Finanzlage der Kommunen Sparen, sparen, investieren

Düsseldorf hat einen ausgeglichenen Haushalt, keine Schulden und Spielraum für Ausgaben – als eine von wenigen Kommunen in Deutschland.

Die Gehry-Bauten im neuen Medienhafen Düsseldorfs

Die Gehry-Bauten im neuen Medienhafen Düsseldorfs

Wenn der achtjährige Thomas auf den Saiten seiner Kindergitarre zupft, wird es still im Rest des Hauses. Der Vater stellt dann die Teller vorsichtig in das Abtropfgitter, die Mutter lässt das Buch sinken.

Seit einem Jahr nimmt Thomas Gitarrenunterricht, und er lernt schnell. Die Einzelstunden kosten gerade mal 60 Euro im Quartal, da sich die Clara-Schumann-Musikschule hauptsächlich aus städtischen Geldern finanzieren kann. Genau wie die offene Ganztagsschule, in die Thomas und sein Bruder Simon gehen. Mittagessen, Selbstverteidigungs- und Bastelkurse am Nachmittag kosten dort zusammen gerade mal 80 Euro monatlich, zu zahlen für nur ein Kind. Und der öffentliche Kindergarten für die Kleinste ist – gratis.

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Es sei »ein gutes Gefühl«, sagt Vater Richard Dolphin – und meint gar nicht die Tatsache, dass er sich das Geld für eine private Gitarrenlehrerin und eine Tagesmutter sparen kann. Ihm ist etwas anderes wichtiger: das Gefühl, dass sich die Stadt um die Kinder bemüht. »Düsseldorf investiert genau dort Geld, wo wir es am stärksten spüren«, sagt Dolphin. Dabei denkt er auch an Simons Lieblingsspielplatz mit den Plastikbauklötzen, der vor Kurzem neu hergerichtet wurde. Oder das Schwimmbad und die Bücherei, beide unweit von ihrem Häuschen im Düsseldorfer Viertel Kaiserswerth. »In welcher Kommune gibt es das heute noch?«, fragt Dolphin, der Engländer und Manager bei der Werbeagentur Grey ist.

Tatsächlich ist Düsseldorf ein außergewöhnlicher Fall unter den deutschen Kommunen. Knapp 300 Millionen Euro plant die Stadt in diesem Jahr für Kinderfeste, Jugendbücher und Betreuungseinrichtungen ein, selten hat sie so viel für Familien ausgegeben. Vor ein paar Monaten wurden gar die Kindergartengebühren für Drei- bis Sechsjährige abgeschafft. Sparen muss Düsseldorf nicht, der Haushalt für das Jahr 2010 ist ausgeglichen, ein Kunststück, das der Stadt bereits zum elften Mal in Folge gelingt. Ja, mehr noch: Seit 2007 ist die Stadt schuldenfrei, inzwischen hat sie sich sogar ein ansehnliches Polster angespart.

Einige Städte haben im vergangenen Aufschwung immerhin jedes Jahr mehr Geld eingenommen als ausgegeben. Doch die meisten Nachbarkommunen von Düsseldorf stehen kurz vor dem Zusammenbruch, wie sich auch aus einer gerade erschienenen Studie der Bertelsmann-Stiftung ersehen lässt. »Die Schere zwischen armen und reichen Kommunen geht weiter auseinander«, schreiben die Autoren. Es stelle sich die Frage, wie den rund 60 besonders armen Städten in Nordrhein-Westfalen der Haushaltsausgleich gelingen solle, wenn »sie nicht einmal während einer beispiellosen Wachstumsphase« der vergangenen Jahre dazu in der Lage waren. Die Hälfte der Städte im Bundesland hat einen Nothaushalt, die Kommunen müssen sich die Ausgaben vom Land genehmigen lassen. Müssen kürzen, schließen, Gebühren erhöhen – und kommen doch nicht aus dem Schuldensumpf. Die Finanzkrise ließ Gewerbesteuereinnahmen wegbrechen und Sozialausgaben steigen.

Eine Krise in den neunziger Jahren brachte die Wende für die Stadt

Woher hat Düsseldorf das viele Geld? Viele Firmen, wenige Arbeitslose, in guten Zeiten lässt das die Steuereinnahmen sprudeln und senkt die Sozialausgaben. »Aber nur mit den Strukturen lassen sich diese extremen Unterschiede nicht erklären«, sagt Martin Junkernheinrich, Professor für Stadtökonomie an der Universität Kaiserslautern. »Es kommt auch stark auf die kommunalen Akteure und deren Entscheidungen an.«

Leser-Kommentare
  1. Ist das Zufall, dass Sie, liebe Autorin, im Wahlkampf in NRW, die CDU-geführte Stadt Düsseldorf und deren Finanzpolitik in den Himmel loben?

    Dass in Düsseldorf die Mieten für Normalsterbliche dank dieser Neoliberalen Politik nich tmehr bezahlbar ist, und sich dort vornehmlich gut Betuchte aufhalten, halten Sie nicht für erwähnenswert? Dass sich deshalb dort, besonders in Randgebieten (Stichwort verslumung!) die ARbeitslosenzahl höher ist als im Bundesdurchschnitt ist ihnen offenbar auch egal. Schrecklich, dass Sie sich dieses eine Besipiel mit der Musikschule herauspicken um möglichst geschickt zuw erben. Das ansonsten eher wenig im Sozialen Bereich passiert vershweigen sie. Es gibt kein Sozialticket für Arbeitslose. Ein Besuch des Düsseldorfer
    Schauspielhauses ist für diese MEnschen garnicht möglich. Kein Wunder, dass Düsseldorf reich ist, wenn dort vornehmlich Firmen und Banken vorhanden sind, und die Arme bevölkerung an den Rand und in andere Kreise gedrängt wird. Um Düsseldorf herum sieht es dann nämlich nicht mehr so rosig aus, wenn in der Stadt selber das Wohnen für Niedrigverdiener immer weniger möglich wird.

    Es ist Wahlkampf. Da schreiben einige Autoren der Zeit für CDU oder FDP. Muss mich wieer dran gewöhnen. bis ich soweit bin muss ich mich aber erstmal bissel abregen.

    Nun noch ein wenig Lokalpatriotismus: Über Köln da lacht die Sonne über Düsseldorf die Welt ;)

  2. Düsseldorf steht in Deutschland beim Cross-Border-Leasing und verramschen des Gemeineigentums an der Spitze.

  3. Wie kommt man als Kommune zu Geld?
    Das Volkseigentum zu Lasten der einzelonen Bürger verramschen?
    Andere Kommunen kaufen ihre Stadtwerke zurück ( z.B. Bielefeld). Warum wohl?

  4. Vergleiche mit Privathaushalten und schwäbischen Hausfrauen sind beliebt, also versuche ich mich mal daran.

    Wer Ersparnisse/Besitz hat und gleichzeitig immer neue Schulden aufnimmt macht etwas falsch, wird schlecht beraten. Bevor ich mich verschulde gehe ich doch zuerst an meine Ersparnisse und verkaufe Besitz den ich nicht brauche.

    Damit meine ich dezidiert nicht die Privatisierung von Daseinsvorsorge. Aber viele Kommunen haben Beteiligungen die damit rein gar nichts zu tun haben.

    Natürlich gibt es auch Kommunen die gar keine Aktiva mehr haben und trotzdem verschuldet sind, anderes Thema.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da haben sie vielleicht recht, aber ihre schwäbische Hausfrau könnte ja auch die Preise bei den Energieversorgern selbstständig erhöhen und nicht darauf warten, dass sich ein gemeinnütziger Verein als Käufer findet.
    Wie einige Kommentatoren richtig bemerkt haben: kurzfristige Entschuldung erkauft durch langfristigen Preisanstieg.Ich weiß nicht ob da schon mal jemand seinen Taschenrechner gezückt hat.

    Bitte legen sie auch ihre Scheuklappen ab.

    Da haben sie vielleicht recht, aber ihre schwäbische Hausfrau könnte ja auch die Preise bei den Energieversorgern selbstständig erhöhen und nicht darauf warten, dass sich ein gemeinnütziger Verein als Käufer findet.
    Wie einige Kommentatoren richtig bemerkt haben: kurzfristige Entschuldung erkauft durch langfristigen Preisanstieg.Ich weiß nicht ob da schon mal jemand seinen Taschenrechner gezückt hat.

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  5. Lupenreine Propaganda...für wie blöd hält der Autor die Leser eigentlich? Klamme Kommunen, verkauft das Tafelsilber doch einfach an US-Finanzinvestoren...

  6. in der Wirtschaft anwenden, zumal sie schon bei Karstadt mit Erfolg angewendet wurde. Die Immobilien verkaufen und anschließend vom Käufer leihen, dass ist sehr erfolgreich uns alle gewinnen. Aber eigentlich müsste es doch wie in jedem Spiel auch einen Verlierer geben. Wer ist das denn wohl?

  7. Da haben sie vielleicht recht, aber ihre schwäbische Hausfrau könnte ja auch die Preise bei den Energieversorgern selbstständig erhöhen und nicht darauf warten, dass sich ein gemeinnütziger Verein als Käufer findet.
    Wie einige Kommentatoren richtig bemerkt haben: kurzfristige Entschuldung erkauft durch langfristigen Preisanstieg.Ich weiß nicht ob da schon mal jemand seinen Taschenrechner gezückt hat.

    Bitte legen sie auch ihre Scheuklappen ab.

  8. Sehr einseitige und enttäuschende Darstellung.
    Joachim Erwin hat Vertreibungspolitik (Umgang mit Obdachlosen, Mangel an Drogenberatungsstellen) Vetternwirtschaft (LTU-Arena gebaut von Zementfirma aus Erwins Verwandtschaft) und fragwürdige Sicherheitspolitik betrieben(selbst ernannte Ordnungshüter, die ursprünglich bewaffnet werden sollten ziehen als "Ordnungsamt" durch das Zentrum und verteilen Platzverweise).

    Düsseldorf und Umgebungen besteht zum Großteil aus isolierten Festungen für Reiche (Meerbusch, Mettmann, Kaiserswerth) in denen man als Normalverdiener kaum eine Chance hat überhaupt eine Wohnung zu bekommen oder Ghettos (Reisholz, Garath, Eller [dort stirbt man schneller])

    Wenn das ein Vorbild sein soll, dann Gut' Nacht..

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