Nachhaltig Investieren Den Regenwald retten – mit satter Rendite

Der Markt für Holzinvestments ist in Bewegung. Weil in Deutschland Produkte fehlen, zieht es Finanzdienstleister nach Südamerika. Ein Ortstermin am Amazonas

Vögel über dem brasilianischen Amazonas-Regenwald in der Nähe von Manaquiri, 120 Kilometer von Manaus, Brasilien und Hunderte Kilometer vom Jamari Forest entfernt

Vögel über dem brasilianischen Amazonas-Regenwald in der Nähe von Manaquiri, 120 Kilometer von Manaus, Brasilien und Hunderte Kilometer vom Jamari Forest entfernt

Roberto Waack hat sich die Gummistiefel übergestülpt. »Wegen der Schlangen«, sagt er. Und schon stapft er in den Regenwald und präsentiert seine Produkt. Massaranduba zum Beispiel oder Angelim Vermelho – edles Gehölz für Möbel, Parkett oder Musikinstrumente. Sanft berührt Waack den Stamm einer Louro Gamela. Der gelernte Biologe kennt fast jeden einzelnen Baum in diesem Areal im Jamari Forest, am Südrand des Amazonas nicht weit von der bolivianischen Grenze. Jeden Baum mit einem Durchmesser von mindestens 25 Zentimetern hat er in seinem Computer nach Typ, Größe und Alter aufgelistet – für das Geschäft und für die Natur.

Ein Geschäft, an dem sich auch deutsche Anleger beteiligen können. Waack und seine Firma Amata wollen den Regenwald beschützen vor skrupellosen Holzfällern und illegaler Rodung. »Davon reden andere nur, betreiben aber Monokulturen, die mit Kahlschlag wieder geerntet werden«, sagt der Amata-CEO. Eine Million Hektar will der Brasilianer nachhaltig bewirtschaften, 150.000 hat er schon. Bis zu 130 Millionen Dollar braucht er noch, unglaubliche 315 Prozent Rendite in 14 Jahren verspricht er seinen Investoren. Eine supranationale Bank und eine Staatsbank seien auch interessiert, sagt er. Die Namen könne er noch nicht verraten, aber seine Geschäftspartner und er steckten schließlich selbst auch fünf Millionen in das Projekt, das sie als das »größte Naturwaldschutzprojekt« der Welt bewerben.

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Es ist eines dieser Angebote, wie sie in den vergangenen Jahren den Markt überschwemmen. Weil Chinesen und Inder mit wachsendem Wohlstand auch mehr Holz nachfragen und wir Europäer uns CO₂-neutral für Pelletheizungen erwärmen, rechnet die Welternährungsorganisation FAO bis 2050 mit einem Verbrauchsanstieg von 50 Prozent. Und weil nach wie vor alle 311 Tage Waldfläche in der Größe von Deutschland verschwindet und, wenn wir so weiter machen, laut WWF bis 2030 mehr als die Hälfte des Regenwaldes zerstört sein wird, kreucht und fleucht es auf dem Markt für nachhaltige Waldinvestments, durchforsten immer mehr Finanzdienstleister die Wälder nach Rendite und verkaufen bewirtschaftete Waldparzellen, Baumsparpläne oder ganze Wälder – meist wie Amata über eine Beteiligung an einem geschlossenen Fonds.

Im Gegensatz zu Öl und Gas ist Holz ein klimaneutraler Brennstoff. Im Gegensatz zu Öl und Gas wachsen Bäume nach, wenn man sie lässt. Und im Gegensatz zu Gemüse kann man es sich leisten, sie nur dann zu ernten, wenn Holz teuer ist. Einen Preisverfall von acht Prozent gleicht das Wachstum von acht Prozent in nur einem Jahr wieder aus, der biologische Zins wächst mit jedem Altersring. Die perfekte nachhaltige Geldanlage also mit geringer Korrelation zu Aktien. Der NCREIF Timberland Property Index, mangels Börsenpreis so etwas wie der Dax für Holz, ist im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahren um 15 Prozent gestiegen. Aktien schaffen langfristig gerade mal acht Prozent.

Verlockend gerade in Krisenzeiten, doch sollten Anleger genau überlegen, ob sie ihr Geld 20 oder 30 Jahre lang in Projekte fern der Heimat stecken. Politische Risiken, illegaler Raubbau, Naturkatastrophen, Schädlingsbefall oder einfach nur ein schlampiges Forstmanagement können auch seriös kalkulierte Renditerechnungen durchkreuzen. »Das Problem bei geschlossenen Fonds ist, dass sie Geld einsammeln, um überhaupt erst mal einen Forstbetrieb aufzubauen, und dabei mit Zuwächsen rechnen, die meistens nicht haltbar sind«, sagt Michael Köhl, Leiter des Instituts für Weltforstwirtschaft.

30 Milliarden Dollar sind weltweit in Wald investiert

Vielleicht steckt auch deshalb weltweit rund tausend Mal so viel Geld in Dividendenpapieren als im Wald, nicht einmal 30 Milliarden Dollar sind im globalen Forst investiert. In Deutschland zum Beispiel ist es für Privatanleger kaum möglich, sich an Wald zu beteiligen. Zwar stehen hierzulande 34 Milliarden Bäume, Deutschland hat sogar die größten Holzvorräte Europas. Der Forst aber ist zwischen staatlichen, kommunalen und privaten Besitzern längst verteilt im Land. Und wenn mal ein Stück Wald zum Verkauf steht, verfügt die ortsansässige Gemeinde oder der Besitzer der Nachbarparzelle über ein Vorkaufsrecht, um eine weitere Zersplitterung zu vermeiden. Deshalb hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag sogar vermerkt, sogenannte Betriebsgemeinschaften fördern zu wollen. »Wald lässt sich nun mal erst ab einer Größe von 50 bis 150 Hektar wirtschaftlich betreiben«, sagt Köhl.

Und so fließt das Anlegergeld lieber nach Lateinamerika, angelockt von zweistelligen Jahresrenditen, von der Tatsache, dass Bäume dort drei bis vier Mal so schnell wachsen wie in Deutschland, und vom immergrünen Argument, dass Wald ja wohl nur nachhaltig bewirtschaftet werden könne, wenn er bedroht sei, und das ist er nun mal nicht in Deutschland, wo vor allem in den Privatwäldern mehr Holz nachwächst als gefällt wird. Nun hat zwar Brasiliens Umweltminister Carlos Minc letztes Jahr stolz verkündet, dass im Amazonas so wenig Bäume abgeholzt wurden wie seit 21 Jahren nicht mehr. Die 700.000 Hektar, die ausgerechnet das Nationale Institut für Weltraumforschung (INPE) ermittelt haben will, entsprechen aber immer noch fast achtmal der Fläche Berlins.

Leser-Kommentare
    • otto_B
    • 30.03.2010 um 19:26 Uhr

    "....alle 25 Jahre nur 22 Kubikmeter Holz pro Hektar ......"
    Das ist nicht viel.
    Die Kurzumtriebsplantage bei uns geht in ihrer Erwartung mit 8 Tonnen Trockenmasse pro Hektar und Jahr los,
    und in der Biogasbranche träumt man bei der Maissilage gar von 30. Die Tropen mit ihren ausgelaugten Böden sind nicht besonders produktiv.
    Der Verweis auf die "Pelletheizung" bei uns ist da ein bischen ein Vergleich zwisschen Äpfeln und Birnen.

  1. 8,54 % Rendite pro Jahr - das ist durchaus als üppig zu bezeichnen, die meisten Hegdefonds lachen da jedoch drüber.
    Ich nehme ja mal an, dass die illegale Rodung, der Schädlingsbefall etc. schon eingerechnet sind, so läuft das nämlich normalerweise.

    Trotzdem bezweifle ich, dass nachhaltiges Wirtschaften mit dem gegenwärtigen Finanzsystem überhaupt möglich ist.
    Immerhin scheint sich da ja jetzt mal wieder Anlegemöglichkeiten zu ergebn für die Unmengen an Geld, die auf der Kante liegen.
    Naja, Spekulationsblasen werden wohl trotzdem noch zum Einsatz kommen - sind ja auch viel bequemer.

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    Falsch gerechnet, es sind ja dann mit den 100 % Anlagevermögen insgesamt 415 % nach 14 Jahren.
    Also rund 10,7 % pro Jahr. Das hört sich dann doch irgendwie riskant an.. ;)

    Falsch gerechnet, es sind ja dann mit den 100 % Anlagevermögen insgesamt 415 % nach 14 Jahren.
    Also rund 10,7 % pro Jahr. Das hört sich dann doch irgendwie riskant an.. ;)

  2. Falsch gerechnet, es sind ja dann mit den 100 % Anlagevermögen insgesamt 415 % nach 14 Jahren.
    Also rund 10,7 % pro Jahr. Das hört sich dann doch irgendwie riskant an.. ;)

  3. Die Erfahrung zeigt, dass hohe Renditeerwartungen dem Wald nicht gut tun. Es gab auch mal bei uns ein Zeit, wo der Reinertrag aus Wald das wichtigste Ziel war - Das Ergebnis waren Fichtenmonokulturen, deren Folgen wir bis heute sehen.

    In Prospekten und vom günen Tisch aus läßt sich vieles behaupten. Oft ist m.E. wohl nur der "Anstrich" grün und die Risiken kann man nicht sicher kalkulieren.

    Bei hohen Renditen muss aber irgendwo "gespart" werden, zum Beispiel bei der Wiederaufforstung mit geigneten Pflanzen, qualifiziertem Personal, bodenschonenden Holztransport usw........

    Auch in den Tropen wachsen die Bäume nicht in dem Himmel....

  4. Vermutlich ist es dem Wald ziemlich egal, welche Rendite von ihm erwartet wird. Momentan sieht es so aus, als ob er dem Raubbau des Menschen zum Opfer fiele. So viele Samen dürften indes übrig bleiben, daß er nach dem Rückzug des Menschen von diesem Planeten wieder munter drauf los wachsen darf. Wahrscheinlich werden aber auch ein paar Menschen übrig bleiben. Dann beginnt alles von vorne.
    Oder mit einem großen Urknall, falls am Cern nichts schiefläuft.

  5. Die unabhängige Zeitschrift FINANZTEST berichtete in der Ausgabe 10/2009 über die Waldinvestments. Gut bewertet wurden die Waldfonds von Nordcapital und BaumInvest, sowie die beiden deutschen Direktinvestmentanbieter Miller Investments und Forest Finance.
    Letztere ist der einzige Anbieter mit FSC-Zertifizierung für nachhaltige und sozialverträgliche Forstwirtschaft. Das sichert zudem einen höheren Endverkaufspreis der Hölzer.

    Bei Nordcapital beträgt das Mindestinvestment (inkl. Agio) 15.750 Euro, bei BaumInvest 5.000 Euro und bei Miller Investment 1.500 Euro. Bei Forest Finance kann man bereits ab 30 Euro monatlich beim „Baumsparvertrag“ einsteigen.

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    Wir von BaumInvest begrüßen es sehr, dass die Thematik nachhaltiger Holzinvestments in Printmedien und Internet zunehmend diskutiert wird. Der Markt wird tatsächlich unübersichtlich – und wir sind froh über jeden Kommentar und Hinweis, der den Verbrauchern hilft, seriöse von unseriösen Angeboten zu unterscheiden. Zur Ergänzung des Kommentars von Oliver Storz noch eine Anmerkung zur FSC-Zertifizierung von BaumInvest: In unserem Beteiligungsprospekt haben wir uns ausdrücklich dazu verpflichtet die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Aufforstungen nach den Kriterien des FSC-Standards zertifizieren zu lassen. Dies ist bisher noch nicht erfolgt, weil unsere Grundstücke noch nicht alle vollständig bepflanzt sind. Sobald aber die Pflanzarbeiten abgeschlossen sind und die Zertifizierung nach dem FSC-Standard möglich und sinnvoll ist, werden wir diese umgehend in die Wege leiten. Ein Voraudit ist noch in diesem Jahr geplant. Aktuell wird ein erstes Teilgrundstück nach dem CarbonFix Standard für CO2-Zertifikate validiert. Dieser Standard stellt vergleichbare Anforderungen hinsichtlich der ökologischen und sozialen Aspekte eines Aufforstungsprojektes, wie der FSC, sodass eine erfolgreiche Zertifizierung nach diesem Standard auch eine erfolgreiche Zertifizierung nach dem FSC-Standard erwarten lässt.

    Wir von BaumInvest begrüßen es sehr, dass die Thematik nachhaltiger Holzinvestments in Printmedien und Internet zunehmend diskutiert wird. Der Markt wird tatsächlich unübersichtlich – und wir sind froh über jeden Kommentar und Hinweis, der den Verbrauchern hilft, seriöse von unseriösen Angeboten zu unterscheiden. Zur Ergänzung des Kommentars von Oliver Storz noch eine Anmerkung zur FSC-Zertifizierung von BaumInvest: In unserem Beteiligungsprospekt haben wir uns ausdrücklich dazu verpflichtet die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Aufforstungen nach den Kriterien des FSC-Standards zertifizieren zu lassen. Dies ist bisher noch nicht erfolgt, weil unsere Grundstücke noch nicht alle vollständig bepflanzt sind. Sobald aber die Pflanzarbeiten abgeschlossen sind und die Zertifizierung nach dem FSC-Standard möglich und sinnvoll ist, werden wir diese umgehend in die Wege leiten. Ein Voraudit ist noch in diesem Jahr geplant. Aktuell wird ein erstes Teilgrundstück nach dem CarbonFix Standard für CO2-Zertifikate validiert. Dieser Standard stellt vergleichbare Anforderungen hinsichtlich der ökologischen und sozialen Aspekte eines Aufforstungsprojektes, wie der FSC, sodass eine erfolgreiche Zertifizierung nach diesem Standard auch eine erfolgreiche Zertifizierung nach dem FSC-Standard erwarten lässt.

    • zYcx
    • 31.03.2010 um 10:18 Uhr

    Es ist schon erbärmlich, dass wir angeblichen Umweltschutz über den Markt regeln wollen. Fängt mit Emissionszertifikaten an, geht mit Wasser weiter, da darf der Wald natürlich auch nicht fehlen. Dem Umweltschutz und den betroffenen Menschen hilft das kaum, eigentlich geht es mal wieder um globale Umverteilung durch die Hintertür!

  6. Es ist nicht erbärmlich, sondern systembedingt, das Umweltschutz auch über "den Markt" geregelt wird.
    Wenn der Staat nicht kostenlose Güter wie saubere Luft, Grundwasser oder CO2 besteuert und mit Preisen bewertet, werden sie verschwendet, verschmutzt oder verbraucht.

    Zudem ist nachhaltige Waldbewirtschaftung oder Aufforstung alles andere als "Umverteilung" oder "angeblicher Umweltschutz", der "den betroffenen Menschen nicht hilft".

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