Nachhaltige Geldanlagen »Rein und Raus bringt nichts«

Der Buchautor Bruno S. Frey über den Zusammenhang von Zufriedenheit und nachhaltiger Geldanlage

Ein Buddhist in Bhutan: Das Land im Himalaya-Hochland hat als erster Staat der Welt ein "Bruttoglücksprodukt" eingeführt, das nicht nur die Wirtschaftskraft des Landes erfasst, sondern auch die Zufriedenheit der Bürger

Ein Buddhist in Bhutan: Das Land im Himalaya-Hochland hat als erster Staat der Welt ein "Bruttoglücksprodukt" eingeführt, das nicht nur die Wirtschaftskraft des Landes erfasst, sondern auch die Zufriedenheit der Bürger

DIE ZEIT: Herr Prof. Frey, die Finanzkrise hat Privatanleger verunsichert, viele ziehen ihr Geld aus konventionellen Investments ab. Gleichzeitig versuchen immer mehr Menschen ihr Glück mit nachhaltigen Anlagen. Macht mit gutem Gewissen angelegtes Geld glücklich?

Bruno S. Frey: Zunächst einmal ist der Zusammenhang zwischen Glück und dem Finanzmarkt nicht gerade eng. Jeder, der Geld anlegt, geht ein Risiko ein. Und Risiken machen nun mal nicht glücklich. Profis sind dieses Rauf und Runter an den Märkten zwar besser gewohnt, aber wenn es richtig abwärts geht, so wie in der jüngeren Vergangenheit, sinkt auch deren Lebensglück.

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ZEIT: Und die Laien?

Frey: Die hören auf die Ratschläge der sogenannten Profis und staunen dann, wenn sie sich nicht bewahrheiten. Enttäuschte Erwartungen machen die Menschen unglücklich. So haben wir zum Beispiel erhoben, dass jüngere und ältere Menschen glücklicher sind als Menschen im mittleren Lebensalter. Die Jüngeren hegen noch hohe Erwartungen, während mit dem Älterwerden immer mehr Hoffnungen enttäuscht werden – das schmälert die Zufriedenheit. Wenn die Menschen dann aber sechzig oder siebzig Jahre alt sind, haben sie sich auf die Realität eingestellt und ihre Erwartungen angepasst. Deswegen geht es ihnen besser.

ZEIT: Macht Geld denn überhaupt glücklich?

Frey: Eindeutig ja: Personen mit höherem Einkommen sind im Durchschnitt glücklicher als solche mit niedrigerem Einkommen. Der Grenznutzen eines höheren Verdienstes sinkt allerdings, sobald Leute in obere Einkommensklassen vorstoßen. Anders gesagt: Wer wenig hat und dann anfängt, mehr Geld zu verdienen, dessen Lebensglück steigt deutlich. Wer viel hat und noch ein bisschen mehr bekommt, wird nicht viel glücklicher.

ZEIT: Warum versuchen dann die meisten, ihre finanzielle Situation immer weiter zu verbessern, auch wenn sie schon in den oberen Sphären angekommen sind?

Frey: Das ist genetisch bedingt. Wir sind diejenigen Lebewesen auf der Erde, die deshalb überlebt haben, weil wir uns immer nach oben orientiert haben. Wir wollen immer so gut sein wie die, die immer noch ein bisschen über uns stehen. Das motiviert uns, uns immer noch mehr anzustrengen. Das Ziel dieses Prozesses ist nicht, die Menschen glücklich zu machen, sondern das Überleben und die Weiterentwicklung zu sichern.

ZEIT: Wie kanalisiert sich dieses Verhalten an der Börse?

Frey: Wir können davon ausgehen, dass Menschen, die an der Börse agieren, meistens weniger zufrieden mit ihrem Leben sind als Menschen, die das nicht tun. In der Regel handeln an der Börse Materialisten. Diese haben typischerweise höhere Erwartungen als idealistisch orientierte Menschen. Sie wollen ein größeres Haus, ein teureres Auto, eine schönere Wohnung. Wenn sich das einstellt, sind sie für kurze Zeit zufrieden. Wenn nicht, sind sie enttäuscht. Wer sich nicht so ausschließlich an materiellen Gütern orientiert, erlebt viel seltener böse Überraschungen. Die meisten Menschen überschätzen, wie glücklich sie das neue Haus machen könnte, hingegen unterschätzen sie nicht materielle Werte systematisch. Offenbar können wir uns Besitz und seine positiven Folgen besser vorstellen als beispielsweise den positiven Einfluss einer guten Freundschaft. Die meisten Leute unterschätzen auch, wie die Lebenszufriedenheit vermindert wird, wenn man täglich von seinem schönen Haus im Grünen zwei Stunden zum Arbeitsplatz pendeln muss.

ZEIT: Gerade vor dem Ausbruch der Finanzkrise waren die – materiellen – Erwartungen besonders hoch…

Frey: Da wurden Renditeversprechen gemacht, die sich auf Dauer einfach nicht aufrechterhalten lassen. Eine realistische Durchschnittsrendite bewegt sich in der Größenordnung des realen Wirtschaftswachstums von rund zwei Prozent. Der reale Zinssatz kann längerfristig nicht viel höher sein. Die Erwartungen wurden deshalb stark enttäuscht.

Leser-Kommentare
  1. "Wir können davon ausgehen, dass Menschen, die an der Börse agieren, meistens weniger zufrieden mit ihrem Leben sind als Menschen, die das nicht tun."

    Als ob die Menschen so einfach einzuteilen wären. US-Amerikaner müssen viel unzufriedener sein als Deutsche, da es dort viel mehr Aktionäre gibt. Die zufriedensten Menschen müssen in kommunistischen Ländern leben. Die können erst gar nicht an der Börse tätig werden.

  2. "Frey: Da wurden Renditeversprechen gemacht, die sich auf Dauer einfach nicht aufrechterhalten lassen. Eine realistische Durchschnittsrendite bewegt sich in der Größenordnung des realen Wirtschaftswachstums von rund zwei Prozent"
    Habe mal nachgerechnet: Der DAX hat von 1960 bis heute (2010) zumindest knapp 5% pro Jahr gebracht und das obwohl wir derzeit in einer Jahrhundertkrise stecken mit ensprechend eingerechneten Kursabschlägen. Von 1960 bis Ende 2007 (vor der aktuellen Krise) waren es noch 5,9% jährlich. Wem die großen Aktienschwankungen zu aufreibend sind, der wählt eine ganz einfache Form von Trendfolge, wie z.B. der 200-Tage-Linie, dabei muss man zwar gelegentlich den DAX-Indexfonds verkaufen, aber das ist mit pro Jahr ca. 1-2 Orders an die Bank getan. Damit wären über die letzten 50 Jahre jährlich 6,3% möglich gewesen. Übrigens, auch die letzten 15 Jahre seit 1995 mit den beiden Crashs 2000-2003 und 2008 brachten beim DAX jährlich 7,0% und mit Trendfolge 12,1 % pro Jahr. Es gibt leider keine Alternativen, wenn mehr als Inflationsausgleich herauskommen soll und Mittel verfügbar sind.

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