Bankenabgabe Cash gegen Crash

Wieso Sparkassen und Volksbanken die Bankenabgabe zahlen sollten

Voller Saal: Zahlreiche durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers Geschädigte warteten im Januar auf die Verhandlung des Falls im Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg

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Warum werden Sparkassen und Volksbanken eigentlich von der geplanten Bankenabgabe ausgenommen? In der kommenden Woche will die Bundesregierung eine milliardenschwere Zwangszahlung verabschieden, mit der sie die Verursacher der Krise zur Kasse bittet. Das Geld kommt in einen Sondertopf, aus dem künftige Bankenrettungen finanziert werden. Das klingt zupackend und vernünftig, schließlich soll die Abgabe so gestaltet sein, dass vor allem private Geschäftsbanken zahlen. Waren es nicht deren Investmentbanker, die immer gefährlichere Finanzprodukte entwickelten und damit am Ende fast das gesamte System in den Abgrund rissen? Wer so argumentiert, hält Sparkassen und Volksbanken für ungefährlich.

Wahr ist: Sparkassen und Volksbanken kümmern sich hierzulande vor allem ums biedere banking, sie geben Sparbücher aus und gewähren mehr Kleinkredite als andere. Bloß: Waren es nicht die Sparkassen, die als Miteigentümer der Landesbanken zusahen, wie diese international zockten? Wenn die Bankenabgabe tatsächlich die Verursacher der Krise treffen soll, dann müssen die Sparkassen ebenfalls zahlen.

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Auch im täglichen Geschäft haben die angeblichen Gutbanken versagt. Die Investmentbanken mögen provisionsgetriebene Entwicklungsmaschinen sein. Sparkassen und Volksbanken aber sind gut geölte Vertriebsmaschinen, die auch davon leben, ebenjene Finanzprodukte zu verkaufen, die irgendwo auf der Welt entwickelt wurden. Auch Sparkassen und Volksbanken legten ihren Kunden Zertifikate von Lehman Brothers ins Depot.

Rund 20 Milliarden Euro, schätzt das Verbraucherministerium, verlieren Anleger jedes Jahr, weil sie schlecht beraten werden – von allen Geldhäusern. Doch darum kümmert sich die Regierung nicht. Auf die Bankenabgabe einigte man sich schnell. Der wirksame Schutz vor Falschberatung aber scheitert am Zuständigkeitswirrwarr zwischen Finanz-, Justiz- und Verbraucherministerium.

 
Leser-Kommentare
  1. Nadel vor den NRW-Wahlen - und hinterher??

  2. winner's cool blog - Sie haben eine hohe Sicherheit, man geht bei Sparkassenprodukten nur pleite, wenn man auf risikoreiche Anlagen setzt, die aber nur ganz bedingt im Angebot sind. Sie sind letztendlich auch eine semistaatliche Einrichtung. Hohe Anforderungen, geringes Risiko. Sparkassengeschädigte in Sachen Anlage sind selten. Volksbanken sind genossenschaftlich organisiert und haben auch eine hohe Sicherheitsorientierung. Aber erklärt das vollends, dass sie nicht zahlen müssen?

  3. Gibt es schon.
    Es unser Steuersystem.
    Viele bezahlen ehrlich ihre Steuern.
    Wenige spekulieren und lassen sich die Verluste von der Mehrheit der Ehrlichen bezahlen.
    Funktioniert.
    Wie man sieht.

    • Sredna
    • 24.03.2010 um 21:39 Uhr

    Musste in der aktuellen Krise auch nur eine einzige Sparkasse oder VoBa mit Steuergeldern gerettet werden? Ist eine solche Bank überhaupt jemals pleite gegangen?

    Und selbst wenn Sparkassen miteigentümer der Landesbanken sind. Dann sollen die Landesbanken die Abgaben bezahlen, aber nicht die Sparkasse.

    Außerdem gehen die Gewinne der Sparkassen, soweit sie nicht für das Sicherungssystem genutzt werden, zumeist sowieso an ihren Träger (d.h. eine Stadt, ein Kreis o.Ä.) und/oder werden für gemeinnützige Zwecke verwendet oder in Stiftungen investiert, was letztlich wieder dem Steuerzahler zugute kommt.

    Fazit: Das Risiko, dass Sparkassen und Volksbanken Hilfe brauchen, also den Sicherungstopf überhaupt in Anspruch nehmen, ist denkbar gering, wenn nicht unmöglich - würden sie bezahlen, würden sie nur Privatbanken, die weniger Verantwortungsvoll wirtschaften, für lau mitunterstützen.

  4. Ich persönlich bin von meiner Sparkasse genauso hereingelegt worden, wie es jeder windigen Investmentbank zur Ehre gereicht hätte, und zwar unter Anwendung von Vertriebsmethoden, die ich im Nachhinein als im höchsten Maße unredlich, um nicht zu sagen als betrügerisch empfunden habe. Und dabei handelte es sich nicht um einen "Kleinbetrag". Es gibt meiner Meinung nach keinen Grund, die Sparkassen von der Bankenabgabe auszunehmen.

  5. Das Prinzip ist doch ganz einfach. Funktioniert wie die Krankenkasse und die Steuern, jeder muss zahlen, basta. Kann doch nicht so schwer sein, oder?

    Zocken tun sie schlussendlich alle, inkl. Sparkassen. Leider. Und der nächste Crash kommt nicht irgendwann, sondern bis max. in einem Jahr. Da verwette ich ein Tausender gegen einen Café Crème.

  6. Der Fisch stinkt doch vom Kopf her. Wie kann das sein, dass nur Anlagen gefördert werden, die mindestens 30% Provisionskosten tragen??? Warum können nicht Anlagen wie Bundeswertpapiere kurzer Laufzeit (geringes Risiko = geringe Rendite)oder Aktienpakete (hohes Risiko = hohe Rendite)z.B. über entsprechend geförderte Depotarten steuerlich begünstigt werden? Warum muss der Staat definieren, was eine Vorsorgeanlage ist, und was nicht? Liegt das nicht auch in der Verantwortung jedes Bürgers? Wenn ich glaube, dass Holzklötzchen die Anlage der Zukunft sind, habe ich dafür vielleicht meine Gründe.

    Die gegenwärtige Förderlandschaft ist eigentlich nur aus einer totalen Vereinnamung des Staates durch die Lobbyisten der Versicherungswirtschaft (und entsprechend unfähige Politiker) zu erklären. Wer wundert sich da über Protestwähler?

  7. "Das ist ihr noch nicht gelungen." in der Unterüberschrift soll ja wohl implizieren, dass die damen und herren ersthaft versucht hätten, uns zu schützen vor den kriminellen Machenschaften der "Finanzindustrie".
    Für wie blöd sollen wir denn noch gehalten werden?

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