Als die Glamour-Fotografin Annie Leibovitz vor zweieinhalb Jahren die britische Queen fotografierte, wurde das Ergebnis mit großer Selbstverständlichkeit aufgenommen. Als dagegen in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass Gerhard Richter den schnauzbärtigen Kölner Ex-Oberbürgermeister Fritz Schramma abgebildet hatte, war das Ergebnis großes Staunen: Ausgerechnet dem gescheiterten Lokalpolitiker sollte es gelungen sein, den bedeutendsten deutschen Maler zu einer Auftragsarbeit überredet zu haben?

Dabei ist es mehr als nur ein fotografisches Porträt, das Gerhard Richter im Foyer des Kölner Rathauses der Öffentlichkeit vorstellte. Seine Schramma-Darstellung ist vor allem eine Einladung zum Diskurs darüber, ob Auftragsarbeiten in der Kunst noch zeitgemäß sein können. Er habe sich, als die Anfrage kam, an die Anfänge der Malerei erinnert, sagt Richter. Die ersten Tafelbilder seien Aufträge von Kirchen, Fürsten, Mäzenen gewesen: »Davon hat sich die Malerei inzwischen weit wegkatapultiert. Ein Bild besteht heute nur noch aus Freiheit.« Gerade deshalb habe es ihn aber gereizt, einen Auftrag anzunehmen: »Das ist das Gegenteil von freiem, autonomem Künstlertum.«

Tatsächlich ist das gemalte Porträt die klassische Bildgattung, die sich nach dem Krieg am schlechtesten von ihrem Missbrauch erholt hat. Während sie anderswo das Wesen des Dargestellten wiedergeben durfte, beschränkte sich das Porträt deutscher Politiker und Prominenter im Wesentlichen auf das Ziel physiognomische Ähnlichkeit. Nur wenige widersetzen sich dem – und stießen auf Widerstand. Als sich etwa Willy Brandt für die Porträtgalerie im Kanzleramt 1977 von Georg Meistermann abstrakt malen ließ, tauschte Helmut Kohl das Bild sechs Jahre später gegen eine langweiligere gegenständlichere Fassung von Oswald Petersen aus. An seine selbstverständliche Tradition hat das Auftragsporträt in Deutschland nicht wieder anknüpfen können.

Ironie lautete seitdem oft die Antwort ernst zu nehmender Gegenwartskünstler auf Porträtaufträge. Jörg Immendorff entzog sich der Aufgabe eines Schröder-Bildnisses fürs Kanzleramt durch Flucht ins Pathos. C.O. Paeffgen gab schon 1983 den damaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau nur noch als Umrisszeichnung wieder. Als Gerhard Richter 1970 dessen Amtsvorgänger Heinz Kühn in einem Birkengarten porträtierte, malte er ihn noch in Öl, stellte durch Verwischung aber klar, dass es sich nur um ein Bild handelt und nicht um die Wirklichkeit. 2004 fand das auf eine Million Dollar geschätzte Diptychon bei einer Auktion keinen Käufer.