Immigration Einst fremd, heute coolSeite 3/3

Im Internet kokettieren die Jugendlichen auf Community-Seiten wie Netlog mit nationalen und nationalistischen Symbolen. Anders als im Heimatland ist dies ein Spiel. »Der Serbe The real orthodox boy mit dem Camouflage-Leibchen ist auf Netlog der beste Freund von Ustasha 95, der den harten Kroaten markiert«, sagt Ritter. Es findet eine Rückwendung zum Klischee der Herkunftskultur statt: Wenn schon »blöder Jugo«, dann richtig.

Dabei halten besonders die ländlich geprägten Einwanderinnen und Einwanderer konservative Werte hoch. Jugendarbeiter berichten, dass junge Albaner kaum kiffen und bedeutend weniger Alkohol trinken als Schweizer Jugendliche. Gewohnt wird entweder bei den Eltern, allein oder mit den Ehepartnern. Wohngemeinschaften kennt man nicht. Die Volkszählung im Jahr 2000 zeigte: Rund die Hälfte der 20-jährigen Kosovo-Albanerinnen in der Schweiz waren bereits verheiratet. Frauenemanzipation ist für Männer wie Ahmet ein Fremdwort. Auch seine Freundin ist eine Albanerin. »Die ersten Wochen war ich ein strenger Typ, habe nie gelacht.« – »Wieso?« – »Wenn ich am Anfang zu lieb bin, versucht sie mich zu ändern.« Aber ihn, Ahmet Sulejmani, ändert keiner. »Nicht mal ein Psychologe!« Kein Wunder, dass diese neuen Schweizer nach ihrer Einbürgerung ihre politische Heimat eher bei der Rechten finden.

Anzeige

Doch nicht alle Albanerinnen wollen »Bimbos sein«, wie Safi das ausdrückt. Sie kontert den Machismo ihrer Landsleute mit sanfter Rebellion. Zwar will sie ihre Eltern nicht enttäuschen und hält ihr Liebesleben geheim. Erst der Mann fürs Leben wird vorgestellt. »Meine Mutter soll nicht denken, dass ich eine Schlampe sei.« Aber sie wolle nie einen eifersüchtigen Freund, der ihr den Umgang mit anderen Typen verbiete. Belustigt erzählt sie von ihrem Vater, einem Lastwagenchauffeur. Der wohnt mit der Familie auf dem Dorf: »Ich glaube, er macht das extra, wegen uns, seinen Töchtern.« Im Hause Jahiji werden die Fetzen fliegen, wenn die älteste Tochter ihren Wunsch verwirklicht und verkündet: »Ich ziehe nach Zürich!«

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service