Doch wenn der 29 Jahre alte Diplomdesigner in ein paar Jahren seine Doktorarbeit im Fach Medienwissenschaft abgibt, wird es sich dabei nicht allein um ein dickes Buch voller Buchstaben und Thesen handeln. Dann wird er das Ergebnis seiner praktischen Forschung präsentieren: eine digitale Rauminstallation.
»Die theoretische Arbeit ist die Grundlage, aber ich will das praktische Projekt nutzen, um meine Überlegungen daran zu überprüfen«, sagt Timo Schuhmacher. Er gehört zu den ersten acht, die an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel promovieren. Und er ist ein Beispiel dafür, dass es neuerdings an Kunsthochschulen in Deutschland möglich ist, künstlerisch-gestalterische und wissenschaftliche Forschung in einer Doktorarbeit zu vereinen.
Bislang ist es an den meisten Kunsthochschulen mit Promotionsrecht nur möglich, theoretische Doktorarbeiten zu schreiben – im Vergleich zu der Anzahl von Dissertationen an wissenschaftlichen Universitäten sind sie jedoch selten. Die Doktoranden erwerben einen Dr. phil. in einem geisteswissenschaftlichen Fach, das an der Hochschule unterrichtet wird, zum Beispiel in Kunstgeschichte, Kunsttheorie oder Designwissenschaft. Ein Kunstwerk oder Designobjekt herzustellen ist nicht verpflichtend und oft auch gar nicht vorgesehen.
Lediglich zwei Ausbildungsstätten in Deutschland ermöglichen Künstlern und Designern seit dem Jahr 2008 eine Promotion zum Ph. D. beziehungsweise Dr. phil. in art. im Fach Freie Kunst: die Bauhaus-Universität Weimar und die Hochschule für bildende Künste Hamburg. Auch hier ist ein Theorieteil Pflicht, doch die praktische Arbeit fließt mit 50 Prozent in die Note ein.
Nun fangen immer mehr Kunsthochschulen an, der Kunst und Gestaltung auch außerhalb der Freien Kunst einen Platz in ihren Promotionsstudiengängen einzuräumen – so wie bei Tim Schuhmacher. Neben der Kieler Muthesius-Kunsthochschule bieten diese Möglichkeit mittlerweile auch die Kunsthochschule für Medien Köln und die Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main. Gemeinsam ist den neuen Modellen, dass die Doktoranden pendeln, zwischen Bibliothek und Atelier, zwischen Schreibtisch und Staffelei oder sonstigem Gerät, das sie für ihre Kreationen benötigen.
Angesichts dieser Aufwertung der kreativen Arbeit ist eine Diskussion um den Stellenwert von Kunst und Wissenschaft entbrannt. Die zentrale Frage lautet: Wann ist eine künstlerische Arbeit wissenschaftlich? »Gar nicht«, sagen die einen und lehnen einen »Dr. Kunst« ab. Die anderen befürworten die Aufwertung des kreativen Schaffens, haben aber Sorge, es könne der Eindruck entstehen, hier würden Doktortitel für das Malen von Bildern vergeben.
Dabei gehe es vielmehr darum, Doppelbegabungen gerecht zu werden, sagt Norbert Schmitz. »Es gibt Menschen, die sowohl künstlerische, gestalterische Fähigkeiten haben als auch wissenschaftlich arbeiten können.« Schmitz ist Professor für Ästhetik und Vorsitzender des Promotionsausschusses der Muthesius-Kunsthochschule. Er ist überzeugt davon, dass die Verbindung von freier kreativer Arbeit und strenger wissenschaftlicher Methodik zu neuen Erkenntnissen führt – in der Wissenschaft ebenso wie in der Kunst.







Auch bei vielen Studenten anderer Fakultäten ist es schon längst "üblich", dass man direkt nach dem Studium "besser" erst mal ein bisschen drauf los promoviert als "herumzuhartzen".
Nach dem Motto: Statt Arbeitslosigkeit besser was tun, das man halbwegs vorzeigen kann.
Und jetzt den Dr. für erbrachte künstlerische Leistungen?
Na ja, passt doch ins Bild: Den FH-Professor z.B. für Musiker gibt's ja auch schon seit langem. Die müssen nicht mal promoviert sein.
Das Ganze reiht sich ein in ein Gesamtbild des deutschen Bildungswesens, und zwar parallel zur inflationären Entwertung des Abiturs und der schulischen Bildung in Deutschen (nach dem "Vorbild" USA) überhaupt.
Ein weiterer Mosaikstein im Verfall akademischer Grade:
Dr. s.c. [sine causa].
Kein Zweckpessimismus, sondern traurige Realität!
Ich liebe Trendberichte. Auch heute Morgen wieder:
"Immer mehr ältere US-Frauen stehen auf jüngere Männer
Ihre Vorbilder sind Demi Moore oder Madonna: Immer mehr Frauen in den USA zeigen offen ihre Vorliebe für deutlich jüngere Männer. Sogenannte "Cougars" (Pumas) sind über 40, unabhängig und sexy. Und sie haben bereits eine eigene TV-Serie - "Cougar Town" mit dem früheren "Friends"-Star Courtney Cox." (gmx.de)
Im übrigen wundert mich sehr, dass ein Mensch, der Kunst verehrt, aber mit seinen Ideen in der Öffentlichkeit nicht zündet, erstmal Angestellter wird. Nein, wirklich. Und ja, auch ich kenne solche. Mama und Papa, selbst Angestellte, haben ihm zu dieser sicheren Entscheidung sicher nicht geraten. Am Ende wird man sich für seine so genannte Kunst gewiss interessieren.
Ich empfehle mal einen Gang über die großen Friedhöfe Wiens, Hamburgs oder Prags. Die Grabinschriften der um die vorletzte Jahrhundertwende Verstorbenen wimmeln nur so von Professorentiteln. Gerade in der Künstlerszene war es regelrecht chic, sich als Professor zu titulieren.
http://www.sprg.ch/files/...
Ich hoffe, die Künstler bekommen im Rahmen einer weiteren Lichtinstallation alle die Chance, sich zu habilitieren. Dann können sie im Parallelthema "Privatdozenten finden keine Stelle" eifrig mitdiskutieren
Es wird Zeit, dass man in den Ingenieurwissenschaften über das Reparieren eines Autoreifens (praktisch durchgeführt natürlich) promovieren kann und in Physik über Oberflächenspannung beim Abwasch von Hand am Beispiel von unverschmutzten Tellern ;-) Biologen könnten sich dann mit "Mein Hirn funktioniert - Lesen einer Promotionsurkunde"
Die meisten zynischen Kommentare hier glänzen ja vor Ignoranz und Unwissenheit...fraglich scheint mir, ob sich die meisten auch wirklich ein Urteil erlauben können und ob sie denn jemals eine Kunsthochschule von innen gesehen haben...tztztz
ich stimme dem Kommentar von "druckstelle" zu.
Ich mache in einem Jahr mein Diplom im Aufbaustudiengang Kunst und öffentlicher Raum an der AdBK Nürnberg. Gleichzeitig arbeite ich hart, da ich mich gerade freischaffend/freiberuflich als Künstler selbständig mache. Ich habe einen 1 jährigen Sohne und Arbeite bis zu 15 Stunden am Tag ( OHNE BEZAHLUNG! ) an meinen Projekten, Wettbewerben, am Diplom. Dazu noch Jobs. Meinen Sohn kann ich gut in diesen Alltag integrieren, da ich meist keinen Chef habe und die Akademie "mitgebrachte Kinder" mehr oder weniger toleriert. Die akademische Arbeit am Diplom und meine freischaffenden Pläne haben eine Schnittmenge von 99 Prozent.
Ich falle zudem niemandem zur Last. Vielleicht bekomme ich ein Stipendium. Jedoch falle ich was Sozialleistungen wie "berufsanfänger ALGII" angeht durch jedes Raster. Kein Bafög, kein Wohngeld. Vielleicht ein Stipendium. Vorallem keine 7 Jahre wie Guttenberg! Ich werde Doktor der Kunst, weil ich Wissen will. Arbeiten will.Lehren will.Austausch will. Verstanden?
DR. PHIL. ganz klar. Meine Arbeit thematisiert die Kunst- und Künstlerförderung und hat ohnehin einen großen Theorie- und Rechercheteil. Bildende Kunst ist seit, sagen wir mal vereinfacht Dada, Konzeptkunst und Beuys ... seit mindestens 100 Jahren ... aber eigentlich seit den alten Griechen, Teil des philosophischen Diskurses. Mehr als Bildermalen oder Bildhauern und im besten Fall intellektuell so anspruchsvoll, als Wissenschaft gelten zu dürfen.
Ich werde zunächst dipl.postgrad kuör.
Dr. phil oder Ph.D. kann ich natürlich erst werden
wenn ich nach meinem Diplom einen Platz als Doktorand,
bzw. einen Doktorvater finde.
Ich werde zunächst dipl.postgrad kuör.
Dr. phil oder Ph.D. kann ich natürlich erst werden
wenn ich nach meinem Diplom einen Platz als Doktorand,
bzw. einen Doktorvater finde.
Ich werde zunächst dipl.postgrad kuör.
Dr. phil oder Ph.D. kann ich natürlich erst werden
wenn ich nach meinem Diplom einen Platz als Doktorand,
bzw. einen Doktorvater finde.
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